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The Rudolf Steiner Archive

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The Christian Mystery
GA 97

16 March 1907, Leipzig

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31. Tierseele und menschliche Individualität

31. Animal Souls and Human Individuality

[ 1 ] Die Frage nach der Beseelung anderer Geschöpfe, als es der Mensch ist, soll uns heute beschäftigen, besonders die Frage, ob die Tiere in irgendeiner Weise beseelt sind oder nicht. Dem, der über solche Dinge obenhin huscht, mag sie überflüssig erscheinen, und doch haben sich auch schon früher hochstehende Menschen damit beschäftigt. Bereits Cartesius, der im Beginn des 17. Jahrhunderts lebende Erneuerer der im Mittelalter erstorbenen Philosophie, warf diese Frage auf. Er sah freilich die Tiere wie Maschinen an, wie Wesen, bei denen man von einer eigentlichen Beseelung nicht sprechen kann, Reflexmaschinen. Wer das Tierleben sinnig betrachtet, wird diese Ansicht schwerlich teilen können. Wir brauchen nur darauf hinzuweisen, wie manche Tiere in unserer Umgebung Dinge ausführen, Beziehungen knüpfen auch unter sich, die ohne Seele schwer zu denken sind. Ein Beispiel ist die Treue des Hundes. Wir können uns schwer dem Gedanken hingeben, daß nichts in seinem Inneren lebt, ähnlich dem, was im Menschen lebt.

[ 1 ] Today, we will address the question of whether creatures other than humans have souls, particularly the question of whether animals have souls in any way. To those who gloss over such matters, this may seem superfluous, yet even in the past, highly educated people have grappled with this question. Cartesius, who lived at the beginning of the 17th century and revived philosophy that had died out in the Middle Ages, already raised this question. Of course, he viewed animals as machines, as beings that cannot be said to have a soul, reflex machines. Anyone who observes animal life meaningfully will find it difficult to share this view. We need only point out how some animals in our environment perform tasks and form relationships with each other that are difficult to imagine without a soul. One example is the loyalty of dogs. It is difficult for us to accept the idea that nothing lives within them, similar to what lives within humans.

[ 2 ] Wenn wir gewisse Verrichtungen betrachten, können wir da absehen von einer höheren geistigen Tätigkeit? Betrachten wir zum Beispiel einen Biberbau. Diese so kunstvolle Ausführung würde für einen Menschen eine große geistige Anstrengung bedeuten. Wie etwa gewisse Balken genau, aber auch ganz genau im richtigen Winkel dem Gefälle des Wassers und den jeweiligen Verhältnissen angepaßt sind, darin liegt eine tiefe Weisheit.

[ 2 ] When we consider certain activities, can we disregard a higher mental activity? Let us consider, for example, a beaver lodge. Such an elaborate construction would require great mental effort on the part of a human being. The fact that certain beams are precisely, but also very precisely, adapted to the slope of the water and the respective conditions at exactly the right angle shows a profound wisdom.

[ 3 ] Nehmen Sie die Ameisen! In jedem Ameisenhaufen treffen Sie etwas wie eine weise staatliche Einrichtung der Menschen, ja sogar über die der jetzigen Menschen hinausgehend. In drei Gruppen sind die Ameisen geteilt: Arbeiter, Männchen und Weibchen. Nachweisbar ist, daß die Arbeiter sehr klug, die Weibchen dümmer und die Männchen sehr dumm sind. Alles in dem Bau ist kunstvoll gegliedert: wie sie alles Nötige herbeischaffen zum Bau und zur Aufzucht der Jungen, wie sie ihre Raubzüge ausführen und so weiter. Wenn alles dies im Menschenstaat eine seelische Tätigkeit notwendig macht, so können wir den Tieren eine Beseelung nicht absprechen. Die Menschen geben sich da immer zufrieden mit dem Instinkt, aber sie versuchen nie, sich etwas unter dem Instinkt zu denken. Wir müssen nun auch die andere Seite betrachten und nicht übersehen, daß ein grundlegender Unterschied besteht zwischen dem, was das Tier, und dem, was der Mensch leistet mit seiner Seele. Wir wollen da von einer bestimmten Tatsache als Beispiel ausgehen. Reisende konnten mehrfach bemerken, daß, wenn sie sich bei Kälte ein Feuer anmachten und dies dann verließen, die Affen kamen und sich daran wärmten. Nie aber wurde bemerkt, daß ein Affe Holz geholt hätte, das Feuer zu unterhalten. Zu dieser Kombination kommt er nicht, und das ist eminent wichtig: Aus eigenen geistigen Fahigkeiten kann er nicht Neues dazutun, wie das Feuer zu schüren und so weiter.

