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Anthroposophical Guiding Principles
GA 26

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4. Die Stellung der Mitglieder zur Gesellschaft

4. Die Stellung der Mitglieder zur Gesellschaft

[ 1 ] Es ist begreiflich, daß unter den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft eine verschiedene Auffassung herrscht über ihre Stellung zu dieser Gesellschaft. Wer in diese eintritt, kann die Auffassung haben, in ihr zu finden, was er aus den innersten Bedürfnissen seiner Seele heraus sucht. Und in diesem Suchen und dem Finden dessen, was ihm die Gesellschaft geben kann, findet dann ein solches Mitglied den Sinn seiner Mitgliedschaft. Ich habe schon angedeutet, daß gegen eine solche Auffassung im Grunde nichts eingewendet werden kann.

[ 1 ] Es ist begreiflich, daß unter den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft eine verschiedene Auffassung herrscht über ihre Stellung zu dieser Gesellschaft. Wer in diese eintritt, kann die Auffassung haben, in ihr zu finden, was er aus den innersten Bedürfnissen seiner Seele heraus sucht. Und in diesem Suchen und dem Finden dessen, was ihm die Gesellschaft geben kann, findet dann ein solches Mitglied den Sinn seiner Mitgliedschaft. Ich habe schon angedeutet, daß gegen eine solche Auffassung im Grunde nichts eingewendet werden kann.

[ 2 ] Denn die Gesellschaft kann wegen des Wesens der Anthroposophie _ nicht die Aufgabe haben, einen Kreis von Menschen zu vereinigen, denen sie bei ihrem Eintritte Pflichten auferlegt, die sie nicht schon vorher anerkannt haben, sondern nur um der Gesellschaft willen ausüben sollen. Pflichten kann im eigentlichen Sinne nur die Gesellschaft gegenüber den Mitgliedern haben. .

[ 2 ] Denn die Gesellschaft kann wegen des Wesens der Anthroposophie _ nicht die Aufgabe haben, einen Kreis von Menschen zu vereinigen, denen sie bei ihrem Eintritte Pflichten auferlegt, die sie nicht schon vorher anerkannt haben, sondern nur um der Gesellschaft willen ausüben sollen. Pflichten kann im eigentlichen Sinne nur die Gesellschaft gegenüber den Mitgliedern haben. .

[ 3 ] Aber gerade dieses Selbstverständliche bewirkt ein anderes, das nicht immer in der richtigen Art angesehen, oft überhaupt nicht einmal

[ 3 ] Aber gerade dieses Selbstverständliche bewirkt ein anderes, das nicht immer in der richtigen Art angesehen, oft überhaupt nicht einmal

[ 4 ] bedacht wird. Es erwächst nämlich sogleich für dasjenige Mitglied, das in irgendeiner Art tätig in der Gesellschaft für diese wird, eine große Verantwortlichkeit und ein ernster Pflichtenkreis. Wer zu einer solchen Tätigkeit nicht überzugehen die Absicht hat, dem sollte man seine stillen Kreise nicht stören. Wer aber in der Gesellschaft irgend etwas tun will, der darf nicht außer acht lassen, daß er die Angelegenheiten der Gesellschaft zu seinen eigenen machen muß.

[ 4 ] bedacht wird. Es erwächst nämlich sogleich für dasjenige Mitglied, das in irgendeiner Art tätig in der Gesellschaft für diese wird, eine große Verantwortlichkeit und ein ernster Pflichtenkreis. Wer zu einer solchen Tätigkeit nicht überzugehen die Absicht hat, dem sollte man seine stillen Kreise nicht stören. Wer aber in der Gesellschaft irgend etwas tun will, der darf nicht außer acht lassen, daß er die Angelegenheiten der Gesellschaft zu seinen eigenen machen muß.

[ 5 ] Will jemand ein stilles Mitglied sein, dann muß es an ihm begreiflich sein, wenn er zum Beispiel sagt: ich kann mich nicht darum bekümmern, was die Gegner der Gesellschaft über diese sagen. Das hört sogleich auf, wenn er über den Kreis der stillen Anteilnahme hinausgeht. Dann erwächst ihm sogleich die Aufgabe, auf die Gegnerschaft hinzusehen und an der Anthroposophie und Gesellschaft das zu verteidigen, was an ihr in berechtigter Art zu verteidigen ist.

[ 5 ] Will jemand ein stilles Mitglied sein, dann muß es an ihm begreiflich sein, wenn er zum Beispiel sagt: ich kann mich nicht darum bekümmern, was die Gegner der Gesellschaft über diese sagen. Das hört sogleich auf, wenn er über den Kreis der stillen Anteilnahme hinausgeht. Dann erwächst ihm sogleich die Aufgabe, auf die Gegnerschaft hinzusehen und an der Anthroposophie und Gesellschaft das zu verteidigen, was an ihr in berechtigter Art zu verteidigen ist.

