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The Rudolf Steiner Archive

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Natur- und Geistwesen
ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt
GA 98

8 Februar 1908, Stuttgart

13. Über einige übersinnliche Tatsachen und Wesenheiten

[ 1 ] Heute wollen wir uns einmal einige Einzelheiten aus der okkulten Welt vor Augen führen. Manches von dem, was heute zu sagen ist, soll sich anschließen an die Betrachtung, die wir das letzte Mal hier gepflegt haben; manches soll Ihren Blick erweitern nach derjenigen Richtung hin, die ja schon das letzte Mal eingeschlagen worden ist, daß man immer und immer mehr sieht, wie der Raum um uns herum durchlebt und durchgeistigt ist von übersinnlichen Tatsachen, von übersinnlichen Wesenheiten. Wir haben das letzte Mal in unserer Betrachtung gesehen, wie die verschiedenen Reiche — das mineralische, das pflanzliche und das tierische Reich - um uns herum Wesenheiten enthalten, die wir nennen können Gruppen-Iche. Wir haben ausgeführt, wie der Tierwelt Gruppen-Iche zugrunde liegen, wie diese Gruppen-Iche als abgeschlossene Individualitäten, man könnte sagen, als Persönlichkeiten, auf dem astralischen Plane zu finden sind, wie sie sozusagen die Erde umkreisen. Wir haben gesehen, wie die pflanzlichen Iche im Mittelpunkt der Erde sind und wie wir von den Gruppen-Ichen der Mineralien keinen bestimmten Ort angaben, weil diese sich in höheren Partien des Devachan aufhalten. Daraus schon haben Sie gesehen, daß fortwährend um uns herum Wesenheiten sind, die wir immer sozusagen durchschreiten, die in uns eindringen, die in demselben Raume leben wie wir. Das, was zum Beispiel eine tierische Gruppenseele ist, was einer ganzen Gruppe gleichgestalteter Tiere angehört, kann durch uns hindurchgehen. Denn im Astralischen herrscht das Gesetz der Durchdringung, der Durchgängigkeit, im Gegensatz zu unserer physischen Welt, wo das Gesetz der Undurchdringlichkeit herrscht.

[ 2 ] Nun möchte ich zuerst zur Erweiterung dessen, was damals gesagt wurde, eine Art Notiz geben. Sie haben damals gesehen, daß wir uns die Wurzel der Pflanze als deren Kopf zu denken haben, der in der Erde steckt; dann wächst der Stengel heraus, der Blatt nach Blatt entwickelt und so weiter. Im Mittelpunkte der Erde würden wir, schematisch dargestellt, die Gruppen-Iche der Pflanzen zu suchen haben. Das, was wir von der Pflanze mit unseren Augen sehen, ist ja der physische Leib der Pflanze. Dieser ist eingebettet in das, was wir den Ätherleib der Pflanzen nennen. Was für eine Eigenschaft hat dieser Ätherleib der Pflanze? Alles, was wir als Ätherleib kennen, hat das Charakteristikum, das Merkmal der Wiederholung. Wo der Ätherleib als solcher tätig ist, herrscht das Prinzip der Wiederholung. Wir sehen, wie bei der Pflanze sich Blatt auf Blatt wiederholt. Warum? Weil dieser Wiederholung die Kraft des Ätherleibes zugrunde liegt. Auch im Menschen herrscht dieses Prinzip des Ätherleibes. Wir finden es zum Beispiel in seiner Wirbelsäule, wo Ring für Ring sich ansetzt. Wenn nun der Hellsichtige die Pflanze in ihrer Vollständigkeit betrachtet, so sieht er allerdings in der ganzen Pflanze den Ätherleib zugrunde liegen, aber oben wird die Pflanze wie von einer Hülle astraler Wolken umkleidet, so daß wir den physischen Leib der Pflanze, bestehend aus Wurzeln, Blättern und so weiter, durchtränkt sehen mit dem Ätherleib und oben umglüht von einer Art Glimmlicht, vom astralischen Licht. Und dieses Astralische, was auf die Pflanze wirkt, bewirkt ihren Abschluß in der Blüte und Frucht. Würde nur der Ätherleib wirken, dann würde die Pflanze endlos Blatt für Blatt entfalten; durch den Astralleib wird das zum Abschluß gebracht. Der Ätherleib wird sozusagen abgedämpft durch das Astralische. Das Ich der Pflanze können wir hellseherisch sehen wie eine Scheide, die nach dem Mittelpunkt der Erde geht.

