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Anthroposophical Guiding Principles
GA 26

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12. Über Die Gestaltung Der Zweigabende

12. About the Organization of Branch Meetings

[ 1 ] Es wird seit einiger Zeit innerhalb der Mitgliedschaft viel darüber verhandelt, ob in den Zweigversammlungen es Regel sein soll, die vorhandene anthroposophische Literatur durch Vorlesen und Besprechen zur allgemeinen Kenntnis innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft zu bringen, oder ob der freie Vortrag über dasjenige, was einzelne tätig sein wollende Mitglieder zu sagen haben, zu bevorzugen sei.

[ 1 ] For some time now, there has been much discussion among the membership as to whether it should be the rule in branch meetings to bring existing anthroposophical literature to the general attention of the Anthroposophical Society by reading it aloud and discussing it, or whether free discussion of what individual members who wish to be active have to say should be preferred.

[ 2 ] Wer sich auf die Bedingungen der anthroposophischen Arbeit besinnt, dem sollte ohne weiteres klar sein, daß nicht einseitig die eine oder die andere dieser Tätigkeitsrichtungen, sondern nach den vorhandenen Möglichkeiten beide gepflegt werden müssen. In der anthroposophischen Literatur liegt dasjenige vor, was die Menschen in die Gesellschaft hereinführt. Sie ist dazu bestimmt, die Grundlage im Wirken der Gesellschaft zu bilden. Sie wird, wenn sie durch die Zweigversammlungen zur Kenntnis der Mitglieder gebracht wird, den einheitlichen Zug bilden, den wir brauchen, wenn unsere Gesellschaft einen rechten Inhalt haben soll.

[ 2 ] Anyone who reflects on the conditions of anthroposophical work should readily realize that it is not a question of favoring one or the other of these activities, but of cultivating both according to the possibilities available. Anthroposophical literature contains what introduces people to the Society. It is intended to form the basis for the Society's work. When it is brought to the attention of the members through the branch meetings, it will form the unified approach that we need if our society is to have the right content.

[ 3 ] Man sollte nicht den Einwand machen: was gedruckt ist, kann ich ja zu Hause selber lesen; das braucht mir in den Zweigversammlungen nicht vorgeführt zu werden. Es ist in diesem Mitteilungsblatte schon auf das Irrtümliche dieser Meinung hingewiesen worden. Man sollte einen Sinn darinnen sehen, mit den in der Gesellschaft vereinigten Persönlichkeiten zusammen das anthroposophische Geistesgut an sich herankommen zu lassen. In diesem Gefühl, zusammen zu sein, und im Zusammensein das Geistige aufzunehmen, sollte man nicht ein Wesenloses sehen.

[ 3 ] One should not object: I can read what is printed at home myself; I don't need to have it presented to me at the branch meetings. This newsletter has already pointed out the fallacy of this opinion. One should see the meaning in allowing the anthroposophical spiritual heritage to approach us together with the personalities united in the Society. In this feeling of being together and absorbing the spiritual in our togetherness, one should not see something insubstantial.

[ 4 ] Auch ist es nötig, daß die tätig sein wollenden Mitglieder ein Interesse daran haben, die vorhandene Literatur allmählich wirklich zum geistigen Eigentum der Mitgliederschaft zu machen. Es geht nicht an, daß viele Mitglieder, die jahrelang in der Gesellschaft sind, in den Zweigversammlungen nichts zu hören bekommen über Dinge, von denen bestimmte Erkenntnisse in der vorhandenen Literatur vorliegen.

[ 4 ] It is also necessary that members who want to be active take an interest in gradually making the existing literature truly the spiritual property of the membership. It is not acceptable that many members who have been in the Society for years hear nothing at the branch meetings about things for which certain insights are available in the existing literature.

