Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Anthroposophical Guiding Principles
GA 26

Translate the original German text into any language:

Aphorismen aus einem am 24. August in London gehaltenen Mitgliedervortrag

Aphorisms from a Lecture Given by Members in London on August 24

[ 1 ] Das menschliche Bewußtsein entwickelt im gegenwärtigen Weltstadium seiner Entwickelung drei Formen, das wachende, das träumende und das traumlos schlafende Bewußtsein.

[ 1 ] Human consciousness develops three forms in the present world stage of its evolution, the waking, the dreaming and the dreamless sleeping consciousness.

[ 2 ] Das wachende erlebt die sinnenfällige Außenwelt, bildet über diese Ideen und kann aus diesen Ideen heraus solche gestalten, welche eine rein geistige Welt abbilden. Das träumende Bewußtsein entwickelt Bilder, welche die Außenwelt umformen, zum Beispiel an die in das Bett scheinende Sonne das Traumerlebnis einer Feuersbrunst mit vielen Einzelheiten knüpfen. Oder es stellt die menschliche Innenwelt in symbolischen Bildern vor die Seele, zum Beispiel das stark pochende Herz im Bild eines überheizten Ofens. Auch die Erinnerungen leben umgestaltet im Traumbewußtsein auf. Dazu kommen Inhalte solcher Bilder, die nicht der Sinneswelt entnommen sind, sondern der geistigen, die aber nicht die Möglichkeit bieten, in die geistige Welt erkennend einzudringen, weil ihr Dämmersein nicht ganz in das Wachbewußtsein sich heben läßt, und weil, was in dieses herüberspielt, nicht wahrhaft ergriffen werden kann.

[ 2 ] The waking consciousness experiences the sensory external world, forms ideas about it and can create from these ideas those that depict a purely spiritual world. The dreaming consciousness develops images that reshape the external world, for example linking the dream experience of a conflagration with many details to the sun shining into the bed. Or it presents the human inner world to the soul in symbolic images, for example the strongly pounding heart in the image of an overheated oven. Memories are also reshaped in the dream consciousness. In addition, there are contents of such images that are not taken from the sensory world, but from the spiritual world, but which do not offer the possibility of penetrating the spiritual world in a recognizing way, because their dimness cannot be completely lifted into the waking consciousness, and because what plays over into this cannot be truly grasped.

[ 3 ] Es ist aber möglich, von der Traumwelt unmittelbar im Erwachen so viel zu erfassen, daß man gewahr wird, wie sie der unvollkommene Abdruck eines geistigen Erlebens ist, das den Schlaf erfüllt, aber dem Wachbewußtsein sich zum weitaus größten Teile entzieht. Es ist nur nötig, um das zu durchschauen, den Augenblick des Erwachens so zu gestalten, daß dieses nicht mit einem Schlage die Außenwelt vor die Seele zaubert, sondern daß die Seele, ohne noch nach außen zu schauen, sich dem innen Erlebten hingegeben fühlt.

[ 3 ] But it is possible to grasp so much of the dream world immediately upon waking that one becomes aware of how it is the imperfect imprint of a spiritual experience that fills sleep but eludes waking consciousness for the most part. In order to see through this, it is only necessary to shape the moment of awakening in such a way that it does not suddenly conjure up the outside world before the soul, but that the soul, without looking outwards, feels devoted to what is experienced within.

[ 4 ] Das traumlose Schlafbewußtsein läßt die Seele Erlebnisse durchmachen, die in der Erinnerung nur als unterschiedsloses Einerlei der Zeit-Erfüllung erscheinen. Man wird von diesen Erlebnissen so lange als von etwas gar nicht Vorhandenem sprechen können, solange man nicht durch geisteswissenschaftliche Forschung in sie eindringt. Geschieht dies aber, entwickelt man auf die in der anthroposophischen Literatur gegebene Art das imaginierte und inspirierte Bewußtsein, dann treten aus der Finsternis des Schlafes die Bilder und die Inspirationen von Erlebnissen früheren Erdendaseins hervor. Und dann kann man auch den Inhalt des Traumbewußtseins überschauen. Er besteht in einem vom Wachbewußtsein nicht zu ergreifenden Inhalt, der in diejenige Welt verweist, in welcher der Mensch zwischen zwei Erdenleben als unverkörperte Seele verweilt.