[ 6 ] Daß dieser ganz notwendigen Tatsache nicht immer Rechnung getragen worden ist, war der Gesellschaft nicht förderlich. Es muß die Mitglieder, die von der Gesellschaft mit allem guten Recht fordern können, daß sie ihnen zunächst gibt, was sie ihnen verspricht, sonderbar berühren, wenn man sogleich von ihnen denselben Pflichtenkreis verlangt, den diejenigen sich auferlegen müssen, welche diese Versprechungen machen.

[ 6 ] Daß dieser ganz notwendigen Tatsache nicht immer Rechnung getragen worden ist, war der Gesellschaft nicht förderlich. Es muß die Mitglieder, die von der Gesellschaft mit allem guten Recht fordern können, daß sie ihnen zunächst gibt, was sie ihnen verspricht, sonderbar berühren, wenn man sogleich von ihnen denselben Pflichtenkreis verlangt, den diejenigen sich auferlegen müssen, welche diese Versprechungen machen.

[ 7 ] Wenn man von Pflichten der Mitglieder im Hinblick auf die Gesellschaft redet, so kann sich dieses also nur auf die tätig sein wollenden Mitglieder beziehen. Das soll natürlich nicht verwechselt werden mit dem Sprechen von Verpflichtungen der Menschen als solchen, das aus der Anthroposophie selbst heraus sich ergibt. Diese Dinge werden aber immer den ganz allgemeinen menschlichen Charakter tragen und nur den Anschauungskreis darüber so erweitern, wie sich das aus der Einsicht in die geistige Welt ergibt. Redet die Anthroposophie von solchen Verpflichtungen, so kann sie damit nie meinen, daß man damit etwas nur für die Anthroposophische Gesellschaft Verbindliches sagt, sondern etwas, das sich aus der recht verstandenen Menschenwesenheit als solcher ergibt.

[ 7 ] Wenn man von Pflichten der Mitglieder im Hinblick auf die Gesellschaft redet, so kann sich dieses also nur auf die tätig sein wollenden Mitglieder beziehen. Das soll natürlich nicht verwechselt werden mit dem Sprechen von Verpflichtungen der Menschen als solchen, das aus der Anthroposophie selbst heraus sich ergibt. Diese Dinge werden aber immer den ganz allgemeinen menschlichen Charakter tragen und nur den Anschauungskreis darüber so erweitern, wie sich das aus der Einsicht in die geistige Welt ergibt. Redet die Anthroposophie von solchen Verpflichtungen, so kann sie damit nie meinen, daß man damit etwas nur für die Anthroposophische Gesellschaft Verbindliches sagt, sondern etwas, das sich aus der recht verstandenen Menschenwesenheit als solcher ergibt.

[ 8 ] Aber gerade deswegen, weil aus dem Wesen der Anthroposophischen Gesellschaft für die in ihr tätigen Mitglieder der Pflichtenkreis erwächst, sollte dieser so ernst wie möglich genommen werden. Wer zum Beispiele als Mitglied der Gesellschaft anderen die Einsichten der Anthroposophie überliefern will, dem erwachsen sogleich diese Pflichten, wenn er über den allerengsten stillen Kreis einer solchen Belehrung hinausgeht. Ein solcher wird sich klar sein müssen über die allgemeine geistige Lage der Menschen in der gegenwärtigen Zeit. Er wird von der Aufgabe der Anthroposophie eine deutliche Vorstellung haben müssen. Er wird, soviel ihm dies auch nur möglich ist, sich in Zusammenhang halten müssen mit den andern tätigen Mitgliedern der Gesellschaft. Eine solche Persönlichkeit wird weit davon entfernt sein müssen, zu sagen: es erregt mein Interesse nicht, wenn die Anthroposophie und ihre Träger von Gegnern in einem falschen Lichte dargestellt oder sogar verleumdet werden.

[ 8 ] Aber gerade deswegen, weil aus dem Wesen der Anthroposophischen Gesellschaft für die in ihr tätigen Mitglieder der Pflichtenkreis erwächst, sollte dieser so ernst wie möglich genommen werden. Wer zum Beispiele als Mitglied der Gesellschaft anderen die Einsichten der Anthroposophie überliefern will, dem erwachsen sogleich diese Pflichten, wenn er über den allerengsten stillen Kreis einer solchen Belehrung hinausgeht. Ein solcher wird sich klar sein müssen über die allgemeine geistige Lage der Menschen in der gegenwärtigen Zeit. Er wird von der Aufgabe der Anthroposophie eine deutliche Vorstellung haben müssen. Er wird, soviel ihm dies auch nur möglich ist, sich in Zusammenhang halten müssen mit den andern tätigen Mitgliedern der Gesellschaft. Eine solche Persönlichkeit wird weit davon entfernt sein müssen, zu sagen: es erregt mein Interesse nicht, wenn die Anthroposophie und ihre Träger von Gegnern in einem falschen Lichte dargestellt oder sogar verleumdet werden.