[ 3 ] Take the ants! In every anthill, you encounter something like a wise state institution of humans, even surpassing that of present-day humans. The ants are divided into three groups: workers, males, and females. It has been proven that the workers are very clever, the females are less intelligent, and the males are very stupid. Everything in the nest is artfully structured: how they procure everything necessary for building and raising their young, how they carry out their raids, and so on. If all this requires mental activity in the human state, then we cannot deny that animals have a soul. Humans are always content with instinct, but they never try to think beyond instinct. We must now also consider the other side and not overlook the fact that there is a fundamental difference between what animals do and what humans do with their souls. Let us take a specific fact as an example. Travelers have noticed on several occasions that when they lit a fire in the cold and then left it, monkeys came and warmed themselves by it. However, no one ever noticed a monkey fetching wood to keep the fire going. It does not come up with this combination, and that is extremely important: it cannot use its own mental abilities to add something new, such as stoking the fire and so on.

[ 4 ] Wenn wir uns die Tierseele klarmachen wollen, müssen wir von diesem Unterschied zur Menschenseele ausgehen. Ein weiterer Unterschied zwischen der Tier- und Menschenseele ist, daß Sie von jedem Menschen eine Biographie schreiben können, vom Tiere nicht. Das ist sehr wichtig. Fragen Sie sich über Ihr Interesse an den verschiedenen Wesen, so werden Sie finden, daß Sie dasselbe Interesse wie einem einzelnen Menschen bei den Tieren einer ganzen gleichgearteten Gruppe entgegenbringen. Stellen Sie sich einen Löwen vor, so empfinden Sie für den Löwengroßvater, -vater, -sohn, -enkel und so weiter genau dasselbe. Dem Menschen gegenüber würde Ihnen diese Auffassung geradezu als frivol erscheinen. Daß ein Hundebesitzer vielleicht behaupten wird, von seinem Hund eine Biographie schreiben zu können, sagt nichts. Sie können ja schließlich auch die Biographie einer Stahlfeder schreiben oder über die Unterschiede im Leben einer Stopfnadel und einer Nähnadel. Das ist nur ein übertragener Begriff. So stark sich die ganze tierische Art unterscheidet, so stark unterscheidet sich der einzelne individuelle Mensch. Eine gemeinsame Seele lebt in der ganzen Tiergruppe. Wie Ihre zehn Finger Glieder Ihrer Hand sind, so sind alle Wölfe Glieder der Wolfsgruppenseele.

[ 4 ] If we want to understand the animal soul, we must start from this difference to the human soul. Another difference between the animal and human soul is that you can write a biography of every human being, but not of every animal. This is very important. If you ask yourself about your interest in different beings, you will find that you have the same interest in the animals of an entire group of the same kind as you have in a single human being. Imagine a lion: you feel exactly the same way about the lion's grandfather, father, son, grandson, and so on. When it comes to humans, this view would seem downright frivolous to you. The fact that a dog owner might claim to be able to write a biography of their dog is meaningless. After all, you could also write the biography of a steel spring or about the differences in the lives of a darning needle and a sewing needle. This is just a figurative term. Just as the entire animal species differs greatly, so too do individual humans differ greatly. A common soul lives in the entire animal group. Just as your ten fingers are members of your hand, so too are all wolves members of the wolf group soul.

[ 5 ] Nun müssen wir noch genauer auf die Menschenseele eingehen, die früher nicht so individualisiert war wie heute. An einem Punkte der Menschheitsentwickelung stand der Mensch der Gruppenseele viel näher. Tacitus gibt in seiner «Germania» hundert Jahre nach Christus ein Bild der einzelnen germanischen Völkergruppen. Da fühlten sich alle Glieder einer Gruppe zueinander gehörig, mit Unterschieden natürlich, denn alles in der Menschheitsentwickelung ist gradweise. Da sahen sich auch alle Angehörigen einer Gruppe gleich. Die ausgeprägt individuellen Physiognomien sind das Zeichen für die Entfernung der einzelnen Seele von der Gruppenseele. Bei den Wilden finden Sie noch heute mehr oder weniger die gleiche Physiognomie. Wir müssen diese Tatsache festhalten, daß die ausgeprägte Physiognomie der Beweis ist dafür, daß die Individualität gestaltend auf den Leib wirkt. Dies wird bei weiterentwickelten Menschengeschlechtern immer noch mehr ausgeprägt werden. Es wird eine Zeit kommen, wo der Volkscharakter ganz zurücktritt. Wird eine Seele einmal hier in dieser, einmal in jener Nation inkarniert, so verschwinden die Nationalunterschiede, da wird jeder nur immer wieder sich selbst gleich sehen, je mehr sich seine Individualität durchgearbeitet hat. Früher, als noch immer innerhalb eines Stammes geheiratet wurde, hielten die Glieder zusammen wie Finger einer Hand, rächte einer des andern Schmach, als sei sie ihm geschehen. Dieser Zusammenhalt verschwindet mehr und mehr, je größer der Bund, je allgemeiner der Menschenbund, desto individueller werden die Seelen und Charaktere. Es entsteht nicht etwa ein Mischmasch, sondern je mehr Unterschiede fallen, desto mehr Individualität.