[ 3 ] Wenn Sie die Pflanze von außen verfolgen, haben Sie nur zunächst physischen und Ätherleib. Das, was die Pflanze umglüht, gehört der astralischen Atmosphäre der ganzen Erde an. Sie sehen also, wie das Geistige unseren Erdball umspült. Dasjenige, was Sie selber als Wirkung des Ätherleibprinzipes in sich haben, ist die Aufeinanderfolge der Rückenmarkswirbel. Sie wird dadurch zum Abschluß gebracht, daß die Wirbelsäule von dem mächtig eingreifenden Astralischen umgeben ist. Durch die Entfaltung des Astralleibes schließen sich die Rückenmarkswirbel ab zu Gehirnknochen. So würden Sie überhaupt überall in der Welt das Zusammenwirken des Ätherischen mit dem Astralischen zu verfolgen haben. Es liegt dem ein Mysterium zugrunde, das Geheimnis, daß alles Lebendige durch das Astralische gedämpft, gleichsam getötet werden muß. Diese Tötung im Astralischen ist so, daß das Ätherische einen Abschluß findet. Wenn wir sie uns als Kraftwirkung vorstellen, wird sie als Azot bezeichnet. Geistig gedacht, bedeutet Azot jene Kraft im Kosmos, die verhindert, daß das Ätherische mit einer üppigen Gewalt sich entfaltet, ohne daß es je zum Abschluß kommt. Daß das Lebendige zum Bewußtsein aufgerufen wird, dem liegt die Kraft des Azot zugrunde; denn ohne Astralisches gäbe es kein Bewußtsein.

[ 4 ] Alles was geistig ist, hat auch seinen Ausdruck im Physischen; wie aller physische Stoff für den geistigen Betrachter nichts anderes ist als die Verkörperung des Geistigen gleichsam. Wir haben jetzt, geistig gesprochen, das Zusammenwirken des immer und immer sich entwickelnden Ätherischen und des Astralischen, das das Ätherische aufhält, gesehen, und im Aufhalten ist das Bewußtsein enthalten. Den physischen Ausdruck nun für Menschen und Tiere finden Sie, wenn Sie das Zusammenwirken beobachten der zwei in unserer Luft enthaltenen Substanzen: Sauerstoff und Stickstoff. Sauerstoff ist in unserer Luft die Verkörperung des Ätherischen, des großen Lebensleibes der Erde. Würden Sie nur Sauerstoff atmen, dann würden Sie sich in einem vehementen Leben verzehren, Sie würden sozusagen gleich nach der Geburt alt sein. Das Bewußtsein als solches würde sich nicht so entwickeln können, wie es im Menschen und Tiere da ist. Da muß das sich entwickelnde Leben, das Sauerstoffprinzip, gedämpft werden. Es wird gedämpft durch Beimischung des Stickstoffes. Der regelt und begrenzt die Wirkung des Sauerstoffes. Würden Sie nur Stickstoff einatmen, dann würden Sie sogleich sterben. Das Zusammenwirken von beiden bewirkt die Balance, die das Leben abdämpft, so daß es bewußt werden kann. Die physische Verkörperung von Azot ist die Kraft, welche im Stickstoff ihren Ausdruck findet. So lernen Sie die geistigen Hintergründe dessen kennen, was Sie fortwährend in sich hineinnehmen und von sich geben.