[ 4 ] The dreamless sleep consciousness allows the soul to undergo experiences that appear in memory only as an indiscriminate monotony of time fulfillment. One will be able to speak of these experiences as something that does not exist as long as one does not penetrate them through spiritual scientific research. But if this happens, if one develops the imagined and inspired consciousness in the way given in the anthroposophical literature, then the images and inspirations of experiences of earlier earthly existence emerge from the darkness of sleep. And then one can also survey the content of dream consciousness. It consists of a content that cannot be grasped by the waking consciousness, which refers to the world in which the human being dwells between two earthly lives as an unembodied soul.

[ 5 ] Lernt man kennen, was für die gegenwärtige Weltenphase das Traum- und das Schlafbewußtsein verbergen, dann wird der Weg eröffnet auf die Entwickelungsformen des menschlichen Bewußtseins in der Vorwelt. Man kann dazu allerdings nicht durch die äußere Forschung gelangen. Denn die erhaltenen äußeren Zeugnisse bringen nur Nachwirkungen von vorgeschichtlichen Erlebnissen des menschlichen Bewußtseins. Die anthroposophische Literatur bringt Aufschlüsse darüber, wie man durch geistige Forschung zur Anschauung von solchen Erlebnissen gelangen kann.

[ 5 ] If one learns what the dream and sleep consciousness conceal for the present world phase, then the path is opened to the developmental forms of human consciousness in the pre-world. However, one cannot arrive at this through external research. For the external testimonies that have been preserved only bring the after-effects of prehistoric experiences of human consciousness. The anthroposophical literature provides information on how one can arrive at an understanding of such experiences through spiritual research.

[ 6 ] In der alten Zeit Ägyptens findet diese Forschung ein Traumbewußtsein, das dem Wachbewußtsein viel nähersteht, als das jetzt beim Menschen der Fall ist. Die Traumerlebnisse strahlten erinnerungsgemäß in das Wachbewußtsein herüber; und dieses lieferte nicht bloß die in scharf konturierte Gedanken zu fassenden Sinneseindrücke, sondern verbunden mit diesen das Geistige, das in der Sinneswelt wirkt. Dadurch stand der Mensch mit seinem Bewußtsein instinktiv in der Welt darinnen, die er bei seiner Erdenverkörperung verlassen hat und die er wieder betreten wird, wenn er durch die Todespforte geschritten sein wird.

[ 6 ] In ancient Egypt, this research finds a dream consciousness that is much closer to the waking consciousness than is the case with humans today. The dream experiences radiated through memory into the waking consciousness; and this not only provided the sensory impressions that could be grasped in sharply contoured thoughts, but connected with these the spiritual that works in the sensory world. Thus man stood with his consciousness instinctively in the world which he left during his incarnation on earth and which he will enter again when he has passed through the gate of death.

[ 7 ] Die erhaltenen Schrift-Denkmäler und anderes geben dem, der unbefangen in ihren Inhalt eindringt, deutliche Nachbilder eines solchen Bewußtseins, das einer Zeit angehört, aus der äußere Denkmäler nicht vorhanden sind.

[ 7 ] The surviving scriptural monuments and other things give those who penetrate their contents impartially clear afterimages of such a consciousness, which belongs to a time from which there are no external monuments.

[ 8 ] Das Schlafbewußtsein der ägyptischen Urzeit enthielt Träume der geistigen Welt in einer ähnlichen Art, wie das gegenwärtige Träume aus der physischen Welt enthält.

[ 8 ] The sleep-consciousness of Egyptian prehistoric times contained dreams of the spiritual world in a similar way as the present one contains dreams from the physical world.

[ 9 ] Bei ändern Völkern findet man aber noch ein anderes Bewußtsein. Der Schlaf strahlte seine Erlebnisse in das Wachen herüber, und zwar so, daß in diesem Herüberstrahlen eine Anschauung der wiederholten Erdenleben instinktiv vorhanden war. Die Traditionen von der Erkenntnis der wiederholten Erdenleben durch die Urmenschen entstammen diesen Bewußtseins-Formen.

