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Anthroposophical Guiding Principles
GA 26

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Anthroposophical Guiding Principles, tr. SOL
  1. Anthroposophische Leitsätze, 12th revised ed. 2024

Breslau-Koberwitzer Tagung, Waldorfschule, Jugendsehnsucht

Wrocław-Koberwitz Conference, Waldorf School, Youth Longing

[ 1 ] Die Erzählung von unserer Breslauer und Koberwitzer Tagung konnte ich in der letzten Nummer nur bis zu ihrem vorletzten Tage führen. Der letzte brachte noch die Schlussversammlung der Teilnehmer am landwirtschaftlichen Kurse, die letzte Sprachkursstunde von Marie Steiner und das gesellige Zusammensein der Kursteilnehmer am Abend des 16. Juni.

[ 1 ] In the last issue, I was only able to recount our Breslau and Koberwitz conference up to its penultimate day. The last day included the final meeting of the participants in the agricultural course, Marie Steiner's last language course lesson, and a social gathering of the course participants on the evening of June 16.

[ 2 ] In dem letzten Vortrage ergänzte ich das über Landwirtschaft Gesagte durch einige Auseinandersetzungen über Obstbau, Tierernährung, Waldkultur, über die Schädlinge des Feldbaues und über sogenannte Pflanzenkrankheiten. Graf Keyserlingk betonte nochmals in eindringlicher Art, dass der Inhalt der Vorträge über Landwirtschaft zunächst als Arbeitsmaterial der eben entstandenen Gemeinschaft der Landwirte innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft dienen soll. Mitteilungen darüber sollen in keiner Art gemacht werden, bevor die Mitglieder dieser Gemeinschaft durch die Ergebnisse ihrer Versuchsarbeiten werden sprechen wollen. Diejenigen Teilnehmer am Kurse, denen als für die Landwirtschaft interessierte Nicht-Landwirte das Zuhören ermöglicht worden ist, wurden daher gebeten, das Gehörte nur als Anregung für sich selbst zu betrachten und nirgends darüber zu berichten. Wenn es sich um Dinge handelt, die von vorneherein dazu bestimmt sind, in der Lebenspraxis ihre Auswirkung zu finden, so ist eine solche Maßnahme voll berechtigt. Was die Anthroposophie zunächst über Landwirtschaft zu sagen hat, wird im Kreise der landwirtschaftlichen Fachleute zunächst seine bestmögliche Pflege finden; und man muss es ihnen überlassen, damit im Verein mit der naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum so zu verfahren, wie sie es für gut finden.

[ 2 ] In the last lecture, I supplemented what had been said about agriculture with some discussions on fruit growing, animal nutrition, forestry, pests in agriculture, and so-called plant diseases. Count Keyserlingk once again emphasized emphatically that the content of the lectures on agriculture should initially serve as working material for the newly formed community of farmers within the Anthroposophical Society. No announcements should be made about this until the members of this community wish to speak about the results of their experimental work. Those participants in the course who, as non-farmers interested in agriculture, had been allowed to listen, were therefore asked to regard what they had heard only as inspiration for themselves and not to report on it anywhere. When it comes to things that are intended from the outset to have an effect in practical life, such a measure is entirely justified. What anthroposophy has to say about agriculture will initially find its best possible care in the circle of agricultural experts; and it must be left to them, in association with the Natural Science Section at the Goetheanum, to proceed as they see fit.

