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The Rudolf Steiner Archive

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Nature and Spirit Beings
Their Influence on Our Visible World
GA 98

15 December 1907, Düsseldorf

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3. Das Rosenkreuzertum

3. Rosicrucianism

[ 1 ] Indem wir über die Einweihung der Rosenkreuzer oder die rosenkreuzerische Einweihung sprechen, müssen wir uns vorerst den Begriff der Einweihung kurz vor die Seele rücken. Er besteht im allgemeinen darin, den Weg zu suchen, um aus eigener Erfahrung, durch eigene Erlebnisse einzudringen in die höheren Welten, die unserer Sinneswelt zugrunde liegen. Wir müssen dabei dreierlei unterscheiden: Eingeweihte, Hellseher und Adepten. Es sind das drei verschiedene Arten, in Beziehung zu treten zu den höheren Welten.

[ 1 ] When we speak of the initiation of the Rosicrucians or the Rosicrucian initiation, we must first briefly consider the concept of initiation. It generally consists of seeking the path to penetrate, through one's own experience, into the higher worlds that underlie our sensory world. We must distinguish between three things: initiates, clairvoyants, and adepts. These are three different ways of relating to the higher worlds.

[ 2 ] Heute wollen wir davon sprechen, wie der Mensch in eigener Erfahrung die übersinnlichen Welten kennenlernen kann. Von der Dreiteilung wollen wir heute absehen, wohl aber genau berücksichtigen, daß, wenn wir von der Einweihung reden, wir eine Methode der Einweihung vor uns haben.

[ 2 ] Today we want to talk about how human beings can get to know the supersensible worlds through their own experience. We will refrain from discussing the threefold division today, but we will take into account that when we speak of initiation, we are referring to a method of initiation.

[ 3 ] Wer bedenkt, daß die Menschen von verschiedenen Ausgangspunkten den Weg in die höheren Welten suchen, der wird leicht über die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Methoden hinwegkommen. Wenn wir auf dem Gipfel eines Berges angelangt sind, so haben wir von da oben einen freien Ausblick. Um hinaufzugelangen, können wir von verschiedenen Ausgangspunkten ausgehen, es können verschiedene Wege eingeschlagen werden. Unsinnig würde es sein, wenn wir, um auf den Gipfel zu gelangen, nicht den Weg benutzten, der vor uns liegt, sondern erst um den Berg herumgingen.

[ 3 ] If we consider that people seek the path to the higher worlds from different starting points, we can easily overcome the differences between the various methods. When we reach the summit of a mountain, we have a clear view from above. To get there, we can start from different points and take different paths. It would be absurd to go around the mountain instead of taking the path that lies before us in order to reach the summit.

[ 4 ] Wenden wir dieses Prinzip auf die Einweihung an. Hier finden wir auch verschiedene Ausgangspunkte gegeben dadurch, daß die Menschen verschiedene Naturen haben. Die äußere Naturwissenschaft ist nicht in der Lage, diese feine Verschiedenheit, um die es sich dabei handelt, wirklich zu studieren. Unsere Physiologen und Anatomen sind nicht imstande, mit ihren groben Instrumenten und Methoden diese feinen Verschiedenheiten der Menschen herauszufinden. Aber für den, der okkulte Erkenntnis hat, ist ein gewaltiger Unterschied zwischen einem Menschen, der im Orient und einem, der in Europa oder in Amerika geboren ist. Bis in die physische Natur hinein zeigt sich das. Es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen einem Menschen, der noch das lebendige unmittelbare Empfinden und das Gefühl für den Christus hat, und einem Menschen, der ganz und gar entfremdet ist dem ursprünglichen christlichen Fühlen und sich seine ganze Weltanschauung geben läßt durch die Errungenschaften der modernen Wissenschaft. Nicht nur die Empfindungen und Gedanken sind bei einem solchen Menschen anders als bei dem mit christlicher Gesinnung, sondern bis in die Physis hinein kann dieser Unterschied beobachtet werden. Es sind da so feine Unterschiede, die in die feinsten Strukturen des Körpers eingreifen, daß die Physiologie und Biologie nichts von ihnen zu sagen weiß. Daher muß die Menschennatur berücksichtigt werden, und man kann nicht allen Menschen denselben Weg anweisen, um durch die höhere Entwickelung in die höheren Welten aufzusteigen.

[ 4 ] Let us apply this principle to initiation. Here, too, we find different starting points given by the fact that people have different natures. Outer natural science is not capable of truly studying these subtle differences. Our physiologists and anatomists are unable to discover these subtle differences between human beings with their crude instruments and methods. But for those who have occult knowledge, there is a tremendous difference between a person born in the Orient and one born in Europe or America. This is evident even in physical nature. There is an enormous difference between a person who still has a living, immediate sense of Christ and a person who is completely alienated from the original Christian feeling and allows his entire worldview to be shaped by the achievements of modern science. Not only are the feelings and thoughts of such a person different from those of a person with a Christian disposition, but this difference can also be observed in their physical nature. There are such subtle differences that affect the finest structures of the body that physiology and biology have nothing to say about them. Therefore, human nature must be taken into account, and one cannot prescribe the same path for all people to ascend to the higher worlds through higher development.

[ 5 ] Um dies zu verstehen, müssen wir zurückgehen in frühere Zeiten der Menschheit. Die Menschheit hat eine lange Entwickelung durchgemacht. In der Zeit, welche wir die atlantische nennen, lebten unsere Vorfahren, das heißt, unsere eigenen Seelen, in ganz anderen Leibern in der alten Atlantis drüben im Westen zwischen unserem heutigen Europa und Amerika. Dann kamen jene Fluten, von denen die Sintfluterzählung der Bibel und die verschiedenen anderen Sintflutsagen sprechen, jene Fluten, welche den Untergang der alten Atlantis bewirkten. Es folgte die nachatlantische Entwickelung, in der wir noch immer darinnenstehen.

[ 5 ] To understand this, we must go back to earlier times of humanity. Humanity has undergone a long development. In the period we call the Atlantean, our ancestors, that is, our own souls, lived in completely different bodies in ancient Atlantis, over in the West between what is now Europe and America. Then came the floods mentioned in the Bible's account of the Flood and in various other flood legends, floods that caused the downfall of ancient Atlantis. This was followed by the post-Atlantean development, in which we still find ourselves today.

[ 6 ] Vier Zeiträume haben wir in der nachatlantischen Entwickelung durchgemacht, im fünften stehen wir noch darin. Der erste dieser Zeiträume umfaßte die altindische Kultur. Da wurden die Völker selbst unterrichtet von den heiligen Rishis, inspirierten Menschen, von denen sich der heutige Mensch keine Vorstellung machen kann. Dann folgte die zweite Kultur, die persische, mit der ZarathustraReligion. Die dritte Kultur war die babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische, aus welcher sich langsam die hebräische Kultur herausentwickelte. Als vierte folgte die griechisch-römische Kulturströmung, innerhalb welcher das Christentum entstand, das seine Elemente nahm aus dem Volk, das seine organische Entwickelung aus der dritten Kultur hatte. Jetzt leben wir in der fünften Kultur, der sechsten entgegen.

[ 6 ] We have gone through four periods in the post-Atlantean development, and we are still in the fifth. The first of these periods encompassed the ancient Indian culture. At that time, the peoples were taught by the holy Rishis, inspired human beings whom modern man cannot even imagine. Then came the second culture, the Persian, with the religion of Zarathustra. The third culture was the Babylonian-Assyrian-Chaldean-Egyptian culture, from which the Hebrew culture slowly developed. The fourth was the Greek-Roman cultural stream, within which Christianity arose, taking its elements from the people who had developed organically from the third culture. We are now living in the fifth culture, moving toward the sixth.

[ 7 ] Nicht nur das Denken hat sich verändert in der langen Zeit seit der atlantischen Katastrophe, sondern auch der astralische Leib, der Ätherleib und der physische Leib. Man muß sich aber nicht vorstellen, daß alle Menschen gleichwertig in unserer fünften Kulturströmung stehen. Viele Eigenheiten der früheren Kulturströmungen haben sich erhalten. Es lebt das noch nebeneinander, was sich nacheinander entwickelt hat.

