Mysticism
in the Rise of Modern Intellectual Life
and its Relationship to the Modern Worldview
GA 7
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Mysticism at the Dawn of the Modern Age, tr. Zimmer 1960
Einführung
Introduction
[ 1 ] Es gibt Zauberformeln die durch die Jahrhunderte der Geistesgeschichte hindurch in immer neuer Art wirken. In Griechenland sah man eine solche Formel als Wahrspruch Apollons an. Sie ist: «Erkenne dich selbst.» Solche Sätze scheinen ein unendliches Leben in sich zu bergen. Man trifft auf sie, wenn man die verschiedensten Wege des geistigen Lebens wandelt. Je weiter man fortschreitet, je mehr man in die Erkenntnis der Dinge dringt, desto tiefer erscheint der Sinn dieser Formeln. In manchen Augenblicken unseres Sinnens und Denkens leuchten sie blitzartig auf, unser ganzes inneres Leben erhellend. In solchen Augenblicken lebt in uns etwas wie das Gefühl auf, daß wir den Herzschlag der Menschheitsentwicklung vernehmen. Wie nahe fühlen wir uns doch Persönlichkeiten der Vergangenheit, wenn uns bei einem ihrer Aussprüche die Empfindung überkommt, sie offenbaren uns, daß sie solche Augenblicke gehabt haben! Man fühlt sich dann in ein intimes Verhältnis zu diesen Persönlichkeiten gebracht. Man lernt z. B. Hegel intim kennen, wenn man im dritten Bande seiner «Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie» auf die Worte stößt: «Solches Zeug, sagt man, die Abstraktionen, die wir betrachten, wenn wir so in unserem Kabinett die Philosophen sich zanken und streiten lassen, und es so oder so ausmachen, sind Wort-Abstraktionen. - Nein! Nein! Es sind Taten des Weltgeistes, und darum des Schicksals. Die Philosophen sind dabei dem Herrn näher, als die sich nähren von den Brosamen des Geistes; sie lesen oder schreiben die Kabinettsordres gleich im Original: sie sind gehalten, diese mitzuschreiben. Die Philosophen sind die Mysten, die beim Ruck im innersten Heiligtum mit und dabei gewesen.» Als Hegel dies gesprochen, hat er einen der oben geschilderten Augenblicke erlebt. Er hat die Sätze gesagt, als er in seinen Betrachtungen am Ende der griechischen Philosophie angekommen war. Und er hat durch sie gezeigt, daß ihm einmal blitzartig der Sinn der neuplatonischen Weisheit, von der er an der Stelle spricht, aufgeleuchtet hat. In dem Augenblicke dieses Aufleuchtens war er mit Geistern wie Plotin, Proklus intim geworden. Und wir werden mit ihm intim, indem wir seine Worte lesen.
[ 1 ] There are magic formulas which continue to act in perpetually new ways throughout the centuries of the history of ideas. In Greece one such formula was regarded as an oracle of Apollo. It is, “Know thyself.” Such sentences seem to contain an infinite life within themselves. One meets them in walking the most diverse paths of spiritual life. The more one advances, the more one penetrates to an understanding of all phenomena, the deeper appears the meaning of these formulas. At many moments in the course of our meditations and thoughts they flash like lightning, illuminating our whole inner life. At such times there arises in us something like the feeling that we perceive the heartbeat of humanity's development. How close we feel to personalities of the past when one of their sayings arouses in us the sensation that they are revealing to us the fact of their having had such moments! One then feels oneself brought into an intimate relationship with these personalities. Thus for instance, one becomes intimately acquainted with Hegel when, in the third volume of his Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, Lectures on the History of Philosophy, one comes upon the words: “Such stuff, one says, are the abstractions we behold when we let the philosophers dispute and quarrel in our study, and decide matters in this way or in that; these are abstractions made up of mere words.—No! No! They are acts of the universal spirit, and therefore of fate. In this the philosophers are closer to the master than those who feed upon the crumbs of the spirit; they read or write the cabinet orders in the original: it is their function to take part in writing them. The philosophers are the mystics who were present at the act in the innermost sanctuary and who participated in it.” When Hegel said this he experienced one of the moments described above. He spoke these sentences when he had reached the end of Greek philosophy in the course of his analysis. And through them he has shown that the meaning of Neoplatonist wisdom, of which he speaks at this point, was at one time illuminated for him as by a stroke of lightning. At the moment of this illumination he had become intimate with such spirits as Plotinus and Proclus. And we become intimate with him as we read his words.
[ 2 ] Und intim werden wir mit dem einsam sinnenden Pfarrherrn in Zschopau, M. Valentinus Wigelius (Valentin Weigel), wenn wir die Einleitungsworte seines 1578 geschriebenen Büchelchens «Erkenne dich selbst» lesen. «Wir lesen bei den alten Weisen dies nützliche Sprichwort ,Erkenne dich selbst', welches, ob es schon recht von weltlichen Sitten gebraucht wird, als: siehe dich selbst recht an, was du seiest, forsche in deinem Busen, urteile über dich selbst, und laß andere ungetadelt, ob es schon, sage ich, auf das menschliche Leben, als von den Sitten gebraucht worden ist, dennoch mögen wir solchen Spruch ,Erkenne dich selbst' auch recht und wohl ziehen auf die natürliche und übernatürliche Erkenntnis des ganzen Menschen, also, daß sich der Mensch nicht allein selber ansehe, und hiermit erinnere, wie er sich in den Sitten vor den Leuten halten solle, sondern daß er auch seine Natur erkenne, inwendig und auswendig, im Geist und in der Natur; von wannen er komme, und woraus er gemacht sei, wozu er geordnet sei.» Valentin Weigel ist, von ihm eigenen Gesichtspunkten aus, zu Erkenntnissen gelangt, die sich ihm in den Wahrspruch Apollons zusammenfaßten.
[ 2 ] And we become intimate with the solitarily meditating vicar in Zschopau, M. Valentinus Wigelius (Valentin Weigel), when we read the words of introduction to his booklet, Erkenne dich selbst, Know Thyself, written in 1578. “We read in the old sages the useful proverb, ‘Know thyself,’ which, although it is principally used to refer to worldly behavior, such as, Look well at yourself, what you are; Search in your bosom; Judge yourself, and leave others uncensored: although it is, I say, used in human life with respect to behavior, yet we may well apply this saying, ‘Know thyself,’ to the natural and supernatural understanding of the whole man, so that man shall not only look at himself and thus remember what his behavior should be with respect to other people, but also understand his nature, internally and externally, in the spirit and in nature: whence he comes, of what he is made, and what he is meant for.” From his own points of view Valentin Weigel has thus arrived at insights which were summed up for him in the oracle of Apollo.
[ 3 ] Einer Reihe von tiefangelegten Geistern, die mit dem Meister Eckhart (1250-1327) anhebt und mit Angelus Silesius (1624-1677) abschließt, und zu denen Valentin Weigel gehört, kann ein ähnlicher Erkenntnisweg und eine gleiche Stellung zu dem «Erkenne dich selbst» zugeschrieben werden.
[ 3 ] A similar road to understanding, and the same position with respect to the “Know thyself,” can be ascribed to a series of penetrating spirits beginning with Meister Eckhart (1260–1327) and ending with Angelus Silesius (1624–1677), to which Valentin Weigel also belongs.
[ 4 ] Gemeinsam ist diesen Geistern ein starkes Gefühl dafür, daß in der Selbsterkenntnis des Menschen eine Sonne aufgeht, die noch etwas ganz anderes beleuchtet als die zufällige Einzelpersönlichkeit des Betrachters. Was Spinoza in der Ätherhöhe des reinen Gedankens zum Bewußtsein gekommen ist, daß «die menschliche Seele eine zureichende Erkenntnis von dem ewigen und unendlichen Wesen Gottes» hat, das lebte in ihnen als unmittelbare Empfindung; und die Selbsterkenntnis war ihnen der Pfad, zu diesem ewigen und unendlichen Wesen zu dringen. Ihnen war klar, daß die Selbsterkenntnis in ihrer wahren Gestalt den Menschen mit einem neuen Sinn bereichert, der ihm eine Welt erschließt, die sich zu dem, was ohne diesen Sinn erreichbar ist, verhält wie die Welt des körperlich Sehenden zu der des Blinden. Man wird nicht leicht eine bessere Darstellung von der Bedeutung dieses neuen Sinnes erhalten, als sie J. G. Fichte in seinen Berliner Vorlesungen, im Jahre 1813, gegeben hat. «Denke man eine Welt von Blindgeborenen, denen darum allein die Dinge und ihre Verhältnisse bekannt sind, die durch den Sinn der Betastung existieren. Tretet unter diese, und redet ihnen von Farben und den andern Verhältnissen, die nur durch das Licht für das Sehen vorhanden sind. Entweder ihr redet ihnen von nichts, und dies ist das Glücklichere, wenn sie es sagen; denn auf diese Weise werdet ihr bald den Fehler merken, und falls ihr ihnen nicht die Augen zu öffnen vermögt, das vergebliche Reden einstellen. - Oder sie wollen aus irgendeinem Grunde eurer Lehre doch einen Verstand geben: so können sie dieselbe nur verstehen von dem, was ihnen durch die Betastung bekannt ist: sie werden das Licht und die Farben, und die andern Verhältnisse der Sichtbarkeit fühlen wollen, zu fühlen vermeinen, innerhalb des Gefühles irgend etwas sich erkünsteln und anlügen, was sie Farbe nennen. Dann mißverstehen, verdrehen, mißdeuten sie.» Ein ähnliches darf man von dem sagen, was die in Rede stehenden Geister erstrebten. Einen neuen Sinn sahen sie in der Selbsterkenntnis erschlossen. Und dieser Sinn liefert, nach ihrer Empfindung, Anschauungen, die für denjenigen nicht vorhanden sind, der in der Selbsterkenntnis nicht sieht, was sie von allen anderen Arten des Erkennens unterscheidet. Wem dieser Sinn sich nicht geöffnet hat, der glaubt, Selbsterkenntnis komme ähnlich zustande wie Erkenntnis durch äußere Sinne, oder durch irgend welche andere von außen her wirkende Mittel. Er meint: «Erkenntnis sei Erkenntnis.» Das eine Mal nur sei ihr Gegenstand etwas, was draußen in der Welt liegt, das andere Mal sei dieser Gegenstand die eigene Seele. Er hört nur Worte, im besten Falle abstrakte Gedanken bei dem, was für tiefer Blickende die Grundlage ihres Innenlebens ist; nämlich bei dem Satze, daß wir bei aller anderen Art von Erkenntnis den Gegenstand außer uns haben, bei der Selbsterkenntnis innerhalb dieses Gegenstandes stehen, daß wir jeden anderen Gegenstand als fertigen, abgeschlossenen an uns herantreten sehen, in unserem Selbst jedoch als Tätige, Schaffende das selbst weben, was wir in uns beobachten. Dies kann als eine bloße Worterklärung, vielleicht als Trivialität erscheinen; es kann aber auch, recht verstanden, als höheres Licht erscheinen, das jede andere Erkenntnis neu beleuchtet. Wem es in der ersten Weise erscheint, der ist in einer Lage wie ein Blinder, dem man sagt: dort ist ein glänzender Gegenstand. Er hört die Worte, der Glanz ist für ihn nicht da. Man kann die Summe des Wissens einer Zeit in sich vereinigen; empfindet man nicht die Tragweite der Selbsterkenntnis, dann ist alles Wissen im höheren Sinne ein blindes.