[ 5 ] Sie haben nun ein Beispiel davon, daß alles Leben dadurch entsteht, daß eine Balance zwischen einander entgegenstrebenden Gewalten herbeigeführt wird. Dieses Gleichgewicht zwischen zwei Mächten sehen wir auch im großen Weltall, in unserem Sonnensystem zum Beispiel. Und da kommen wir auf ein Kapitel, wo wir darauf hinweisen können, daß unser Sonnensystem nicht nur eine Reihe von Körpern physischer Substanz darstellt, sondern daß alle diese Körper, die zu unserem System gehören, im Physischen nur einen Ausdruck eines Geistigen haben. So wie Sie einen physischen Leib haben, der zu einer Seele gehört, so gehört jeder planetarische Körper zu einem Seelischen und einem Geistigen, und sehr verschieden sind die geistigen Glieder der einzelnen Weltkörper. Wenn man unsere Erde hellseherisch von außen betrachten könnte, so würde man nicht nur Felsen und so weiter aus materiellem Stoff wahrnehmen und dazwischen tierische und menschliche Gestalten einherwandern sehen, sondern man würde vor allen Dingen Gruppenseelen der Pflanzen, der Tiere und so weiter sehen. Das ist schon eine geistige Bevölkerung unserer Erde. Der Hellseher würde ferner die einzelnen Individualseelen der Menschen, die Volksseele und so weiter sehen. Sie müssen sich überhaupt den Geist eines Himmelskörpers nicht etwa nur so einfach vorstellen, daß Sie sich im Raume eine Kugel denken, die einen Geist und eine Seele hat, sondern daß eine ganze geistige Bevölkerung, die ein Ganzes ausmacht, diesen Himmelskörper bewohnt. Und alle diese einzelnen Geister, Gruppenseelen und so weiter, stehen wiederum unter einem Anführer, wie wir es nennen können, und alles dies zusammen entspricht dem gesamten Geist unserer Erde, demjenigen, was wir den Erdgeist nennen.

[ 6 ] Unser Bestreben ist es, immer besser und besser in die Einzelheiten des geistigen Lebens eines Planeten einzudringen. Schon aus diesen Andeutungen werden Sie ersehen, daß das geistige Leben eines Planeten kompliziert ist. Sie müssen Geduld haben, wir kommen immer ein Stück weiter.

[ 7 ] Wir werden heute unser Planetensystem ein Stück weiter verfolgen können, wenn wir uns erinnern, daß unsere Erde nicht immer so gewesen ist, wie sie jetzt ist. Sie ist in langsamer Entwickelung erst so geworden. Sie wissen, daß die Erde, bevor sie Erde wurde, ein anderer Planet war. Wir nennen die frühere Verkörperung unserer Erde den alten Mond. Das ist nicht unser heutiger Mond, der ist nur ein abgetrennter Teil davon. Noch früher war die Erde das, was wir den Sonnenplaneten nennen. Wiederum ist damit nicht die heutige Sonne gemeint. Und noch früher war unsere Erde Saturn. Wie verhält sich nun unsere heutige Sonne zur alten Sonne, als unsere Erde noch Sonne war?

[ 8 ] Die Stellung der Sonne war im Weltenraume noch nicht so, wie sie heute ist, denn damals gab es noch keine von der Erde abgetrennte Sonne. Das, was Sie alle damals waren, das, was die Vorbereitung war zu dem jetzigen physischen, ätherischen und astralischen Leib, das lebte in dieser alten Sonne selbst darin. Auf dem Saturn war ja die erste Anlage zum physischen Leib gegeben worden, auf der Sonne die Anlage zum Ätherleib, auf dem Mond diejenige zum Astralleib und auf der Erde kommt dann das Ich dazu. Wenn Sie das zusammenhalten mit dem jetzigen Zustand, dann werden Sie verstehen, wie Sie auf der alten Sonne gelebt haben. Ihr Leben bestand nur aus physischem und Ätherleib, Ihr Ich war noch nicht im Leibe und auch nicht Ihr Astralleib. Wenn Sie sich das alte Sonnenleben vorstellen wollen, so bekommen Sie eine Idee davon, wenn Sie sich denken, daß Sie alle hier plötzlich einschlafen würden. Dann würden auf den Stühlen sitzenbleiben der physische und der Ätherleib und über Ihnen würden schweben der astralische Leib und Ihr Ich. Das war andauernd der Sonnenzustand. So war es auf der alten Sonne. Sie selbst, Ihrem Ich und dem Astralleib nach, umschwebten die Sonne und regierten und leiteten von oben das, was da unten war. Natürlich war Ihr physischer Leib nicht so wie heute. Eine Vorstellung davon, wie damals Ihr physischer Leib beschaffen war, bekommen Sie, wenn Sie sich ihn nach der Art der heutigen Pflanze vorstellen; Fleisch im heutigen Sinne gab es noch nicht. Es war eine Art von Pflanzenleben, was Sie hatten. Aber es konnte unmöglich diese Sonne eine solche Gestalt behalten, da hätte nie eine Erde mit solchen Menschen entstehen können, wie Sie es heute sind.