[ 3 ] In der geselligen Zusammenkunft am Abend sprach zunächst liebe Schlussworte eine Persönlichkeit, die nach einer langen und wirksamen Tätigkeit in der Landwirtschaft dazu übergegangen ist, priesterlicher Mitarbeiter in der Bewegung für christliche Erneuerung zu werden, als der er jetzt wirkt, Herr v. Koschützky. Dann dankte Rektor Bartsch Frau Marie Steiner für ihre Mitwirkung an der Tagung. Graf Keyserlingk übernahm es schon am Vorabend, auf die finanziell schwierige Lage der Waldorfschule hinzuweisen und zu einer Sammlung unter den Kursteilnehmern anzuregen. Am letzten Abend wiederholte er dieses. Er hat damit auf etwas hingewiesen, das mit möglichster Stärke im Bewusstsein der Mitglieder leben sollte. Und seinem Beispiele sollten andere nachfolgen. Denn mit der Waldorfschule ist es doch so, dass sie in ganz sichtbarer Art in immer weiteren Kreisen an Anerkennung gewinnt. Wir haben eine Schülerzahl von ungefähr achthundert. Der größte Teil der Jahrgänge arbeitet in zwei Parallelklassen; für den fünften und sechsten Jahrgang mussten wir sogar je drei Parallelklassen errichten. Die Zahl der Lehrkräfte, die an dieser Institution arbeitet, muss fortdauernd vergrößert werden. Wir können nicht mehr alle Bewerber, die in die Waldorfschule kommen wollen, annehmen. Und bei dieser so tief befriedigenden Sachlage ist in finanzieller Beziehung die Schule der Gegenstand allerschwerster Sorge. Wir stehen schon in den nächsten Monaten vor der Tatsache, dass wir nicht wissen, wie wir die Schule erhalten sollen, wenn nicht die Freunde derselben durch finanzielle Hilfe uns noch mehr unterstützen als bisher. Zunächst hat sich ein stets opferbereites Mitglied unserer Gesellschaft gefunden, das uns für einen Teil der fehlenden Mittel Hilfe gebracht hat. Allein auch damit ist die Höhe des Fehlbetrages, den wir in den nächsten Monaten haben werden, noch nicht gedeckt. Freunde können Hilfe bringen entweder durch Beiträge, oder durch Werbung von Mitgliedern für den WaldorfSchulverein, oder durch Übernahme von Patenschaften für solche Kinder, deren Angehörige das Schulgeld nicht bezahlen können. Man wird sich an das Sekretariat des Waldorf-Schulvereins wenden können, um das Genauere zu erfahren über die Art, in der man helfen kann. - Die Sammlung, zu der Graf Keyserlingk bei der Tagung in Breslau Anregung gegeben hat, war von dem größten Erfolg, den eine einmalige Sammlung haben kann. Aber wir sind darauf angewiesen, dass das hier gegebene Beispiel bei jeder Gelegenheit im Umkreise der Anthroposophischen Gesellschaft Nachfolge findet. Denn nur dadurch wird es möglich sein, die Waldorfschule, deren Arbeit mit so großen Hoffnungen begonnen wurde, die so vielversprechend sich weiterentwickelt, fortzuführen.

[ 3 ] At the social gathering in the evening, Mr. v. Koschützky, who after a long and effective career in agriculture has become a priestly collaborator in the movement for Christian renewal, in which he now works, first spoke some warm closing words. Then Rector Bartsch thanked Mrs. Marie Steiner for her contribution to the conference. Count Keyserlingk had already taken it upon himself the evening before to point out the difficult financial situation of the Waldorf School and to encourage a collection among the course participants. On the last evening, he repeated this. In doing so, he drew attention to something that should be kept as strongly as possible in the consciousness of the members. And others should follow his example. For the Waldorf School is, after all, gaining recognition in ever wider circles in a very visible way. We have a student body of about eight hundred. Most of the grades work in two parallel classes; for the fifth and sixth grades, we even had to establish three parallel classes each. The number of teachers working at this institution must be continuously increased. We can no longer accept all applicants who want to attend the Waldorf School. And despite this deeply satisfying situation, the school is the subject of grave financial concern. In the coming months, we will be faced with the fact that we do not know how to maintain the school unless its friends provide us with even more financial support than they have done so far. First of all, a member of our society who is always willing to make sacrifices has come forward and provided us with some of the missing funds. However, even this does not cover the shortfall we will have in the coming months. Friends can help either by making contributions, by recruiting members for the Waldorf School Association, or by sponsoring children whose parents cannot afford the school fees. You can contact the Waldorf School Association office for more details on how you can help. The collection suggested by Count Keyserlingk at the conference in Breslau was the most successful one-time collection ever. But we are dependent on the example set here being followed at every opportunity within the Anthroposophical Society. For only in this way will it be possible to continue the Waldorf School, whose work began with such high hopes and is developing so promisingly.

[ 4 ] An dem landwirtschaftlichen Kursus haben auch eine Anzahl jüngerer Mitglieder unserer Gesellschaft teilgenommen. Diese fühlten am Ende der Tagung noch das Bedürfnis, ihren Kreis zu versammeln. Das geschah in den frühen Morgenstunden des 17. [Juni]. Aus tiefstem Herzen sprachen da jüngere Freunde über ihre Sehnsucht, im Schaffen und in der Arbeit an die Einsichten aus dem geistigen Gebiete heranzukommen, die den Menschen mit den wirksamen Kräften der Natur verbinden. Es war eine Aussprache aus dem Innersten der Seele der Jugend heraus, die über den unfruchtbaren Materialismus hinauskommen möchte, der mit der Natur nicht verbindet, sondern den Menschen von ihr trennt und seine Arbeit zur Unfruchtbarkeit verurteilt. Ich durfte bei dieser Jugendversammlung auf die Wege hinweisen, auf denen diese Sehnsucht sich bewegen sollte, um zu einem Ziele zu kommen.