[ 4 ] What is common to these spirits is a strong feeling that in man's self-knowledge arises a sun which illuminates something beyond the incidental individual personality of the beholder. What Spinoza realized in the ethereal height of pure thought, that “the human soul has a sufficient knowledge of the eternal and infinite nature of God,” lived in them as immediate perception; and for them self-knowledge was the path by which this eternal and infinite nature was to be reached. It was clear to them that self-knowledge in its true form endows man with a new sense which opens to him a world that has the same relation to what can be attained without this sense as does the world of the physically sighted to that of the blind. It would not be easy to find a better description of the importance of this new sense than that given by J. G. Fichte in his Berlin lectures in the year 1813. “Imagine a world of people born blind, who therefore know only those objects and their conditions which exist through the sense of touch. Go among them and speak to them of colors and of the other conditions which exist only for sight through the medium of light. Either you will speak to them of nothing, and it will be better if they say so, for in this way you will soon notice your mistake, and, if you cannot open their eyes, will put an end to this fruitless talk.—Or for some reason they will want to give a meaning to your teaching; in this case they will only be able to understand it through what they know from touch: they will want to feel the light, the colors, and the other conditions of visibility; they will think that they feel them, will, within the realm of touch, make up something that they call color and deceive themselves with it. Then they will misunderstand, turn things around, and misinterpret.” Something similar may be said of that toward which the spirits under discussion strove. In self-knowledge they saw the opening up of a new sense. And in their opinion this sense leads to insights which do not exist for one who does not perceive in self-knowledge that which differentiates it from all other kinds of knowing. One to whom this sense has not opened itself thinks that self-knowledge arises in a way similar to knowledge through external senses, or through some other means acting from the outside. He thinks, “Knowledge is knowledge.” However, in one case its object is something situated in the external world, in the other case it is in his own soul. He hears only words, at best abstract thoughts, in what, for those who look deeper, constitutes the basis of their inner life namely, in the dictum that in all other kinds of knowing the object is outside of ourselves, while in self-knowledge we stand inside the object; that every other object comes into contact with us as something completed and closed, while in our self we actively and creatively weave what we observe in ourselves. This may appear as an explanation consisting of mere words, perhaps as a triviality, but if properly understood, it can also appear as a higher light which illuminates all other knowledge in a new way. He to whom it appears under the first aspect is in the same situation as a blind man to whom one says, A brilliant object is there. He hears the words, but for him brilliance does not exist. One can unite in oneself the sum of the knowledge of a period; if one does not perceive the significance of self-knowledge then in the higher sense all knowledge is but blind.
[ 5 ] Die von uns unabhängige Welt lebt für uns dadurch, daß sie sich unserem Geiste mitteilt. Was uns da mitgeteilt wird, muß in der uns eigentümlichen Sprache gefaßt sein. Ein Buch, dessen Inhalt in einer uns fremden Sprache dargeboten würde, wäre für uns bedeutungslos. Ebenso wäre die Welt für uns bedeutungslos, wenn sie nicht in unserer Sprache zu uns spräche. Dieselbe Sprache, die von den Dingen zu uns dringt, vernehmen wir aus uns selbst. Dann sind wir es aber auch, die sprechen. Es handelt sich bloß darum, daß wir die Verwandlung richtig belauschen, die eintritt, wenn wir unsere Wahrnehmung den äußeren Dingen verschließen und nur auf das hören, was dann noch aus uns selbst tönt. Dazu gehört eben der neue Sinn. Wird er nicht erweckt, so glauben wir in den Mitteilungen über uns selbst auch nur solche über ein uns äußeres Ding zu vernehmen; wir meinen, irgendwo sei etwas verborgen, was zu uns in derselben Weise spricht, wie die äußeren Dinge sprechen. Haben wir den neuen Sinn, dann wissen wir, daß seine Wahrnehmungen sich wesentlich von denen unterscheiden, die sich auf äußere Dinge beziehen. Dann wissen wir, daß dieser Sinn das nicht außer sich läßt, was er wahrnimmt, wie das Auge den gesehenen Gegenstand außer sich läßt; sondern, daß er seinen Gegenstand restlos in sich aufzunehmen vermag. Sehe ich ein Ding, so bleibt das Ding außer mir; nehme ich mich wahr, so ziehe ich selbst in meine Wahrnehmung ein. Wer außer dem Wahrgenommenen noch etwas von seinem Selbst sucht, der zeigt, daß ihm in der Wahrnehmung der eigentliche Inhalt nicht aufleuchtet. Johannes Tauler (1300 - 1361) hat diese Wahrheit mit den treffenden Worten ausgesprochen: Wenn ich ein König wäre, und wüßte es nicht, dann wäre ich kein König. Wenn ich mir in meiner Selbstwahrnehmung nicht aufleuchte, dann bin ich mir nicht vorhanden. Leuchte ich mir auf, dann habe ich mich aber auch in meiner Wahrnehmung in meiner ureigensten Wesenheit. Es bleibt kein Rest von mir außer meiner Wahrnehmung. J. G. Fichte deutet energisch mit folgenden Worten auf den Unterschied der Selbstwahrnehmung von jeder andern Art von Wahrnehmung: «Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen sein, sich für ein Stück Lava im Monde als für ein Ich zu halten. Wer hierüber noch nicht einig mit sich selbst ist, der versteht keine gründliche Philosophie, und er bedarf keiner. Die Natur, deren Maschine er ist, wird ihn schon ohne all sein Zutun in allen Geschäften leiten, die er auszuführen hat. Zum Philosophieren gehört Selbständigkeit: und diese kann man sich nur selbst geben. - Wir sollen nicht ohne Auge sehen wollen; aber wir sollen auch nicht behaupten, daß das Auge sehe.»
[ 5 ] Independent of us, the world lives for us because it communicates itself to our spirit. What is communicated to us must be expressed in the language characteristic of us. A book would be meaningless for us if its contents were to be presented to us in an unknown tongue. In the same way the world would be meaningless for us if it did not speak to us in our language. The same language which reaches us from the realm of objects, we also hear in ourselves. But then it is we who are speaking. It is only a matter of listening aright to the transformation which occurs when we close our perception to external objects and listen only to that which then sounds in ourselves. It is for this that the new sense is necessary. If it is not awakened we think that in the communications about ourselves we perceive only communications about an object external to ourselves; we are of the opinion that there is something hidden somewhere which speaks to us in the same way as do external objects. If we have the new sense we know that its perceptions are quite different from those which refer to external objects. Then we know that this sense does not leave outside of itself that which it perceives, as the eye leaves outside of itself the object it sees, but that it can completely incorporate its object within itself. If I see an object, the object remains outside of me; if I perceive myself, I myself enter into my perception. One who seeks some part of his self outside what is perceived, shows that the essential content of what is perceived has not become apparent to him. Johannes Tauler (1300–1361) expressed this truth in the apt words: If I were a king and did not know it, I would not be a king. If I do not become clear to myself in my self-perception, then I do not exist for myself. But if I do become clear to myself then in my most fundamental nature I possess myself in my perception. No part of me remains outside of my perception. J. G. Fichte strongly indicates the difference between self-perception and every other kind of perception in the following words: “It would be easier to get most people to consider themselves to be a piece of lava in the moon than a self. He who is not in agreement with himself about this understands no thoroughgoing philosophy and needs none. Nature, whose machine he is, will lead him without his doing anything in all the acts he has to perform. In order to philosophize one needs independence, and this one can only give to oneself.—We should not want to see without eyes, but we should also not affirm that it is the eye which sees.”
