Anthroposophical Guiding Principles
GA 26
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Life, Nature, and Cultivation of Anthroposophy, tr. Adams 1963
5. Anthroposophische Leitsätze
5. Anthroposophical Leading Thoughts
[ 1 ] Man soll an dieser Stelle in der Zukunft eine Art anthroposophischer Leitsätze finden. Sie sind so aufzufassen, daß sie Ratschläge enthalten über die Richtung, welche die Vorträge und Besprechungen in den einzelnen Gruppen der Gesellschaft durch die führenden Mitglieder nehmen können. Es wird dabei nur an eine Anregung gedacht, die vom Goetheanum aus der gesamten Gesellschaft gegeben werden möchte. Die Selbständigkeit im Wirken der einzelnen führenden Mitglieder soll damit nicht angetastet werden. Es ist gut, wenn die Gesellschaft sich so entfaltet, daß in völlig freier Art in den einzelnen Gruppen zur Geltung kommt, was die führenden Mitglieder zu sagen haben. Dadurch wird das Leben der Gesellschaft bereichert und in sich mannigfaltig gestaltet werden.
[ 1 ] In future there will be found in these columns something in the nature of anthroposophical ‘Guiding Lines’ or ‘Leading Thoughts’. These may be taken to contain advice on the direction which leading members can give to the lectures and discussions in the several Groups. It is but a stimulus and suggestion which the Goetheanum would like to give to the whole Society. The independence of individual leading members in their work is in no way to be interfered with. We shall develop healthily if the Society gives free play to that which leading members have to offer in all the different Groups. This will enrich and make manifold the life of the Society.
[ 2 ] Aber es sollte ein einheitliches Bewußtsein in der Gesellschaft entstehen können. Das kann geschehen, wenn man von den Anregungen, die an den einzelnen Orten gegeben werden, überall weiß. Deshalb werden hier in kurzen Sätzen solche Darstellungen zusammengefaßt werden, die von mir am Goetheanum für die Gesellschaft in Vorträgen gegeben werden. Ich denke mir, daß dann von denjenigen Persönlichkeiten, die in den Gruppen (Zweigen) Vorträge halten oder die Besprechungen leiten, dabei das Gegebene als Richtlinien genommen werde, um in freier Art daran anzuknüpfen. Es kann dadurch zu einer einheitlichen Gestaltung im Wirken der Gesellschaft etwas beigetragen werden, ohne daß an einen Zwang in irgendeiner Art gedacht wird.
[ 2 ] But it should also be possible for a unity of consciousness to arise in the whole Society—which will happen if the initiative and ideas that emerge at different places become known everywhere. Thus in these columns we shall sum up in short paragraphs the descriptions and lines of thought given by me in my lectures to the Society at the Goetheanum. I imagine that those who lecture or conduct the discussions in the Groups will be able to take what is here given as guiding lines, with which they may freely connect what they have to say. This will contribute to the unity and organic wholeness of the work of the Society without there being any question of constraint.
[ 3 ] Fruchtbar für die ganze Gesellschaft kann die Sache werden, wenn der Vorgang auch die entsprechende Gegenliebe findet, wenn die führenden Mitglieder über Inhalt und Art ihrer Vorträge und Anregungen auch den Vorstand am Goetheanum unterrichten. Wir werden dadurch erst aus einem Chaos verschiedener Gruppen zu einer Gesellschaft mit einem geistigen Inhalt.
[ 3 ] The thing will become fruitful for the whole Society if it meets with a true response—if the leading members will inform the Executive at the Goetheanum too of the contents and manner of their own lectures and suggestions. Then only we shall grow, from a chaos of separate Groups, into a Society with a real spiritual content.
[ 4 ] Die Leitlinien, die hier gegeben werden, sollen gewissermaßen Themen anschlagen. Man wird dann in der anthroposophischen Bücher- und Zyklenliteratur an den verschiedensten Stellen die Anhaltspunkte finden, um das im Thema Angeschlagene so auszugestalten, daß es den Inhalt der Gruppenbesprechungen bilden kann.
[ 4 ] The guiding lines here given are meant to open up subjects for study and discussion. Points of contact with them will be found in countless places in the anthroposophical books and lecture-cycles, so that the subjects thus opened up can be enlarged upon and the discussions in the Groups centred around them.