[ 4 ] A number of younger members of our society also took part in the agricultural course. At the end of the conference, they felt the need to gather their circle together. This took place in the early hours of the morning of June 17. From the bottom of their hearts, these younger friends spoke of their longing to approach, in their creative work, the insights from the spiritual realm that connect human beings with the effective forces of nature. It was an expression from the depths of the soul of youth, which wants to move beyond the barren materialism that does not connect with nature but separates man from it and condemns his work to barrenness. At this youth gathering, I was able to point out the paths along which this longing should move in order to reach a goal.

[ 5 ] Ich möchte diese Erzählung nicht abschließen, ohne das noch einmal kurz auszusprechen, was ich schon im Rahmen der geselligen Zusammenkunft gesagt habe. Der befriedigende Fortgang unserer Bewegung in Schlesien steht im innigen Zusammenhange mit dem langjährigen, energischen und einsichtsvollen Wirken des Rektors Bartsch. Durch viele Jahre hindurch hat er durch seine Schriften und durch sein stets eindrucksvolles Wort das für die Sache der Anthroposophie getan, was ein Mensch nur tun kann. Die Gesellschaft verdankt ihm viel. Wie wohltuend ich es stets empfunden habe, wenn meine Arbeit in seinem Wirken eine so kräftige Förderung fortdauernd gefunden hat, das auszusprechen, hatte ich bei der geselligen Zusammenkunft in Breslau das Bedürfnis.

[ 5 ] I do not want to conclude this account without briefly repeating what I already said during the social gathering. The satisfying progress of our movement in Silesia is closely linked to the long-standing, energetic, and insightful work of Rector Bartsch. For many years, through his writings and his always impressive words, he has done for the cause of anthroposophy what only one person can do. The society owes him a great deal. I felt the need to express at the social gathering in Breslau how beneficial I have always found it that my work has received such strong and continuous support from him.



Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft vom Goetheanum ausgesendet werden

Further guiding principles sent out by the Anthroposophical Society from the Goetheanum

[ 6 ] 56. Die Daseinsepoche zwischen Tod und neuer Geburt, in der das Karma des Menschen gestaltet wird, kann nur aufgrund der Ergebnisse geistiger Forschung dargestellt werden. Aber es ist immer im Bewusstsein zu halten, dass diese Darstellung der Vernunft einleuchtend ist. Diese braucht nur das Wesen der Sinneswirklichkeit unbefangen zu betrachten, dann wird sie gewahr, dass dieses ebenso auf ein Geistiges hinweist wie die Form eines Leichnams auf das ihm einwohnende Leben.

[ 6 ] 56. The epoch of existence between death and new birth, in which human karma is formed, can only be described on the basis of the results of spiritual research. But it must always be borne in mind that this representation is plausible to reason. Reason need only consider the nature of sensory reality impartially, and it will realize that this points to something spiritual just as the form of a corpse points to the life that dwells within it.

[ 7 ] 57. Die Ergebnisse der Geisteswissenschaft zeigen, dass der Mensch zwischen Tod und Geburt ebenso Geistesreichen angehört, wie er zwischen Geburt und Tod den drei Reichen der Natur, dem mineralischen, pflanzlichen und tierischen, angehört.

[ 7 ] 57. The results of Spiritual Science show that between death and birth, human beings belong to the spiritual realm just as they belong to the three realms of nature—the mineral, plant, and animal realms—between birth and death.

[ 8 ] 58. Das mineralische Reich ist in der augenblicklichen Gestaltung des Menschen zu erkennen, das pflanzliche ist als Ätherleib die Grundlage seines Werdens und Wachsens, das tierische als Astralleib der Impuls für Empfindungs- und Willensentfaltung. Die Krönung des bewussten Empfindungs- und Willenslebens im selbstbewussten Geistesleben macht den Zusammenhang des Menschen mit der Geisteswelt unmittelbar anschaulich.

[ 8 ] 58. The mineral kingdom can be recognized in the present form of the human being, the plant kingdom as the etheric body is the basis of his becoming and growing, the animal kingdom as the astral body is the impulse for the development of feeling and will. The crowning of conscious feeling and will life in self-aware spiritual life makes the connection between human beings and the spiritual world immediately apparent.

(Fortsetzung in nächster Nummer.)

(Continued in the next issue.)