[ 6 ] Die Wahrnehmung seiner selbst ist also zugleich Erweckung seines Selbst. In unserer Erkenntnis verbinden wir das Wesen der Dinge mit unserem eigenen Wesen. Die Mitteilungen, die uns die Dinge in unserer Sprache machen, werden zu Gliedern unseres eigenen Selbst. Ein Ding, das mir gegenübersteht, ist nicht mehr getrennt von mir, wenn ich es erkannt habe. Das, was ich von ihm aufnehmen kann, gliedert sich meinem eigenen Wesen ein. Erwecke ich nun mein eigenes Selbst, nehme ich den Inhalt meines Innern wahr, dann erwecke ich auch zu einem höheren Dasein, was ich von außen in mein Wesen eingegliedert habe. Das Licht, das auf mich selbst fällt bei meiner Erweckung, fällt auch auf das, was ich von den Dingen der Welt mir angeeignet habe. Ein Licht blitzt in mir auf und beleuchtet mich, und mit mir alles, was ich von der Welt erkenne. Was immer ich erkenne, es bliebe blindes Wissen, wenn nicht dieses Licht darauf fiele. Ich könnte die ganze Welt erkennend durchdringen: sie wäre nicht, was sie in mir werden muß, wenn die Erkenntnis nicht in mir zu einem höheren Dasein erweckt würde.
[ 6 ] The perception of oneself is thus at the same time an awakening of the self. In our knowing we connect the nature of things with our own nature. The communications which things make to us in our language become parts of our own self. A thing which confronts me is no longer separate from me once I know it. That part of it which I can take in is incorporated into my own nature. When I awaken my own self, when I perceive what is within me, then I also awaken to a higher existence what I have incorporated into my nature from the outside. The light which falls upon me when I awaken, also falls upon what I have appropriated to myself of the things of the world. A light flashes in me and illuminates me, and with me everything I know of the world. Everything I know would remain blind knowledge if this light did not fall upon it. I could penetrate the whole world with my knowledge; it would not be what it must become in me if knowledge were not awakened to a higher existence within me.
[ 7 ] Was ich durch diese Erweckung zu den Dingen hinzubringe, ist nicht eine neue Idee, ist nicht eine inhaltliche Bereicherung meines Wissens; es ist ein Hinaufheben des Wissens, der Erkenntnis, auf eine höhere Stufe, auf der allen Dingen ein neuer Glanz verliehen wird. So lange ich die Erkenntnis nicht zu dieser Stufe erhebe, bleibt mir alles Wissen im höheren Sinne wertlos. Die Dinge sind auch ohne mich da. Sie haben ihr Sein in sich. Was soll es für eine Bedeutung haben, daß ich mit ihrem Sein, das sie draußen ohne mich haben, auch noch ein geistiges Sein verknüpfe, das in mir die Dinge wiederholte? Handelte es sich um eine bloße Wiederholung der Dinge: es wäre sinnlos, diese zu vollführen. - Aber es handelt sich nur so lange um eine bloße Wiederholung, als ich nicht mit meinem eigenen Selbst den in mich aufgenommenen geistigen Inhalt der Dinge zu einem höheren Dasein erwecke. Geschieht dies, dann habe ich das Wesen der Dinge in mir nicht wiederholt, sondern ich habe es auf einer höheren Stufe wiedergeboren. Mit der Erweckung meines Selbst vollzieht sich eine geistige Wiedergeburt der Dinge der Welt. Was die Dinge in dieser Wiedergeburt zeigen, das ist ihnen vorher nicht eigen. Da draußen steht der Baum. Ich fasse ihn in meinen Geist auf Ich werfe mein inneres Licht auf das, was ich erfaßt habe. Der Baum wird in mir zu mehr, als er draußen ist. Was von ihm durch das Tor der Sinne einzieht, wird in einen geistigen Inhalt aufgenommen. Ein ideelles Gegenstück zu dem Baume ist in mir. Das sagt über den Baum unendlich viel aus, was mir der Baum draußen nicht sagen kann. Aus mir heraus leuchtet dem Baume erst entgegen, was er ist. Der Baum ist nun nicht mehr das einzelne Wesen, das er draußen im Raume ist. Er wird ein Glied der ganzen geistigen Welt, die in mir lebt. Er verbindet seinen Inhalt mit anderen Ideen, die in mir sind. Er wird ein Glied der ganzen Ideenwelt, die das Pflanzenreich umfaßt; er gliedert sich weiter in die Stufenfolge alles Lebendigen ein. - Ein anderes Beispiel: Ich werfe einen Stein in horizontaler Richtung von mir. Er bewegt sich in einer krummen Linie und fällt nach einiger Zeit zu Boden. Ich sehe ihn in aufeinanderfolgenden Zeitpunkten an verschiedenen Orten. Durch meine Betrachtung gewinne ich folgendes: Der Stein steht während seiner Bewegung unter verschiedenen Einflüssen. Wenn er nur unter der Folge des Stoßes stände, den ich ihm gegeben habe, würde er in gerader Linie ewig fortfliegen, ohne seine Schnelligkeit zu ändern. Nun aber übt die Erde einen Einfluß auf ihn aus. Sie zieht ihn an sich. Hätte ich ihn, ohne zu stoßen, einfach losgelassen, so wäre er senkrecht zur Erde gefallen. Seine Schnelligkeit hätte dabei fortwährend zugenommen. Aus der Wechselwirkung dieser beiden Einflüsse entsteht das, was ich wirklich sehe. - Nehmen wir an, ich könnte die beiden Einflüsse nicht gedankenmäßig trennen, und aus ihrer gesetzmäßigen Verbindung das wieder gedankenmäßig zusammenfügen, was ich sehe: so bliebe es beim Gesehenen. Es wäre ein geistig blindes Hinsehen; ein Wahrnehmen der aufeinanderfolgenden Lagen, die der Stein einnimmt. In der Tat aber bleibt es nicht dabei. Der ganze Vorgang vollzieht sich zweimal. Einmal draußen; und da sieht ihn mein Auge; dann läßt mein Geist den ganzen Vorgang noch einmal entstehen, auf geistige Weise. Auf den geistigen Vorgang, den mein Auge nicht sieht, muß mein innerer Sinn gelenkt werden, dann geht ihm auf, daß ich, aus meiner Kraft heraus, den Vorgang als geistigen erwecke. - Wieder darf man einen Satz J. G. Fichtes anführen, der diese Tatsache klar zur Anschauung bringt. «Der neue Sinn ist demnach der Sinn für den Geist; der, für den nur Geist ist und durchaus nichts anderes, und dem auch das andere, das gegebene Sein, annimmt die Form des Geistes, und sich darein verwandelt, dem darum das Sein in seiner eigenen Form in der Tat verschwunden ist. ... Es ist mit diesem Sinne gesehen worden, seitdem Menschen da sind, und alles Große und Treffliche, was in der Welt ist, und welches allein die Menschheit bestehen macht, stammt aus den Gesichten dieses Sinnes. Daß aber dieser Sinn sich selbst gesehen haben sollte in seinem Unterschiede und Gegensatze mit dem andern gewöhnlichen Sinne, war nicht der Fall. Die Eindrücke der beiden Sinne verschmolzen, das Leben zerfiel ohne Einigungsband in diese zwei Hälften.» Das Einigungsband wird dadurch geschaffen, daß der innere Sinn das Geistige, das er in seinem Verkehr mit der Außenwelt erweckt, in seiner Geistigkeit erfaßt. Dadurch hört das, was wir von den Dingen in unseren Geist aufnehmen, auf, als eine bedeutungslose Wiederholung zu erscheinen. Es erscheint als ein Neues gegenüber dem, was nur äußere Wahrnehmung geben kann. Der einfache Vorgang des Steinwerfens, und meine Wahrnehmung desselben erscheinen in einem höheren Lichte, wenn ich mir klarmache, was mein innerer Sinn an der ganzen Sache für eine Aufgabe hat. Um die beiden Einflüsse und ihre Wirkungsweisen gedankenmäßig zusammenzufügen, ist eine Summe von geistigem Inhalt nötig, den ich mir bereits angeeignet haben muß, wenn ich den fliegenden Stein wahrnehme. Ich wende also einen in mir bereits aufgespeicherten geistigen Inhalt an auf etwas, das mir in der Außenwelt entgegentritt. Und dieser Vorgang der Außenwelt gliedert sich dem bereits vorhandenen geistigen Inhalt ein. Er erweist sich in seiner Eigenart als ein Ausdruck dieses Inhalts. Durch das Verständnis meines inneren Sinnes wird mir somit erschlossen, was für ein Verhältnis der Inhalt dieses Sinnes zu den Dingen der Außenwelt hat. Fichte konnte sagen, ohne das Verständnis für diesen Sinn zerfällt mir die Welt in zwei Hälften: in Dinge außer mir, und in Bilder von diesen Dingen in mir. Die beiden Hälften werden vereinigt, wenn der innere Sinn sich versteht, und ihm damit auch klar ist, was er selbst im Erkenntnisprozesse den Dingen für Licht gibt. Und Fichte durfte auch sagen, daß dieser innere Sinn nur Geist sieht. Denn er siebt, wie der Geist die Sinnenwelt dadurch aufklärt, daß er sie der Welt des Geistigen eingliedert. Der innere Sinn läßt in sich das äußere Sinnendasein als geistige Wesenheit auf einer höheren Stufe erstehen. Ein äußeres Ding ist ganz erkannt, wenn kein Teil an ihm ist, der nicht in dieser Art eine geistige Wiedergeburt erlebt hat. Jedes äußere Ding gliedert sich somit einem geistigen Inhalt ein, der, wenn er von dem innern Sinn erfaßt wird, das Schicksal der Selbsterkenntnis teilt. Der geistige Inhalt, der einem Dinge zugehört, ist durch die Beleuchtung von innen, ebenso wie das eigene Selbst restlos in die Ideenwelt eingeflossen. - Diese Ausführungen enthalten nichts, was eines logischen Beweises fähig oder bedürftig wäre. Sie sind nichts anderes als Ergebnisse der inneren Erfahrungen. Wer ihren Inhalt in Abrede stellt, der zeigt nur, daß ihm diese innere Erfahrung mangelt. Man kann mit ihm nicht streiten; ebensowenig, wie man mit dem Blinden über die Farbe streitet. - Es darf aber nicht behauptet werden, daß diese innere Erfahrung nur durch die Begabung weniger Auserwählter möglich gemacht werde. Sie ist eine allgemein-menschliche Eigenschaft. Jeder kann auf den Weg zu ihr gelangen, der sich nicht selbst vor ihr verschließt. Dieses Verschließen ist allerdings häufig genug. Und man hat bei Einwendungen, die nach dieser Richtung gemacht werden, immer das Gefühl: es handle sich gar nicht um solche, die die innere Erfahrung nicht erlangen können, sondern um solche, die sich durch ein Netz von allerlei logischen Gespinsten den Zugang zu ihr verrammeln. Es ist fast so, wie wenn jemand, der durch ein Fernrohr sieht, einen neuen Planeten erblickt, dessen Dasein aber doch ableugnet, weil ihm seine Rechnung gezeigt hat, daß an dieser Stelle kein Planet sein darf.