[ 9 ] Der Vorstand, der bei der Weihnachtstagung gebildet worden ist, faßt seine Aufgabe so auf, daß er dem hier Ausgesprochenen innerhalb der Gesellschaft zur Verwirklichung verhelfen will. Und er kann nicht anders, als alle tätig sein wollenden Mitglieder darum zu bitten, sich zu Mithelfern dieser seiner Absichten zu machen.

[ 9 ] Der Vorstand, der bei der Weihnachtstagung gebildet worden ist, faßt seine Aufgabe so auf, daß er dem hier Ausgesprochenen innerhalb der Gesellschaft zur Verwirklichung verhelfen will. Und er kann nicht anders, als alle tätig sein wollenden Mitglieder darum zu bitten, sich zu Mithelfern dieser seiner Absichten zu machen.

[ 10 ] Nur dadurch kann erreicht werden, daß die Gesellschaft ihrer gesamten Mitgliedschaft und damit auch der Welt das halten kann, was sie verspricht.

[ 10 ] Nur dadurch kann erreicht werden, daß die Gesellschaft ihrer gesamten Mitgliedschaft und damit auch der Welt das halten kann, was sie verspricht.

[ 11 ] Es ist zum Beispiel wirklich betrüblich, wenn man die folgende Erfahrung macht: Es kommt innerhalb der Gesellschaft vor, daß sich an einem Orte tätig sein wollende Mitglieder von Zeit zu Zeit über die Angelegenheiten der Gesellschaft besprechen. Sie halten zu diesem Zwecke Versammlungen ab. Wenn man dann mit den einzelnen Persönlichkeiten, die bei diesen Versammlungen sitzen, spricht, so bemerkt man, daß sie in Wirklichkeit übereinander, über ihre Tätigkeiten für die Gesellschaft und so weiter Ansichten haben, die bei den Versammlungen gar nicht zur Sprache kommen. Man kann erfahren, daß irgend jemand gar keine Ahnung hat, wie die oft mit ihm Vereinten über seine Tätigkeit denken. Dergleichen in bessere Bahnen zu bringen, müßte ganz unbedingt aus dem Impuls folgen, den die Weihnachtstagung gegeben hat. Die tätig sein wollenden Mitglieder vor allen müßten diesen Impuls zu verstehen versuchen. Man hört von solchen tätig sein wollenden Mitgliedern gar oft sagen: ich habe ja den guten Willen; aber ich weiß eben nicht, was das Richtige ist. Man sollte über diesen «guten Willen» doch nicht eine allzu bequeme Ansicht haben. Man sollte sich doch immer wieder fragen: habe ich denn auch wirklich alle Wege gesucht, die sich in der Gesellschaft bieten, um das «Richtige» in der gutwilligen Zusammenarbeit mit andern zu finden?

[ 11 ] Es ist zum Beispiel wirklich betrüblich, wenn man die folgende Erfahrung macht: Es kommt innerhalb der Gesellschaft vor, daß sich an einem Orte tätig sein wollende Mitglieder von Zeit zu Zeit über die Angelegenheiten der Gesellschaft besprechen. Sie halten zu diesem Zwecke Versammlungen ab. Wenn man dann mit den einzelnen Persönlichkeiten, die bei diesen Versammlungen sitzen, spricht, so bemerkt man, daß sie in Wirklichkeit übereinander, über ihre Tätigkeiten für die Gesellschaft und so weiter Ansichten haben, die bei den Versammlungen gar nicht zur Sprache kommen. Man kann erfahren, daß irgend jemand gar keine Ahnung hat, wie die oft mit ihm Vereinten über seine Tätigkeit denken. Dergleichen in bessere Bahnen zu bringen, müßte ganz unbedingt aus dem Impuls folgen, den die Weihnachtstagung gegeben hat. Die tätig sein wollenden Mitglieder vor allen müßten diesen Impuls zu verstehen versuchen. Man hört von solchen tätig sein wollenden Mitgliedern gar oft sagen: ich habe ja den guten Willen; aber ich weiß eben nicht, was das Richtige ist. Man sollte über diesen «guten Willen» doch nicht eine allzu bequeme Ansicht haben. Man sollte sich doch immer wieder fragen: habe ich denn auch wirklich alle Wege gesucht, die sich in der Gesellschaft bieten, um das «Richtige» in der gutwilligen Zusammenarbeit mit andern zu finden?

Fortsetzung in nächster Nummer.

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