[ 5 ] Auch dann, wenn neue Ideen von den leitenden Mitgliedern in den einzelnen Gruppen zutage treten, können sie ja an dasjenige angeknüpft werden, was in der geschilderten Art vom Goetheanum aus als ein Rahmen für das geistige Wirken der Gesellschaft angeregt werden soll.
[ 5 ] When new ideas emerge among leading members in the several Groups, these too can be brought into connection with the suggestions we shall send out from the Goetheanum. We would thus provide an open framework for all the spiritual activity in the Society.
[ 6 ] Es ist ganz gewiß eine Wahrheit, gegen die nicht gesündigt werden darf, daß geistiges Wirken nur aus der freien Entfaltung.der wirkenden Persönlichkeiten hervorgehen kann. Allein, es braucht dagegen nicht gesündigt zu werden, wenn in rechter Art innerhalb der Gesellschaft der eine mit dem andern im Einklange handelt. Wenn das nicht sein könnte, so müßte die Zugehörigkeit des Einzelnen oder der Gruppen zur Gesellschaft immer etwas Außerliches bleiben. Diese Zugehörigkeit soll aber etwas sein, das man als Innerliches empfindet.
[ 6 ] Spiritual activity can of course only thrive by free unfoldment on the part of the active individuals—and we must never sin against this truth. But there is no need to do so when one group or member within the Society acts in proper harmony with the other. But if such co-operation were impossible, the attachment of individuals or groups to the Society would always remain a purely external thing—where it should in fact be felt as an inner reality.
[ 7 ] Es kann doch eben nicht so sein, daß das Vorhandensein der Anthroposophischen Gesellschaft von dieser oder jener Persönlichkeit nur als Gelegenheit benützt wird, um das zu sagen, was man aus dieser oder jener Absicht heraus persönlich sagen will, sondern die Gesellschaft muß die Pflegestätte dessen sein, was Anthroposophie ist. Alles andere kann ja auch außerhalb ihres Rahmens gepflegt werden. Sie kann nicht dafür da sein.
[ 7 ] It cannot be allowed that the existence of the Anthroposophical Society is merely made use of by this or that individual as an opportunity to say what he personally wishes to say with this or that intention. The Society must rather be the place where true Anthroposophy is cultivated. Anything that is not Anthroposophy can, after all, be pursued outside it. The Society is not there for extraneous objects.
[ 8 ] Es ist in den letzten Jahren nicht zum Vorteil der Gesellschaft gewesen, daß in sie einzelne Mitglieder ihre Eigenwünsche hineingetragen haben, bloß weil sie mit deren Vergrößerung für diese Eigenwünsche ein Wirkungsfeld zu finden glaubten. Man kann sagen: warum ist dem nicht in der gebührenden Art entgegengetreten worden? — Wäre das geschehen, so würde heute überall die Meinung zu hören sein: ja, wenn man damals die Anregungen von dieser oder jener Seite aufgenommen hätte, wo wären wir gegenwärtig? Nun, man hat vieles aufgenommen, was kläglich gescheitert ist, was uns zurückgeworfen hat.
[ 8 ] It has not helped us that in the last few years individual members have brought into the Society their own personal wishes simply because they thought that as it increased it would become a suitable sphere of action for them. It may be said, why was this not met and counteracted with the proper firmness? If that had been done, we should now be hearing it said on all sides, ‘Oh, if only the initiative that arose in this or that quarter had been followed up at the time, how much farther should we be today!’ Well, many things were followed up, which ended in sad disaster and only resulted in throwing us back.
[ 9 ] Aber nun ist es genug. Die Probe auf das Exempel, das einzelne Experimentatoren in der Gesellschaft geben wollten, ist gemacht. Man braucht dergleichen nicht ins Endlose zu wiederholen. Der Vorstand am Goetheanum soll ein Körper sein, der Anthroposophie pflegen will, und die Gesellschaft sollte eine Verbindung von Menschen sein, die sich mit ihm über ihre Pflege der Anthroposophie lebendig verständigen wollen.
[ 9 ] But now it is enough. The demonstrations which individual experimenters in the Society wished to provide are done with. Such things need not be repeated endlessly. In the Executive at the Goetheanum we have a body which intends to cultivate Anthroposophy itself; and the Society should be an association of human beings who have the same object and are ready to enter into a living understanding with the Executive in the pursuit of it.