[ 5 ] Auf der andern Seite ist zu sagen: es würde das Leben in der Gesellschaft ernsten Schaden leiden, wenn nicht möglichst viele tätige Mitglieder innerhalb derselben vorbringen würden, was sie aus Eigenem heraus zu sagen haben. Man kann doch dieses Tätigkeitsfeld ganz gut mit dem andern in harmonischen Einklang bringen. Man sollte doch bedenken, daß Anthroposophie nur das werden kann, was sie werden soll, wenn immer mehr Menschen an ihrer Ausbildung teilnehmen. Es sollte Freude darüber, nicht Ablehnung herrschen, wenn tätige Mitglieder in den Zweigversammlungen das zur Kenntnis bringen, was sie sich erarbeitet haben.

[ 5 ] On the other hand, it must be said that the life of the Society would suffer serious damage if as many active members as possible did not put forward what they have to say from their own perspective. It is quite possible to harmonize this field of activity with the other. One should bear in mind that anthroposophy can only become what it is meant to be if more and more people participate in its development. There should be joy, not rejection, when active members bring to the attention of the branch meetings what they have worked out for themselves.

[ 6 ] Wenn nun oft gesagt wird: das, was von mancher Persönlichkeit vorgebracht wird, sei nicht Anthroposophie, so kann ein solcher Ausspruch gewiß in einzelnen Fällen seine Berechtigung haben. Aber wohin kämen wir, wenn wir uns gegen die Wahrheit versündigten, daß in der Anthroposophischen Gesellschaft alles leben sollte, was zum Geistesgute der Menschheit gehört. Das eine wird aus dem Grunde vorgebracht werden sollen, weil es die Grundlage zum Aufbau anthroposophischer Darstellung bilden kann. Das andere wird mitzuteilen sein, weil es von anthroposophischen Gesichtspunkten nachher zu beleuchten ist. Wenn nur der anthroposophische Grundcharakter in dem Wirken der Gesellschaft gewahrt wird, so sollte dem, was die einzelnen tätigen Mitglieder bringen, nicht in engherziger Art eine Grenze gezogen werden.

[ 6 ] When it is often said that what is put forward by some personalities is not anthroposophy, such a statement may certainly be justified in individual cases. But where would we end up if we sinned against the truth that everything that belongs to the spiritual heritage of humanity should live in the Anthroposophical Society? The one should be presented because it can form the basis for the development of anthroposophical presentation. The other should be communicated because it can subsequently be illuminated from anthroposophical points of view. If only the anthroposophical character of the Society's work is preserved, then what the individual active members bring should not be narrow-mindedly restricted.

[ 7 ] Nicht in dem Ausschließen des einen oder des andern sollte gesucht werden, was die Zweigversammlungen tun sollen, sondern in der harmonischen Vereinigung der Pflege der vorhandenen Literatur und dem Vorbringen dessen, was die einzelnen tätigen Mitglieder von sich aus zu sagen haben.

[ 7 ] The task of the branch meetings should not be to exclude one or the other, but to harmoniously combine the cultivation of existing literature with the presentation of what the individual active members have to say on their own initiative.

[ 8 ] Durch Mannigfaltigkeit, nicht durch Einförmigkeit des Wirkens werden wir die Ziele der Anthroposophischen Gesellschaft erreichen. Wir haben innerhalb der Gesellschaft soviele Mitglieder, die aus Eigenem zu geben haben, daß wir über diese Tatsache herzlich froh sein können. Wir sollten uns nach dieser Richtung angewöhnen können, Anerkennung solchen Mitgliedern entgegenzubringen. Nur wenn die Leistungen innerhalb der Gesellschaft recht gewürdigt werden, kann wahres Leben in ihr sein. Engherzige Ablehnung sollte unter den Untugenden innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft die allerseltenste sein. Man sollte vielmehr einen Enthusiasmus dafür entwickeln, möglichst viel von dem kennen zu lernen, was der eine oder der andere in der Gemeinschaft der Anthroposophen zu sagen hat.

[ 8 ] It is through diversity, not uniformity, that we will achieve the goals of the Anthroposophical Society. We have so many members within the Society who have something to contribute from their own resources that we can be truly glad about this fact. We should get into the habit of showing our appreciation to such members. Only when achievements within the Society are properly appreciated can there be true life in it. Narrow-minded rejection should be the rarest of vices within the Anthroposophical Society. Rather, we should develop an enthusiasm for learning as much as possible about what one or another member of the anthroposophical community has to say.



Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft vom Goetheanum ausgesendet werden

Further Leading Thoughts issued from the Goetheanum for the Anthroposophical Society

[ 9 ] 20. Es gehört zur rechten Entfaltung des Seelenlebens im Menschen, daß er sich innerhalb seines Wesens des Wirkens aus dem Geiste vollbewußt werde. Viele Bekenner der neueren naturwissenschaftlichen Weltanschauung sind in dieser Richtung so stark in einem Vorurteile befangen, daß sie sagen, die allgemeine Ursächlichkeit ist in allen Welterscheinungen das Herrschende. Wenn der Mensch glaubt, es könne aus Eigenem die Ursache von etwas sein, so kann das nur eine Illusion bilden. Die neuere Natur-Erkenntnis will in allem treu der Beobachtung und Erfahrung folgen. Durch dieses Vorurteil von der verborgenen Ursächlichkeit der eigenen menschlichen Antriebe sündigt sie gegen diesen ihren Grundsatz. Denn das freie Wirken aus dem Innern des menschlichen Wesens ist ein ganz elementares Ergebnis der menschlichen Selbstbeobachtung. Man darf es nicht wegleugnen, sondern muß es mit der Einsicht in die allgemeine Verursachung innerhalb der Naturordnung in Einklang bringen.

[ 9 ] 20. For a right development of the life of the human soul, it is essential for man to become fully conscious of working actively from out of spiritual sources in his being. Many adherents of the modern scientific world-conception are victims of a strong prejudice in this respect. They say that a universal causality is dominant in all phenomena of the world; and that if man believes that he himself, out of his own resources, can be the cause of anything, it is a mere illusion on his part. Modern Natural Science wishes to follow observation and experience faithfully in all things, but in its prejudice about the hidden causality of man's inner sources of action it sins against its own principle. For the free and active working, straight from the inner resources of the human being, is a perfectly elementary experience of self-observation. It cannot be argued away; rather must we harmonise it with our insight into the universal causation of things within the order of Nature.

[ 10 ] 21. Die Nicht-Anerkennung dieses Antriebes aus dem Geiste heraus im Innern des menschlichen Wesens ist das größte Hindernis für die Erlangung einer Einsicht in die geistige Welt. Denn Einordnung des eigenen Wesens in den Naturzusammenhang bedeutet Ablenkung des Seelenblickes von diesem Wesen. Man kann aber in die geistige Welt nicht eindringen, wenn man den Geist nicht zuerst da erfaßt, wo er ganz unmittelbar gegeben ist: in der unbefangenen Selbstbeobachtung.

[ 10 ] 21. Non-recognition of this impulse out of the Spirit working in the inner life of man, is the greatest hindrance to the attainment of an insight into the spiritual world. For to consider our own being as a mere part of the order of Nature is in reality to divert the soul's attention from our own being. Nor can we penetrate into the spiritual world unless we first take hold of the Spirit where it is immediately given to us, namely in clear and open-minded self-observation.

[ 11 ] 22. Die Selbstbeobachtung bildet den Anfang der Geistbeobachtung. Und sie kann deshalb den rechten Anfang bilden, weil der Mensch bei wahrer Besinnung nicht bei ihr stehen bleiben kann, sondern von ihr fortschreiten muß zu weiterem geistigen Weltinhalt. Wie der menschliche Körper verkümmert, wenn er nicht physische Nahrung erhält, so wird der im rechten Sinne sich selbst beobachtende Mensch sein Selbst in Verkümmerung empfinden, wenn er nicht sieht, wie in dieses Selbst die Kräfte einer außer ihm tätigen geistigen Welt hineinwirken.

[ 11 ] 22. Self-observation is the first beginning in the observation of the Spirit. It can indeed be the right beginning, for if it is true, man cannot possibly stop short at it, but is bound to progress to the further spiritual content of the World. As the human body pines away when bereft of physical nourishment, so will the man who rightly observes himself feel that his Self is becoming stunted if he does not see working into it the forces from a creative spiritual World outside him.