[ 9 ] A different kind of consciousness is found among different peoples. Sleep radiated its experiences into waking life in such a way that in this radiation there was an instinctive perception of repeated earthly lives. The traditions of the recognition of repeated earth lives by primitive man originate from these forms of consciousness.

[ 10 ] Man findet, was in alten Zeiten an Traumbewußtsein dämmerhaft instinktiv vorhanden war, in der entwickelten imaginativen Erkenntnis wieder. Nur ist es bei dieser vollbewußt wie das Wachleben.

[ 10 ] The dream consciousness that was dimly and instinctively present in ancient times is found again in developed imaginative cognition. Only with this it is fully conscious like waking life.

[ 11 ] Und man wird durch die inspirierte Erkenntnis ebenso die vorzeitliche instinktive Einsicht gewahr, die noch etwas von den wiederholten Erdenleben sah. Auf diese Verwandlung der menschlichen Bewußtseinsformen geht die heutige Menschheitsgeschichte nicht ein. Sie möchte gerne glauben, daß im wesentlichen die gegenwärtigen Bewußtseinsformen immer vorhanden waren, solange es eine Erdenmenschheit gibt.

[ 11 ] And through inspired cognition one also becomes aware of the premortal instinctive insight, which still saw something of the repeated earth lives. Today's human history does not address this transformation of human forms of consciousness. It would like to believe that essentially the present forms of consciousness have always been present as long as there has been an earthly humanity.

[ 12 ] Und was doch auf solche andere Bewußtseinsformen hinweist, die Mythen und Märchen, möchte man als den Ausfluß der dichtenden Phantasie des Urmenschen ansehen.

[ 12 ] And what nevertheless points to such other forms of consciousness, the myths and fairy tales, one would like to regard as the outflow of the poetic imagination of primitive man.



Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft vom Goetheanum ausgesendet werden

Further guiding principles sent out by the Goetheanum for the Anthroposophical Society

[ 13 ] 88. Im wachen Tagesbewußtsein erlebt sich im gegenwärtigen Weltenalter der Mensch als innerhalb der physischen Welt stehend. Dieses Erleben verbirgt ihm, daß innerhalb seiner eigenen Wesenheit die Wirkungen eines Lebens zwischen Tod und Geburt vorhanden sind.

[ 13 ] 88. In the waking day-consciousness man experiences himself in the present world-age as standing within the physical world. This experience conceals from him that the effects of a life between death and birth are present within his own being.

[ 14 ] 89. Im Traumbewußtsein erlebt der Mensch in chaotischer Art das eigene Wesen mit dem Geisteswesen der Welt unharmonisch vereint. Das Wachbewußtsein kann den eigentlichen Inhalt dieses Traumbewußtseins nicht ergreifen. Es enthüllt sich dem imaginativen und inspirierten Bewußtsein, daß die Geistwelt, die der Mensch zwischen Tod und Geburt durchlebt, an dem Aufbau seines Innenwesens beteiligt ist.

[ 14 ] 89. In dream consciousness man experiences his own being united in a chaotic way with the spiritual being of the world. The waking consciousness cannot grasp the actual content of this dream consciousness. It reveals itself to the imaginative and inspired consciousness that the spirit world, which man experiences between death and birth, is involved in the construction of his inner being.

[ 15 ] 90. Im traumlosen Schlafbewußtsein erlebt der Mensch ohne eigene Bewußtheit das eigene Wesen als durchdrungen mit den Ergebnissen vergangener Erdenleben. Das inspirierte und intuitive Bewußtsein dringt zur Anschauung dieser Ergebnisse vor und sieht das Wirken voriger Erdenleben in dem Schicksalsverlauf (Karma) des gegenwärtigen.

[ 15 ] 90. In dreamless sleep consciousness, man experiences his own being as permeated with the results of past earthly lives without his own consciousness. The inspired and intuitive consciousness penetrates to the contemplation of these results and sees the work of previous earth lives in the course of destiny (karma) of the present one.