[ 10 ] Man soll nicht denken, daß, was angestrebt werden soll, von heute auf morgen erreicht werden kann. Man wird Zeit brauchen. Und es wird Geduld nötig sein. Wenn geglaubt wird, in ein paar Wochen könne verwirklicht da sein, was in den Absichten der Weihnachtstagung liegt, so wird das wieder von Schaden sein.
[ 10 ] We must not think that our ideal in the Society can be attained from one day to the next. Time will be needed, and patience too. If we imagined that what lay in the intentions of the Christmas meeting could be brought into existence in a few weeks' time, this again would be harmful.
Anthroposophische Leitsätze als Anregung vom Goetheanum herausgegeben
Anthroposophical Leading Thoughts given out as suggestions from the Goetheanum 1Supplemented from the volume Anthroposophical Leading Thoughts (1973) by the same translator.
[ 11 ] 1. Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltenall führen möchte. Sie tritt im Menschen als Herzens- und Gefühlsbedürfnis auf. Sie muß ihre Rechtfertigung dadurch finden, daß sie diesem Bedürfnisse Befriedigung gewähren kann. Anerkennen kann Anthroposophie nur derjenige, der in ihr findet, was er aus seinem Gemüte heraus suchen muß. Anthroposophen können daher nur Menschen sein, die gewisse Fragen über das Wesen des Menschen und die Welt so als Lebensnotwendigkeit empfinden, wie man Hunger und Durst empfindet.
[ 11 ] 1. Anthroposophy is a path of knowledge, to guide the Spiritual in the human being to the Spiritual in the universe. It arises in man as a need of the heart, of the life of feeling; and it can be justified only inasmuch as it can satisfy this inner need. He alone can acknowledge Anthroposophy, who finds in it what he himself in his own inner life feels impelled to seek. Hence only they can be anthroposophists who feel certain questions on the nature of man and the universe as an elemental need of life, just as one feels hunger and thirst.
[ 12 ] 2. Anthroposophie vermittelt Erkenntnisse, die auf geistige Art gewonnen werden. Sie tut dies aber nur deswegen, weil das tägliche Leben und die auf Sinneswahrnehmung und Verstandestätigkeit gegründete Wissenschaft an eine Grenze des Lebensweges führen, an der das seelische Menschendasein ersterben müßte, wenn es diese Grenze nicht überschreiten könnte. Dieses tägliche Leben und diese Wissenschaft führen nicht so zur Grenze, daß an dieser stehengeblieben werden muß, sondern es eröffnet sich an dieser Grenze der Sinnesanschauung durch die menschliche Seele selbst der Ausblick in die geistige Welt.
[ 12 ] 2. Anthroposophy communicates knowledge that is gained in a spiritual way. Yet it only does so because everyday life, and the science founded on sense-perception and intellectual activity, lead to a barrier along life's way—a limit where the life of the soul in man would die if it could go no farther. Everyday life and science do not lead to this limit in such a way as to compel man to stop short at it. For at the very frontier where the knowledge derived from sense perception ceases, there is opened through the human soul itself the further outlook into the spiritual world.
[ 13 ] 3. Es gibt Menschen, die glauben, mit den Grenzen der Sinnesanschauung seien auch die Grenzen aller Einsicht gegeben. Würden diese aufmerksam darauf sein, wie sie sich dieser Grenzen bewußt werden, so würden sie auch in diesem Bewußtsein die Fähigkeiten entdecken, die Grenzen zu überschreiten. Der Fisch schwimmt an die Grenze des Wassers; er muß zurück, weil ihm die physischen Organe fehlen, um außer dem Wasser zu leben. Der Mensch kommt an die Grenze der Sinnesanschauung; er kann erkennen, daß ihm auf dem Wege dahin die Seelenkräfte geworden sind, um seelisch in dem Elemente zu leben, das nicht von der Sinnesanschauung umspannt wird.
[ 13 ] 3. There are those who believe that with the limits of knowledge derived from sense perception the limits of all insight are given. Yet if they would carefully observe how they become conscious of these limits, they would find in the very consciousness of the limits the faculties to transcend them. The fish swims up to the limits of the water; it must return because it lacks the physical organs to live outside this element. Man reaches the limits of knowledge attainable by sense perception; but he can recognise that on the way to this point powers of soul have arisen in him—powers whereby the soul can live in an element that goes beyond the horizon of the senses.
Fortsetzung in nächster Nummer.