[ 7 ] What I add to things by this awakening is not a new idea, is not an enrichment of the content of my knowledge; it is a raising of knowledge, of cognition, to a higher level, on which everything is endowed with a new brilliance. As long as I do not raise my cognition to this level, all knowledge remains worthless to me in the higher sense. Things exist without me too. They have their being in themselves. What does it mean if with their existence, which they have outside without me, I connect another spiritual existence, which repeats things within me? If it were a matter of a mere repetition of things, it would be senseless to do this.—But it is a matter of a mere repetition only so long as I do not awaken to a higher existence within my own self the spiritual content of things received into myself. When this happens, then I have not repeated the nature of things within me, but have given it a rebirth on a higher level. With the awakening of my self there takes place a spiritual rebirth of the things of the world. What things show in this rebirth they did not possess previously. There outside stands a tree. I take it into my mind. I throw my inner light upon what I have apprehended. Within me the tree becomes more than it is outside. That part of it which enters through the portal of the senses is received into a spiritual content. An ideal counterpart to the tree is in me. This says infinitely much about the tree, which the tree outside cannot tell me. What the tree is only shines upon it out of me. Now the tree is no longer the isolated being which it is in external space. It becomes a part of the whole spiritual world living within me. It combines its content with other ideas which exist in me. It becomes a part of the whole world of ideas, which embraces the vegetable kingdom; it is further integrated into the evolutionary scale of every living thing.—Another example: I throw a stone in a horizontal direction. It moves in a curved line, and after some time falls to the ground. In successive moments of time I see it in different locations. Through reflection I arrive at the following: During its movement the stone is subject to differing influences. If it were only under the influence of the impulse I gave to it, it would fly on forever in a straight line, without any change in its velocity. But the earth also exercises an influence upon it. It attracts it. If I had simply let it go without giving it an impulse, it would have fallen vertically to the earth. During the fall its velocity would have constantly increased. The reciprocal action of these two influences produces what I actually see.—Let us assume that I was not able to separate the two influences mentally, and to reconstruct mentally what I see from their combination according to certain laws; matters would remain at that which is seen. It would be a spiritually blind looking-on, a perception of the successive positions occupied by the stone. But in fact matters do not remain at this. The whole process occurs twice. Once outside, and there my eye sees it; then my mind lets the whole process occur again, in a mental fashion. My inner sense must be directed upon the mental process, which my eye does not see, in order for it to realize that with my own forces I awaken the process in its mental aspect.—One can again adduce a dictum of J. G. Fichte, which makes this fact clearly intelligible. “The new sense is thus the sense for the spirit; that sense for which only the spirit exists and nothing else, and for which the other, the given existence, also assumes the form of the spirit and becomes transformed into it, for which therefore existence in its own form has actually disappeared ... This sense has been used for seeing as long as men have existed, and everything great and excellent in the world, and which alone makes mankind endure, has its origin in the visions of this sense. But it was not the case that this sense saw itself in its difference from and its opposition to the other, ordinary sense. The impressions of the two senses became fused; life split into these two halves without a unifying bond.” The unifying bond is created by the fact that the inner sense perceives the spiritual, which it awakens in its intercourse with the external world, in its spirituality. Because of this, that part of things which we take up into our spirit ceases to appear as a meaningless repetition. It appears as something new in opposition to what external perception can give. The simple process of throwing a stone, and my perception of it, appear in a higher light when I make clear to myself the task of my inner sense in this whole matter. In order to combine intellectually the two influences and their manners of acting, a sum of mental content is required which I must already have acquired when I perceive the flying stone. I thus use a mental content already stored within me upon something which confronts me in the external world. And this process of the external world is integrated into the pre-existing intellectual content. In its essence it shows itself to be an expression of this content. Through a comprehension of my inner sense the relationship of the content of this sense to the things of the external world thus becomes apparent to me. Fichte could say that without a comprehension of this sense, for me the world splits into two halves: into things outside of me, and into images of these things within me. The two halves become united when the inner sense understands itself, and therewith realizes what kind of light it sheds upon things in the process of cognition. And Fichte could also say that this inner sense sees only spirit. For it sees how the spirit illuminates the world of the senses by integrating it into the world of the spiritual. The inner sense lets the external sensory existence arise within it as a spiritual essence on a higher level. An external thing is completely known when there is no part of it which has not experienced a spiritual rebirth in this way. Every external thing is thus integrated with a spiritual content, which, when it is seized upon by the inner sense, participates in the destiny of self-knowledge. The spiritual content which belongs to a thing enters wholly into the world of ideas through the illumination from inside, just as does our own self.—This exposition contains nothing which is either capable of a logical proof or requires one. It is nothing but a result of inner experiences. One who denies its purport only shows that he lacks this inner experience. One cannot dispute with him any more than one disputes about color with a blind man.—It must not however be asserted that this inner experience is made possible only through the gift possessed by a few chosen ones. It is a common human quality. Everyone who does not refuse to do so can enter upon the path to it. This refusal however is frequent enough. And one always has the feeling when one meets with objections made in this vein: it is not a matter of people who cannot acquire the inner experience, but of those who block their access to it by a net of various logical chimeras. It is almost as if someone who looks through a telescope sees a new planet, but nevertheless denies its existence because his calculations have shown him that there can be no planet in that location.
[ 8 ] Dabei ist aber bei den meisten Menschen doch das deutliche Gefühl davon ausgeprägt, daß mit dem, was die äußeren Sinne und der zergliedernde Verstand erkennen, noch nicht alles gegeben sein kann, was im Wesen der Dinge liegt. Sie glauben dann, der Rest müsse ebenso in der Außenwelt sein, wie die Dinge der äußeren Wahrnehmung selbst. Sie meinen, es müsse etwas sein, was der Erkenntnis unbekannt bleibt. Was sie dadurch erlangen sollten, daß sie das wahrgenommene und mit dem Verstande erfaßte Ding mit dem inneren Sinne auf höherer Stufe noch einmal wahrnehmen, das versetzen sie, als ein Unzugängliches, Unbekanntes in die Außenwelt. Sie reden dann von Erkenntnisgrenzen, die verhindern, daß wir zum «Ding an sich» gelangen. Sie reden von dem unbekannten «Wesen» der Dinge. Daß dieses «Wesen» der Dinge aufleuchtet, wenn der innere Sinn sein Licht auf die Dinge fallen läßt, das wollen sie nicht anerkennen. Ein besonders laut sprechendes Beispiel für den Irrtum, der hier verborgen liegt, hat die berühmte «Ignorabimus»-Rede des Naturforschers Du Bois-Reymond im Jahre 1876 geliefert. Wir sollen überall nur so weit kommen, daß wir in den Naturvorgängen Äußerungen der «Materie» sehen. Was «Materie» selbst ist, davon sollen wir nichts wissen können. Du Bois-Reymond behauptet, daß wir niemals dahin werden dringen können, wo Materie im Raume spukt. Der Grund, warum wir dahin nicht dringen können, liegt jedoch darin, daß dort überhaupt nichts gesucht werden kann. Wer so wie Du Bois-Reymond spricht, der hat ein Gefühl, daß die Naturerkenntnis Ergebnisse liefere, die auf ein anderes, das sie nicht selbst geben kann, hinweisen. Er will aber den Weg, der zu diesem anderen führt, den Weg der inneren Erfahrung, nicht betreten. Deshalb steht er ratlos der Frage nach der «Materie», wie einem dunklen Rätsel, gegenüber. Wer den Weg der inneren Erfahrung betritt, in dem erlangen die Dinge eine Wiedergeburt; und das, was an ihnen für die äußere Erfahrung unbekannt bleibt, das leuchtet dann auf.
[ 8 ] At the same time there exists in most people a definite feeling that with what the external senses and the analytic intellect perceive, not all of the nature of things can be given. They then think that the remainder must lie in the outside world, just as do the objects of external perception themselves. What they should attain by perceiving again, with the inner sense and on a higher level, that is, the object which they have perceived and seized upon with the intellect, they displace into the outside world as something inaccessible and unknown. They then speak of limits to cognition which prevent us from attaining the “thing in itself.” They speak of the unknown “nature” of things. That this “nature” of things becomes clear when the inner sense lets its light fall upon things, they will not acknowledge. An especially telling example of the error which lies hidden here was furnished by the famous “Ignorabimus” speech of the scientist, Du Bois-Reymond, in the year 1876. Everywhere we should go only so far as to see manifestations of “matter” in the processes of nature. Of what “matter” itself is, we are not to know anything. Du Bois-Reymond asserts that we shall never be able to penetrate to the point where matter haunts space. But the reason we cannot penetrate to this point lies in the fact that nothing whatsoever can be found there. One who speaks like Du Bois-Reymond has a feeling that the understanding of nature gives results which point to something else, which this understanding itself cannot give. But he does not want to enter upon the path which leads to this something else, namely the path of inner experience. Therefore he is helpless when confronted by the question of “matter,” as by a dark mystery. In the one who enters upon the path of inner experience things come to a rebirth; and what in them remains unknown to external experience then becomes clear.
