Anthroposophical Guiding Principles
GA 26
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Anthroposophical Guiding Principles, tr. SOL
16. Noch Etwas über die Auswirkungen der Weihnachtstagung
15. Something Else about the Mood Necessary for Branch Meetings
[ 1 ] Zu den Auswirkungen der Weihnachtstagung sollte auch gehören, daß durch die tätig sein wollenden Mitglieder immer klarer vor die Welt hingestellt würde, was Anthroposophie ihrem Wesen nach ist und nicht ist. Solange immer noch die Meinung diskutiert werden kann: Sollte man nicht das oder jenes auf anthroposophischem Boden Gewonnene da oder dort «einfließen» lassen, ohne die Leute dadurch abzuschrecken, daß man ihnen sagt, das sei Anthroposophie, solange wird innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft vieles nicht in Ordnung kommen.
[ 1 ] Anthroposophical considerations should not lead to an underestimation of outer life. For many people, it will be the case that either severe blows of fate or the perception of contradictions in outer life will bring about that deepening of feeling which is expressed in the inclination toward a spiritual conception of existence.
[ 2 ] Nun handelt es sich darum, nach dieser Richtung wirklich nach Klarheit zu streben. Es ist ein Unterschied zwischen dem sektiererischen Eintreten für irgend etwas, das man sich als dogmatische Anthroposophie zurechtgelegt hat, und dem geradsinnigen, offenen, unversteckten und unverbrämten Eintreten für dasjenige, was durch Anthroposophie an Erkenntnis über die geistige Welt so zutage tritt, daß der Mensch ein menschenwürdiges Verhältnis zu dieser Welt gewinnen kann.
[ 2 ] But just as the physical being of the human being needs sleep in order to be efficient when awake, so a true standing within the spiritual world needs a sense of physical experience in order to develop strength and security of the soul. For the fulfillment of the human inner life with spiritual knowledge is an awakening from life in the sensory reality and from the impulses that the will can draw from this reality.
[ 3 ] In der letzteren Art restlos das Arbeiten für Anthroposophie aufzufassen, ist die Aufgabe des Vorstandes am Goetheanum; und dieser wird von den tätig sein wollenden Mitgliedern in dieser seiner besonderen Eigenart auch recht verstanden werden müssen. Durch die Weihnachtstagung soll bewirkt werden, daß Anthroposophie und Anthroposophische Gesellschaft immer mehr zusammenwachsen. Das kann nicht geschehen, wenn die Saat weiter blüht, die dadurch ausgestreut worden ist, daß man immer wieder zwischen «Rechtgläubigkeit» und «Ketzerei» innerhalb des Kreises derer unterschied, die sich in der Anthroposophischen Gesellschaft zusammengefunden haben.
[ 3 ] Therefore, members active in the Anthroposophical Society should always be mindful that such personalities, who seek to grasp the inner life out of an underestimation of the outer life, should be given the power of this inner life in all its possible strength, but that at the same time they should develop an appreciation of the outer life and competence in it.
[ 4 ] Man muß vor allem wissen, was in dieser Richtung Anthroposophie als geistige Haltung möglich macht. Sie besteht nicht in einer Summe von Meinungen, welche die «Anthroposophen» haben müssen. Es sollte unter den Anthroposophen gar nicht das Wort aufkommen: «Wir glauben dies; wir weisen jenes zurück.» So etwas kann sich als die naturgemäße Folge des anthroposophischen Wirkens ergeben; als Programm darf es nirgends zur Geltung gebracht werden. Es kann nur das Urteil geben: «Anthroposophie ist da; sie ist erarbeitet worden; ich trete dafür ein, daß in der Welt das Erarbeitete bekannt werde.» Daß ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht zwischen den beiden hier angeführten Urteilen besteht, das wird in Anthroposophenkreisen noch viel zu wenig empfunden. Sonst könnte man nicht immer wieder sogar den grotesken Ausspruch hören: «Die Anthroposophische Gesellschaft glaubt dies oder jenes.» Ein solcher Ausspruch hat in Wirklichkeit gar keinen Inhalt. Daß man dieses empfinde, darauf kommt es an.
[ 4 ] One should always bear in mind that human life on earth has a meaning within the total existence of the human being, which passes through births and deaths. In this earthly life, the human spirit is embodied in material existence. It is devoted to this material existence. What it can experience in this devotion cannot be attained in any form of existence in which it is given to itself as spirit in the spiritual realm.
