Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Anthroposophical Guiding Principles
GA 26

Translate the original German text into any language:

1. An die Mitglieder!

1. An die Mitglieder!

[ 1 ] Die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft kann ihren Inhalt nicht allein in dem haben, was die während ihrer Dauer am Goetheanum versammelten Mitglieder erlebt haben. Nur wenn man überall, wo man Anthroposophie liebt, in der Zukunft empfinden wird: es ist durch die Ausführung dessen, was durch diese Tagung angeregt worden ist, neues anthroposophisches Leben gekommen, wird dieser Inhalt wirklich da sein. Wenn dies nicht sein würde, hätte diese Tagung ihre Aufgabe nicht erfüllt. So sprachen wohl auch die Gefühle derjenigen, die Teilnehmer waren.

[ 1 ] Die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft kann ihren Inhalt nicht allein in dem haben, was die während ihrer Dauer am Goetheanum versammelten Mitglieder erlebt haben. Nur wenn man überall, wo man Anthroposophie liebt, in der Zukunft empfinden wird: es ist durch die Ausführung dessen, was durch diese Tagung angeregt worden ist, neues anthroposophisches Leben gekommen, wird dieser Inhalt wirklich da sein. Wenn dies nicht sein würde, hätte diese Tagung ihre Aufgabe nicht erfüllt. So sprachen wohl auch die Gefühle derjenigen, die Teilnehmer waren.

[ 2 ] Mehr als zwei Jahrzehnte ist das anthroposophische Leben gepflegt worden. Diejenigen Persönlichkeiten, die sich in den bisher bestehenden Formen zu diesem Leben zusammengeschlossen haben, werden, wenn sie ihre Erfahrungen sprechen lassen, verstehen, warum vom Goetheanum aus versucht worden ist, einen neuen Impuls zu geben.

[ 2 ] Mehr als zwei Jahrzehnte ist das anthroposophische Leben gepflegt worden. Diejenigen Persönlichkeiten, die sich in den bisher bestehenden Formen zu diesem Leben zusammengeschlossen haben, werden, wenn sie ihre Erfahrungen sprechen lassen, verstehen, warum vom Goetheanum aus versucht worden ist, einen neuen Impuls zu geben.

[ 3 ] Aus kleinen Anfängen ist das anthroposophische Streben heraus gewachsen. Wenige Menschen haben sich innerhalb des Rahmens der Theosophischen Gesellschaft zur Teilnahme an dem zusammengefunden, was in der besonderen Gestalt der Anthroposophie vor sie hintrat. Kennen lernen wollten sie zunächst diese Anthroposophie und für das Leben fruchtbar sein lassen. In kleinen Kreisen und in kleinen öffentlichen Veranstaltungen wurde über die geistige Welt, über das Wesen des Menschen und über die Art, wie man zur Erkenntnis von beiden kommt, gesprochen. Kaum kümmerte sich jemand, der nicht an den Veranstaltungen teilgenommen hat, um das, was da vorgebracht wurde. Und von denjenigen, die teilnahmen, fanden viele, was ihre Seelen aus tiefster Sehnsucht suchten. Dann wurden sie entweder treue, stille Anteilnehmer oder mehr oder weniger enthusiastische Mitarbeiter. Andere fanden es nicht und blieben, als sie dies bemerkten, weg. Alles ging in Ruhe und ohne Störung von außen vor sich.

[ 3 ] Aus kleinen Anfängen ist das anthroposophische Streben heraus gewachsen. Wenige Menschen haben sich innerhalb des Rahmens der Theosophischen Gesellschaft zur Teilnahme an dem zusammengefunden, was in der besonderen Gestalt der Anthroposophie vor sie hintrat. Kennen lernen wollten sie zunächst diese Anthroposophie und für das Leben fruchtbar sein lassen. In kleinen Kreisen und in kleinen öffentlichen Veranstaltungen wurde über die geistige Welt, über das Wesen des Menschen und über die Art, wie man zur Erkenntnis von beiden kommt, gesprochen. Kaum kümmerte sich jemand, der nicht an den Veranstaltungen teilgenommen hat, um das, was da vorgebracht wurde. Und von denjenigen, die teilnahmen, fanden viele, was ihre Seelen aus tiefster Sehnsucht suchten. Dann wurden sie entweder treue, stille Anteilnehmer oder mehr oder weniger enthusiastische Mitarbeiter. Andere fanden es nicht und blieben, als sie dies bemerkten, weg. Alles ging in Ruhe und ohne Störung von außen vor sich.