[ 7 ] Not only has thinking changed in the long time since the Atlantean catastrophe, but also the astral body, the etheric body, and the physical body. However, one must not imagine that all people are equal in our fifth cultural stream. Many characteristics of earlier cultural streams have been preserved. What developed one after the other still lives side by side.

[ 8 ] Weil die Menschen durch ganz verschiedene Kulturströmungen hindurchgegangen sind, mußte sich auch mit den daraus hervorgehenden Veränderungen in ihrem ganzen Wesen die Art der Einführung in die höheren Welten ändern, die den Menschen von ihren geistigen Führern gebracht wurde.

[ 8 ] Because human beings have passed through very different cultural currents, the nature of the introduction to the higher worlds brought to human beings by their spiritual guides had to change along with the resulting changes in their entire being.

[ 9 ] In der atlantischen Zeit waren die Menschen noch astralisch hellseherisch. Sie lebten da mit ihren Göttern und Geistern ebenso zusammen, wie mit den äußeren Pflanzen, Mineralien, Tieren und Menschen. In der nachatlantischen Zeit konnten sich die Menschen nicht mehr diesen Zugang zu den höheren Welten verschaffen. Nicht mehr durch unmittelbares Anschauen des Göttlich-Geistigen konnten sie in die höheren Welten eindringen, sondern nur auf künstliche Art konnten sie sich wieder in den Zustand versetzen, durch den sie wieder Genossen der Götter wurden. Darauf gründet sich die indische Art der Yoga-Einweihung. Diese Yoga-Einführung in die höheren Welten besteht im wesentlichen darinnen, zu dämpfen das Bewußtsein, das der Mensch sich in der nachatlantischen Zeit errungen hat, die äußerliche Anschauung, und sich zurückzuversetzen in frühere hellseherische Bewußtseinszustände, wie der Atlantier sie hatte.

[ 9 ] In the Atlantean epoch, human beings still possessed astral clairvoyance. They lived together with their gods and spirits just as they did with the external plants, minerals, animals, and human beings. In the post-Atlantean era, people could no longer gain access to the higher worlds. They could no longer enter the higher worlds by directly beholding the divine-spiritual, but could only artificially put themselves back into the state that enabled them to become companions of the gods again. This is the basis of the Indian type of yoga initiation. This yoga introduction to the higher worlds essentially consists of dulling the consciousness that humans have acquired in the post-Atlantean period, the external perception, and returning to earlier clairvoyant states of consciousness, such as those of the Atlanteans.

[ 10 ] Verfolgen wir die Entwickelung der Menschheit weiter, über die persische und die chaldäische Kulturströmung hinaus, so kommen wir zu der christlichen Kulturströmung. Sie brachte mit sich die christliche Einweihung, die nur erlangt werden kann durch ein unmittelbares Verhältnis zu dem Christus Jesus durch das Johannes-Evangelium und die Apokalypse. Dann folgt im 13. und 14. Jahrhundert die erste Morgendämmerung der materialistischen Kulturströmung. Damals konnten die erleuchteten Menschen erkennen: Jetzt kommt die materielle Zeit herauf. Alles, was im 19. Jahrhundert voll erfüllt wurde, im Extrem auftrat, das ist vorher lange vorbereitet worden. Den Materialismus finden wir nicht nur auf den Gebieten des äußeren Handelns, sondern auf allen Gebieten müssen wir ihn aufsuchen.

[ 10 ] If we continue to follow the development of humanity beyond the Persian and Chaldean cultural currents, we come to the Christian cultural current. It brought with it Christian initiation, which can only be attained through a direct relationship with Jesus Christ through the Gospel of John and the Apocalypse. Then, in the 13th and 14th centuries, the first dawn of the materialistic cultural stream followed. At that time, enlightened people could recognize that the material age was now dawning. Everything that was fully realized in the 19th century, that appeared in its extreme form, had been prepared long before. We find materialism not only in the realm of external activity, but we must seek it in all areas.

[ 11 ] Bis zum 13., 14. Jahrhundert bewahrten sich die Menschen etwas ganz anderes an Empfindungen und Gefühlen. Der Umschwung tritt auf allen Gebieten, selbst den scheinbar entferntesten, auf. Zum Beispiel in der Malerei tritt uns die große Veränderung in den Empfindungen der Menschen entgegen. Heute erscheint es dem Materialisten wie eine Willkür, wenn zum Beispiel Cimabue auf seinen Bildern den Hintergrund in Gold malt. Dieser Maler hatte aber damals noch die Tradition von der Anschauung der höheren Welt. Wenn man hineinschaut in die höchsten Regionen der astralischen Welt, dann findet man, daß jener Goldgrund Wirklichkeit, Realität ist. Die, welche später Ähnliches malen wollten, als Nachahmer dieser älteren Maler, die noch durch Tradition Kenntnis von der Wirklichkeit der astralen Welt besaßen, die erscheinen uns wie Barbaren gegenüber denen, die wirklich noch ein Verhältnis zu den höheren Welten hatten. So ist zum Beispiel bei Giotto nicht mehr die Darstellung dessen, was er als Wahrheit empfand, sondern alles nur aus äußerer Tradition gemalt. Zu seiner Zeit war es natürlich, daß man überging zu dem, was nur auf dem physischen Plan gesehen werden kann, zu der materialistischen Kunst. Nur noch die größten Maler dieser Zeit hielten an der Tradition fest. Auf der «Disputa» des Raffael kann man sehen, wie in den Grundtönen von unten nach oben in der Tat mit gewisser Richtigkeit wiedergegeben ist jenes Erlebnis, das der Mensch hat, wenn er in die höheren Welten sich erhebt. Das ist eine Notwendigkeit, dieses stufenweise Erleben des Überganges von den niederen zu den höheren Welten bis zur Anschauung jener Genien, welche aus dem Goldgrund auftauchen.

[ 11 ] Until the 13th and 14th centuries, people retained a completely different set of feelings and emotions. The change occurs in all areas, even those that seem most remote. In painting, for example, we encounter a great change in people's feelings. Today, it seems arbitrary to materialists when, for example, Cimabue paints the background in gold in his pictures. But at that time, this painter still had the tradition of perceiving the higher world. If one looks into the highest regions of the astral world, one finds that this golden background is reality. Those who later wanted to paint something similar, as imitators of these older painters who still had knowledge of the reality of the astral world through tradition, appear to us like barbarians compared to those who really still had a relationship with the higher worlds. In Giotto, for example, what he painted was no longer a representation of what he perceived as truth, but was painted solely from external tradition. In his time, it was natural to move over to what could only be seen on the physical plane, to materialistic art. Only the greatest painters of that time held fast to tradition. In Raphael's “Disputa,” one can see how the basic tones from bottom to top indeed reproduce with a certain accuracy the experience that human beings have when they rise to the higher worlds. It is necessary to experience this gradual transition from the lower to the higher worlds until one beholds those geniuses emerging from the golden background.

[ 12 ] Wer die geistigen Wahrheiten kennt, der weiß, daß hinter den physischen Tatsachen noch etwas anderes steckt, der weiß, daß der Grund, warum die Menschen heute Materialisten sind, der ist, daß sie unter äußeren, materialistischen Einflüssen stehen. Aber es handelt sich hierbei nicht nur um die äußere Wahrnehmung. Vom Standpunkt des Okkultismus aus lernt man andere Gründe kennen. Gedanke und Empfindung sind Wirklichkeiten, die hinausstrahlen in die Welt. Wir sind umschwirrt von materialistischen Gedanken. Überall schwirren diese Gedanken um uns herum. Auch wenn zum Bauern draußen auf dem Lande keine Bücher, keine Zeitschriften gelangen, die materialistische Anschauungen aussprechen, so umschwirren ihn doch diese materialistischen Gedanken, die ihn beeinflussen, auf die es ankommt.

[ 12 ] Those who know spiritual truths know that there is something else behind physical facts; they know that the reason why people today are materialists is that they are under external, materialistic influences. But this is not just a matter of external perception. From the standpoint of occultism, we learn of other reasons. Thought and feeling are realities that radiate out into the world. We are surrounded by materialistic thoughts. These thoughts swirl around us everywhere. Even if the farmer out in the country has no books or magazines that express materialistic views, these materialistic thoughts still swirl around him, influencing him in important ways.