[ 5 ] Wollte man etwa herumfragen, um über Anthroposophie klar zu werden: was für eine Meinung oder Lebenshaltung hat der oder jener, der in der Anthroposophischen Gesellschaft als Mitglied eingeschrieben ist, so würde man einen ganz falschen Weg einschlagen, um zu dem Wesen der Anthroposophie zu kommen. Dennoch wirken viele tätig sein wollende Mitglieder so, daß diese Frage immer wieder auftauchen muß. Es sollte aber nur die Meinung entstehen: Da gibt es in der Welt Anthroposophie; die Anthroposophische Gesellschaft gibt Gelegenheit, sie kennen zu lernen.
[ 5 ] Life in material existence is the stage of existence in which human beings can perceive the spiritual outside of its reality in images. And a being that does not also experience the spirit in images cannot develop a free inclination toward the spirit that springs from its own essence. Even those beings who do not incarnate in material existence in the human way go through stages of life in which they have to surrender their own being to another element of existence.
[ 6 ] Jeder, der neu in diese Gesellschaft eintritt, sollte das Gefühl haben: ich trete ein, lediglich um Anthroposophie kennen zu lernen. Daß solch ein Gefühl in rechter Art entstehe, kann durch die Haltung der tätig sein wollenden Mitglieder bewirkt werden. Heute aber wird vielfach etwas ganz anderes bewirkt. Die Leute haben Angst davor, der Gesellschaft beizutreten, weil sie aus der Haltung tätig sein wollender Mitglieder den Eindruck empfangen: sie müßten sich mit dem innersten Wesen ihrer Seele gewissen Dogmen verschreiben. Davor schrecken sie natürlich zurück.
[ 6 ] This surrender is the basis for the development of the impulse of love in life. A being that never enters into alienation from its own self cannot develop within itself the inclination toward another that is revealed in love. And the human being's grasp of the spiritual can easily harden into lovelessness if it is combined with a one-sided contempt for what is revealed in the outer world.
[ 7 ] Es muß der gute Wille dazu da sein, diesen Eindruck immer mehr zum Verlöschen zu bringen. Viele tätig sein wollende Mitglieder meinen, ja, wenn man die Leute bloß deshalb aufnimmt, damit sie in der Gesellschaft die Anthroposophie kennen lernen, dann treten sie eben wieder aus, wenn sie dieses Kennen-Lernen besorgt haben. Und wir haben nie eine in sich geschlossene Gesellschaft.
[ 7 ] True anthroposophy does not seek the spirit because it finds nature spiritless and therefore worthy of contempt, but because it wants to seek the spirit in nature and can only find it there in an anthroposophical way.
[ 8 ] So kann es aber nicht kommen, wenn die Anthroposophische Gesellschaft von ihren tätig sein wollenden Mitgliedern in der rechten Art aufgefaßt wird. Es wird aber immer so kommen, wenn man die Zugehörigkeit zur Gesellschaft von dem Bekenntnis zu dem auch nur kleinsten Dogma abhängig machen will. Und ein Dogma ist auch jeglicher Programmpunkt.
[ 8 ] If an attitude working in this direction pervades what is done in our branch meetings, these will bring the members an experience that is in harmony with the demands that human existence as a whole places on them. And the unworldliness that can so easily arise as an unhealthy atmosphere of anthroposophical work will be dispelled.
[ 9 ] Wenn aber die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft daraufhin orientiert sind, die Anthroposophie durch die Mitgliedschaft kennen zu lernen, dann wird es von etwas ganz anderem abhängen, ob sie drinnen bleiben oder nicht. Dann wird dies nämlich davon abhängen, ob sie Hoffnungen haben können, in der Gesellschaft immer weiter etwas kennen lernen zu können.
[ 9 ] This, too, is one of the elements that should create the right atmosphere in the work of our society. Members will not have spent their visits to the branch meetings in the desirable way if a gulf opens up between what they hear through anthroposophy and what they have to experience in their outer lives. The spirit that prevails in the branch meetings must become a light that continues to shine when the member is devoted to the external demands of the day. If such a spirit does not prevail, the member will not become more capable through anthroposophy for the life that has its rights, but rather less capable. Then, however, some of the accusations made by outsiders against the Anthroposophical Society would be justified. And the Anthroposophical Society would not promote anthroposophy, but rather damage it.
