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Anthroposophical Guiding Principles
GA 26

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2. Das Rechte Verhältnis Der Gesellschaft Zur Anthroposophie

2. Das Rechte Verhältnis Der Gesellschaft Zur Anthroposophie

[ 1 ] Für Menschen soll Anthroposophie da sein, die in ihrer Seele die Wege zum geistigen Erleben suchen. Und wenn die Anthroposophische Gesellschaft ihre Aufgabe erfüllen will, dann muß sie den suchenden Seelen dienen können. Sie muß als Gesellschaft selbst das rechte Verhältnis zur Anthroposophie finden.

[ 1 ] Für Menschen soll Anthroposophie da sein, die in ihrer Seele die Wege zum geistigen Erleben suchen. Und wenn die Anthroposophische Gesellschaft ihre Aufgabe erfüllen will, dann muß sie den suchenden Seelen dienen können. Sie muß als Gesellschaft selbst das rechte Verhältnis zur Anthroposophie finden.

[ 2 ] Anthroposophie kann nur als etwas Lebendiges gedeihen. Denn der Grundzug ihres Wesens ist Leben. Sie ist aus dem Geiste fließendes Leben. Deshalb will sie von der lebendigen Seele, von dem warmen Herzen gepflegt sein.

[ 2 ] Anthroposophie kann nur als etwas Lebendiges gedeihen. Denn der Grundzug ihres Wesens ist Leben. Sie ist aus dem Geiste fließendes Leben. Deshalb will sie von der lebendigen Seele, von dem warmen Herzen gepflegt sein.

[ 3 ] Die Urform, in der sie unter Menschen auftreten kann, ist die Idee; und das erste Tor, an das sie sich bei Menschen wendet, ist die Einsicht. Wäre das nicht so, sie hätte keinen Inhalt. Sie wäre bloße Gefühlsschwärmerei. Aber der wahre Geist schwärmt nicht; er spricht eine deutliche, inhaltvolle Sprache.

[ 3 ] Die Urform, in der sie unter Menschen auftreten kann, ist die Idee; und das erste Tor, an das sie sich bei Menschen wendet, ist die Einsicht. Wäre das nicht so, sie hätte keinen Inhalt. Sie wäre bloße Gefühlsschwärmerei. Aber der wahre Geist schwärmt nicht; er spricht eine deutliche, inhaltvolle Sprache.

[ 4 ] Aber diese Sprache ist eine solche, die nicht allein den Verstand, sondern den ganzen Menschen ergreift. Wer nur mit dem Verstande Anthroposophie aufnimmt, der tötet sie in seinem Aufnehmen. Er findet dann vielleicht, daß sie «kalte Wissenschaft» sei. Aber er bemerkt nicht, daß sie erst durch den Empfang, den er ihr in seiner Seele bereitet hat, ihr warmes Leben verloren hat.

[ 4 ] Aber diese Sprache ist eine solche, die nicht allein den Verstand, sondern den ganzen Menschen ergreift. Wer nur mit dem Verstande Anthroposophie aufnimmt, der tötet sie in seinem Aufnehmen. Er findet dann vielleicht, daß sie «kalte Wissenschaft» sei. Aber er bemerkt nicht, daß sie erst durch den Empfang, den er ihr in seiner Seele bereitet hat, ihr warmes Leben verloren hat.

[ 5 ] Anthroposophie muß sich, wenn sie in unserer Gegenwart ein Dasein haben will, der Mittel der gegenwärtigen Zivilisation bedienen. Sie muß in Büchern und im Vortrage ihren Weg zu den Menschen finden. Allein sie ist, ihrem Wesen nach, keine Sache für Bibliotheken. Sie muß jedesmal neu erstehen, wenn das Menschenherz sich an das Buch wendet, um von ihr zu erfahren. Das wird nur sein können, wenn das Buch so geschrieben ist, daß der Mensch beim Schreiben in die Herzen der Mitmenschen geschaut hat, um wissen zu können, was er ihnen zu sagen hat. Das wird aber auch nur sein können, wenn der Mensch beim Schreiben von dem Leben des Geistes berührt ist, und wenn er dadurch in die Lage kommt, dem toten Schreibworte anzuvertrauen, was die nach dem Geistigen suchende Seele des Lesers als ein Wiedererstehen des Geistes aus dem Worte empfinden kann. Nur Bücher, die im lesenden Menschen lebendig werden können, sind anthroposophische Bücher.