[ 13 ] Fragen wir, wie der Mensch in Zeiten, als man noch von okkulten Mächten etwas wußte, ins Dasein trat, so finden wir, daß damals dafür gesorgt wurde, zum Beispiel in China, daß der Mensch bei seinem Eintritt in die physische Welt empfangen wurde von Menschen, die mit geistigen Gedanken erfüllt waren. Es ist dies etwas ganz anderes, als wenn er empfangen wird von dem materialistischen Arzt und einer materialistisch denkenden Umgebung. Da treten ganz andere Dinge dem Menschen entgegen, als das früher der Fall war in einer Umgebung mit geistigen Gedanken. Hierin ist der Grund zu suchen für die materialistische Gesinnung der Menschen. Der Mensch taucht eben seit dem 13., 14. Jahrhundert schon bei seiner Geburt unter in eine materialistische Atmosphäre. Das mußte so sein. Aber es mußte daher auch für diejenigen, welche in die höheren Welten aufsteigen wollten, eine Methode geschaffen werden, durch die sie stark und kräftig genug wurden, um ihnen, trotz dieser äußeren materialistischen Verhältnisse, ein Aufsteigen in die geistigen Welten zu ermöglichen.

[ 13 ] If we ask how human beings came into existence in times when people still knew about occult powers, we find that in those days, for example in China, it was ensured that when human beings entered the physical world, they were welcomed by people who were filled with spiritual thoughts. This is something completely different from being received by a materialistic doctor and a materialistically minded environment. Here, people encounter things that are completely different from what they used to encounter in an environment filled with spiritual thoughts. This is where we must seek the reason for people's materialistic attitude. Since the 13th or 14th century, human beings have been immersed in a materialistic atmosphere from the moment they are born. This had to be so. But it was therefore also necessary to create a method for those who wanted to ascend to the higher worlds, through which they could become strong and powerful enough to enable them to ascend to the spiritual worlds despite these external materialistic conditions.

[ 14 ] Diese Einweihungsmethode ist die rosenkreuzerische, die um die Wende des 13., 14. Jahrhunderts entstand und zuerst inauguriert wurde von Christian Rosenkreutz, einem der großen Führer der Menschheit. Streng abgeschlossen von der äußeren Welt hatte diese Methode seit jener Zeit durch Jahrhunderte hindurch gewirkt, nur bekannt in einem engen Kreise, am strengsten abgeschlossen im 19. Jahrhundert, dem materialistischen. Erst in seinem letzten Drittel hat sich die Notwendigkeit ergeben, das, was in den Schulen der Rosenkreuzer gelehrt worden ist, der Welt wenigstens in seinen elementaren Teilen bekanntzumachen in der Theosophie.

[ 14 ] This method of initiation is the Rosicrucian method, which arose at the turn of the 13th and 14th centuries and was first inaugurated by Christian Rosenkreutz, one of the great leaders of humanity. Strictly closed off from the outer world, this method had been effective for centuries, known only to a small circle, and most strictly closed off in the 19th century, the materialistic century. Only in its last third did the need arise to make at least the elementary parts of what had been taught in the schools of the Rosicrucians known to the world in the form of theosophy.

[ 15 ] Im Jahre 1459 hat der eigentliche Begründer der Rosenkreuzerströmung selbst jene Stufe erlangt, durch die er die Macht hatte, auf die Welt so zu wirken, daß von ihm aus jene Einweihung der Welt gebracht werden konnte.

[ 15 ] In 1459, the actual founder of the Rosicrucian movement himself attained that stage through which he had the power to influence the world in such a way that the initiation of the world could be brought about through him.

[ 16 ] Seit jener Zeit ist diese Individualität des Christian Rosenkreutz immer wieder dagewesen als Leiter der betreffenden Strömung. Durch Jahrhunderte hindurch führte sie ein Leben «in demselben Leibe». Wir haben diesen Ausdruck «in demselben Leibe» so zu verstehen: Wenn wir den physischen Leib betrachten, so finden wir, daß das, was ihn vor zehn Jahren zusammengesetzt hat, jetzt nicht mehr in dem physischen Leibe ist. Aber das Bewußtsein ist dasselbe geblieben. Alle sieben bis acht Jahre tauscht der Mensch alle Teile seines physischen Leibes aus, doch das Bewußtsein überdauert diesen fortwährenden Austausch der physischen Substanzen durch das ganze Leben hindurch. Was wir auf diese Weise zwischen Geburt und Tod durchmachen, das macht der Eingeweihte so durch, daß er, wenn er stirbt, bald darauf in einem neuen Leibe als Kind wiedergeboren wird. Aber diesen Weg macht er vollbewußt durch. Das Bewußtsein bleibt vorhanden von einer Inkarnation zur anderen. Sogar die physische Ähnlichkeit bleibt bei dem Eingeweihten vorhanden, weil die Seele den neuen Leib bewußt aufbaut aus der Erfahrung der vorhergehenden Inkarnation. In dieser Weise lebte der höchste Leiter der Rosenkreuzerschulung durch Jahrhunderte hindurch.

[ 16 ] Since that time, this individuality of Christian Rosenkreutz has been present again and again as the leader of the movement in question. For centuries it led a life “in the same body.” We should understand the expression “in the same body” as follows: when we look at the physical body, we find that what made it up ten years ago is no longer in the physical body. But consciousness has remained the same. Every seven to eight years, the human being replaces all parts of his physical body, but consciousness survives this continuous exchange of physical substances throughout life. What we go through in this way between birth and death is what the initiate goes through in such a way that when he dies, he is soon reborn in a new body as a child. But he goes through this process fully conscious. Consciousness remains from one incarnation to another. Even physical resemblance remains in the initiate, because the soul consciously builds the new body from the experience of the previous incarnation. In this way, the highest leader of the Rosicrucian training lived through the centuries.

[ 17 ] Erst jetzt ist die Möglichkeit vorhanden, einiges von den Prinzipien der Rosenkreuzer bekanntzumachen. Bis dahin war nichts davon eröffnet worden; nur einmal ist etwas davon mitgeteilt worden. Das, was nach rosenkreuzerischer Methode den Menschen hinaufführt in die höheren Welten, sind die folgenden sieben Stufen: Erstens, das Studium; zweitens, das Erwerben der imaginativen Erkenntnis; drittens, das Erlernen der okkulten Schrift; viertens, die Bereitung des Steines der Weisen; fünftens, das Entsprechen von Mikrokosmos und Makrokosmos; sechstens, das Aufgehen im Makrokosmos; siebentens, die Gottseligkeit.

[ 17 ] Only now is it possible to reveal some of the principles of the Rosicrucians. Until now, nothing had been disclosed; only once had something been communicated. According to the Rosicrucian method, the following seven stages lead human beings up to the higher worlds: First, study; second, the acquisition of imaginative knowledge; third, the learning of occult writing; fourth, the preparation of the philosopher's stone; fifth, the correspondence between microcosm and macrocosm; sixth, merging into the macrocosm; seventh, godliness.

[ 18 ] Dies soll nicht bedeuten, daß stufenweise nacheinander durchgemacht werden müssen diese sieben Grade. Der Schüler, der einem rosenkreuzerischen Lehrer gegenübertritt, bekommt seine Anweisungen zur höheren Entwickelung so, daß sie seiner Individualität entsprechen. Aus den sieben Stufen der höheren Entwickelung wird ausgewählt, was für ihn am besten geeignet ist. Der eine beginnt mit der ersten und zweiten Stufe und dann folgt für ihn vielleicht die vierte und fünfte. Nur dasjenige, was man das Studium nennt, muß bei jedem den Anfang machen.

[ 18 ] This does not mean that these seven stages must be passed through one after the other. The student who comes before a Rosicrucian teacher receives instructions for higher development in a way that corresponds to his individuality. From the seven stages of higher development, the one that is best suited to him is selected. One begins with the first and second stages, and then perhaps the fourth and fifth follow. Only what is called study must be the beginning for everyone.