[ 4 ] Viele Jahre hindurch ist es so gewesen. Es wurden die grundlegenden Geistes- und Seelen-Einsichten gepflegt. Man konnte in dieser Pflege sehr weit gehen. Für Persönlichkeiten, die längere Zeit mit der Anthroposophie sich beschäftigt hatten, konnte eine Gelegenheit geschaffen werden, durch die sie von den grundlegenden zu den höheren Wahrheiten aufsteigen konnten. Dadurch wurde als Anthroposophie etwas begründet, das nicht nur ein geisteswissenschaftliches Erkenntnissystem, sondern etwas Lebendiges in den Herzen vieler Menschen war.

[ 4 ] Viele Jahre hindurch ist es so gewesen. Es wurden die grundlegenden Geistes- und Seelen-Einsichten gepflegt. Man konnte in dieser Pflege sehr weit gehen. Für Persönlichkeiten, die längere Zeit mit der Anthroposophie sich beschäftigt hatten, konnte eine Gelegenheit geschaffen werden, durch die sie von den grundlegenden zu den höheren Wahrheiten aufsteigen konnten. Dadurch wurde als Anthroposophie etwas begründet, das nicht nur ein geisteswissenschaftliches Erkenntnissystem, sondern etwas Lebendiges in den Herzen vieler Menschen war.

[ 5 ] Doch Anthroposophie geht bis an die Wurzel des Menschendaseins. Und sie finder sich in dieser Wurzel zusammen mit allem, was im Erleben und Schaffen der Menschen erwächst. Deshalb war es naturgemäß, daß sie ihre Betätigung nach und nach über die mannigfaltigsten Gebiete des Erlebens und Schaffens ausdehnte.

[ 5 ] Doch Anthroposophie geht bis an die Wurzel des Menschendaseins. Und sie finder sich in dieser Wurzel zusammen mit allem, was im Erleben und Schaffen der Menschen erwächst. Deshalb war es naturgemäß, daß sie ihre Betätigung nach und nach über die mannigfaltigsten Gebiete des Erlebens und Schaffens ausdehnte.

[ 6 ] Ein Anfang wurde mit dem Künstlerischen gemacht. In Mysterienaufführungen wurde künstlerisch gestaltet, was die geistgemäße Anschauung von Welt und Menschen offenbarte. Zahlreichen Mitgliedern war es befriedigend, im künstlerischen Bilde wieder zu empfangen, was sie vorher ohne äußeres Bild, nur im Gemüte, aufgenommen hatten.

[ 6 ] Ein Anfang wurde mit dem Künstlerischen gemacht. In Mysterienaufführungen wurde künstlerisch gestaltet, was die geistgemäße Anschauung von Welt und Menschen offenbarte. Zahlreichen Mitgliedern war es befriedigend, im künstlerischen Bilde wieder zu empfangen, was sie vorher ohne äußeres Bild, nur im Gemüte, aufgenommen hatten.

[ 7 ] Auch dies konnte geschehen, ohne daß sich andere Menschen als die unmittelbar Beteiligten viel darum kümmerten.

[ 7 ] Auch dies konnte geschehen, ohne daß sich andere Menschen als die unmittelbar Beteiligten viel darum kümmerten.

[ 8 ] Da wurde von enthusiastischen und opferwilligen Anteilnehmern an der Anthroposophie der Plan gefaßt, dieser eine eigene Heimstätte zu schaffen. 1913 konnte der Grundstein zu dieser, die später Goetheanum genannt wurde, gelegt werden. In den darauffolgenden Jahren wurde sie gebaut.