[ 5 ] Anthroposophie muß sich, wenn sie in unserer Gegenwart ein Dasein haben will, der Mittel der gegenwärtigen Zivilisation bedienen. Sie muß in Büchern und im Vortrage ihren Weg zu den Menschen finden. Allein sie ist, ihrem Wesen nach, keine Sache für Bibliotheken. Sie muß jedesmal neu erstehen, wenn das Menschenherz sich an das Buch wendet, um von ihr zu erfahren. Das wird nur sein können, wenn das Buch so geschrieben ist, daß der Mensch beim Schreiben in die Herzen der Mitmenschen geschaut hat, um wissen zu können, was er ihnen zu sagen hat. Das wird aber auch nur sein können, wenn der Mensch beim Schreiben von dem Leben des Geistes berührt ist, und wenn er dadurch in die Lage kommt, dem toten Schreibworte anzuvertrauen, was die nach dem Geistigen suchende Seele des Lesers als ein Wiedererstehen des Geistes aus dem Worte empfinden kann. Nur Bücher, die im lesenden Menschen lebendig werden können, sind anthroposophische Bücher.

[ 6 ] Noch weniger als das tote Buch selbst verträgt die Anthroposophie das in der Menschenrede zum Scheinleben gewordene Buch. Unsere Gegenwartszivilisation ist in vielen Gebieten so, daß Lesen eines Buches oder Aufsatzes und Anhören eines Menschen als etwas Gleichartiges erscheinen. Man lernt, indem man einem Menschen zuhört, nicht den Menschen kennen, sondern das, was er gedacht hat und was ebensogut geschrieben sein kann.

[ 6 ] Noch weniger als das tote Buch selbst verträgt die Anthroposophie das in der Menschenrede zum Scheinleben gewordene Buch. Unsere Gegenwartszivilisation ist in vielen Gebieten so, daß Lesen eines Buches oder Aufsatzes und Anhören eines Menschen als etwas Gleichartiges erscheinen. Man lernt, indem man einem Menschen zuhört, nicht den Menschen kennen, sondern das, was er gedacht hat und was ebensogut geschrieben sein kann.

[ 7 ] Anthroposophie verträgt nicht, daß sie restlos von dieser Art aufgesogen werde. Wer Anthroposophie von einem Menschen hört, der will den Menschen in all seinem ursprünglichen Wesen vor sich haben, nicht einen gesprochenen Aufsatz.

[ 7 ] Anthroposophie verträgt nicht, daß sie restlos von dieser Art aufgesogen werde. Wer Anthroposophie von einem Menschen hört, der will den Menschen in all seinem ursprünglichen Wesen vor sich haben, nicht einen gesprochenen Aufsatz.

[ 8 ] Deshalb kann Anthroposophie, wenn sie auch als Literatur notwendig leben muß, jedesmal wie neu geboren werden, wenn sie in einer Gruppe von Menschen im Worte den Weg zu den Seelen sucht. Aber sie wird da nur neu geboren werden, wenn der Mensch zum Menschen spricht, nicht der aufgenommene Gedanke.

[ 8 ] Deshalb kann Anthroposophie, wenn sie auch als Literatur notwendig leben muß, jedesmal wie neu geboren werden, wenn sie in einer Gruppe von Menschen im Worte den Weg zu den Seelen sucht. Aber sie wird da nur neu geboren werden, wenn der Mensch zum Menschen spricht, nicht der aufgenommene Gedanke.

[ 9 ] Anthroposophie kann deshalb ihre Wege auch nicht durch ein gewöhnliches Agitieren finden, wenn dieses auch mit gutem Willen getrieben wird. Agitation tötet die wahre Anthroposophie. Diese muß auftreten, weil sie vom Geiste zu ihrem Auftreten geführt wird. Sie muß ihr Leben erweisen, weil alles Leben nur im Dasein sich offenbaren kann. Aber sie darf mit ihrem Dasein niemanden bedrängen. Sie muß warten, ob jemand kommt, der sie aufnehmen will. Einen Zwang auch nur durch Überredung gegenüber den Menschen darf sie nicht kennen.

[ 9 ] Anthroposophie kann deshalb ihre Wege auch nicht durch ein gewöhnliches Agitieren finden, wenn dieses auch mit gutem Willen getrieben wird. Agitation tötet die wahre Anthroposophie. Diese muß auftreten, weil sie vom Geiste zu ihrem Auftreten geführt wird. Sie muß ihr Leben erweisen, weil alles Leben nur im Dasein sich offenbaren kann. Aber sie darf mit ihrem Dasein niemanden bedrängen. Sie muß warten, ob jemand kommt, der sie aufnehmen will. Einen Zwang auch nur durch Überredung gegenüber den Menschen darf sie nicht kennen.

[ 10 ] Solche Gesinnung, das möchte ich als etwas, das aus der Weihnachtstagung hervorgehen muß, den Mitgliedern als etwas besonders Notwendiges hinstellen. Wir sind mit vielem auf Widerstand gestoßen, weil solche Gesinnung nicht immer rein in den Herzen gelebt hat. Oft, auch wenn wir uns solcher Gesinnung befleißigten, konnten wir sie in der Prägung der Worte nicht festhalten. Und schon in unseren Worten muß tönen, was nicht agitatorisch überreden, sondern was allein dem Geiste Ausdruck verleihen will.

