Anthroposophical Guiding Principles
GA 26
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The Life, Nature, and Cultivation of Anthroposophy, tr. Adams 1963
7. Die Arbeit in der Gesellschaft
7. Work in the Society I
[ 1 ] In meinen Vorträgen für die Anthroposophische Gesellschaft, die ich gegenwärtig am Goetheanum halte, suche ich die Grundfragen des menschlichen Seelenlebens zur Darstellung zu bringen. In den fünf «Leitsätzen», die bisher in diesem Mitteilungsblatte enthalten waren, ist der Gesichtspunkt gekennzeichnet, von ‘dem aus die Darstellung gegeben wird. Ich wollte der Grundforderung eines anthroposophischen Vortrages entsprechen. Der Zuhörer soll die Empfindung haben, daß Anthroposophie von dem spricht, was er bei voller Selbstbesinnung als ureigene Angelegenheit seiner Seele empfindet. Kann man für eine solche Darstellung die rechte Art finden, dann wird sich unter den Mitgliedern das Bewußtsein entwickeln: In der Anthroposophischen Gesellschaft wird der Mensch wirklich verstanden.
[ 1 ] In the lectures to the Anthroposophical Society which I am now giving at the Goetheanum, I am seeking to give expression to the root-questions of the inner life of Man. The underlying point of view has been indicated in the first five ‘Leading Thoughts’ published in the News Sheet. My object has been to meet the fundamental need of an anthroposophical lecture. The listener must feel that Anthroposophy is speaking of what he, when he holds counsel with himself most deeply, realises as the essential concern of his soul. If we can thus find the right way of representing Anthroposophy, there will arise among the members the feeling that in the Anthroposophical Society the human being is truly understood.
[ 2 ] Man trifft damit auf dasjenige, was für die Menschen, die Mitglieder werden, der treibende Impuls ist. Sie wollen eine Stätte finden, an der Menschenverständnis seine rechte Pflege findet.
[ 2 ] And this is the fundamental impulse in those who become members. They want to find a place where the understanding of Man is duly cultivated.
[ 3 ] Man ist eigentlich schon auf dem Wege zur Anerkennung des Geisteswesens der Welt, wenn man ernstlich Menschenverständnis sucht. Denn man wird in diesem Suchen gewahr, daß die Naturerkenntnis in bezug auf den Menschen keine Aufschlüsse gibt, sondern nur Fragen erzeugt.
[ 3 ] When we earnestly seek to understand the human being, we are indeed already on the way to recognition of the spiritual being of the World. For we are made aware that, as to Man himself, our knowledge of Nature affords no information but only gives rise to questions.
[ 4 ] In den anthroposophischen Darstellungen kommt nur Verwirrung zustande, wenn man die Seele von der Liebe zur Natur hinwegführen will. Nicht in der Geringschätzung dessen, was die Natur den Menschen offenbart, kann der Ausgangspunkt der anthroposophischen Betrachtung liegen. Naturverachtung, Abkehr von der Wahrheit, die in den Erscheinungen des Lebens und der Welt dem Menschen entgegenstrahlt, von der Schönheit, die in diesen Erscheinungen waltet, von den Aufgaben, die sie dem Menschenstreben stellen, kann nur zu einem Zerrbilde vom Geisteswesen führen.
[ 4 ] If in representing Anthroposophy we tend to lead the soul away from love of Nature, confusion alone is the result. The true starting-point of anthroposophical thoughts cannot lie in the belittling of what Nature reveals to Man. To despise Nature, to turn away from the truth which flows to Man from the phenomena of life and the world, or from the beauty that pervades them and the tasks they offer to man's will: this frame of mind can at most produce a caricature of spiritual truth.
