Anthroposophical Guiding Principles
GA 26
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The Life, Nature, and Cultivation of Anthroposophy, tr. Adams 1963
16. Noch Etwas über die Auswirkungen der Weihnachtstagung
16. Something more about the Results of the Christmas Meeting
[ 1 ] Zu den Auswirkungen der Weihnachtstagung sollte auch gehören, daß durch die tätig sein wollenden Mitglieder immer klarer vor die Welt hingestellt würde, was Anthroposophie ihrem Wesen nach ist und nicht ist. Solange immer noch die Meinung diskutiert werden kann: Sollte man nicht das oder jenes auf anthroposophischem Boden Gewonnene da oder dort «einfließen» lassen, ohne die Leute dadurch abzuschrecken, daß man ihnen sagt, das sei Anthroposophie, solange wird innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft vieles nicht in Ordnung kommen.
As one of the results of the Christmas Foundation Meeting, those who take upon themselves to work actively in the Society should make increasingly plain in the eyes of the world the real nature of Anthroposophy, what it is and what it is not. The following is frequently heard: Ought not this or that anthroposophical truth to be introduced here or there without frightening people by saying it is Anthroposophy? So long as such a question is still a matter for discussion, much in the Society will fail to have the effect it should.
[ 2 ] Nun handelt es sich darum, nach dieser Richtung wirklich nach Klarheit zu streben. Es ist ein Unterschied zwischen dem sektiererischen Eintreten für irgend etwas, das man sich als dogmatische Anthroposophie zurechtgelegt hat, und dem geradsinnigen, offenen, unversteckten und unverbrämten Eintreten für dasjenige, was durch Anthroposophie an Erkenntnis über die geistige Welt so zutage tritt, daß der Mensch ein menschenwürdiges Verhältnis zu dieser Welt gewinnen kann.
Now it is most important to strive for clarity in this matter. There is a difference between advancing, in a sectarian spirit, something which one has laid down for oneself as dogmatic Anthroposophy, and the straightforward, open, unconcealed and unembellished standing for the knowledge of the spiritual world which has been brought to light through Anthroposophy in order that men may be able to reach a relation to the spiritual world, worthy of humanity.
[ 3 ] In der letzteren Art restlos das Arbeiten für Anthroposophie aufzufassen, ist die Aufgabe des Vorstandes am Goetheanum; und dieser wird von den tätig sein wollenden Mitgliedern in dieser seiner besonderen Eigenart auch recht verstanden werden müssen. Durch die Weihnachtstagung soll bewirkt werden, daß Anthroposophie und Anthroposophische Gesellschaft immer mehr zusammenwachsen. Das kann nicht geschehen, wenn die Saat weiter blüht, die dadurch ausgestreut worden ist, daß man immer wieder zwischen «Rechtgläubigkeit» und «Ketzerei» innerhalb des Kreises derer unterschied, die sich in der Anthroposophischen Gesellschaft zusammengefunden haben.
It is the task of the Executive at the Goetheanum, unceasingly to carry on the work of Anthroposophy with this understanding. Moreover this task in its peculiar nature must be fully understood by those members who undertake to work actively in the Society. As a result of the Christmas Foundation Meeting, Anthroposophy and the Anthroposophical Society should become ever more and more united. This can never be the case as long as the seed continues to flourish which has been disseminated through continual distinction being made in anthroposophical circles between what is ‘orthodox’ and what is ‘heretical’.
[ 4 ] Man muß vor allem wissen, was in dieser Richtung Anthroposophie als geistige Haltung möglich macht. Sie besteht nicht in einer Summe von Meinungen, welche die «Anthroposophen» haben müssen. Es sollte unter den Anthroposophen gar nicht das Wort aufkommen: «Wir glauben dies; wir weisen jenes zurück.» So etwas kann sich als die naturgemäße Folge des anthroposophischen Wirkens ergeben; als Programm darf es nirgends zur Geltung gebracht werden. Es kann nur das Urteil geben: «Anthroposophie ist da; sie ist erarbeitet worden; ich trete dafür ein, daß in der Welt das Erarbeitete bekannt werde.» Daß ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht zwischen den beiden hier angeführten Urteilen besteht, das wird in Anthroposophenkreisen noch viel zu wenig empfunden. Sonst könnte man nicht immer wieder sogar den grotesken Ausspruch hören: «Die Anthroposophische Gesellschaft glaubt dies oder jenes.» Ein solcher Ausspruch hat in Wirklichkeit gar keinen Inhalt. Daß man dieses empfinde, darauf kommt es an.