[ 19 ] Studium bedeutet hier aber etwas anderes, als man im gewöhnlichen Leben darunter versteht. Es bedeutet hier das bestimmte Aneignen von Vorstellungen und Begriffen, welches man sinnlichkeitsfreies Denken nennt. Alles Denken des gewöhnlichen Menschen haftet an der äußeren Sinnlichkeit. Beachten Sie alles das, was Sie vom Morgen bis zum Abend erleben und denken Sie sich alles weg, was Sie äußerlich gesehen und gehört haben. Für die meisten Menschen bleibt dann nur noch sehr wenig oder nichts übrig. Der Mensch muß aber, wenn er den Weg zu den höheren Welten machen will, sich angewöhnen, auch denken zu können, wenn der Quell seines Denkens nur in seinem eigenen Innern liegt, ohne an die äußere Welt anzuknüpfen.

[ 19 ] Study here means something different from what is commonly understood in everyday life. Here it means the deliberate acquisition of ideas and concepts, which is called non-sensory thinking. All the thinking of the ordinary person is attached to external sensuality. Observe everything you experience from morning to evening and think away everything you have seen and heard externally. For most people, very little or nothing remains. However, if people want to make their way to the higher worlds, they must accustom themselves to being able to think when the source of their thinking lies only within themselves, without connecting to the external world.

[ 20 ] Die einzige Art des sinnlichkeitsfreien Denkens ist in europäischen Ländern das Rechnen. Das Kind lernt, daß zwei mal zwei vier ist, zuerst an der äußeren Anschauung, an den Fingern oder Bohnen oder an den scheußlichen Rechenmaschinen. Aber der Mensch kommt auf diesem Gebiete nicht zu einem befriedigenden Resultat, solange er sich diese Vorstellungen nicht machen kann, ohne die Krücke der äußerlichen Anschauung. Einen Kreis kann man niemals in der äußeren Wirklichkeit sehen, Kreise, die man auf die Wandtafel zeichnet, sind aneinander gereihte Kreidehügel. Erst ein gedachter Kreis ist genau. Den Kreis muß man sich im Geiste konstruieren, man muß sich den Kreis denken.

[ 20 ] The only form of thinking free of the senses in European countries is arithmetic. Children learn that two times two is four, first through external observation, using their fingers or beans or those awful calculating machines. But human beings do not achieve a satisfactory result in this area until they can form these ideas without the crutch of external observation. A circle can never be seen in external reality; circles drawn on a blackboard are nothing more than chalk marks strung together. Only a circle imagined in the mind is accurate. The circle must be constructed in the mind; one must think the circle.

[ 21 ] Heute kann man ein sinnlichkeitsfreies Denken bei den Menschen allein auf dem Gebiete des Zahlenwesens und der Geometrie finden. Aber den meisten Menschen ist das nicht zugänglich und deshalb nur zum Vergleich angeführt. Das beste Mittel, sich ein sinnlichkeitsfreies Denken anzueignen, ist die Theosophie selber, weil der Mensch da von Dingen hört, die er nicht gesehen hat. Was die Menschen da lernen, wie der Mensch besteht aus physischem, Äther- und Astral- . leib, oder wie die Erde selbst sich durch die verschiedenen Zustände entwickelt hat, das können Sie nicht sehen. Nur wenn wir das Denken anstrengen und die innere Logik der Sache erblicken, können wir mit der gewöhnlichen Logik diese Dinge begreifen, wenn man sich nur auf diesen umfassenden Boden der Logik stellen will. Wenn heute die Menschen sagen, sie könnten das nicht begreifen, so ist dafür nicht der Grund, daß sie nicht hellsehend sind, sondern daß die Menschen die Logik des Begreifens nicht anwenden wollen. Verstanden werden können die Erlebnisse des Hellsehers mit der gewöhnlichen Logik, nur zum Erforschen dieser Dinge ist das Hellsehen notwendig. Was in der Theosophie vorliegt, ist für das theoretische und praktische Leben das einzig Logische. Was dagegen die Menschen in materialistischer Weise über die übersinnlichen Dinge vorbringen, ist unlogisch. Was die Geisteswissenschaft bringt, ist das wirklich konkret Fruchtbare im Leben.

[ 21 ] Today, thinking free of the senses can be found in humans only in the realm of numbers and geometry. But this is not accessible to most people and is therefore only mentioned for comparison. The best means of acquiring non-sensory thinking is theosophy itself, because there one hears of things one has not seen. What people learn there, such as how the human being consists of physical, etheric, and astral bodies, or how the earth itself has developed through various states, cannot be seen. Only by straining our thinking and perceiving the inner logic of things can we comprehend these things with ordinary logic, if we are willing to stand on this comprehensive ground of logic. When people today say they cannot comprehend this, it is not because they are not clairvoyant, but because they do not want to apply the logic of comprehension. The experiences of the clairvoyant can be understood with ordinary logic; clairvoyance is only necessary for researching these things. What is presented in theosophy is the only logical thing for theoretical and practical life. On the other hand, what people put forward in a materialistic way about supersensible things is illogical. What spiritual science brings is what is truly concrete and fruitful in life.

[ 22 ] Wenn wir das Prinzip der Erziehung vom Standpunkt der theosophischen Weltanschauung und vom Standpunkt der materialistischen Gesinnung betrachten, können wir einen Vergleich machen. In der ersteren werden Dinge gesagt über den werdenden Menschen, die man nicht äußerlich sehen kann. Aber es ist so, daß gerade darin das Wirkliche, Reale, Konkrete gegeben ist. Die heutige Weltanschauung versteht das werdende Kind nicht. Erst wenn man das ganze Wesen des Menschen in Betracht zieht, nicht nur äußerlich betrachtet, lernt man die ganze Fülle des menschlichen Wesens in die Welt hineinstellen.

[ 22 ] If we consider the principle of education from the standpoint of the theosophical worldview and from the standpoint of materialistic thinking, we can make a comparison. In the former, things are said about the developing human being that cannot be seen externally. But it is precisely in this that the real, concrete reality is to be found. The modern worldview does not understand the developing child. Only when we consider the whole being of the human being, not just the external, can we learn to place the whole fullness of the human being in the world.

[ 23 ] Zu gleicher Zeit hat der Mensch, der sich in die Lehren der theosophischen Weltanschauung einlebt, ein Mittel, sinnlichkeitsfrei denken zu lernen. Die wahre Theosophie wird immer darauf hinzielen, so viel als möglich, sinnlichkeitsfreies Denken zu entwikkeln. Wenn wir die theosophische Lehre ansehen, so finden wir da Beschreibungen von Zuständen, die wir nicht sehen können. Wenn wir die Entwickelung unserer Erde betrachten und woraus sie hervorgegangen ist, so beschreiben wir jenen planetarischen Zustand, wo alles anders war als im Stadium unserer jetzigen Erde: jenen alten Mond - nicht den jetzigen —, wo es noch keine feste, mineralische Erdkruste gab, auf der der Mensch herumgehen kann, sondern wo der Planet nur in einer Art Pflanzennatur da war. In dieser Masse, die wir mit Kochsalat oder Spinat vergleichen können, waren festere Bestandteile nur in der Art vorhanden, wie heute die Borke oder Rinde der Bäume ist. Mineralisches gab es damals gar nicht.

[ 23 ] At the same time, people who become familiar with the teachings of theosophical worldview have a means of learning to think without sensuality. True theosophy will always aim to develop thinking that is as free from sensuality as possible. When we look at theosophical teachings, we find descriptions of states that we cannot see. When we consider the development of our Earth and what it emerged from, we describe that planetary state where everything was different from the stage of our present Earth: that ancient Moon—not the present one—where there was no solid, mineral crust on which humans could walk, but where the planet existed only in a kind of plant nature. In this mass, which we can compare to lettuce or spinach, more solid components existed only in the same way as the bark of trees does today. There were no minerals at that time.

[ 24 ] Wenn man das von der materialistischen Anschauung aus bestreitet, weil man Pflanzen nur auf mineralischem Boden wachsend sich denken kann, so kann man zugeben, daß das allerdings unter den heutigen Verhältnissen nicht anders möglich ist. Aber damals herrschten eben ganz andere Verhältnisse. Der Materalist kann sich das nicht vorstellen, weil er immer anknüpft an die heutigen Verhältnisse.