[ 9 ] So klärt das Innere des Menschen sich nicht nur über sich selbst, sondern es klärt auch über die äußeren Dinge auf. Von diesem Punkte aus öffnet sich eine unendliche Perspektive für die menschliche Erkenntnis. Im Innern leuchtet ein Licht, das seine Leuchtkraft nicht nur auf dieses Innere beschränkt. Es ist eine Sonne, die zugleich alle Wirklichkeit beleuchtet. Es tritt in uns etwas auf, was uns mit der ganzen Welt verbindet. Wir sind nicht mehr bloß der einzelne zufällige Mensch, nicht mehr dieses oder jenes Individuum. In uns offenbart sich die ganze Welt. Sie enthüllt uns ihren eigenen Zusammenhang; und sie enthüllt uns, wie wir selbst als Individuum mit ihr zusammenhängen. Aus der Selbsterkenntnis heraus wird die Welterkenntnis geboren. Und unser eigenes beschränktes Individuum stellt sich geistig in den großen Weltzusammenhang hinein, weil in ihm etwas auflebt, was übergreifend ist über dieses Individuum, was alles das mitumfaßt, dessen Glied dieses Individuum ist.
[ 9 ] Thus the inner life of man not only elucidates itself, but also external things. From this point an infinite perspective for human cognition opens up. Within glows a light which does not confine its luminosity to this interior. It is a sun which illuminates all reality at once. Something appears in us which unites us with the whole world. We are no longer merely the single accidental man, no longer this or that individual. In us the whole world reveals itself. To us it discloses its own interconnection, and it shows us how we ourselves as individuals are connected with it. Out of self-knowledge is born knowledge of the world. And our own limited individuality takes its place spiritually in the great interconnection of the world because something comes to life in it which reaches beyond this individuality, which embraces everything of which this individuality is a part.
[ 10 ] Ein Denken, das sich nicht durch logische Vorurteile den Weg zur inneren Erfahrung vermauert, kommt letzten Endes stets zur Anerkennung der in uns waltenden Wesenheit, die uns mit der ganzen Welt verknüpft, weil wir durch sie den Gegensatz von innen und außen in bezug auf den Menschen überwinden. Paul Asmus, der früh verstorbene, scharfsinnige Philosoph, spricht sich über diesen Tatbestand in folgender Weise aus (vgl. dessen Schrift: «Das Ich und das Ding an sich», S. 14 f): «Wir wollen es uns durch ein Beispiel klarer machen; stellen wir uns ein Stück Zucker vor; es ist rund, süß, undurchdringlich usw.; dies sind lauter Eigenschaften, die wir begreifen; nur eins dabei schwebt uns als ein schlechthin Anderes vor, das wir nicht begreifen, das so verschieden von uns ist, daß wir nicht hineinbringen können, ohne uns selbst zu verlieren, von dessen bloßer Oberfläche der Gedanke scheu zurückprallt. Dies eine ist der uns unbekannte Träger aller jener Eigenschaften; das Ansicht, welches das innerste Selbst dieses Gegenstandes ausmacht. So sagt Hegel richtig, daß der ganze Inhalt unserer Vorstellung sich nur als Akzidens zu jenem dunklen Subjekte verhalte, und wir, ohne in seine Tiefen zu dringen, nur Bestimmungen an dieses Ansich heften, - die schließlich, weil wir es selbst nicht auch keinen wahrhaft objektiven Wert haben, subjektiv sind. Das begreifende Denken hingegen hat kein solches unerkennbares Subjekt, an dem seine Bestimmungen nur Akzidenzen wären, sondern das gegenständliche Subjekt fällt innerhalb des Begriffes. Begreife ich etwas, so ist es in seiner ganzen Fülle meinem Begriffe präsent; im innersten Heiligtum seines Wesens bin ich zu Hause, nicht deshalb, weil es kein eigenes Ansich hätte, sondern weil es mich durch die über uns beiden schwebende Notwendigkeit des Begriffes, der in mir subjektiv, in ihm objektiv erscheint, zwingt, seinen Begriff nachzudenken. Durch dies Nachdenken offenbart sich uns, wie Hegel sagt, - ebenso wie dies unsere subjektive Tätigkeit ist, - zugleich die wahre Natur des Gegenstandes.» - So kann nur sprechen, wer mit dem Lichte der inneren Erfahrung die Erlebnisse des Denkens zu beleuchten vermag.
[ 10 ] Thinking which with logical prejudices does not block its way to inner experience will at last always reach a recognition of the essential nature working within us, which connects us with the whole world, because through it we overcome the contrast of inner and outer where man is concerned. Paul Asmus, the prematurely deceased, clearsighted philosopher, comments on this state of affairs in the following way (cf. his work: Das Ich und das Ding an sich, The Self and the Thing in Itself, p. 14f.): “We shall make this clearer to ourselves by means of an example. Let us imagine a piece of sugar; it is round, sweet, impenetrable, etc.; all these are qualities we understand; there is only one thing in all this that appears to us as something absolutely different, that we do not understand, that is so different from us that we cannot penetrate into it without losing ourselves, from the mere surface of which our thought timidly recoils. This one thing is the bearer of all these qualities, and is unknown to us; it is the very essence which constitutes the innermost self of this object. Thus Hegel says correctly that the whole content of our idea is only related to this dark subject as an accident, and that we only attach qualifications to this essence without penetrating to its depths,—qualifications which finally, since we do not know it itself, have no truly objective value, are subjective. Comprehending thinking, on the other hand, has no such unknowable subject in which its qualifications are only accidents, rather the objective subject falls within the concept. If I comprehend something, it is present in my concept in its totality; I am at home in the innermost sanctuary of its nature, not because it has no essence of its own, but because it compels me, through the necessity, poised over both of us, of the concept, which appears subjectively in me, objectively in it, to re-think its concept. Through this re-thinking there is revealed to us, as Hegel says,—just as this is our subjective activity,—at the same time the true nature of the object.”—Only he can speak in this way who is able to illuminate the processes of thought with the light of inner experience.
[ 11 ] In meiner «Philosophie der Freiheit» habe ich, von andern Gesichtspunkten ausgehend, gleichfalls auf die Urtatsache des Innenlebens hingewiesen (S. 50): «Es ist also zweifellos: in dem Denken halten wir das Weltgeschehen an einem Zipfel, wo wir dabei sein müssen, wenn etwas zustande kommen soll. Und das ist doch gerade das, worauf es ankommt. Das ist gerade der Grund, warum mir die Dinge so rätselhaft gegenüberstehen: daß ich an ihrem Zustandekommen so unbeteiligt bin. Ich finde sie einfach vor; beim Denken aber weiß ich, wie es gemacht wird. Daher gibt es keinen ursprünglicheren Ausgangspunkt für das Betrachten alles Weltgeschehens als das Denken.»
[ 11 ] In my Philosoph ie der Freiheit, Philosophy of Spiritual Activity, departing from different points of view, I also have pointed to the primordial fact of the inner life: “There is thus no doubt: in thinking we hold the universal processes by a corner where we have to be present if they are to take place at all. And it is just this which is important. This is just the reason why things confront me in such a mysterious fashion, that I am so unconcerned with the process of their becoming. I simply come upon them, but in thinking I know how it is done. Therefore there is no more primordial point of departure for the contemplation of the universal processes than thinking.”
[ 12 ] Wer das innere Erleben des Menschen so ansieht, dem ist auch klar, welchen Sinn innerhalb des ganzen Weltprozesses das menschliche Erkennen hat. Es ist nicht eine wesenlose Beigabe zu dem übrigen Weltgeschehen. Eine solche wäre es, wenn es eine bloße ideelle Wiederholung dessen darstellte, was äußerlich vorhanden ist. Im Erkennen vollzieht sich aber, was sich in der Außenwelt nirgends vollzieht: Das Weltgeschehen stellt sich selbst sein geistiges Wesen gegenüber. Ewig wäre dieses Weltgeschehen nur eine Halbheit, wenn es zu dieser Gegenüberstellung nicht käme. Damit gliedert sich das innere Erleben des Menschen dem objektiven Weltprozesse ein; dieser wäre ohne es unvollständig.
[ 12 ] To the one who regards the inner experience of man in this way the meaning of human cognition within the whole universal process is also clear. It is not an unimportant addition to the rest of the universal process. This is what it would be if it represented only a repetition, in the form of ideas, of what exists externally. But in understanding occurs what does not occur anywhere in the external world: the universal process confronts itself with its own spiritual nature. This universal process would be forever incomplete if this confrontation did not take place. With it the inner experience of man becomes integrated into the objective universal process; the latter would be incomplete without it.
[ 13 ] Es ist ersichtlich, daß nur das Leben, das vom inneren Sinn beherrscht wird, den Menschen in solcher Weise über sich hinaushebt, sein im eigensten Sinne höchstes Geistesleben. Denn nur in diesem Leben enthüllt sich das Wesen der Dinge vor sich selbst. Anders liegt die Sache mit dem niederen Wahrnehmungsvermögen. Das Auge z.B., das das Sehen eines Gegenstandes vermittelt, ist der Schauplatz eines Vorganges, der irgend einem anderen äußeren Vorgange, gegenüber dem inneren Leben, völlig gleich ist. Meine Organe sind Glieder der räumlichen Welt wie die anderen Dinge, und ihre Wahrnehmungen sind zeitliche Vorgänge wie andere. Auch ihr Wesen erscheint nur, wenn sie ins innere Erleben versenkt werden. Ich lebe also ein Doppelleben: das Leben eines Dinges unter anderen Dingen, das innerhalb seiner Körperlichkeit lebt und durch seine Organe das wahrnimmt, was außer dieser Körperlichkeit liegt; und über diesem Leben ein höheres, das kein solches Innen und Außen kennt, das überspannend über die Außenwelt und über sich selbst sich dehnt. Ich werde also sagen müssen: einmal bin ich Individuum, beschränktes Ich; das andere Mal bin ich allgemeines, universelles Ich. Auch dieses hat Paul Asmus in treffliche Worte gefaßt (vgl. dessen Buch: «Die indogermanische Religion in den Hauptpunkten ihrer Entwickelung», S. 29, im 1. Bd.): «Die Tätigkeit, uns in ein anderes zu versenken, nennen wir ,Denken'; im Denken hat das Ich seinen Begriff erfüllt, es hat sich als einzelnes selbst aufgegeben; deshalb befinden wir uns denkend in einer für alle gleichen Sphäre, denn das Prinzip der Besonderung, das da in dem Verhältnis unseres Ich zu dem ihm Anderen liegt, ist verschwunden in der Tätigkeit der Selbstaufhebung des einzelnen Ich, es ist da nur die allen gemeinsame Ichheit.»