[ 9 ] Bei dem Übergang zum Monde mußten diejenigen Wesenheiten, welche dieses Sonnendasein ertragen konnten, sich abspalten von der Erde, denn dieses Sonnendasein war ein rasches, schnellebiges. Und so kam es, daß die Sonne mit denjenigen Substanzen, welche ein schnelles, sich überstürzendes Leben nötig machten, sich abtrennte von der Erde. Die Sonne nahm also mit sich die sich rasch entwickelnden Substanzen und Wesenheiten und die Erde blieb zurück mit denjenigen Wesenheiten, die das rasche Tempo nicht mitmachen konnten. Und unter diesen Wesenheiten befand sich der Mensch. Das, was auf der alten Sonne das Beste war an Wesen und Substanzen, ist ausgetreten und hat sich verselbständigt. Wir sehen in der heutigen Sonne, in den feurigen, gasförmigen Massen, die Leiber hocherhabener Wesenheiten, die weit schon über die Menschen hinausgediehen sind. Weil sie längst so weit sind, daß sie nicht mehr im Leibe zu leben nötig haben, können sie heute das Sonnendasein ertragen. So ist die Sonne ein Dasein, welches entstanden ist aus einem planetarischen Dasein, und da haben Sie das, was man im Okkultismus einen Fixstern nennt.

[ 10 ] Ein Fixstern ist ein vorgerückter Planet, der die Dinge, die nicht mitkommen konnten, abgestoßen hat. Die höheren Wesenheiten haben sich auf dem Fixstern ein Dasein gegründet. Jeder Fixstern ist entstanden aus einem Planeten. Auch im Kosmos findet ein Avancement, ein Aufrücken statt. Unsere Erde wird ja auch folgende Verkörperungen durchmachen: sie wird Jupiter, Venus, Vulkan werden. Schon auf der Venus wird unsere Erde bei einer Art Fixsterndasein angekommen sein. Wir verwandeln uns mit der Erde in Wesenheiten höherer Art, die dann das Fixsterndasein ertragen können.

[ 11 ] Jetzt haben wir gesehen, wie ein Fixstern dadurch entsteht, daß ein Planet seine schlechten Stoffe und Wesenheiten absondert und die besseren Substanzen und Wesenheiten zu einem erhabeneren Dasein hinaufführt. Nun fragen Sie vielleicht: Wenn solch ein Fixstern weiterhin hinaufrückt, was wird dann aus ihm? Was wird aus der Sonne mit all den erhabenen Wesenheiten? — Das hat zunächst noch eine Weile Zeit, denn das nächste wird sein, daß sich unsere Erde noch einmal mit dieser Sonne vereinigt. Dann aber geschieht eine weitere Trennung, weil unsere Erde nach und nach zum Fixstern wird. Ist unsere Erde einmal im Venus- oder Vulkandasein angelangt, dann ist aus dem, was heute die Sonne ist, auch langsam etwas anderes geworden. Was wird aus einer Sonne? — Aus einer Sonne wird dasjenige, was wir heute vom Himmel herunterglitzern sehen als den Tierkreis. Die höhere Entwickelungsstufe einer Sonne ist, daß sie sich zum Tierkreis entfaltet. Der Tierkreis besteht aus den zwölf Sternbildern: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische. Für den materialistischen Astronomen sind es einfach Gruppenbilder. Der Seher aber weiß, daß sie nicht einfach in den Raum gesetzt sind, sondern daß sie in ihrer Konstellation geistigen Wesenheiten entsprechen, die herumgruppiert sind in diesem Gürtel am Himmel. Wenn Wesenheiten das Sonnendasein absolviert haben, dann wird aus ihnen ein solcher Tierkreis. Auch dieser hat eine Art von Entwickelung.

[ 12 ] Sie kennen heute den Tierkreis, der zu unserem Leben und Dasein in einer gewissen Beziehung steht, als eine gewisse räumliche Anordnung gewisser Sterne; so war es nicht immer. Das hat sich herausentwickelt aus einer Art Nebelsubstanz. Stellen Sie sich den alten Saturn vor, der einmal die Erde darstellte, der dann zur Sonne, zum Mond und endlich zur heutigen Erde geworden ist. Der war umgeben schon von unserem Tierkreis, aber damals war unser Tierkreis nicht differenziert in Sterne, sondern wie ein Nebelregen war die Masse. Mit dem Vorrücken des Saturn zur Sonne und zum Mond gruppierte sich die Masse zusammen und leuchteten die Sternbilder auf.