[ 10 ] Das aber wieder wird darauf zurückgehen, ob der Kern der Gesellschaft wirklich lebt oder ob er tot ist; und ob im Umkreis der Gesellschaft die Bedingungen dazu vorhanden sind, daß der lebendige Kern nicht ersterbe, wenn er in die Gesellschaft hineinwachsen will. Daß der Kern lebendig sei, das ist die Sorge des Vorstandes am Goetheanum. Der verwaltet nicht Dogmen; er fühlt sich nur als Träger eines Geistesgutes, dessen Wert ihm bekannt ist; und er arbeitet an der Verbreitung dieses Geistesgutes. Er ist über jeden Menschen befriedigt, der da kommt und sagt: ich will Anteil nehmen an dem, was ihr da macht. Das ergibt die lebendige Gestaltung der Anthroposophischen Gesellschaft. Und diese wird lebendig erhalten, wenn sich alle tätig sein wollenden Mitglieder der Gesinnung und Wirkensweise nach einig halten mit dem Vorstande am Goetheanum.
[ 11 ] Alles, was man «Vertrauen» innerhalb der Gesellschaft zu nennen berechtigt ist, kann nur auf einer solchen Grundlage erwachsen, Ist diese Grundlage vorhanden, dann wird es nicht immer wieder vorkommen, daß die Anthroposophische Gesellschaft vor der Welt als etwas ganz anderes erscheint, als sie ist.
Further Leading Thoughts issued from the Goetheanum for the Anthroposophical Society
[ 12 ] Ich kenne nun die Urteile ganz gut, die bei vielen tätig sein wollenden Mitgliedern der Gesellschaft aufkommen, wenn sie das Vorangehende lesen. Sie werden sagen: Das können wir nicht verstehen; jetzt wissen wir erst recht nicht, was da eigentlich gewollt wird. Aber gerade dies ist das schlimmste Vorurteil. Man lese nur einmal die Sache genau; und man wird sie nicht unbestimmt und vieldeutig finden, sondern nur so, daß, um sie in die Gesinnung aufzunehmen, ein gewisses Zartgefühl im Verstehen gehört. Aber dieses sollte doch da sein bei denjenigen, die in der Anthroposophischen Gesellschaft tätig sein wollen.
[ 39 ] 29. In the evolved Imaginative Knowledge there works what lives as soul and spirit in the inner life of man, fashioning the physical body in its life, and unfolding man's existence in the physical world on this bodily foundation. Over against the physical body, whose substances are renewed again and again in the process of metabolism, we here come to the inner nature of man, unfolding itself continuously from birth (or conception) until death. Over against the physical Space-body, we come to a Time-body.
[ 40 ] 30. In the Inspired Knowledge there lives, in picture-form, what man experiences in a spiritual environment in the time between death and a new birth. What Man is in his own Being and in relation to cosmic worlds—without the physical and etheric bodies by means of which he undergoes his earthly life—is here made visible.
Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft vom Goetheanum ausgesendet werden
[ 41 ] 31. In the Intuitive Knowledge there comes to consciousness the working-over of former earthly lives into the present. In the further course of evolution these former lives have been divested of their erstwhile connections with the physical world. They have become the purely spiritual kernel of man's being, and, as such, are working in his present life. In this way, they too are an object of Knowledge—of that Knowledge which results with the further unfolding of the Imaginative and Inspired.
[ 13 ] 32. In dem Haupte des Menschen ist die physische Organisation ein Abdruck der geistigen Individualität. Physischer und ätherischer Teil des Hauptes stehen als abgeschlossene Bilder des Geistigen, und neben ihnen in selbständiger seelisch-geistiger Wesenheit stehen der astralische und der Ichteil. Man hat es daher im Haupte des Menschen mit einer Nebeneinanderentwickelung des relativ selbständigen Physischen und Ätherischen einerseits, des Astralischen und der Ich-Organisation anderseits zu tun.
[ 14 ] 33. In dem Gliedmaßen-Stoffwechselteil des Menschen sind die vier Glieder der Menschenwesenheit innig miteinander verbunden. Ich-Organisation und astralischer Leib sind nicht neben dem physischen und ätherischen Teil. Sie sind in diesen; sie beleben sie, wirken in ihrem Wachstum, in ihrer Bewegungsfähigkeit und so weiter. Dadurch aber ist der Gliedmaßen-Stoffwechselteil wie ein Keim, der sich weiter entwickeln will, der fortwährend darnach strebt, Haupt zu werden, und der fortwährend davon während des Erdenlebens des Menschen zurückgehalten wird.
[ 15 ] 34. Die rhythmische Organisation steht in der Mitte. Hier verbinden sich Ich-Organisation und Astralleib abwechselnd mit dem physischen und ätherischen Teil und lösen sich wieder von diesen. Atmung und Blutzirkulation sind der physische Abdruck dieser Vereinigung und Loslösung. Der Einatmungsvorgang bildet die Verbindung ab; der Ausatmungsvorgang die Loslösung. Die Vorgänge im Arterienblut stellen die Verbindung dar; die Vorgänge im Venenblute die Loslösung.
