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Anthroposophical Guiding Principles
GA 26

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8. Die Arbeit In Der Gesellschaft

8. Die Arbeit In Der Gesellschaft

[ 1 ] Man wird sich erinnern, daß ich in meinen öffentlichen Vorträgen, die ich im Dienste der Anthroposophischen Gesellschaft gehalten habe, nach Möglichkeit versuchte, überall einzufügen, was an entsprechenden Erkenntnissen im gegenwärtigen Zeitalter vorhanden ist. Ich tat dieses, weil Anthroposophie nicht dastehen darf wie eine willkürlich ersonnene Sektenmeinung. Sie muß zum Ausdrucke bringen, was sie in Wahrheit ist: die von unserer Zeit selbst geforderte Weltanschauung und Lebenspraxis.

[ 1 ] Man wird sich erinnern, daß ich in meinen öffentlichen Vorträgen, die ich im Dienste der Anthroposophischen Gesellschaft gehalten habe, nach Möglichkeit versuchte, überall einzufügen, was an entsprechenden Erkenntnissen im gegenwärtigen Zeitalter vorhanden ist. Ich tat dieses, weil Anthroposophie nicht dastehen darf wie eine willkürlich ersonnene Sektenmeinung. Sie muß zum Ausdrucke bringen, was sie in Wahrheit ist: die von unserer Zeit selbst geforderte Weltanschauung und Lebenspraxis.

[ 2 ] Es erscheint mir ganz verfehlt, wenn der Anthroposoph zur abweist, was außer seinem Gebiete von dem geistigen Leben der Gegenwart hervorgebracht wird. Tut er dies sogar in einer solchen Weise, daß der Kundige sogleich bemerkt, er weist ab, was er gar nicht genügend kennt, so wird Anthroposophie niemals etwas ausrichten können.

[ 2 ] Es erscheint mir ganz verfehlt, wenn der Anthroposoph zur abweist, was außer seinem Gebiete von dem geistigen Leben der Gegenwart hervorgebracht wird. Tut er dies sogar in einer solchen Weise, daß der Kundige sogleich bemerkt, er weist ab, was er gar nicht genügend kennt, so wird Anthroposophie niemals etwas ausrichten können.

[ 3 ] Die in den Zweigen tätigen Mitglieder werden dies beachten müssen. Man wird aber nicht erreichen, was erstrebenswert ist, wenn man neben den anthroposophischen Darlegungen auch solche veranstaltet, die aus den verschiedensten Wissensgebieten der Gegenwart die Dinge so bringen, wie dies außerhalb der anthroposophischen Bewegung geschieht. Dadurch wird nur eine für die zuhörenden Mitglieder peinigende Kluft geschaffen zwischen dem heute üblichen Erkennen und demjenigen, von dem Anthroposophie sprechen muß.

[ 3 ] Die in den Zweigen tätigen Mitglieder werden dies beachten müssen. Man wird aber nicht erreichen, was erstrebenswert ist, wenn man neben den anthroposophischen Darlegungen auch solche veranstaltet, die aus den verschiedensten Wissensgebieten der Gegenwart die Dinge so bringen, wie dies außerhalb der anthroposophischen Bewegung geschieht. Dadurch wird nur eine für die zuhörenden Mitglieder peinigende Kluft geschaffen zwischen dem heute üblichen Erkennen und demjenigen, von dem Anthroposophie sprechen muß.

[ 4 ] Es ist vom Übel, wenn ein Thema aufgeworfen wird und von vorneherein der Eindruck entsteht, es werde nur die Gelegenheit ergriffen, um Kritik an irgendwelchen Gegenwarts-Vorstellungen zu üben. Es sollte erst überall sorgfältig geprüft werden, inwiefern in einer solchen Vorstellung ein gesunder Ausgangspunkt gegeben ist. Die Sache liegt zumeist so, daß in der Gegenwart überall solche bedeutsame Ausgangspunkte vorliegen. Man wird deshalb nicht mit der Kritik zurückhalten müssen. Aber man sollte nur kritisieren, was man zuerst auch in seiner Eigenart auseinandergesetzt hat.