[ 13 ] Woher ist dieser Tierkreis gekommen, der damals den Saturn umgab und der, wenn unsere Sonne einst Tierkreis wird, verschwinden wird, weil er seinen Dienst getan hat? Nun, Sie können sich ja denken, daß dem Saturn andere Entwickelungsstufen vorangegangen sind. Eine frühere Sonne, die geleuchtet hat über frühere Verkörperungen unserer Erde, als sie der Saturn war, hat sich hingeopfert und ist dieser Tierkreis geworden. Wenn wir okkultistisch hinblicken auf diesen Tierkreis, dann sehen wir: er ist erst durch ein großes Opfer geworden. Substanzen und Wesenheiten, die unserem Dasein vorangegangen sind, haben sich hingeopfert und bildeten diesen Tierkreis, zunächst eine Nebelgruppe und dann zu Sternen sich gruppierend. Dasjenige, was Ihnen beschrieben wurde als die schöpferischen Wesenheiten für unsere Wesenheiten, als die Erde noch Saturn war, das war damals mit dem alten Tierkreis vereint. Alle die erhabenen Wesenheiten, die früher schon eine hohe Stufe durchgemacht hatten, mußten herunterwirken; sie strömten die Anlage zum physischen Leib aus. Das ist das, was als Geheimnis des Werdens der Welt vorliegt: daß alle Wesenheiten aufsteigen von Wesen, die empfangen, zu Wesen, die produzieren und schaffen. Schöpfer werden ist das Ziel der Wesen.

[ 14 ] Im Tierkreis versammeln sich die Wesenheiten, wenn sie aufgestiegen sind vom Empfangen zum Geben. Aus dem Tierkreis floß die Materie zusammen zu der ersten Anlage des physischen Leibes des Menschen. So lernen wir immer mehr und mehr hineinblicken in den Weltenraum und auf das, was ihn durchschwebt. Und die physischen Körper erscheinen uns nur als der physische Ausdruck höherer geistiger Wesenheiten. So haben jene höheren geistigen Wesenheiten durch ihren Willen Stoff ausgeströmt. Das ist das mächtige, magische Wirken, daß der Wille so stark wird, daß er Stoff ausströmen kann. Es regnete nieder der Stoff aus jenen Wesenheiten, die dazu berufen waren, den Stoff auf dem alten Saturn zu bilden, der sich umgestaltet hat im Laufe der Zeit bis zum heutigen physischen Leib. Die Throne oder die Geister des Willens nennen wir diese erhabenen Wesenheiten, die sich zu solcher Höhe entwickelt hatten, daß sie niederträufeln konnten jenen kosmischen Regen, der die erste Anlage zum physischen Menschenleib war.

[ 15 ] Das ist wieder ein solcher Ausblick, den wir gewinnen möchten. Es wird die Zeit kommen, wo sich das ergeben wird, was man einen Zusammenfluß aller dieser Ausblicke nennen könnte; nur müssen Sie Geduld haben, alle die Einzelheiten kennenzulernen, damit sich nach und nach die Größe des Kosmos ergibt.

[ 16 ] Wir gehen jetzt ab von diesen Weltenweiten zu einem anderen Kapitel. Wir gehen zu demjenigen Punkte unserer Erdentwickelung zurück, wo die Sonne sich losgetrennt hat von unserer Erde, wo also einstmals in urferner Vergangenheit, als Sonne und Erde noch einen Körper bildeten, die Sonne mit den höher entwickelten Wesenheiten fortging und unsere Erde zurückließ als einen Schauplatz, der für uns sich langsamer Entwickelnde taugte. Die Sonne beschien dann die Erde von außen. Die Wesenheiten der Sonne sind erhabene und mächtige Wesenheiten, aber in einer anderen Art schöpferisch als die Throne, jene Geister des Tierkreises. Das, was von der Sonne zur Erde strömt, ist Licht. Das ist auch eine gewaltige Tat, aber sie ist kosmisch minder als das Herabträufeln des Stoffes selber.