[ 5 ] Ein solches Zerrbild wird immer einen persönlichen Charakter haben. Es wird, auch wenn es nicht bloß aus Träumen gewoben ist, doch wie das Träumen erlebt werden. Wenn der Mensch im wachen Dasein mit Menschen lebt, dann muß sein Streben auf Verständigung über Gemeinsames ausgehen. Was der eine behauptet, muß Bedeutung für den andern haben; was der eine erarbeitet, muß für den andern einen gewissen Wert haben. Die Menschen, die miteinander leben, müssen das Gefühl haben, daß sie in einer gemeinsamen Welt sind. Wenn der Mensch in seinen Träumen webt, dann löst er sich aus dieser gemeinsamen Welt heraus. Ein anderer Mensch in seiner unmittelbaren Nähe kann ganz andere Träume haben. Im Wachen haben die Menschen eine gemeinsame Welt; im Träumen hat ein jeder seine eigene.
[ 5 ] Such a caricature will always be tinged with the personal element. Even if it is not composed of dreams, it will be experienced in a dreaming way. In waking life man lives with other men, and his effort must be for mutual understanding on things of common interest. What one man states must have some meaning for the other; what one achieves by his work, must have a certain value for the other. Men who live with one another must have the feeling that they are in a common world. But when a man is living in his own dreams he cuts himself off from the common world of men. The dreams of another—even his nearest neighbour—may be utterly different from his. In waking life men have a world in common; in dreaming each man has his own.
[ 6 ] Anthroposophie sollte nicht aus dem Wachen in das Träumen, sondern in ein stärkeres Erwachen hineinführen. Im alltäglichen Leben ist zwar Gemeinsamkeit vorhanden; aber diese wird doch in engen Grenzen erlebt. Man ist da in ein Stück Dasein hineingebannt; man trägt die Sehnsucht nach dem vollen Leben nur im Herzen. Man fühlt, die Gemeinsamkeit des menschlichen Erlebens geht weiter als der Umkreis des alltäglichen Lebens. Und wie man von der Erde weg zur Sonne blicken muß, wenn man die allem Irdischen gemeinsame Quelle des Lichtes gewahr werden will, so muß man von der Sinnenwelt hinweg zum Geistes-Inhalt sich wenden, wenn man finden will, was aus dem echt Menschlichen heraus die Seele zur befriedigenden Menschengemeinschaft, zum vollen Erleben dieser Gemeinschaft führen kann.
[ 6 ] Anthroposophy should lead from waking life, not to a dreaming, but to a more intense awakening. In everyday life we have community indeed, but it is confined within narrow limits. We are banished to a certain fragment of existence, and only in our inner hearts we bear a longing for life's fullness. We feel that the true community of human life extends beyond the confines of the everyday. We look away from the Earth to the Sun when we would see the source of light common to all earthly things. So too we must turn away from the world of the senses to the reality of the Spirit to find the true sources of humanity where the soul can experience the fullness of community it needs.
[ 7 ] Da ist es denn leicht möglich, daß man sich vom Leben abwendet, statt in einem intensiveren Maße in dasselbe einzutreten.
[ 7 ] Here it may easily happen that we turn away from life instead of entering it more fully and more strongly. The man who despises Nature has fallen a victim to this danger. He is driven into that isolation of the soul, of which ordinary dreaming is a good example.
[ 8 ] Und dieser Gefahr unterliegt der Naturverächter. Er wird in die Einsamkeit der Seele hineingetrieben, für die das natürliche Träumen ein Vorbild ist. Für menschliche Wahrheit, die zugleich Weltwahrheit ist, entwickelt man am besten den Sinn, wenn man diesen heranerzieht an derjenigen Wahrheit, die aus der Natur der Menschenseele entgegenleuchtet. Wer aber Naturwahrheit mit offenem, freiem Sinn in sich erlebt, der wird durch sie zur Geisteswahrheit hingeführt. Wer sich von der Schönheit, Größe und Erhabenheit der Natur durchdringt, in dem werden diese zur Quelle der Geistempfindung. Und wer sein Herz der stummen Naturgebärde öffnet, die jenseits von Gut und Böse in ewiger Unschuld sich offenbart, dem erschließt sich der Blick für die geistige Welt, die in die stumme Gebärde das lebendige Wort tönen läßt, das den Unterschied von Gut und Böse offenbart.