[ 24 ] If one disputes this from a materialistic point of view, because one can only imagine plants growing on mineral soil, one can admit that this is indeed not possible under today's conditions. But conditions were very different back then. The materialist cannot imagine this because he always refers to today's conditions.

[ 25 ] Aber in solchen Bildern kann man sich frei machen von dem, was man um sich herum sieht. Unsinn wird Sinn, wenn wir weit entfernt liegende Verhältnisse betrachten. Da lernen wir uns erziehen, wegzukommen von unseren sinnlichen Verhältnissen. Bilder lernen wir vor unsere Seele hinstellen von Dingen, die wir heute nicht kennen. So hebt sich unser Denken ab von dem, was heute möglich ist. Diejenigen, welche sich mühen, mit ihrem Denken nur zu verbinden, was heute möglich wäre, kleben an den heutigen Verhältnissen und kommen nicht los von diesen. Für das Studium im rosenkreuzerischen Sinne kommt es gerade darauf an, sein Denken zu üben an diesen Bildern von Verhältnissen, wie sie jetzt nicht mehr da sind. Begriff aus Begriff werden zu lassen aus vollem sinnlichkeitsfreiem Denken ist ein Mittel, zu dem zu kommen, was man das Studium nennt. Dazu kann man auch gelangen durch das Studium eines Buches, wie es die «Philosophie der Freiheit» ist. Der Schreiber hat dabei nur die Gelegenheit gegeben, daß die Gedanken sich selbst gedacht haben. Da sind die einzelnen Gedanken aus vollem sinnlichkeitsfreiem Denken aus sich selbst geworden, aus sich selbst gegliedert, so daß kein Gedanke weggenommen werden könnte von da, wo er steht und an eine andere Stelle gesetzt werden könnte, genau so wenig wie die Hand vom Körper abgeschnitten und an eine andere Stelle gesetzt werden könnte. Das ist der Weg des sinnlichkeitsfreien Denkens.

[ 25 ] But in such images, one can free oneself from what one sees around oneself. Nonsense becomes sense when we consider conditions that are far removed from our own. There we learn to educate ourselves to get away from our sensory conditions. We learn to place images of things we do not know today before our soul. In this way, our thinking is lifted above what is possible today. Those who strive to connect their thinking only with what is possible today cling to present circumstances and cannot free themselves from them. For study in the Rosicrucian sense, it is precisely important to exercise one's thinking on these images of circumstances that no longer exist. Allowing concepts to arise from thinking that is completely free of the senses is a means of arriving at what is called study. This can also be achieved by studying a book such as The Philosophy of Freedom. The author has merely provided the opportunity for the thoughts to think themselves. There, the individual thoughts have emerged from pure, sensuous-free thinking, structured from within themselves, so that no thought can be taken away from where it stands and placed elsewhere, just as little as the hand can be cut off from the body and placed elsewhere. That is the path of sensuous-free thinking.

[ 26 ] In einer heißen Begierde durchaus sich hinaufschwingen wollen in die höheren Welten, das ist etwas, was viele wollen; aber das ist etwas Ungesundes. Gesundes Streben ist nur das, wenn aus von aller Sinnlichkeit freiem Denken innerlich gediegene Logik gepflegt wird.

[ 26 ] Many people want to soar up into the higher worlds in a hot desire, but this is something unhealthy. Healthy striving is only that when inner solid logic is cultivated out of thinking that is free from all sensuality.

[ 27 ] Wer in den höheren Welten Bescheid weiß, der weiß, daß die Wahrnehmungen in den höheren Welten etwas ganz anderes sind als in der physischen Welt. Eines aber gibt es, was in den drei Welten, der physischen, astralischen und devachanischen Welt, dasselbe Element bleibt: das ist das logische Denken. Dieser sichere Führer bewahrt uns vor allem Irrlichtelieren. Ohne ihn lernen wir niemals Illusion von Wirklichkeit unterscheiden und gelangen dahin, jede Illusion für astralische Wirklichkeit zu halten. Hier in der physischen Welt ist es leicht, Täuschungen von Wirklichkeiten zu unterscheiden. Denn die äußeren Tatsachen korrigieren uns. Wenn Sie zum Beispiel durch eine falsche Straße gegangen sind, kommen Sie nicht an den rechten Platz. In den höheren Welten müssen wir selbst durch eigene Geisteskraft den richtigen Weg finden, sonst kommen wir da in immer schwierigere Labyrinthe hinein, wenn wir nicht erst gelernt haben, Illusion von Wirklichkeit zu unterscheiden. Durch die Schulung im rosenkreuzerischen Sinne können wir dies lernen.

[ 27 ] Those who are knowledgeable about the higher worlds know that perceptions in the higher worlds are completely different from those in the physical world. But there is one thing that remains the same in all three worlds, the physical, astral, and devachanic worlds: logical thinking. This reliable guide protects us from all kinds of confusion. Without it, we would never learn to distinguish illusion from reality and would end up taking every illusion for astral reality. Here in the physical world, it is easy to distinguish illusions from reality. This is because external facts correct us. For example, if you take the wrong street, you will not arrive at the right place. In the higher worlds, we must find the right path ourselves through our own mental power, otherwise we will end up in increasingly difficult labyrinths if we have not first learned to distinguish illusion from reality. Through training in the Rosicrucian sense, we can learn this.

[ 28 ] Das zweite ist bei der rosenkreuzerischen Schulung das imaginative Erkennen, das Erkennen in Bildern. Dieses ist die erste Stufe des Erhebens aus der physischen Welt in eine geistige Welt. Goethe hat in den letzten Worten des zweiten Teiles seines «Faust» dafür das Leitmotiv gegeben, wenn er sagt: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» Wenn wir anfangen, alles, was uns umgibt, als geistige Bilder anzusehen, dann streben wir hinauf in die Welt der Imagination.

[ 28 ] The second aspect of Rosicrucian training is imaginative recognition, recognition in images. This is the first stage of rising from the physical world into a spiritual world. Goethe gave the leitmotif for this in the last words of the second part of his Faust when he said: “Everything transitory is only a parable.” When we begin to see everything around us as spiritual images, we strive upward into the world of imagination.

[ 29 ] In den Schulen der Rosenkreuzer und auch schon in früheren Schulen, da hat man das Entwickelungsprinzip durch die verschiedenen Reiche hindurch den Schülern klar zu machen versucht. Heute spricht man von Entwickelung beim materialistischen Denken; auch in der Theosophie spricht man davon, aber es ist etwas anderes, den Begriff der Entwickelung bis zum Bilde umzugestalten, ihn zur Imagination zu erheben. Gewöhnlich ist nur der Verstand mit dem Entwickelungsprinzip beschäftigt. Zur Imagination kommen wir in folgender Weise. Durch viele Wochen oder durch Monate hindurch wurde die Seele durch die Weisungen des Lehrers umgestaltet in folgender Weise. Am besten können wir dies in der Form eines Dialoges wiedergeben - der allerdings in dieser Weise nie stattgefunden hat. — Der Lehrer sagte erwa folgendes: Sieh dir einmal die Pflanze an, wie sie mit ihren Blättern und Blüten zur Sonne hinaufstrebt und die Wurzel in den Boden senkt, dem Mittelpunkt der Erde zustrebend. Vergleichst du sie mit dem Menschen, so ist es verkehrt, die Blüte mit seinem Kopf, die Wurzel mit seinen Fortpflanzungsorganen zu vergleichen. Darwin hat den Vergleich richtig gemacht. Er hat darauf hingewiesen, daß die Wurzel der Pflanze dem Kopf des Menschen entspricht. Der Mensch ist die umgekehrte Pflanze. Der Wurzel, die die Pflanze in den Boden senkt, entspricht der Kopf des Menschen. Das aber, was die Pflanze keusch der Sonne entgegenhält, die Blüte und die Befruchtungsorgane, das wendet der Mensch der Erde zu. Wendet man die Pflanze ganz um, so hat man den Menschen, wendet man sie halb um, so hat man das Tier, das ein horizontales Rückgrat hat.