[ 17 ] Mit dieser Erde war zuerst noch vereinigt das, was wir heute den Mond nennen. Unser Mond ist ja dadurch entstanden, daß die schlechteren Stoffe und Wesenheiten, die damals noch mit der Erde verbunden waren, abgestoßen worden sind. Denn hätte die Erde den Mond in sich behalten, dann wäre auch unsere Entwickelung nicht richtig vor sich gegangen, die Entwickelung wäre zu langsam geworden. Die Erde wäre sozusagen mumifiziert worden wie Statuen. Das Leben wäre erstorben. Es wäre zuviel getötet worden und die Erde wäre schließlich ein Acker von Toten geworden. Darum mußte der Mond hinaus, und die Erde blieb zurück und konnte die Balance halten. So aber wirken jetzt von außen auf die Erde die Sonne und der Mond ein: sie halten das Gleichgewicht auf der Erde, so daß die Menschenentwickelung stattfinden kann. Alles wird durch sich entgegenstrebende Kräfte im Gleichgewicht gehalten. Nur dadurch konnte das Ich in der Menschheit Platz greifen, daß die beiden einander entgegenstrebenden Kräfte, Sonne und Mond, auf die Erde einwirken.

[ 18 ] Und nun erinnern Sie sich an unsere erste elementarische Darstellung des Menschen. Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Das Ich arbeitet am Astralleib und arbeitet ihn um zu Manas, den Ätherleib zu Budhi, den physischen Leib zu Atma oder Geistesmensch. Aber es wäre unmöglich gewesen, daß diese Entwickelung gleich von Anfang an so hätte vor sich gehen können. Es mußten sich hier einschieben die Empfindungsseele, die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele. Diese Glieder, die zwischen dem Leib — dem physischen, ätherischen und astralischen Leib - und dem Geiste - Manas, Budhi, Atma - liegen, sind vorläufige Umwandlungen gewesen. Jetzt arbeitet auf seiner geistigen Entwickelungsstufe das Ich in den Astralleib das Geistselbst Manas - hinein. Alles das, was jetzt geschieht, ist eine reine Arbeit von Manas oder Geistselbst. Aber das ist noch nicht lange her, wir haben damit erst in der atlantischen Zeit begonnen. Es wurde indes schon früher vorbereitet, allerdings unbewußt, und zwar durch die drei Mittelglieder: Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele.

[ 19 ] Als der Mensch herüberkam vom Mond auf die Erde, bestand er nur aus den drei Leibern: aus dem physischen, ätherischen und astralischen Leib, und es mußte eine Brücke geschlagen werden. Der Mensch konnte diese Brücke nicht schlagen, es mußte ihm geholfen werden. In der lemurischen und in der atlantischen Zeit wurde schon unbewußt daran gearbeitet, so wie Sie jetzt bewußt daran arbeiten. Zuerst wurde an dem Astralleib gearbeitet und die Empfindungsseele herausgestellt, dann an dem Ätherkörper, aus dem die Verstandesseele hervorging und endlich sogar an dem physischen Leib, aus dem sich die Bewußtseinsseele entfaltete, die dadurch entstand, daß der physische Leib instand gesetzt wurde, seine physischen Organe nach außen zu treiben. Mit dieser Entwickelung ging der alte hellseherische Zustand des atlantischen Bewußtseins in den heutigen Bewußtseinszustand über. So wird in der Erscheinung die Bewußitseinsseele zuletzt entzündet.

[ 20 ] Der Mensch aber wurde erst in der alten atlantischen Zeit reif, an sich selbst zu arbeiten. Wer half ihm nun in jener Zeit, wo der Mensch sich herausentwickeln wollte von einem Wesen, das physischen, ätherischen und astralischen Leib hatte, zu einem Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußitseinsseele besitzenden? Wir werden verstehen, wer mithalf, wenn wir diese unsere Erdenentwikkelung betrachten, wie sie durch Sonne, Mond und so weiter geschah. Also Sie wissen, die Erde hat sich abgetrennt von der Sonne und hat den Mond hinausgeschickt. Die Sonne hatte hoch erhabene Wesenheiten, die schöpferisch so weit waren, daß sie Licht in den Weltenraum senden konnten. Nun habe ich schon oft erwähnt, daß man nicht nur in der Schule sitzenbleiben kann, sondern auch in der kosmischen Entwickelung. Der Mensch war so weit gekommen, daß er die Erde ertragen konnte, die hohen Wesenheiten so weit, daß sie die Sonne ertrugen. Nun haben diese Wesenheiten, die heute die Sonne bewohnen, früher das Menschendasein gehabt, aber es sind in dieser Entwickelung Wesenheiten zurückgeblieben, denen es unmöglich war, ihr Pensum zu absolvieren, sie konnten die Sonne nicht ohne weiteres bewohnen. Wären sie hineingekommen, dann wäre es ihnen schlecht ergangen; auch der Mensch hätte es nicht ertragen können. Diese Wesenheiten aber standen zwischen den Sonnengöttern und den Menschen. So mußten sie sozusagen einen anderen Weltenkörper erhalten, auf dem die Bedingungen ihrem Dasein gemäß waren. Da wurde tatsächlich auch in der kosmischen Entwickelung für diese Wesenheiten gesorgt. Noch ehe unsere Sonne die Erde aus sich herausgesetzt hatte, etwa gleichzeitig damit, trennte sich aus der Sonne heraus unser Jupiter. Später, nachdem die Sonne schon die Erde herausgesetzt hatte, trennte sich von der Sonne ab unsere heutige Venus; und noch später, wiederum durch Abtrennung von der Sonne, der heutige Merkur.