[ 8 ] Da wurde von enthusiastischen und opferwilligen Anteilnehmern an der Anthroposophie der Plan gefaßt, dieser eine eigene Heimstätte zu schaffen. 1913 konnte der Grundstein zu dieser, die später Goetheanum genannt wurde, gelegt werden. In den darauffolgenden Jahren wurde sie gebaut.

[ 9 ] Ein anderes kam hinzu. In der Anthroposophischen Gesellschaft hatten sich allmählich Persönlichkeiten eingefunden, deren Lebensaufgabe die Pflege des einen oder des andern wissenschaftlichen Gebietes war. Gewiß, der ursprüngliche Beweggrund ihres Anschlusses an die Gesellschaft war auch für diese Persönlichkeiten das allgemeine ° menschliche Seelen- und Herzensbedürfnis. Sie wollten in ihrer Seele die Wege finden, die diese an das Licht des Geistes heranführen. — Aber ihr wissenschaftlicher Entwickelungsgang hatte sie auch dazu geführt, einzusehen, daß die herrschenden Anschauungen überall, wo entscheidende Erkenntnisse zu einem brennenden Bedürfnis des Menschen werden, versagen, weil sie an tote Punkte kommen. Sie mußten erfahren, daß man die Wissenschaften überall da fortsetzen könne, wo sie nach den bisherigen Methoden in das Nichtige auslaufen, wenn man sie durch Anthroposophie befruchtet, - Und so entstand anthroposophische Arbeit auf den mannigfaltigsten wissenschaftlichen Gebieten.

[ 9 ] Ein anderes kam hinzu. In der Anthroposophischen Gesellschaft hatten sich allmählich Persönlichkeiten eingefunden, deren Lebensaufgabe die Pflege des einen oder des andern wissenschaftlichen Gebietes war. Gewiß, der ursprüngliche Beweggrund ihres Anschlusses an die Gesellschaft war auch für diese Persönlichkeiten das allgemeine ° menschliche Seelen- und Herzensbedürfnis. Sie wollten in ihrer Seele die Wege finden, die diese an das Licht des Geistes heranführen. — Aber ihr wissenschaftlicher Entwickelungsgang hatte sie auch dazu geführt, einzusehen, daß die herrschenden Anschauungen überall, wo entscheidende Erkenntnisse zu einem brennenden Bedürfnis des Menschen werden, versagen, weil sie an tote Punkte kommen. Sie mußten erfahren, daß man die Wissenschaften überall da fortsetzen könne, wo sie nach den bisherigen Methoden in das Nichtige auslaufen, wenn man sie durch Anthroposophie befruchtet, - Und so entstand anthroposophische Arbeit auf den mannigfaltigsten wissenschaftlichen Gebieten.

[ 10 ] Durch das Goetheanum und durch die wissenschaftliche Arbeit war die Anthroposophische Gesellschaft so vor die Welt hingestellt, daß deren vorherige ruhige und störungsfreie Entwickelung aufhörte. Man wurde auf Anthroposophie aufmerksam. Man fing außerhalb ihrer eigenen Kreise an, zu fragen, was an ihr richtig und heilsam ist. Es konnte nicht ausbleiben, daß sich Menschen fanden, welche mit ihrem Urteile an anderem hingen, als was Anthroposophie zeigte, oder die ihr Leben mit etwas verbunden hatten, das im Lichte der Anthroposophie nicht so erschien, wie sie es haben wollten. Diese fingen nun an, Anthroposophie von ihren Gesichtspunkten und Lebensinhalten aus zu beurteilen.

[ 10 ] Durch das Goetheanum und durch die wissenschaftliche Arbeit war die Anthroposophische Gesellschaft so vor die Welt hingestellt, daß deren vorherige ruhige und störungsfreie Entwickelung aufhörte. Man wurde auf Anthroposophie aufmerksam. Man fing außerhalb ihrer eigenen Kreise an, zu fragen, was an ihr richtig und heilsam ist. Es konnte nicht ausbleiben, daß sich Menschen fanden, welche mit ihrem Urteile an anderem hingen, als was Anthroposophie zeigte, oder die ihr Leben mit etwas verbunden hatten, das im Lichte der Anthroposophie nicht so erschien, wie sie es haben wollten. Diese fingen nun an, Anthroposophie von ihren Gesichtspunkten und Lebensinhalten aus zu beurteilen.