[ 8 ] Let us rather educate our minds by contact with the light of truth which streams into the soul of man from Nature. Then we shall best develop the sense for the truths of Man, which are at the same time the truths of the Cosmos. The truths of Nature, experienced with free and open mind, lead us already toward the truths of the Spirit. When we fill ourselves with the beauty, greatness and majesty of Nature, it grows in us to a fountain of true feeling for the Spirit. And when we open our heart to the silent gesture of Nature revealing her eternal innocence beyond all good and evil, our eyes are opened presently to the spiritual world, from whence—into the dumb gesture—the living Word rings forth, revealing good and evil.
[ 9 ] Geistanschauung, die durch die Liebe zur Naturanschauung hindurchgegangen ist, bereichert das Leben um die wahren Schätze der Seele; Geistesträumen, das im Widerspruch mit der Naturanschauung sich entwickelt, verarmt das Menschenherz.
[ 9 ] Spirit-perception, brought up in the loving perception of Nature, brings to life the true riches of the soul. Spiritual dreaming, elaborated in contradiction to true knowledge of Nature, can but impoverish the human heart.
[ 10 ] Wer Anthroposophie im tiefsten Wesen durchdringt, wird, was in diesen Sätzen angedeutet ist, als den Gesichtspunkt empfinden, von dem in den anthroposophischen Darstellungen ausgegangen werden muß. Man wird durch solche Ausgangspunkte dasjenige berühren, von dem ein jedes Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft sich sagt: darin liegt, was den wahren Grund meines Eintrittes in die Gesellschaft gebildet hat.
[ 10 ] If one penetrates Anthroposophy in its deepest essence one will feel the point of view here indicated to be the one from which all anthroposophical descriptions should take their start. With this as our point of departure, we shall come into living touch with the reality, of which every member will say, ‘There lies the true reason why I entered the Anthroposophical Society’.
[ 11 ] Bei den Mitgliedern, die in der Gesellschaft tätig sein wollen, wird es nicht genügen, daß sie von dem hier Angedeuteten theoretisch überzeugt sind. Es wird das rechte Leben in ihre Überzeugung erst kommen, wenn sie ein warmes Interesse für alles entfalten, was in der Gesellschaft vorgeht. Durch das Erfahren dessen, was von den Persönlichkeiten, die in der Gesellschaft sind, erdacht und erlebt wird, werden sie die Wärme empfangen, die sie für ihre Arbeit in der Gesellschaft brauchen. Man muß viel Interesse für die andern Menschen haben, wenn man ihnen auf anthroposophische Art gegenübertreten will. Das Studium dessen, «was in der Gesellschaft vorgeht», muß die Unterlage für das Wirken in der Gesellschaft werden. Gerade diejenigen Mitglieder brauchen dieses Studium, die in der Gesellschaft tätig sein wollen.
[ 11 ] It will not be enough, for the members who wish to be active in the Anthroposophical Society, to be theoretically convinced of this. Real life will only enter their conviction when they unfold a warm interest in all that goes on in the Society. As they learn of what is being thought and done by active individuals in the Society, they will receive the warmth they need for their own work in it. We must be filled with interest in other human beings, to meet them in an anthroposophical way. The study of ‘What is going on in the Society’ must gradually form the background of all our activity in it. Those above all who wish to be active members will stand in need of this.
Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft vom Goetheanum ausgesendet werden
Anthroposophical Leading Thoughts given out as suggestions from the Goetheanum 1Supplemented from the volume Anthroposophical Leading Thoughts (1973) by the same translator.