[ 13 ] It can be seen that only that life which is dominated by the inner sense, man's highest spiritual life in the truest sense, thus raises him above himself. For it is only in this life that the nature of things is revealed in confrontation with itself. Matters are different with the lower faculty of perception. The eye for instance, which mediates the sight of an object, is the scene of a process which, in relation to the inner life, is completely similar to any other external process. My organs are parts of the spatial world like other things, and their perceptions are temporal processes like others. Their nature too only becomes apparent when they are submerged in the inner experience. I thus live a double life: the life of a thing among other things, which lives within its corporeality and through its organs perceives what lies outside this corporeality, and above this life a higher one, which knows no such inside and outside, and extends over both the external world and itself. I shall therefore have to say: At one time I am an individual, a limited I; at the other time I am a general, universal I. This too Paul Asmus has put into apt words (cf. his book: Die indogermanischen Religionen in den Hauptpunkten ihrer Entwicklung, The Indo-European Religions in the Main Points of their Development, p. 29 of the first volume): “We call the activity of submerging ourselves in something else, ‘thinking;’ in thinking the I has fulfilled its concept, it has given up its existence as something separate; therefore in thinking we find ourselves in a sphere that is the same for all, for the principle of isolation, which lies in the relationship of our I to what is different from it, has disappeared in the activity of the self-suspension of the separate I; there is only the selfhood common to all.”
[ 14 ] Spinoza hat genau dasselbe im Auge, wenn er die höchste Erkenntnistätigkeit als diejenige beschreibt, die «von der zureichenden Vorstellung des wirklichen Wesens einiger Attribute Gottes zur zureichenden Erkenntnis des Wesens der Dinge» vorschreitet. Dieses Vorschreiten ist nichts anderes als das Beleuchten der Dinge mit dem Lichte der inneren Erfahrung. Das Leben in dieser inneren Erfahrung schildert Spinoza in herrlichen Farben: «Die höchste Tugend der Seele ist, Gott zu erkennen, oder die Dinge in der dritten - höchsten - Art der Erkenntnis einzusehen. Diese Tugend wird um so größer, je mehr die Seele in dieser Erkenntnisart die Dinge erkennt; mithin erreicht der, welcher die Dinge in dieser Erkenntnisart erfaßt, die höchste menschliche Vollkommenheit und wird folglich von der höchsten Freude erfüllt, und zwar begleitet von den Vorstellungen seiner selbst und der Tugend. Mithin entspringt aus dieser Art der Erkenntnis die höchste Seelenruhe, die möglich ist.» Wer die Dinge in solcher Art erkennt, der verwandelt sich in sich selbst; denn sein einzelnes Ich wird in solchen Augenblicken aufgesogen von dem All-Ich; alle Wesen erscheinen nicht in untergeordneter Bedeutung einem einzelnen beschränkten Individuum; sie erscheinen sich selbst. Es ist auf dieser Stufe kein Unterschied mehr zwischen Plato und mir; denn was uns trennt, gehört einer niederen Erkenntnisstufe an. Wir sind nur als Individuum getrennt; das in uns wirkende Allgemeine ist ein- und dasselbe. Auch über diese Tatsache läßt sich nicht streiten mit dem, der von ihr keine Erfahrung hat. Er wird immerdar betonen: Plato und du sind zwei. Daß diese Zweiheit, daß alle Vielheit als Einheit wiedergeboren wird in dem Aufleben der höchsten Erkenntnisstufe: das kann nicht bewiesen, das muß erfahren werden. So paradox es klingt, es ist eine Wahrheit: Die Idee, die Plato vorstellte, und die gleiche Idee, die ich vorstelle, sind nicht zwei Ideen. Es ist eine und dieselbe Idee. Und nicht zwei Ideen sind, die eine in Platos Kopf, die andere in meinem; sondern im höheren Sinne durchdringen sich Platos Kopf und der meine; es durchdringen sich alle Köpfe, welche die gleiche, eine Idee fassen; und diese Idee ist nur als einzige einmal vorhanden. Sie ist da; und die Köpfe versetzen sich alle an einen und denselben Ort, um diese Idee in sich zu haben.
[ 14 ] Spinoza has exactly the same thing in mind when he describes the highest activity of cognition as that which advances “from the sufficient conception of the real nature of some attributes of God to the sufficient cognition of the nature of things.” This advance is nothing other than illumination of things with the light of inner experience. Spinoza describes the life of this inner experience in glorious colors: “The highest virtue of the soul is to apprehend God, or to comprehend things in the third—the highest—kind of cognition. This virtue becomes the greater the more the soul comprehends things in this way of cognition; therefore the one who grasps things in this way of cognition attains the highest human perfection and consequently becomes filled with the highest joy, accompanied by the conceptions of himself and of virtue. Hence from this kind of cognition springs the highest possible peace of soul.” One who comprehends things in this way transforms himself within himself; for at such moments his separate I is absorbed by the All-I; all beings do not appear in subordination to a separate, limited individual; they appear to themselves. At this level there is no longer any difference between Plato and me; what separates us belongs to a lower level of cognition. We are only separate as individuals; the universal which acts in us is one and the same. About this fact also one cannot dispute with one who has no experience of it. He will always insist: Plato and you are two. That this duality, that all multiplicity is reborn as unity in the unfolding of the highest level of cognition, cannot be proved: it must be experienced. Paradoxical as it may sound, it is true: the idea which Plato represented to himself and the same idea which I represent to myself are not two ideas. They are one and the same idea. And there are not two ideas, one in Plato's head, the other in mine; rather in the higher sense Plato's head and mine interpenetrate; all heads which grasp the same, single idea, interpenetrate; and this unique idea exists only once. It is there, and the heads all transport themselves to one and the same place in order to contain this idea.
[ 15 ] Die Umwandlung, die im ganzen Wesen des Menschen bewirkt wird, wenn er also die Dinge ansieht, deutet mit schönen Worten die indische Dichtung «Bhagavad Gita» an, von der Wilhelm von Humboldt deshalb sagte, er sei seinem Schicksal dankbar dafür, daß es ihn habe so lange leben lassen, bis er in der Lage war, dieses Werk kennenzulernen. Das innere Licht spricht in dieser Dichtung: «Ein ewiger Strahl von mir, der ein besonderes Dasein in der Welt des persönlichen Lebens erlangt hat, zieht an sich die fünf Sinne und die individuelle Seele, welche der Natur angehören. - Wenn der überstrahlende Geist sich in Raum und Zeit verkörperlicht, oder wenn er sich entkörperlicht, so ergreift er die Dinge und nimmt sie mit sich, wie der Windhauch die Wohlgerüche der Blumen ergreift und mit sich fortreißt. Das innere Licht beherrscht das Ohr, das Gefühl, den Geschmack und den Geruch, sowie auch das Gemüt; es knüpft das Band zwischen sich und den Sinnesdingen. Die Toren wissen es nicht, wenn das innere Licht aufleuchtet und erlischt, noch wenn es sich mit den Dingen vermählt; nur wer des inneren Lichtes teilhaftig ist, kann davon wissen.» So kräftig deutet die «Bhagavad Gita» auf die Umwandlung des Menschen hin, daß sie von dem «Weisen» sagt, er könne nicht mehr irren, nicht mehr sündigen. Irrt er oder sündigt er scheinbar, so müsse er seine Gedanken oder seine Handlungen mit einem Lichte beleuchten, vor dem nicht mehr als Irrtum und nicht mehr als Sünde erscheint, was vor dem gewöhnlichen Bewußt- sein als solche erscheint. «Wer sich erhoben hat, und wessen Erkenntnis von der reinsten Art ist, der tötet nicht und befleckt sich nicht, wenn er auch einen anderen erschlagen würde.» Damit ist nur auf die gleiche, aus der höchsten Erkenntnis fließende Grundstimmung der Seele hingewiesen, von der Spinoza, nachdem er sie in seiner «Ethik» beschrieben, in die hinreißenden Worte ausbricht: «Hiermit ist das beendet, was ich rücksichtlich der Macht der Seele über die Affekte und über die Freiheit der Seele habe darlegen wollen. Hieraus erhellt, wie viel der Weise dem Unwissenden überlegen ist und mächtiger als dieser, der nur von den Lüsten getrieben wird. Denn der Unwissende wird nicht allein von äußeren Ursachen auf viele Weise getrieben und erreicht nie die wahre Seelenruhe, sondern er lebt auch in Unkenntnis von sich, von Gott und von den Dingen, und so wie sein Leiden aufhört, hört auch sein Dasein auf; während dagegen der Weise, als solcher, kaum eine Erregung in seinem Geiste empfindet, sondern in der gewissermaßen notwendigen Erkenntnis seiner, Gottes und der Dinge niemals aufhört, zu sein, und immer der wahren Seelenruhe genießt. Wenn auch der Weg, welchen ich, als dahin führend, aufgezeichnet habe, sehr schwierig erscheint, so kann er doch aufgefunden werden. Und allerdings mag er beschwerlich sein, weil er so selten gefunden wird. Denn wie wäre es möglich, daß, wenn das Heil bei der Hand wäre und ohne große Mühe gefunden werden könnte, daß es von allen fast vernachlässigt würde? Indes ist alles Erhabene ebenso schwer, wie selten.»