[ 4 ] Es ist vom Übel, wenn ein Thema aufgeworfen wird und von vorneherein der Eindruck entsteht, es werde nur die Gelegenheit ergriffen, um Kritik an irgendwelchen Gegenwarts-Vorstellungen zu üben. Es sollte erst überall sorgfältig geprüft werden, inwiefern in einer solchen Vorstellung ein gesunder Ausgangspunkt gegeben ist. Die Sache liegt zumeist so, daß in der Gegenwart überall solche bedeutsame Ausgangspunkte vorliegen. Man wird deshalb nicht mit der Kritik zurückhalten müssen. Aber man sollte nur kritisieren, was man zuerst auch in seiner Eigenart auseinandergesetzt hat.

[ 5 ] Würde das beachtet, so könnte in der Anthroposophischen Gesellschaft etwas hinwegfallen, was in der letzten Zeit Schwierigkeiten gemacht hat. Es haben die Wissenschafter bei uns eine Wirksamkeit entwickelt, über die man nur tief befriedigt sein kann. Und doch ist in vielen Mitgliedern das Gefühl entstanden, daß diese Wissenschafter zu «wenig anthroposophisch» wirken.

[ 5 ] Würde das beachtet, so könnte in der Anthroposophischen Gesellschaft etwas hinwegfallen, was in der letzten Zeit Schwierigkeiten gemacht hat. Es haben die Wissenschafter bei uns eine Wirksamkeit entwickelt, über die man nur tief befriedigt sein kann. Und doch ist in vielen Mitgliedern das Gefühl entstanden, daß diese Wissenschafter zu «wenig anthroposophisch» wirken.

[ 6 ] Ein Seitenstück dazu ist dadurch entstanden, daß anthroposophische Haltung versucht worden ist als Lebenspraxis auf verschiedenen Gebieten auszubilden. Auch da ist in vielen Mitgliedern das Gefühl entstanden, es gehe in solchen «Unternehmungen» gar nichtanthroposophisch zu.

[ 6 ] Ein Seitenstück dazu ist dadurch entstanden, daß anthroposophische Haltung versucht worden ist als Lebenspraxis auf verschiedenen Gebieten auszubilden. Auch da ist in vielen Mitgliedern das Gefühl entstanden, es gehe in solchen «Unternehmungen» gar nichtanthroposophisch zu.

[ 7 ] Die Kritik, die hier einsetzt, ist gewiß nur zum Teil berechtigt. Denn der Kritiker sieht oft nicht, wie schwierig derartige Versuche in der Gegenwart sind, und wie alles Zeit braucht, um in entsprechender Art verwirklicht zu werden.

[ 7 ] Die Kritik, die hier einsetzt, ist gewiß nur zum Teil berechtigt. Denn der Kritiker sieht oft nicht, wie schwierig derartige Versuche in der Gegenwart sind, und wie alles Zeit braucht, um in entsprechender Art verwirklicht zu werden.

[ 8 ] Aber eine gesunde Grundlage hat doch die Empfindung vieler Mitglieder. Man hat als Anthroposoph zunächst die Aufgabe, durch Anthroposophie das Seelenauge zu schärfen, um dasjenige im rechten Lichte zu sehen, was unsere Zeitkultur hervorbringt. Denn diese hat ja das Eigentümliche, daß sie unendlich viel Fruchtbares findet, aber des Bodens ermangelt, in dem sie in richtiger Art dieses Fruchtbare einpflanzen kann. Sicherlich muß man oft gerade dann mit der herbsten Kritik schließen, wenn man sich positiv und nicht negativ zu den Zeiterscheinungen der Gegenwart stellt.

[ 8 ] Aber eine gesunde Grundlage hat doch die Empfindung vieler Mitglieder. Man hat als Anthroposoph zunächst die Aufgabe, durch Anthroposophie das Seelenauge zu schärfen, um dasjenige im rechten Lichte zu sehen, was unsere Zeitkultur hervorbringt. Denn diese hat ja das Eigentümliche, daß sie unendlich viel Fruchtbares findet, aber des Bodens ermangelt, in dem sie in richtiger Art dieses Fruchtbare einpflanzen kann. Sicherlich muß man oft gerade dann mit der herbsten Kritik schließen, wenn man sich positiv und nicht negativ zu den Zeiterscheinungen der Gegenwart stellt.