[ 12 ] 6. Wenn man den Blick auf die leblose Natur wendet, so findet man eine Welt, die sich in gesetzmäßigen Zusammenhängen offenbart. Man sucht nach diesen Zusammenhängen und findet sie als den Inhalt der Naturgesetze. Man findet aber auch, daß durch diese Gesetze die leblose Natur sich mit der Erde zu einem Ganzen zusammenschließt. Man kann dann von diesem Erdenzusammenhang, der in allem Leblosen waltet, zu der Anschauung der lebendigen Pflanzenwelt übergehen. Man sieht, wie die außerirdische Welt aus den Weiten des Raumes die Kräfte hereinsendet, welche das Lebendige aus dem Schöße des Lebenslosen hervorholen. Man wird in dem Lebendigen das Wesenhafte gewahr, das sich dem bloß irdischen Zusammenhange entreißt und sich zum Offenbarer dessen macht, was aus den Weiten des Weltenraumes auf die Erde herunterwirkt. In der unscheinbarsten Pflanze wird man die Wesenheit des außerirdischen Lichtes gewahr, wie im Auge den leuchtenden Gegenstand, der vor diesem steht. In diesem Aufstieg der Betrachtung kann man den Unterschied des Irdisch-Physischen schauen, das im Leblosen waltet, und des Außerirdisch-Ätherischen, das im Lebendigen kraftet.
[ 12 ] 6. When we look out on lifeless Nature, we find a world full of inner relationships of law and order. We seek for these relationships and find in them the content of the ‘Laws of Nature.’ We find, moreover, that by virtue of these Laws lifeless Nature forms a connected whole with the entire Earth. We may now pass from this earthly connection which rules in all lifeless things, to contemplate the living world of plants. We see how the Universe beyond the Earth sends in from distances of space the forces which draw the Living forth out of the womb of the Lifeless. In all living things we are made aware of an element of being, which, freeing itself from the mere earthly connection, makes manifest the forces that work down on to the Earth from realms of cosmic space. As in the eye we become aware of the luminous object which confronts it, so in the tiniest plant we are made aware of the nature of the Light from beyond the Earth. Through this ascent in contemplation, we can perceive the difference of the earthly and physical which holds sway in the lifeless world, from the extra-earthly and ethereal which abounds in all living things.
[ 13 ] 7. Man findet den Menschen mit seinem außerseelischen und außergeistigen Wesen in diese Welt des Irdischen und Außerirdischen hineingestellt. Sofern er in das Irdische, das das Leblose umspannt, hineingestellt ist, trägt er seinen physischen Körper an sich; sofern er in sich diejenigen Kräfte entwickelt, welche das Lebendige aus den Weltenweiten in das Irdische hereinzieht, hat er einen ätherischen oder Lebensleib. Diesen Gegensatz zwischen dem Irdischen und Ätherischen hat die Erkenntnisrichtung der neueren Zeit ganz unberücksichtigt gelassen. Sie hat gerade aus diesem Grunde über das Ätherische die unmöglichsten Anschauungen entwickelt. Die Furcht davor, sich in das Phantastische zu verlieren, hat davon abgehalten, von diesem Gegensatz zu sprechen. Ohne ein solches Sprechen kommt man aber zu keiner Einsicht in Mensch und Welt.
[ 13 ] 7. We find man with his transcendent being of soul and spirit placed into this world of the earthly and the extra earthly. Inasmuch as he is placed into the earthly connection which contains all lifeless things, he bears with him his physical body. Inasmuch as he unfolds within him the forces which the living world draws into this earthly sphere from cosmic space, he has an etheric or life-body. The trend of science in modern times has taken no account of this essential contrast of the earthly and the ethereal. For this very reason, science has given birth to the most impossible conceptions of the ether. For fear of losing their way in fanciful and nebulous ideas, scientists have refrained from dwelling on the real contrast. But unless we do so, we can attain no true insight into the Universe and Man.
Fortsetzung in nächster Nummer.