[ 11 ] Was nun daraus in ganz kurzer Zeit entstand, darauf war die Anthroposophische Gesellschaft nicht vorbereitet. In ihr ist ruhig gearbeitet worden. Und in der ruhigen Arbeit fanden weitaus die meisten der Mitglieder ihre volle Befriedigung. Es war alles, was sie glaubten leisten zu sollen, neben den Aufgaben, die ihnen ihr Platz im äußeren Leben zugewiesen hatte.

[ 11 ] Was nun daraus in ganz kurzer Zeit entstand, darauf war die Anthroposophische Gesellschaft nicht vorbereitet. In ihr ist ruhig gearbeitet worden. Und in der ruhigen Arbeit fanden weitaus die meisten der Mitglieder ihre volle Befriedigung. Es war alles, was sie glaubten leisten zu sollen, neben den Aufgaben, die ihnen ihr Platz im äußeren Leben zugewiesen hatte.

[ 12 ] Und wer könnte diesen Mitgliedern auch nur im geringsten unrecht geben, wenn sie in dieser Art denken? Menschen, die unbefriedigt sich von anderem abwenden und zur Anthroposophie kommen, wollen naturgemäß in ihr das Positive der Geist-Erkenntnis und des geistigen Lebens finden. Sie fühlen sich in ihrem Suchen gestört, wenn sie von allen Seiten von Kämpfen gegen die Anthroposophie berührt werden.

[ 12 ] Und wer könnte diesen Mitgliedern auch nur im geringsten unrecht geben, wenn sie in dieser Art denken? Menschen, die unbefriedigt sich von anderem abwenden und zur Anthroposophie kommen, wollen naturgemäß in ihr das Positive der Geist-Erkenntnis und des geistigen Lebens finden. Sie fühlen sich in ihrem Suchen gestört, wenn sie von allen Seiten von Kämpfen gegen die Anthroposophie berührt werden.

[ 13 ] Es ist schon so, daß die ernste Frage für die Anthroposophische Gesellschaft entstanden ist: wie ist in der Art, die für wahre Pflege des Geisteslebens notwendig ist, diese Pflege weiterzuführen, trotzdem die Zeit vorüber ist, in der sich um Anthroposophie niemand außer den Anteilnehmenden kümmerte? Vor der Leitung des Goetheanums gestaltete sich eine der Fragen, die für sie in Betracht kommen, so: Ist vielleicht nötig, sich zu gestehen, daß von der Anthroposophischen Gesellschaft noch mehr Anthroposophie erarbeitet werde, als bisher geschehen ist? Und wie kann dies geschehen?

[ 13 ] Es ist schon so, daß die ernste Frage für die Anthroposophische Gesellschaft entstanden ist: wie ist in der Art, die für wahre Pflege des Geisteslebens notwendig ist, diese Pflege weiterzuführen, trotzdem die Zeit vorüber ist, in der sich um Anthroposophie niemand außer den Anteilnehmenden kümmerte? Vor der Leitung des Goetheanums gestaltete sich eine der Fragen, die für sie in Betracht kommen, so: Ist vielleicht nötig, sich zu gestehen, daß von der Anthroposophischen Gesellschaft noch mehr Anthroposophie erarbeitet werde, als bisher geschehen ist? Und wie kann dies geschehen?

[ 14 ] Von diesen Fragen ausgehend, möchte ich in der folgenden Nummer dieses Nachrichtenblattes meine «Ansprache an die Mitglieder» fortsetzen.

[ 14 ] Von diesen Fragen ausgehend, möchte ich in der folgenden Nummer dieses Nachrichtenblattes meine «Ansprache an die Mitglieder» fortsetzen.

Fortsetzung in nächster Nummer.

Fortsetzung in nächster Nummer.