[ 9 ] Wenn man die positive Orientierung außer acht läßt, wird man der Gefahr nicht entrinnen, zurückzuzucken vor dem Sprechen in der wirklichen anthroposophischen Art. Wie oft hört man gerade von Wissenschaftern in der Anthroposophischen Gesellschaft sagen: wir schrecken die Nicht-Anthroposophen ab, wenn wir ihnen so ohne weiteres vom ÄAther- oder Astralleib reden. Aber wir bleiben unfruchtbar, wenn wir die Nicht-Anthroposophen auf ihrem Felde kritisieren und dabei uns nur derjenigen Urteile bedienen, die auch auf diesem Felde selbst wachsen können. Man kann von Äther- und Astralleib sprechen, wenn man sagt, warum man dieses tut.

[ 9 ] Wenn man die positive Orientierung außer acht läßt, wird man der Gefahr nicht entrinnen, zurückzuzucken vor dem Sprechen in der wirklichen anthroposophischen Art. Wie oft hört man gerade von Wissenschaftern in der Anthroposophischen Gesellschaft sagen: wir schrecken die Nicht-Anthroposophen ab, wenn wir ihnen so ohne weiteres vom ÄAther- oder Astralleib reden. Aber wir bleiben unfruchtbar, wenn wir die Nicht-Anthroposophen auf ihrem Felde kritisieren und dabei uns nur derjenigen Urteile bedienen, die auch auf diesem Felde selbst wachsen können. Man kann von Äther- und Astralleib sprechen, wenn man sagt, warum man dieses tut.

[ 10 ] Bestrebt man sich aber, von dem eigentlich Anthroposophischen so zu sprechen, daß man überall das von Anthroposophie geschärfte Seelenauge walten läßt, dann wird auch unter den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft das Gefühl verschwinden, unsere Wissenschafter reden in einer Art, die nicht anthroposophisch genug ist, und die Praktiker handeln so, wie man es von Mitgliedern der Gesellschaft nicht erwarten sollte.

[ 10 ] Bestrebt man sich aber, von dem eigentlich Anthroposophischen so zu sprechen, daß man überall das von Anthroposophie geschärfte Seelenauge walten läßt, dann wird auch unter den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft das Gefühl verschwinden, unsere Wissenschafter reden in einer Art, die nicht anthroposophisch genug ist, und die Praktiker handeln so, wie man es von Mitgliedern der Gesellschaft nicht erwarten sollte.

[ 11 ] Man wird die Gesinnung in dieser Richtung orientieren müssen, wenn unsere Weihnachtstagung nicht eine Summe frommer Wünsche bleiben soll, sondern wenn ihre Absichten der Verwirklichung entgegengehen sollen.

[ 11 ] Man wird die Gesinnung in dieser Richtung orientieren müssen, wenn unsere Weihnachtstagung nicht eine Summe frommer Wünsche bleiben soll, sondern wenn ihre Absichten der Verwirklichung entgegengehen sollen.



Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft vom Goetheanum ausgesendet werden

Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft vom Goetheanum ausgesendet werden

[ 12 ] 8. Man kann die Wesenheit des Menschen betrachten, insoferne diese aus seinem physischen und seinem ätherischen Leib sich ergibt. Man wird finden, daß alle Erscheinungen am Menschen, die von dieser Seite ausgehen, nicht zum Bewußtsein führen, sondern im Unbewußten verbleiben. Das Bewußtsein wird nicht erhellt, sondern verdunkelt, wenn die Tätigkeit des physischen und des Ätherleibes erhöht wird. Ohnmachtszustände kann man als Ergebnis einer solchen Erhöhung erkennen. Durch die Verfolgung einer solchen Urteilsorientierung gelangt man dazu, anzuerkennen, daß in die Organisation des Menschen - und auch des Tieres - etwas eingreift, das mit dem Physischen und Ätherischen nicht von der gleichen Art ist. Es ist wirksam nicht, wenn das Physische und Ätherische aus seinen Kräften heraus tätig ist, sondern wenn diese aufhören, auf ihre Art wirksam zu sein. Man kommt so zum Begriffe des Astralleibes.