[ 21 ] So wurden planetarische Daseinsstufen geschaffen für diese nicht mitgekommenen Wesenheiten; sie bewohnen diese Planeten jetzt. In der Zeit, als nun noch der Mond sich von der Erde loslöste, da vollzog sich ein sehr geheimnisvoller Vorgang in unserer kosmischen Entwickelung, der sehr schwer zu erklären ist und den man bezeichnet als den «Durchgang des Mars durch unsere Erde». Er ist, wie gesagt, außerordentlich schwer zu erklären, denn als die Erde noch mit der Sonne verbunden war, war diese Marsmasse darin; dann trennte sich die Sonne von der Erde und dann ging der Mars heraus und ließ zurück auf der Erde die Substanz, die man als das Eisen bezeichnet. Auch der Mars wurde ein Schauplatz für solche nicht mitgekommenen Wesenheiten. Diese Marswesen sind die Anreger für die Entwickelung der Empfindungsseele. Hätten sie ihren Einfluß nicht auf unseren Planeten ausgeübt, die Empfindungsseele hätte sich nicht gestalten können. Das zeigt Ihnen, welche Bedeutung jene Wesenheiten haben, auf die wir am Anfang hingewiesen haben, die geistig zu den physischen Substanzen des Sonnensystems gehören und die in Wechselbeziehung stehen zu dem, was wir in uns selbst haben.

[ 22 ] Ebenso wie die Empfindungsseele angeregt worden ist durch die Marswesenheiten, so die Verstandesseele durch die Merkurwesenheiten und die Bewußtseinsseele durch die Jupiterwesen. Und damals, als schon die Empfindungsseele, die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele angeregt waren, da wurde der Anstoß gegeben, Manas in Fluß zu bringen. Denn dazu mußte zuerst auch noch eine Anregung gegeben werden. War es einmal in Fluß gebracht, dann konnte der Mensch sozusagen seine Entwickelung selbst in die Hand nehmen. Das war im letzten Drittel der atlantischen Zeit. Die Anreger waren die Wesenheiten, die auf der Venus waren. So können Sie sich eine Vorstellung machen von der Wechselwirkung der verschiedenen Glieder unseres Planetensystems. Wir müssen uns denken, daß der Mensch mitgebracht hatte seinen physischen Leib, seinen Ätherleib und seinen Astralleib. Dann entwickeln sich drei Glieder: die Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele und endlich Manas. Die Bewußtseinsseele hat ihre Kraft vom Jupiter, die Verstandesseele vom Merkur, die Empfindungsseele vom Mars und das Geistselbst empfing seinen Anstoß von der Venus. So müssen Sie, wenn Sie an sich selbst die Kräfte aufspüren wollen, die in Ihnen sind, zu den betreffenden Sternen aufschauen. Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen; er ist dadurch geworden, daß die Kräfte des Kosmos in ihm zusammengeflossen sind.

[ 23 ] Zum Schluß sei das Ganze in einem Bilde hingestellt. Denken Sie sich, irgend jemand sieht an der Wand hier ein kleines Sonnenspektrum, einen Regenbogen; also die Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett. Denken Sie sich, daß es nicht an die Wand geworfen würde, sondern nur im Sonnenstaub sich zeigte. Das würden Sie zunächst anschauen. Dann, wenn Sie nachforschen, wie das zustande kommt, würden Sie sehen, wie das Sonnenlicht durch einen Spalt ins Zimmer dringt und daß durch verschiedene Vorrichtungen, durch ein Prisma oder irgendeine andere lichtbrechende Substanz dieses Spektrum, dieses «Gespenst» zustande kommt. Das können Sie nicht wegnehmen, aber nehmen Sie die einzelnen Teile weg, die außerhalb des Spektrums sind, da verschwindet das Gespenst. Nehmen Sie das äußere Licht weg — weg ist das Gespenst, nehmen Sie das Prisma, die Wand mit dem Licht weg — weg ist das Gespenst. Es bildete sich als das Ergebnis lauter äußerer Einflüsse.