Above all one must know what the true standard and content of Anthroposophy should be. It does not consist of a sum of opinions which must be entertained by ‘anthroposophists’. It ought never to be said amongst anthroposophists, ‘We believe this’, ‘We reject that’. Such agreement may arise naturally as the result of our anthroposophical study, but it can never be put forward as an anthroposophical ‘programme’. The right attitude can only be: ‘Anthroposophy is there. It has been acquired by persistent effort. I am here to represent it, so that what has thus been acquired may be made known in the world.’ It is still much too little felt in anthroposophical circles what a difference — indeed as between day and night — exists between these two standards. Otherwise the grotesque remark would not be heard continually: ‘The Anthroposophical Society holds this or that belief.’ A remark of this sort is absolutely meaningless, and it is most important that this should be realised.
[ 5 ] Wollte man etwa herumfragen, um über Anthroposophie klar zu werden: was für eine Meinung oder Lebenshaltung hat der oder jener, der in der Anthroposophischen Gesellschaft als Mitglied eingeschrieben ist, so würde man einen ganz falschen Weg einschlagen, um zu dem Wesen der Anthroposophie zu kommen. Dennoch wirken viele tätig sein wollende Mitglieder so, daß diese Frage immer wieder auftauchen muß. Es sollte aber nur die Meinung entstehen: Da gibt es in der Welt Anthroposophie; die Anthroposophische Gesellschaft gibt Gelegenheit, sie kennen zu lernen.
Were a person to ask — with the intention of obtaining a clear idea of Anthroposophy — let us say, the following question: ‘What is the opinion or standard of life of some particular member of the Anthroposophical Society?’ he would be taking quite a wrong direction to arrive at the nature of Anthroposophy. Yet many would-be active members act in such a manner that this question is bound to arise. Rather should the thought arise: ‘Anthroposophy really exists in the world, and the Anthroposophical Society provides opportunity to become acquainted with it.’
[ 6 ] Jeder, der neu in diese Gesellschaft eintritt, sollte das Gefühl haben: ich trete ein, lediglich um Anthroposophie kennen zu lernen. Daß solch ein Gefühl in rechter Art entstehe, kann durch die Haltung der tätig sein wollenden Mitglieder bewirkt werden. Heute aber wird vielfach etwas ganz anderes bewirkt. Die Leute haben Angst davor, der Gesellschaft beizutreten, weil sie aus der Haltung tätig sein wollender Mitglieder den Eindruck empfangen: sie müßten sich mit dem innersten Wesen ihrer Seele gewissen Dogmen verschreiben. Davor schrecken sie natürlich zurück.
Each one entering this Society should have the feeling: I enter simply in order to learn about Anthroposophy. The normal development of this feeling can be effected by the attitude of the would-be active members. But as things are, something quite different is often produced. People are afraid of joining the Society because, from the attitude of the would-be active members, they receive the impression that they must subscribe with the inmost core of their soul to certain dogmas. And naturally they shrink from this.
[ 7 ] Es muß der gute Wille dazu da sein, diesen Eindruck immer mehr zum Verlöschen zu bringen. Viele tätig sein wollende Mitglieder meinen, ja, wenn man die Leute bloß deshalb aufnimmt, damit sie in der Gesellschaft die Anthroposophie kennen lernen, dann treten sie eben wieder aus, wenn sie dieses Kennen-Lernen besorgt haben. Und wir haben nie eine in sich geschlossene Gesellschaft.
The good-will must be developed to efface this impression. Many would-be active members think that if people are received into the Society merely in order that they may become acquainted with Anthroposophy, they will leave again when they have learned what they desired, and we shall never have a compact Society.
[ 8 ] So kann es aber nicht kommen, wenn die Anthroposophische Gesellschaft von ihren tätig sein wollenden Mitgliedern in der rechten Art aufgefaßt wird. Es wird aber immer so kommen, wenn man die Zugehörigkeit zur Gesellschaft von dem Bekenntnis zu dem auch nur kleinsten Dogma abhängig machen will. Und ein Dogma ist auch jeglicher Programmpunkt.
But this will never happen if the Anthroposophical Society is rightly comprehended by its would-be active members. It will however come about if we try to make membership of the Society depend upon the acknowledgment of even the smallest dogma — and in this connection every point in a ‘programme’ is a dogma. If the members of the Anthroposophical Society are simply directed to become acquainted with Anthroposophy by virtue of their membership, then, whether they remain in the Society or not will depend upon something entirely different, namely on whether they feel they can hope to continue learning more and more in the Society.
[ 9 ] Wenn aber die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft daraufhin orientiert sind, die Anthroposophie durch die Mitgliedschaft kennen zu lernen, dann wird es von etwas ganz anderem abhängen, ob sie drinnen bleiben oder nicht. Dann wird dies nämlich davon abhängen, ob sie Hoffnungen haben können, in der Gesellschaft immer weiter etwas kennen lernen zu können.
That again will depend upon whether the kernel of the Society is really alive or dead, and whether in the circles of the Society the conditions exist for the living kernel not to die away when it tries to expand into the Society. It is the concern of the Executive at the Goetheanum that the kernel should be alive. The Executive does not administer dogmas; it feels itself solely as the vehicle of a spiritual possession, of the value of which it is fully aware, and it works for the spreading of this spiritual possession. It is happy if anyone comes and says, ‘I wish to share in what you are doing’. As a result of this, the Anthroposophical Society will have a living form. And this will be kept alive if the general attitude and way of working of all the would-be active members is in unison with the Executive of the Goetheanum.