[ 29 ] In the schools of the Rosicrucians, and even in earlier schools, attempts were made to make the principle of development through the various realms clear to the students. Today, materialistic thinking speaks of development; theosophy also speaks of it, but it is something else to transform the concept of development into an image, to raise it to the level of imagination. Usually, only the intellect is concerned with the principle of development. We arrive at imagination in the following way. Over many weeks or months, the soul was transformed in the following way through the instructions of the teacher. We can best convey this in the form of a dialogue—which, however, never took place in this way. The teacher said something like the following: Look at the plant, how it strives toward the sun with its leaves and flowers and sinks its roots into the ground, striving toward the center of the earth. If you compare it to a human being, it is wrong to compare the flower to the head and the roots to the reproductive organs. Darwin made the comparison correctly. He pointed out that the roots of the plant correspond to the head of the human being. The human being is the inverted plant. The roots that the plant sinks into the ground correspond to the head of the human being. But what the plant chastely holds up to the sun, the flower and the reproductive organs, man turns toward the earth. If you turn the plant completely around, you have man; if you turn it halfway around, you have the animal, which has a horizontal spine.

[ 30 ] Wenn wir uns diese Dinge imaginativ vorstellen, so wird nicht nur unser Gedanke, sondern auch unsere Empfindung und unser Gefühl tief hineingeführt in die uns umgebende Welt. Wir lernen erkennen das innere Verhältnis zwischen Pflanze und Mensch. Wir erkennen die reine, keusche Pflanzennatur, die noch nicht durchzogen ist von Begierden und Leidenschaften, und die Natur des Menschen, bei dem sich die keusche Pflanzensubstanz verwandelt hat in das von Begierden und Leidenschaften durchzogene Fleisch. Aber hierdurch kommt zugleich ein Höheres in sein Wesen, dadurch hat er sich errungen das helle Tagesbewußtsein. Die Pflanze schläft, aber der Mensch hat sich sein helles Tagesbewußtsein errungen dadurch, daß er verkörpert ist im Fleische, das von Begierden, Leidenschaften, Instinkten durchdrungen ist. Dazu mußte er die volle Drehung vollziehen. Das Tier steht mitten darinnen. Es hat wohl Begierden und Leidenschaften, aber noch nicht das klare Tagesbewußtsein errungen.

[ 30 ] When we imagine these things, not only our thoughts but also our feelings and emotions are deeply drawn into the world around us. We learn to recognize the inner relationship between plants and humans. We recognize the pure, chaste nature of plants, which is not yet permeated by desires and passions, and the nature of human beings, in whom the chaste plant substance has been transformed into flesh permeated by desires and passions. But at the same time, this brings something higher into their being; through this, they have attained clear daytime consciousness. The plant sleeps, but man has attained his bright daytime consciousness by being embodied in flesh that is permeated by desires, passions, and instincts. To do this, he had to complete the full cycle. The animal stands in the middle. It has desires and passions, but has not yet attained clear daytime consciousness.

[ 31 ] Der Lehrer sagte zu dem Schüler: Wenn du dieses fühlst, so verstehst du den Ausspruch des Plato: Die Weltenseele ist am Weltenleibe gekreuzigt. — Pflanze, Tier, Mensch, das ist die wirkliche tiefinnerste Bedeutung des Kreuzeszeichens. Was als allgemeine Seelenhaftigkeit, als Weltseele durch die Reiche der Natur geht, das erscheint als Symbol im Kreuze. Das wurde in den Geheimschulen gelehrt als die tiefste Bedeutung des Kreuzes.

[ 31 ] The teacher said to the student: If you feel this, you will understand Plato's saying: The world soul is crucified on the world body. — Plant, animal, human being: that is the real, deepest meaning of the sign of the cross. What passes through the realms of nature as a general soul, as a world soul, appears as a symbol in the cross. This was taught in the secret schools as the deepest meaning of the cross.

[ 32 ] Dann sagte der Lehrer zum Schüler: Schau wie die Pflanze ihren Blütenkelch keusch der Sonne entgegenhält, wie der Sonnenstrahl die Blüte der Pflanze küßt. Dies nannte man den keuschen Kuß des Sonnenstrahles, der heiligen Liebeslanze. Im keuschen Kuß des Sonnenstrahles, der heiligen Liebeslanze, der sich der Kelch der Pflanze öffnet, wird hingewiesen auf das Zukunftsideal, wo der Mensch seine Organe wieder hinaufentwickeln wird zur Keuschheit der Pflanze. Jetzt ist der Mensch hinaufentwickelt bis zu der Stufe, wo er von Begierden durchzogen ist. Weiter wird sich der Mensch entwickeln bis zu jener Stufe, wo er seine Begierden umgewandelt hat, wo er wieder geküßt werden wird von dem geistigen Sonnenstrahl, wo er wiederum seinesgleichen auf höherer Stufe hervorbringen wird, wo die Reproduktionskraft vergeistigt sein wird. Das nannte man in den Geheimschulen den Heiligen Gral. Das ist das reale Ideal des Heiligen Gral: ein Organ, das der Mensch haben wird, wenn seine Reproduktionskraft vergeistigt sein wird. Wir sehen in der Vergangenheit die keusche Pflanzennatur, in der Gegenwart den von Begierde durchzogenen Menschen, und in der Zukunft den Menschen mit dem gereinigten Leibe, wie er im Heiligen Gralskelch, als höhere Entwickelungsstufe des Pflanzenkelchs, den geistigen Sonnenstrahl empfängt.

[ 32 ] Then the teacher said to the student: Look how the plant holds its calyx chastely toward the sun, how the sunbeam kisses the flower of the plant. This was called the chaste kiss of the sunbeam, the holy lance of love. In the chaste kiss of the sunbeam, the holy lance of love, which opens the calyx of the plant, reference is made to the future ideal, where man will develop his organs back up to the chastity of the plant. Now man has developed up to the stage where he is filled with desires. Man will continue to develop to the stage where he has transformed his desires, where he will be kissed again by the spiritual ray of the sun, where he will again produce his own kind on a higher level, where the reproductive power will be spiritualized. In the secret schools, this was called the Holy Grail. This is the real ideal of the Holy Grail: an organ that humans will have when their reproductive power has been spiritualized. We see in the past the chaste nature of plants, in the present the human being permeated by desire, and in the future the human being with a purified body, receiving the spiritual ray of the sun in the Holy Grail, as a higher stage of development of the plant chalice.

[ 33 ] Das ist nicht abstraktes Denken, sondern ein Zustand, wo wir jede Stufe der Entwickelung fühlen, nicht bloß denken. Wenn wir in dieser Art fühlen, was sich entwickelt, dann erheben wir uns allmählich so, daß wir durch die Bilder zur imaginativen Erkenntnis kommen. Das Bild des Heiligen Grals steht vor uns, wenn wir diese Bilder loslösen von der sinnlichen Erscheinung und empfangen das Bild von jener höheren Welt.

[ 33 ] This is not abstract thinking, but a state in which we feel each stage of development, not just think about it. When we feel in this way what is developing, we gradually rise so that we come to imaginative knowledge through the images. The image of the Holy Grail stands before us when we detach these images from their sensory appearance and receive the image of that higher world.

[ 34 ] Wenn wir derartige Bilder, die uns bestimmte Vorgänge der geistigen Welt darstellen und in den Geheimschulen festgestellt wurden, auf uns wirken lassen, so sagen wir, wir lassen die okkulte Schrift auf uns wirken. Das ist das dritte der rosenkreuzerischen Schulung.

[ 34 ] When we allow such images, which represent certain processes of the spiritual world and have been established in the secret schools, to work on us, we say that we are allowing the occult scriptures to work on us. This is the third stage of Rosicrucian training.