[ 24 ] Wenn der Hellseher den Menschen ansieht, ist es ebenso mit dem Menschen wie hier mit dem Spektrum. Er ist eigentlich gar nichts an sich, dieser Mensch, denn der Hellseher sieht da, wo der Mensch steht, Kräfte aus der Venus, aus dem Merkur, aus dem Mars. Nehmen Sie weg die Venuswirkung — weg ist der Mensch. Nehmen Sie weg die Merkur-, die Marswirkung - weg ist der Mensch. Es erscheint dem Hellseher der Mensch als ein Zusammenfluß von Weltenwirkungen. Einzig und allein real bleibt in diesem Gespenst für den Hellseher das «Ich». Das ist die wahre Realität, dieses arbeitende Ich, das die Veranlassung ist, daß alles zusammenfließt, das daran arbeitet, daß alle solche Einflüsse aufgenommen werden. Vor dem Blick des Hellsehers verschwinden alle Zusammenflüsse, das Ich allein ist dasjenige, was als einzige Wahrheit zurückbleibt. Das Ich, das so wenige Menschen heute als Wirklichkeit ansehen — das ist das einzige, was zurückbleit. Das, was der physische Sinn für den Menschen hält, das ist in Wahrheit ein Gespenst, dessen einzelne Teile zusammengehalten werden durch die gleichsam magnetische Kraft des Ich. Eine optische Täuschung ist alles im Menschen außer dem arbeitenden Ich.

[ 25 ] Jetzt haben wir einen Gedankengang zusammen durchgemacht. Bitte, verwandeln Sie ihn in ein Gefühl, dann erst erhält er einen rechten Wert. Gehen Sie mit diesem Gefühl durch die Welt. Denken Sie sich einmal zum Gespenst aufgelöst unsere Erdenwesen, nur die Iche darin arbeitend. Wenn Sie das fühlen, dann fühlen Sie das, was der materialistische Sinn Dasein, Wirklichkeit nennt, wie einen Dunst sich auflösen, und die wahre Wirklichkeit sehen Sie im geistigen Ich. Da erst spüren Sie etwas von dem, was in der morgenländischen Weltanschauung gemeint ist, wenn es heißt, daß die Wirklichkeit Maya ist. Alles andere Reden ist Phrase. Wenn man gleich mit der Phrase anfängt: Die Welt ist Maja -, so ist das ein Unding. Wir wollen das Wort Maja gar nicht aussprechen, ohne uns vorher eine solche Empfindung durch eine derartige Betrachtung angeeignet zu haben.

[ 26 ] So werden Sie jetzt eine gewisse Vorstellung bekommen haben von dem, was die wahre Geheimschulung will mit ihren langen Vorbereitungen. Sie sehen, es ist doch eigentlich eine krasse Phrase, wenn man den Menschen sagt, das Dasein sei eine bloße Illusion. Erst müssen solche Betrachtungen geduldig und ruhig vorangehen, damit die Seelenempfindungen entzündet werden. Wir alle wollen erst lernen, die Worte in der richtigen Weise auszusprechen, die wir brauchen. Unsere Worte werden zum größten Teil nur wie ein leerer Klang von den Menschen ausgesprochen, während in der Tat diese Worte, wenn sie in denjenigen Kulturen ausgesprochen wurden, in denen sie entstanden, verbunden waren mit tiefen, bedeutsamen Empfindungen.

[ 27 ] Eine solche Betrachtung, die uns zeigt, was Maja ist, die uns innerhalb der Illusion die wahre Wirklichkeit zeigt, gießt erst in unsere Seele das, was wir als Empfindung herausholen sollen aus der Theosophie. Daher ist es notwendig, daß Sie nicht bloß mit Wissen fortgehen, sondern mit diesem Empfindungston, mit dieser Empfindungsfarbe, die auf ein solches Wort fällt. So gliedert sich zusammen vorstellende Betrachtung mit dem, was wir mitnehmen ins Leben, was in unserer Seele als Gefühl, als Empfindung lebt.