[ 10 ] Solche Gesinnung, das möchte ich als etwas, das aus der Weihnachtstagung hervorgehen muß, den Mitgliedern als etwas besonders Notwendiges hinstellen. Wir sind mit vielem auf Widerstand gestoßen, weil solche Gesinnung nicht immer rein in den Herzen gelebt hat. Oft, auch wenn wir uns solcher Gesinnung befleißigten, konnten wir sie in der Prägung der Worte nicht festhalten. Und schon in unseren Worten muß tönen, was nicht agitatorisch überreden, sondern was allein dem Geiste Ausdruck verleihen will.

[ 11 ] Von solcher Gesinnung getragene Anthroposophie wird mehr sein, als was bisher in unseren Gruppen oft von Anthroposophie gelebt hat. Das Goetheanum möchte allein aus dieser Gesinnung heraus wirken. Es hat sich den uns entrissenen Bau in solchen künstlerischen Formen errichtet, die schon für sich diese Gesinnung offenbarten. Wenn sich in das untergegangene Goetheanum ein Wort verirrte, das agitatorisch tönte, so gab es einen schrillen Mißklang zwischen ihm und den Bauformen. Wenn das Goetheanum neu ersteht, so wird es nur dann eine Wahrheit sein, wenn die Anthroposophische Gesellschaft überall ein lebendiger Zeuge seiner Wahrheit wird sein wollen.

[ 11 ] Von solcher Gesinnung getragene Anthroposophie wird mehr sein, als was bisher in unseren Gruppen oft von Anthroposophie gelebt hat. Das Goetheanum möchte allein aus dieser Gesinnung heraus wirken. Es hat sich den uns entrissenen Bau in solchen künstlerischen Formen errichtet, die schon für sich diese Gesinnung offenbarten. Wenn sich in das untergegangene Goetheanum ein Wort verirrte, das agitatorisch tönte, so gab es einen schrillen Mißklang zwischen ihm und den Bauformen. Wenn das Goetheanum neu ersteht, so wird es nur dann eine Wahrheit sein, wenn die Anthroposophische Gesellschaft überall ein lebendiger Zeuge seiner Wahrheit wird sein wollen.

[ 12 ] Man darf gerade auf dem Boden der Anthroposophie nicht glauben, daß wirksam nur das sein kann, dem man die Wirksamkeit künstlich aufprägt. Was aus dem Wesen seines eigenen Geistes heraus lebt, das kann warten, bis die Welt seine Wirksamkeit aufnehmen will.

[ 12 ] Man darf gerade auf dem Boden der Anthroposophie nicht glauben, daß wirksam nur das sein kann, dem man die Wirksamkeit künstlich aufprägt. Was aus dem Wesen seines eigenen Geistes heraus lebt, das kann warten, bis die Welt seine Wirksamkeit aufnehmen will.

[ 13 ] Wenn in jeder Gruppe der Anthroposophischen Gesellschaft diese Gesinnung lebt, dann wird der Geist der Anthroposophie auch hinauswirken dahin, wo es unsere Pflicht ist, vor die Welt Anthroposophie hinzutragen. Wir dürfen nicht uns mit dem Flitter der Geheimnistuerei umgeben. Die Gegenwart verträgt solchen Flitter nicht. Sie will wirken in voller Öffentlichkeit. Das «Geheimnis» liegt nicht in der Geheimnistuerei, sondern in dem innerlichen Ernste, mit dem in jedem Herzen Anthroposophie neu erlebt werden muß. Sie kann nicht auf äußerliche Art übertragen werden. Sie kann nur in innerem Erleben von der Seele erfaßt werden. Dadurch wird sie zum «Geheimnis», das jedesmal im Verständnis neu entsiegelt werden muß. Begreift man diese Art von «Geheimnis», so wird man auch die rechte «esoterische» Gesinnung in seiner Seele tragen.

[ 13 ] Wenn in jeder Gruppe der Anthroposophischen Gesellschaft diese Gesinnung lebt, dann wird der Geist der Anthroposophie auch hinauswirken dahin, wo es unsere Pflicht ist, vor die Welt Anthroposophie hinzutragen. Wir dürfen nicht uns mit dem Flitter der Geheimnistuerei umgeben. Die Gegenwart verträgt solchen Flitter nicht. Sie will wirken in voller Öffentlichkeit. Das «Geheimnis» liegt nicht in der Geheimnistuerei, sondern in dem innerlichen Ernste, mit dem in jedem Herzen Anthroposophie neu erlebt werden muß. Sie kann nicht auf äußerliche Art übertragen werden. Sie kann nur in innerem Erleben von der Seele erfaßt werden. Dadurch wird sie zum «Geheimnis», das jedesmal im Verständnis neu entsiegelt werden muß. Begreift man diese Art von «Geheimnis», so wird man auch die rechte «esoterische» Gesinnung in seiner Seele tragen.

Fortsetzung in nächster Nummer.

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