[ 12 ] 8. Man kann die Wesenheit des Menschen betrachten, insoferne diese aus seinem physischen und seinem ätherischen Leib sich ergibt. Man wird finden, daß alle Erscheinungen am Menschen, die von dieser Seite ausgehen, nicht zum Bewußtsein führen, sondern im Unbewußten verbleiben. Das Bewußtsein wird nicht erhellt, sondern verdunkelt, wenn die Tätigkeit des physischen und des Ätherleibes erhöht wird. Ohnmachtszustände kann man als Ergebnis einer solchen Erhöhung erkennen. Durch die Verfolgung einer solchen Urteilsorientierung gelangt man dazu, anzuerkennen, daß in die Organisation des Menschen - und auch des Tieres - etwas eingreift, das mit dem Physischen und Ätherischen nicht von der gleichen Art ist. Es ist wirksam nicht, wenn das Physische und Ätherische aus seinen Kräften heraus tätig ist, sondern wenn diese aufhören, auf ihre Art wirksam zu sein. Man kommt so zum Begriffe des Astralleibes.

[ 13 ] 9. Die Wirklichkeit dieses Astralleibes wird gefunden, wenn man durch die Meditation von dem Denken, das durch die Sinne von außen angeregt wird, zu einem innerlichen Anschauen fortschreitet. Man muß dazu das von außen angeregte Denken innerlich ergreifen und es in der Seele als solches, ohne seine Beziehung auf die Außenwelt, intensiv erleben; und dann durch die Seelenstärke, die man in solchem Ergreifen und Erleben sich angeeignet hat, gewahr werden, daß es innere Wahrnehmungsorgane gibt, die ein Geistiges schauen da, wo in Tier und Menschen der physische und der ätherische Leib in ihren Schranken gehalten werden, damit Bewußtsein entstehe.

[ 13 ] 9. Die Wirklichkeit dieses Astralleibes wird gefunden, wenn man durch die Meditation von dem Denken, das durch die Sinne von außen angeregt wird, zu einem innerlichen Anschauen fortschreitet. Man muß dazu das von außen angeregte Denken innerlich ergreifen und es in der Seele als solches, ohne seine Beziehung auf die Außenwelt, intensiv erleben; und dann durch die Seelenstärke, die man in solchem Ergreifen und Erleben sich angeeignet hat, gewahr werden, daß es innere Wahrnehmungsorgane gibt, die ein Geistiges schauen da, wo in Tier und Menschen der physische und der ätherische Leib in ihren Schranken gehalten werden, damit Bewußtsein entstehe.

[ 14 ] 10. Das Bewußtsein entsteht nicht durch ein Fortführen derjenigen Tätigkeit, die aus dem physischen und dem Ätherleib als Ergebnis kommt, sondern diese beiden Leiber müssen mit ihrer Tätigkeit auf den Nullpunkt kommen, ja noch unter denselben, damit «Platz entstehe» für das Walten des Bewußtseins. Sie sind nicht die Hervorbringer des Bewußtseins, sondern sie geben nur den Boden ab, auf dem der Geist stehen muß, um innerhalb des Erdenlebens Bewußtsein hervorzubringen. Wie der Mensch auf der Erde einen Boden braucht, auf dem er stehen kann, so braucht das Geistige innerhalb des Irdischen die materielle Grundlage, auf der es sich entfalten kann. Und so wie im Weltenraum der Planet den Boden nicht braucht, um seinen Ort zu behaupten, so braucht der Geist, dessen Anschauung nicht durch die Sinne auf das Materielle, sondern durch die Eigenkraft auf das Geistige gerichtet ist, nicht diese materielle Grundlage, um seine bewußte Tätigkeit in sich rege zu machen.

[ 14 ] 10. Das Bewußtsein entsteht nicht durch ein Fortführen derjenigen Tätigkeit, die aus dem physischen und dem Ätherleib als Ergebnis kommt, sondern diese beiden Leiber müssen mit ihrer Tätigkeit auf den Nullpunkt kommen, ja noch unter denselben, damit «Platz entstehe» für das Walten des Bewußtseins. Sie sind nicht die Hervorbringer des Bewußtseins, sondern sie geben nur den Boden ab, auf dem der Geist stehen muß, um innerhalb des Erdenlebens Bewußtsein hervorzubringen. Wie der Mensch auf der Erde einen Boden braucht, auf dem er stehen kann, so braucht das Geistige innerhalb des Irdischen die materielle Grundlage, auf der es sich entfalten kann. Und so wie im Weltenraum der Planet den Boden nicht braucht, um seinen Ort zu behaupten, so braucht der Geist, dessen Anschauung nicht durch die Sinne auf das Materielle, sondern durch die Eigenkraft auf das Geistige gerichtet ist, nicht diese materielle Grundlage, um seine bewußte Tätigkeit in sich rege zu machen.

Fortsetzung in nächster Nummer.

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