[ 15 ] The transformation which is effected in the whole nature of man when he looks at things in this way is indicated in beautiful words in the Indian poem, The Bhagavad Gita, of which Wilhelm von Humboldt therefore said that he was grateful to his destiny for having permitted him to live until he could be in a position to become acquainted with this work. The inner light says in this poem, “An external ray from me, who has attained to a special existence in the world of personal life, attracts to itself the five senses and the individual soul, which belong to nature.—When the effulgent spirit materializes in space and time, or when it dematerializes, it seizes upon things and carries them along with itself, as the breath of the wind seizes upon the perfumes of flowers and sweeps them away with itself.—The inner light dominates the ear, the touch, the taste, and the smell, as well as the mind; it forms a bond between itself and the things of the senses.—Fools do not know when the inner light flames up and when it is extinguished, or when it unites with things; only he who partakes of the inner light can know of this.” So strongly does The Bhagavad Gita point to the transformation of man that it says of the “sage” that he can no longer err, no longer sin. If he seems to err or sin he must illuminate his thoughts or his actions with a light in which that no longer appears as error and as sin which appears as such to the ordinary consciousness. “He who has raised himself and whose knowledge is of the purest kind does not kill and does not defile himself, even though he should slay another.” This only indicates the same basic disposition of the soul, springing from the highest cognition, concerning which Spinoza, after describing it in his Ethics, breaks into the thrilling words: “With this I have concluded what I wanted to set forth concerning the power of the soul over the affections and over the freedom of the soul. From this it appears how superior is a wise man to an ignorant one, and how much more powerful than one who is merely driven by passions. For the ignorant man is not only driven in many directions by external causes and never attains to true peace of soul, but he also lives in ignorance of himself, of God, and of objects, and when his suffering comes to an end, his existence also comes to an end; while the wise man, as such, hardly experiences any agitation in his spirit, but rather never ceases to exist in the as it were necessary knowledge of himself, of God, and of objects, and always enjoys true peace of soul. Although the path I have described as leading to this appears very difficult, it can be found nevertheless. And it may well be troublesome, since it is found so seldom. For how is it possible that, if salvation were close at hand and to be found without great effort, it is neglected by almost everyone? But everything sublime is as difficult as it is rare.”
[ 16 ] In monumentaler Weise hat Goethe den Gesichtspunkt der höchsten Erkenntnis in den Worten angedeutet: «Kenne ich mein Verhältnis zu mir selbst und zur Außenwelt, so heiß' ich's Wahrheit. Und so kann jeder seine eigene Wahrheit haben, und es ist doch immer dieselbige.» Jeder hat seine eigene Wahrheit: weil jeder ein individuelles, besonderes Wesen neben und mit anderen ist. Diese anderen Wesen wirken auf ihn durch seine Organe. Von dem individuellen Standpunkte aus, auf den er gestellt ist, und je nach der Beschaffenheit seines Wahrnehmungsvermögens bildet er sich im Verkehr mit den Dingen seine eigene Wahrheit. Er gewinnt sein Verhältnis zu den Dingen. Tritt er dann in die Selbsterkenntnis ein, lernt er sein Verhältnis zu sich selbst kennen, dann löst sich seine besondere Wahrheit in die allgemeine Wahrheit auf; diese allgemeine Wahrheit ist in allen dieselbige.
[ 16 ] Goethe has adumbrated the point of view of the highest cognition in monumental fashion in the words: “If I know my relationship to myself and to the external world, I call it truth. And thus everyone can have his own truth, and it is still always the same truth.” Everyone has his own truth, because everyone is an individual, distinct being beside and together with others. These other beings act upon him through his organs. From the individual point of view, where he is placed, and according to the nature of his faculty of perception, he forms his own truth in intercourse with things. He achieves his relationship to things. Then when he enters into self-knowledge, when he comes to know his relationship to himself, his particular truth becomes dissolved in the general truth; this general truth is the same in everyone.
[ 17 ] Das Verständnis für die Aufhebung des Individuellen, des einzelnen Ich zum All-Ich in der Persönlichkeit betrachten tiefere Naturen als das im Innern des Menschen sich offenbarende Geheimnis, als das Ur-Mysterium des Lebens. Auch dafür hat Goethe einen treffenden Ausspruch gefunden: «Und so lang du das nicht hast, dieses: Stirb' und Werde! Bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.»
[ 17 ] The understanding of the suspension of what is individual in the personality, of the I in favor of the all-I, is regarded by deeper natures as the secret revealing itself within man, as the primordial mystery of life. For this too Goethe has found an apt expression: “And as long as you do not have it, this Die and Become, you are only a dreary guest on the dark earth.”
[ 18 ] Nicht eine gedankliche Wiederholung, sondern ein reeller Teil des Weltprozesses ist das, was sich im menschlichen Innenleben abspielt. Die Welt wäre nicht, was sie ist, wenn sich das zu ihr gehörige Glied in der menschlichen Seele nicht abspielte. Und nennt man das höchste, das dem Menschen erreichbar ist, das Göttliche, dann muß man sagen, daß dieses Göttliche nicht als ein Äußeres vorhanden ist, um bildlich im Menschengeiste wiederholt zu werden, sondern daß dieses Göttliche im Menschen erweckt wird. Dafür hat Angelus Silesius die rechten Worte gefunden: «Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben; werd' ich zu nicht, er muß vor Not den Geist aufgeben.»«Gott mag nicht ohne mich ein einzig's Würmlein machen: erhalt' ich's nicht mit ihm, so muß es stracks zerkrachen.»Eine solche Behauptung kann nur der machen, welcher voraussetzt, daß im Menschen etwas zum Vorschein kommt, ohne welches ein äußeres Wesen nicht existieren kann. Wäre alles, was zum «Würmlein» gehört, auch ohne den Menschen da, dann könnte man unmöglich davon sprechen, daß es «zerkrachen» müßte, wenn der Mensch es nicht erhielte.
[ 18 ] What takes place in the inner life of man is not a mental repetition, but a real part of the universal process. The world would not be what it is if it were not active in the human soul. And if one calls the highest which is attainable by man the divine, then one must say that the divine does not exist as something external to be repeated as an image in the human spirit, but that the divine is awakened in man. For this Angelus Silesius has found the right words: “I know that without me God cannot live for a moment; if I come to naught He must needs give up the ghost.” “God cannot make a single worm without me; if I do not preserve it with Him, it must fall apart forthwith.” Such an assertion can only be made by one who premises that something appears in man without which an external being cannot exist. If everything which belongs to the “worm” also existed without man, it would be impossible to say that the worm must “fall apart” if man does not preserve it.
[ 19 ] Als geistiger Inhalt kommt der innerste Kern der Welt in der Selbsterkenntnis zum Leben. Das Erleben der Selbsterkenntnis bedeutet für den Menschen Weben und Wirken innerhalb des Weltenkernes. Wer von Selbsterkenntnis durchdrungen ist, vollzieht natürlich auch sein eigenes Handeln im Lichte der Selbsterkenntnis. Das menschliche Handeln ist - im allgemeinen - bestimmt durch Motive. Robert Hamerling, der Dichter-Philosoph, hat mit Recht gesagt («Atomistik des Willens», S. 213 f.): «Der Mensch kann allerdings tun, was er will - aber er kann nicht wollen, was er will, weil sein Wille durch Motive bestimmt ist! - Er kann nicht wollen, was er will? Sehe man sich diese Worte doch einmal näher an. Ist ein vernünftiger Sinn darin? Freiheit des Wollens müßte also darin bestehen, daß man ohne Grund, ohne Motiv etwas wollen könnte? Aber was heißt denn Wollen anders, als einen Grund haben, dies lieber zu tun oder anzustreben als jenes? Ohne Grund, ohne Motiv etwas wollen, hieße etwas wollen, ohne es zu wollen. Mit dem Begriff des Wollens ist der des Motivs unzertrennlich verknüpft. Ohne ein bestimmendes Motiv ist der Wille ein leeres Vermögen: erst durch das Motiv wird er tätig und reell. Es ist also ganz richtig, daß der menschliche Wille insofern nicht ,frei' ist, als seine Richtung immer durch das stärkste der Motive bestimmt ist.» Für alles Handeln, das nicht im Lichte der Selbsterkenntnis sich vollzieht, muß das Motiv, der Grund des Handelns als Zwang empfunden werden. Anders ist die Sache, wenn der Grund in die Selbsterkenntnis eingefaßt wird. Dann ist dieser Grund ein Glied des Selbst geworden. Das Wollen wird nicht mehr bestimmt; es bestimmt sich selbst. Die Gesetzmäßigkeit, die Motive des Wollens herrschen nun nicht mehr über dem Wollenden, sondern sind ein und dasselbe mit diesem Wollen. Die Gesetze seines Handelns mit dem Lichte der Selbstbeobachtung beleuchten, heißt, allen Zwang der Motive überwinden. Dadurch versetzt sich das Wollen in das Gebiet der Freiheit.