[ 10 ] Das aber wieder wird darauf zurückgehen, ob der Kern der Gesellschaft wirklich lebt oder ob er tot ist; und ob im Umkreis der Gesellschaft die Bedingungen dazu vorhanden sind, daß der lebendige Kern nicht ersterbe, wenn er in die Gesellschaft hineinwachsen will. Daß der Kern lebendig sei, das ist die Sorge des Vorstandes am Goetheanum. Der verwaltet nicht Dogmen; er fühlt sich nur als Träger eines Geistesgutes, dessen Wert ihm bekannt ist; und er arbeitet an der Verbreitung dieses Geistesgutes. Er ist über jeden Menschen befriedigt, der da kommt und sagt: ich will Anteil nehmen an dem, was ihr da macht. Das ergibt die lebendige Gestaltung der Anthroposophischen Gesellschaft. Und diese wird lebendig erhalten, wenn sich alle tätig sein wollenden Mitglieder der Gesinnung und Wirkensweise nach einig halten mit dem Vorstande am Goetheanum.
All that one is justified in calling ‘confidence’ in the Society can only flourish on such a foundation as this. If this foundation exists it will not happen again and again that the Anthroposophical Society appears to the world as something quite different from what it really is.
[ 11 ] Alles, was man «Vertrauen» innerhalb der Gesellschaft zu nennen berechtigt ist, kann nur auf einer solchen Grundlage erwachsen, Ist diese Grundlage vorhanden, dann wird es nicht immer wieder vorkommen, daß die Anthroposophische Gesellschaft vor der Welt als etwas ganz anderes erscheint, als sie ist.
I know quite well the judgment that will be passed by many would-be active members when they read the above. They will say: ‘This we cannot understand; now we really do not know what is wanted.’ But to say this is the worst prejudice of all. The above words only require to be read exactly, and it will then be found that they are neither indefinite nor ambiguous. To catch their spirit does indeed require a certain sensitiveness of feeling; but this ought surely not to be absent in those who wish to be active in the Anthroposophical Society.
[ 12 ] Ich kenne nun die Urteile ganz gut, die bei vielen tätig sein wollenden Mitgliedern der Gesellschaft aufkommen, wenn sie das Vorangehende lesen. Sie werden sagen: Das können wir nicht verstehen; jetzt wissen wir erst recht nicht, was da eigentlich gewollt wird. Aber gerade dies ist das schlimmste Vorurteil. Man lese nur einmal die Sache genau; und man wird sie nicht unbestimmt und vieldeutig finden, sondern nur so, daß, um sie in die Gesinnung aufzunehmen, ein gewisses Zartgefühl im Verstehen gehört. Aber dieses sollte doch da sein bei denjenigen, die in der Anthroposophischen Gesellschaft tätig sein wollen.
Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft vom Goetheanum ausgesendet werden
[ 13 ] 32. In dem Haupte des Menschen ist die physische Organisation ein Abdruck der geistigen Individualität. Physischer und ätherischer Teil des Hauptes stehen als abgeschlossene Bilder des Geistigen, und neben ihnen in selbständiger seelisch-geistiger Wesenheit stehen der astralische und der Ichteil. Man hat es daher im Haupte des Menschen mit einer Nebeneinanderentwickelung des relativ selbständigen Physischen und Ätherischen einerseits, des Astralischen und der Ich-Organisation anderseits zu tun.
[ 14 ] 33. In dem Gliedmaßen-Stoffwechselteil des Menschen sind die vier Glieder der Menschenwesenheit innig miteinander verbunden. Ich-Organisation und astralischer Leib sind nicht neben dem physischen und ätherischen Teil. Sie sind in diesen; sie beleben sie, wirken in ihrem Wachstum, in ihrer Bewegungsfähigkeit und so weiter. Dadurch aber ist der Gliedmaßen-Stoffwechselteil wie ein Keim, der sich weiter entwickeln will, der fortwährend darnach strebt, Haupt zu werden, und der fortwährend davon während des Erdenlebens des Menschen zurückgehalten wird.
[ 15 ] 34. Die rhythmische Organisation steht in der Mitte. Hier verbinden sich Ich-Organisation und Astralleib abwechselnd mit dem physischen und ätherischen Teil und lösen sich wieder von diesen. Atmung und Blutzirkulation sind der physische Abdruck dieser Vereinigung und Loslösung. Der Einatmungsvorgang bildet die Verbindung ab; der Ausatmungsvorgang die Loslösung. Die Vorgänge im Arterienblut stellen die Verbindung dar; die Vorgänge im Venenblute die Loslösung.