[ 35 ] Solche Bilder haben wir in den Siegeln und Säulen, wie sie in München beim Kongreß vom Anfang und Ende der Menschheitsentwickelung dargestellt wurden und in der Apokalypse. Der Mensch war früher auf einer Erde, welche glutflüssig war. Er ist erst allmählich durch viele Verkörperungen hindurch zu seinem heutigen Körper gekommen, und er wird sich noch durch viele Inkarnationen hindurch weiter entwickeln. Vor allem wird eine Umgestaltung des Kehlkopfes und des Herzens vor sich gehen. Das werden in Zukunft die Reproduktionsorgane sein. Heute verkörpern sich die Gedanken, Gefühle und Empfindungen nur in Worten, die die Regungen meiner Seele in diesem Raum durch Schwingungen zu Ihrem Ohr gelangen lassen und in Ihren Seelen ähnliche Gedanken und Empfindungen wecken. Später wird der Mensch Wärme und zuletzt Licht schaffen, so wie er jetzt seine Gedanken in Worten der Luft mitteilt. So wie der Mensch in der Vergangenheit heruntergestiegen ist aus einer Licht- und Wärmesphäre, so wird er in Zukunft selbst Wärme und Licht schaffen.

[ 35 ] We have such images in the seals and pillars depicted in Munich at the Congress on the Beginning and End of Human Development and in the Apocalypse. Man used to live on a planet that was molten. He only gradually attained his present body through many incarnations, and he will continue to evolve through many more incarnations. Above all, a transformation of the larynx and the heart will take place. These will be the reproductive organs of the future. Today, thoughts, feelings, and sensations are embodied only in words, which allow the vibrations of my soul in this room to reach your ears and awaken similar thoughts and sensations in your souls. Later, humans will create warmth and finally light, just as they now communicate their thoughts in words in the air. Just as humans descended from a sphere of light and warmth in the past, they will create warmth and light themselves in the future.

[ 36 ] Auf dem ersten apokalyptischen Siegel ist dies dargestellt. Der Anfangszustand der Menschheit, als die Erde noch in einem Zustande der Glutflüssigkeit war, ist dargestellt dadurch, daß die Füße des Menschen auf dem Bild in einem feurigen Metallfluß sind, der Zukunftszustand ist dargestellt durch das feurige Schwert, welches aus dem Munde des Menschen hervorgeht. Ein solches Bild wirkt nicht bloß auf die Imagination, sondern auch auf den Willen des Menschen, wenn wir in dieser Weise den großen Kräften der Natur zuschauen. Denn dieselbe Kraft, die als Urkraft im Willen des Menschen lebt, lebt auch in der ganzen äußeren Welt. Lernen wir unseren Willen schulen, dann lebt in uns Weltenwille, dann wird unser Wille eins werden mit dem Willen, der die Natur durchströmt. Das lernt der Mensch durch die selbstlose Hingabe an die okkulten Schriftzeichen.

[ 36 ] This is depicted on the first apocalyptic seal. The initial state of humanity, when the earth was still in a state of molten heat, is depicted by the feet of the human being in the image standing in a fiery metal flow; the future state is depicted by the fiery sword emerging from the mouth of the human being. Such an image affects not only the imagination but also the will of human beings when we observe the great forces of nature in this way. For the same force that lives as a primal force in the will of human beings also lives in the entire external world. If we learn to train our will, then the will of the universe lives within us, and our will becomes one with the will that flows through nature. Human beings learn this through selfless devotion to the occult scriptures.

[ 37 ] Das vierte der rosenkreuzerischen Schulung ist die Bereitung des Steines der Weisen. Dies ist ein hohes geheimgehaltenes Mysterium. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde etwas davon verraten. Es fand sich zum Beispiel eine Bemerkung in einer Mitteldeutschen Zeitung von einem Menschen, der etwas davon läuten gehört hatte. Es hieß dort: Der Stein der Weisen existiert wirklich, und es gibt nur wenige Menschen, die ihn nicht kennen. Viele haben ihn schon in der Hand gehabt, nur wissen sie nicht, daß es der Stein der Weisen ist. -— Die Definition war in den Wortlauten richtig, nur muß man sie verstehen. Es handelt sich nicht um eine bloße Allegorie. Der Rosenkreuzer arbeitet an der Wirklichkeit, so daß er bis in die Physiologie hineingeht. Er arbeitet an der wirklichen Umgestaltung der Erde und des Menschen, bis tief in den physischen Leib hinein, nicht nur an dem, was man im gewöhnlichen Sinn als moralische Erhebung, Veredlung der Sitte und so weiter kennt.

[ 37 ] The fourth of the Rosicrucian teachings is the preparation of the philosopher's stone. This is a highly secret mystery. At the end of the 18th century, something of it was revealed. For example, a remark was found in a Central German newspaper by someone who had heard something about it. It said: The philosopher's stone really exists, and there are only a few people who do not know about it. Many have already held it in their hands, but they do not know that it is the philosopher's stone. The definition was correct in its wording, but one has to understand it. This is not a mere allegory. The Rosicrucian works on reality, so that he goes into physiology. He works on the real transformation of the earth and of man, deep into the physical body, not only on what is commonly known as moral elevation, refinement of morals, and so on.

[ 38 ] Gehen wir von der menschlichen Atmung aus. Die Regulierung des Atmungsprozesses bildet einen wichtigen Teil der okkulten Entwickelung. Die Menschen atmen ein, brauchen den Sauerstoff, der sich im Menschen mit dem Kohlenstoff vermischt, und dann atmet der Mensch Kohlensäure aus. Wenn das allein immer so fortgesetzt würde, dann würde die Atmosphäre der Erde nach und nach mit Kohlensäure angefüllt werden und das würde den Untergang der Menschheit herbeiführen. Das Menschendasein setzt voraus das Dasein der Pflanzen. Die Pflanze nimmt die Kohlensäure auf, behält den Kohlenstoff zurück und gibt den Sauerstoff wieder ab. So findet ein fortwährender Kreislauf statt zwischen Menschen und Pflanzen. So gehören Menschen, Tiere und Pflanzen zusammen, eines ist ohne das andere nicht möglich.

[ 38 ] Let us start with human respiration. The regulation of the respiratory process forms an important part of occult development. Humans breathe in, need the oxygen that mixes with carbon in the human body, and then breathe out carbon dioxide. If this were to continue indefinitely, the Earth's atmosphere would gradually become filled with carbon dioxide, which would bring about the downfall of humanity. Human existence presupposes the existence of plants. Plants absorb carbon dioxide, retain the carbon, and release oxygen. Thus, a continuous cycle takes place between humans and plants. Humans, animals, and plants belong together; one cannot exist without the other.

[ 39 ] Nun ist in dem menschlichen Körper die Entwickelung so: Das, was heute die Pflanze für ihn tun muß, nämlich die Kohle herstellen - in der Steinkohle sind noch die Pflanzenleichen zu erkennen —, das wird später, wie uns der Okkultismus zeigen kann, durch die weitere Entwickelung vom Menschen durch seine später umgewandelten Herz- und Atmungsorgane selbst geleistet werden. Ein Weg dazu, wie der Mensch diesen Pflanzenprozeß aufnimmt und mit Bewußtsein selbst vollzieht, ist die Rhythmisierung des Atmungsprozesses, so daß er nicht die Kohlensäure an die Pflanze abgibt, sondern in seinem Körper selbst den Kohlenstoff aufbaut. In sich selbst lernt der Mensch seinen Leib aufbauen.

[ 39 ] Now, the development in the human body is as follows: What plants must do for humans today, namely produce carbon—the remains of plants can still be recognized in coal—will later, as occultism can show us, be accomplished by humans themselves through the further development of their heart and respiratory organs. One way in which humans can consciously absorb this plant process and carry it out themselves is by rhythmizing the breathing process so that they do not release carbon dioxide to the plant but build up carbon in their own bodies. In this way, humans learn to build their own bodies.