[ 19 ] In self-knowledge the innermost core of the world comes to life as spiritual content. For man, the experiencing of self-knowledge means an acting within the core of the world. One who is penetrated by self-knowledge naturally also performs his own actions in the light of self-knowledge. In general, human action is determined by motives. Robert Hamerling, the poet-philosopher, has rightly said (Atomistik des Willens, Atomism of the Will, p. 213f.): “It is true that man can do what he wills, but he cannot will what he wills, because his will is determined by motives.—He cannot will what he wills. Let us examine these words more closely. Do they contain a rational meaning? Would freedom of willing then consist in being able to will something without cause, without motive? But what does willing mean if not to have a cause for preferring to do or to aspire to this rather than that? To will something without cause, without motive, would mean to will something without willing it. The concept of motive is inseparably connected with that of willing. Without a definite motive the will is an empty capacity; only through the motive does it become active and real. It is thus quite correct that the human will is not free insofar as its direction is always determined by the strongest motive.” For every action which does not take place in the light of self-knowledge the motive, the cause of the action must be felt as a compulsion. Matters are different when the cause is included within the bounds of self-knowledge. Then this cause has become a part of the self. The will is no longer determined; it determines itself. The conformity to laws, the motives of willing, now no longer predominate over the one who wills; they are one and the same with this willing. To illuminate one's actions with the light of self-observation means to overcome all coercion by motives. Thereby the will places itself into the realm of freedom.
[ 20 ] Nicht alles menschliche Handeln trägt den Charakter der Freiheit. Nur das in jedem seiner Teile von Selbstbeobachtung durchglühte Handeln ist ein freies. Und weil die Selbstbeobachtung das individuelle Ich hinaufhebt zum allgemeinen Ich, so ist das freie Handeln das aus dem All-Ich fließende. Die alte Streitfrage, ob der Wille des Menschen frei sei, oder einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit, einer unabänderlichen Notwendigkeit unterliege, ist eine unrichtig gestellte Frage. Unfrei ist das Handeln, das der Mensch als Individuum vollbringt; frei dasjenige, das er nach seiner geistigen Wiedergeburt vollzieht. Der Mensch ist also nicht, im allgemeinen, entweder frei, oder unfrei. Er ist sowohl das eine wie das andere. Er ist unfrei vor seiner Wiedergeburt; und er kann frei werden durch diese Wiedergeburt. Die individuelle Aufwärtsentwicklung des Menschen besteht in der Umwandlung des unfreien Wollens in ein solches mit dem Charakter der Freiheit. Der Mensch, der die Gesetzmäßigkeit seines Handelns als seine eigene durchdrungen hat, hat den Zwang dieser Gesetzmäßigkeit, und damit die Unfreiheit überwunden. Die Freiheit ist nicht von vornherein eine Tatsache des Menschendaseins, sondern ein Ziel.
[ 20 ] Not all human actions bear the character of freedom. Only that acting which is inspired in each one of its parts by self-observation is free. And because self-observation raises the individual I to the general I, free acting is that which proceeds from the all-I. The old issue of whether the will of man is free or subordinated to a general regularity, an unalterable necessity, is an improperly posed question. Those actions which are performed by man as an individual are unfree; those are free which he performs after his spiritual rebirth. Man is thus, in general, not either free or unfree. He is the one as well as the other. He is unfree before his rebirth, and he can become free through this rebirth. The individual upward development of man consists in the transformation of this unfree willing into one which bears the character of freedom. The man who has penetrated the regularity of his actions as being his own, has overcome the compulsion of this regularity, and therewith his unfreedom. Freedom is not a fact of human existence from the first, but rather a goal.
[ 21 ] Mit dem freien Handeln löst der Mensch einen Widerspruch zwischen der Welt und sich. Seine eigenen Taten werden Taten des allgemeinen Seins. Er empfindet sich in vollem Einklange mit diesem allgemeinen Sein. Jeden Mißklang zwischen sich und einem anderen fühlt er als Ergebnis eines noch nicht völlig erwachten Selbst. Das aber ist das Schicksal des Selbst, daß es nur in seiner Trennung vom All den Anschluß an dieses All finden kann. Der Mensch wäre nicht Mensch, wenn er nicht abgeschlossen wäre als Ich von allem anderen; aber er wäre auch nicht im höchsten Sinne Mensch, wenn er nicht als solch abgeschlossenes Ich aus sich heraus wieder sich zum All-Ich erweiterte. Es gehört durchaus zum menschlichen Wesen, daß es einen ursprünglich in ihm gelegenen Widerspruch überwinde.
[ 21 ] With free acting man resolves a contradiction between the world and himself. His own deeds become deeds of the universal existence. He feels himself to be in full harmony with this universal existence. Each dissonance between himself and another he feels to be the result of a not yet fully awakened self. But the destiny of the self is that only in its separation from the universe can it find contact with this universe. Man would not be man if as an I he were not separated from everything else; but he would not be man in the highest sense if, as such a separated I, he did not enlarge himself out of himself to the all-I. Above all, it is characteristic of human nature that it should overcome a contradiction which originally lies within it.
[ 22 ] Wer den Geist lediglich als logischen Verstand gelten lassen will, der mag sein Blut erstarren fühlen bei dem Gedanken, daß in dem Geiste die Dinge ihre Wiedergeburt erleben sollen. Er wird die frische, lebendige Blume, draußen in ihrer Farbenfülle, vergleichen mit dem kalten, blassen, schematischen Gedanken der Blume. Er wird sich besonders unbehaglich fühlen bei der Vorstellung, daß der Mensch, der aus der Einsamkeit seines Selbstbewußtseins heraus seine Motive zum Handeln holt, freier sein soll als die ursprüngliche, naive Persönlichkeit, die aus ihren unmittelbaren Impulsen, aus der Fülle ihrer Natur heraus handelt. Einem solchen das einseitig Logische Sehenden wird der, welcher sich in sein Inneres versenkt, erscheinen wie ein wandelndes Begriffsschema, wie ein Gespenst gegenüber dem in seiner natürlichen Individualität Verharrenden. - Dergleichen Einwände gegen die Wiedergeburt der Dinge im Geiste kann man vorzüglich bei denen hören, die zwar mit gesunden Organen für sinnliche Wahrnehmung und mit lebensvollen Trieben und Leidenschaften ausgestattet sind, deren Beobachtungsvermögen aber gegenüber den Gegenständen mit rein geistigem Inhalt versagt. Sobald sie rein Geistiges wahrnehmen sollen, fehlt ihnen die Anschauung; sie haben es mit bloßen Begriffshülsen, wenn nicht gar mit leeren Worten zu tun. Sie bleiben daher, wenn es sich um geistigen Inhalt handelt, die «trockenen», «abstrakten Verstandesmenschen». Wer aber im rein Geistigen eine Beobachtungsgabe hat wie im Sinnlichen, für den wird natürlich das Leben nicht ärmer, wenn er es durch den geistigen Inhalt bereichert. Sehe ich hinaus auf eine Blume: warum sollten ihre saftigen Farben auch nur irgend etwas an Frische verlieren, wenn nicht nur mein Auge die Farben, sondern auch mein innerer Sinn noch das geistige Wesen der Blume sieht. Warum sollte das Leben meiner Persönlichkeit ärmer werden, wenn ich meinen Leidenschaften und Impulsen nicht geistig-blind folge, sondern wenn ich sie durchleuchte mit dem Lichte höherer Erkenntnis. Nicht ärmer, sondern voller, reicher ist das im Geiste wiedergegebene Leben.1Die Furcht vor einer Verarmung des Seelenlebens durch ein Aufsteigen zum Geiste haben nur diejenigen Persönlichkeiten, die den Geist nur in einer Summe von abstrakten Begriffen kennen, welche von den Sinnesanschauungen abgezogen sind. Wer in geistiger Anschauung zu einem Leben sich erhebt, das an Inhalt, an Konkretheit das sinnliche übertrifft, der kann diese Furcht nicht haben. Denn nur in Abstraktionen verblaßt das sinnliche Sein; im «geistigen Anschauen» erscheint es erst in seinem wahren Lichte, ohne von seinem sinnlichen Reichtum etwas zu verlieren.
[ 22 ] The one who will allow spirit to be only the logical intellect may feel his blood run cold at the thought that things should experience their rebirth in the spirit. He will compare the fresh, living flower outside, in the fullness of its colors, with the cold, pale, schematic thought of the flower. He will feel especially uncomfortable at the idea that the man who takes his motives for acting out of the solitude of his self-knowledge should be freer than the spontaneous, naïve personality which acts out of its immediate impulses, out of the fullness of its nature. To such a man, who sees only the one-sided logical aspect, one who submerges himself within himself will appear as a walking schema of concepts, as a phantom, in contrast to one who remains in his natural individuality.—One hears such objections to the rebirth of things in the spirit especially among those who are, it is true, equipped with healthy organs for sensory perception and with lively drives and passions, but whose faculty of observation fails when confronted with objects of a purely spiritual content. As soon as they are expected to perceive something purely spiritual, their perception is wanting; they are dealing with the mere shells of concepts, if not indeed with empty words. Therefore, when it is a matter of spiritual content, they remain the “dry,” “abstract men of intellect.” But for one who has a gift of observation in the purely spiritual like that in the sensory realm, life naturally does not become poorer when he enriches it with spiritual content. I look at a flower; why should its rich colors lose even the smallest part of their freshness if it is not only my eye which sees the colors, but also my inner sense which sees the spiritual nature of the flower as well. Why should the life of my personality become poorer if I do not follow my passions and impulses in spiritual blindness, but rather irradiate them with the light of a higher knowledge. Not poorer, but fuller, richer is the life reflected in spirit.1Addendum I to the 1923 Edition:
The fear of an impoverishment of the life of the soul through an ascent to the spirit is to be found only in those personalities that know the spirit only in a sum of concepts abstracted from sensory perceptions. One who in spiritual seeing raises himself to a life that surpasses the life of the senses in content and in concreteness, cannot know this fear. For it is only in abstractions that the sensory existence grows pale; in the “spiritual seeing,” for the first time it appears in its true light, without losing anything of its sensory richness.—Addendum I to the 1923 Edition