[ 40 ] Wenn wir dies vergleichen mit dem, was uns über den Heiligen Gral gesagt ist, so haben wir ihn jetzt konkret vor uns. Durch die Rhythmisierung des Atmungsprozesses lernt der Mensch, den Kohlenstoff, der in der Natur als Graphit und Diamant vorkommt, als die keusche Pflanzennatur in sich selbst zu erzeugen. Den Kohlenstoff, die reine, keusche Substanz in sich selbst zu erzeugen, das nennt man die Bereitung des Steines der Weisen. Man hat sich ihn vorzustellen ähnlich wie einen durchsichtigen Diamanten, aber in weicherer Substanz. Der Mensch ist ein gewaltiger innerer Apparat, er lernt durch die okkulte Schulung, daß er an der Entwickelung seines eigenen Geschlechts zu einer höheren Form arbeitet. Es bemerkte, als er davon hörte, ein materialistisch Gesinnter, höchst charakteristisch, das wäre eine schöne Sache, daraus ließe sich vielleicht ein vorteilhafter Industriezweig machen. Keineswegs. Gerade diese Äußerung zeigt, wie nötig es ist, solche Mitteilungen geheim zu halten, denn erst wenn die Menschen auf einer solchen moralischen und intellektuellen Stufe angelangt sein werden, daß sie nicht mehr egoistisch denken können, dann können ihnen solche Geheimnisse mitgeteilt werden.

[ 40 ] If we compare this with what we have been told about the Holy Grail, we now have it concretely before us. Through the rhythmicization of the breathing process, human beings learn to produce within themselves the carbon that occurs in nature as graphite and diamond, as the chaste nature of plants. To produce carbon, the pure, chaste substance, within oneself is called the preparation of the philosopher's stone. One must imagine it as similar to a transparent diamond, but in a softer substance. Human beings are powerful inner machines; through occult training, they learn that they are working on the development of their own gender into a higher form. When a materialistic person heard about this, he remarked, quite characteristically, that it would be a wonderful thing and could perhaps be turned into a profitable industry. Not at all. This remark shows how necessary it is to keep such information secret, for only when people have reached a moral and intellectual level where they can no longer think selfishly can such secrets be revealed to them.

[ 41 ] Das fünfte ist die Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos. Für alles, was draußen in der Welt geschieht, gibt es im Menschen einen Prozeß, der dies in ihm im kleinen wiederholt. Er muß sich nur besinnen auf das, was in ihm vorgeht, dann kann er intuitiv kommen auf die Vorgänge im äußeren Kosmos. So lernt der Mensch zum Beispiel durch eine bestimmte Meditation und Konzentration auf das Innere des Auges die Sonne ihrem inneren Wesen nach erkennen, denn das Auge ist ein Extrakt aus dem Wesen der Sonne. Goethe sagt einmal: Das Auge ist am Licht für das Licht gebildet. Das Licht hat das Auge geschaffen. Ohne Sonne kein Auge. - Alles, was als Wesen in der Sonne ist, findet sich in gewisser Weise im Auge wieder. Durch Konzentration auf das Wesen des Auges das Licht der Sonne erkennen, das ist rosenkreuzerische Schulung. Man kann so vom Innern des Menschen aus die ganze Welt kennenlernen. Durch Konzentration auf die Leber zum Beispiel lernt der Mensch ganz bestimmte schaffende Naturkräfte kennen, bis hinein zum Schaffen des Menschen. So lernt der Mensch die ganze Welt durch sich selbst erkennen, denn er ist eine kleine Welt. Da lernt er, wie sich real entsprechen der Mikrokosmos und der Makrokosmos.

[ 41 ] The fifth is the correspondence between the microcosm and the macrocosm. For everything that happens outside in the world, there is a process within the human being that repeats this in miniature. He only has to reflect on what is going on within him, then he can intuitively arrive at the processes in the outer cosmos. For example, through a certain meditation and concentration on the inner part of the eye, man learns to recognize the sun in its inner essence, for the eye is an extract from the essence of the sun. Goethe once said: The eye is formed by light for light. Light created the eye. Without the sun, there would be no eye. Everything that exists in the sun can be found in a certain way in the eye. Recognizing the light of the sun by concentrating on the essence of the eye is Rosicrucian training. In this way, one can get to know the whole world from within oneself. By concentrating on the liver, for example, a person learns about very specific creative forces of nature, right down to human creativity. In this way, a person learns to recognize the whole world through themselves, for they are a small world. They learn how the microcosm and the macrocosm correspond in reality.

[ 42 ] Eine bestimmte Konzentration auf das menschliche Herz gibt ihm Kenntnis der Löwennatur draußen. Das ist hier nicht nur eine Phrase. Der Mensch muß im einzelnen den Weg finden lernen in das große Universum, dann kommt von selbst das Sich-eins-Empfinden und Sich-eins-Fühlen mit dem ganzen Kosmos. Wenn der Mensch lernt, voll aus jedem Gliede seines Leibes - auch des Ätherund Astralleibes — heraus den Weg zu gehen zum großen Universum mit Geduld im Schreiten von Schritt zu Schritt, so erweitert er seinen Organismus zu einem Organismus, der den ganzen Raum umfaßt. Er ist dann in allen Wesen darinnen. Er kann dann erleben jene Empfindung, welche man die Gottseligkeit nennt.

[ 42 ] A certain concentration on the human heart gives him knowledge of the lion nature outside. This is not just a phrase here. Man must learn to find his way into the great universe, then the feeling of oneness with the whole cosmos will come of its own accord. When man learns to walk fully out of every limb of his body — including the etheric and astral bodies — toward the great universe, with patience in each step, he expands his organism into an organism that encompasses the entire space. He is then within all beings. He can then experience that feeling which is called godliness.

[ 43 ] Es kommt darauf an, daß der Mensch loskommt von sich selber, damit er den Weg findet zu den schaffenden Gewalten. Je mehr er aus sich selbst herauskommt, desto mehr kommt er in die höheren

[ 43 ] It is important that human beings detach themselves from themselves in order to find the path to the creative forces. The more they come out of themselves, the more they enter into the higher worlds.

[ 44 ] Welten hinauf. In dem Gedicht «Die Geheimnisse» hat Goethe beschrieben, wie ein Mensch wandert zu einem geheimnisvollen Tempel, um zusammenzukommen mit verschiedenen Menschen, durch die zusammenströmen die verschiedenen Denkrichtungen. Goethe setzt das Kreuz mit Rosen umwunden an die Eingangspforte des Tempels. «Wer hat dem Kreuz die Rosen zugesellt?» heißt es in dem Gedicht. Das sagt nur der, der weiß, daß ausgedrückt wird in dem von Rosen umwundenen Kreuze eine Entwickelung zu einem höheren Menschheitszustand. Er hat das auch ausgesprochen in den Worten:

[ 44 ] worlds. In the poem “The Secrets,” Goethe described how a person wanders to a mysterious temple to meet various people through whom different schools of thought flow together. Goethe places the cross entwined with roses at the entrance to the temple. “Who has placed the roses on the cross?” the poem asks. Only someone who knows that the cross entwined with roses expresses a development toward a higher state of humanity would ask this question. He also expressed this in the words:

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

And as long as you do not have this,
This: Die and become!
You are only a gloomy guest
On the dark earth.

[ 45 ] Der Mensch muß sich immer mehr dem Zustande nähern, wo er aus dem absterbenden Teil innerlich neu erstehen wird. Wie beim Baum äußerlich die Rinde abstirbt und er innerlich neue Keime entwickelt, so muß auch der Mensch dadurch, daß er sich äußerlich mit dem Tode umgibt, innerlich neu erstehen. Darum wurden in früheren Zeiten die Eingeweihten mit der Eiche verglichen und Druiden genannt. Dieses «Stirb und Werde» bedeutet, daß der Mensch im Innern immer frisches Leben ansetzt. Das Sterbende wird ihm zum Erhalter des neuen Lebens. Deshalb heißt es:

[ 45 ] Human beings must increasingly approach the state where they will be reborn internally from the dying part. Just as the bark of a tree dies externally and new shoots develop internally, so too must human beings be reborn internally by surrounding themselves externally with death. That is why in earlier times the initiates were compared to oak trees and called druids. This “die and become” means that man always begins fresh life within himself. What is dying becomes the sustainer of new life. That is why it is said:

Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.

From the force that binds all beings,
The person who overcomes himself is freed.

[ 46 ] Das heißt: das gewöhnliche Leben überwinden, es zur Schale machen, damit im Innern die sprossenden Keime eines höheren Lebens zur Entwickelung kommen können.

[ 46 ] This means overcoming ordinary life, turning it into a shell so that the sprouting seeds of a higher life can develop within.