[ 5 ] Now we must take a closer look at the human soul, which was not as individualized in the past as it is today. At one point in human development, humans were much closer to the group soul. In his “Germania,” written a hundred years after Christ, Tacitus paints a picture of the individual Germanic peoples. At that time, all members of a group felt they belonged together, with differences of course, because everything in human development is gradual. All members of a group also saw themselves as equal. The pronounced individual physiognomies are a sign of the distance of the individual soul from the group soul. Among savages, you still find more or less the same physiognomy today. We must note the fact that the pronounced physiognomy is proof that individuality has a formative effect on the body. This will become even more pronounced in more highly developed human races. A time will come when the national character will completely recede. Once a soul is incarnated here in this nation and there in that nation, national differences will disappear, and everyone will see themselves as the same, the more their individuality has worked through. In the past, when people still married within their own tribe, the members stuck together like fingers on a hand, avenging one another's insults as if they had been inflicted on themselves. This cohesion disappears more and more; the larger the union, the more universal the union of people, the more individual the souls and characters become. This does not result in a mishmash, but rather, the more differences disappear, the more individuality there is.

[ 6 ] Wodurch unterscheiden sich nun die menschlichen Gruppenseelen von den tierischen? Wir müssen da weit in der Entstehungsgeschichte zurückgehen. Es gab eine Zeit, in der der Mensch noch nicht so lebte wie jetzt in seinen leiblichen Hüllen und dem geistigen Wesenskern. Ich meine die lemurische Zeit. Da waren die höchsten Wesen eine Art Menschentiere mit physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und der Anlage zum Ich, aber noch nicht mit dem Ich selber, Wesenheiten, die geeignet waren, den göttlichen Keim aufzunehmen. Die Seele, die heute in seinem Inneren lebt, war noch nicht dem Schoß der Gottheit entstiegen, sie lebte noch in einer Seelengeistesschicht. Denken Sie sich ein Wassergefäß mit tausend Tropfen, die ohne Trennung ineinander übergehen, eines bilden. Nehmen Sie tausend kleine Schwämmchen, von denen jedes einen Tropfen fassen kann, und tauchen Sie sie ein, so wird ein jedes erfüllt von einem Tropfen. So denken Sie sich, daß die menschlichen Hüllen den göttlichen Keim aufsaugen. Dadurch werden sie erst individuell, selbständig. Nun stellen Sie sich vor, daß anfangs die Seele nicht gleich in jedem einzelnen Wohnung nahm, sondern eine Seele sich auf viele Leiber verteilte, als Gruppenseele. Was heute im einzelnen wohnt, bewohnte damals einen ganzen Stamm. Und da müssen Sie einen neuen Begriff fassen. Solche Gruppenseele stirbt auch nicht. Die schöne bedeutsame Seite des Todes ist ein Spezifikum, ein Vorzug der individuellen menschlichen Seele. Wenn ein Teil aus einer Gruppenseele stirbt, so ersetzt er sich gleich wieder, wie der Fortsatz, den Sie einem Polypen abschneiden. So empfindet die Gruppenseele, die nicht auf den physischen Plan hinuntersteigt, den Tod als Abgang eines Gliedes, die Geburt als Nachwachsen eines solchen. Den Vorzug des Todes hat sie nicht. Erst wenn ein sinnliches Wesen sagt: Ich bin es -—, beginnt der Tod ins individuelle Leben einzugreifen. Durch den Tod erkämpft, erringt der Mensch sich sein höheres Leben. Würde nicht der Tod überwunden, so könnte er nicht durch ihn zu noch höherem Leben gelangen.

[ 6 ] How do human group souls differ from animal souls? We have to go back a long way in the history of their origin. There was a time when human beings did not yet live as they do now in their physical bodies and spiritual essence. I am referring to the Lemurian period. At that time, the highest beings were a kind of human-animal with a physical body, etheric body, astral body, and the predisposition for the I, but not yet with the I itself, beings that were capable of receiving the divine seed. The soul that lives within them today had not yet emerged from the womb of the deity; it still lived in a layer of soul spirit. Imagine a vessel of water with a thousand drops that merge into one another without separation, forming one whole. Take a thousand small sponges, each of which can hold a drop, and dip them in, and each will be filled with a drop. So imagine that the human shells absorb the divine seed. This is what makes them individual and independent. Now imagine that in the beginning, the soul did not immediately take up residence in each individual, but rather one soul was distributed among many bodies as a group soul. What now resides in each individual once resided in an entire tribe. And here you must grasp a new concept. Such a group soul does not die either. The beautiful and significant aspect of death is a specific feature, a privilege of the individual human soul. When a part of a group soul dies, it is immediately replaced, like the appendage you cut off a polyp. Thus, the group soul, which does not descend to the physical plane, experiences death as the departure of a limb and birth as the regrowth of one. It does not have the privilege of death. Only when a sensual being says, “I am it,” does death begin to intervene in individual life. Through death, man fights for and achieves his higher life. If death were not overcome, he could not attain a higher life through it.

[ 7 ] Auf dem Astralplan finden wir die Seelen der Tiere, die mit jedem einzelnen ihrer Gruppe durch einen Faden verbunden sind. Um zu begreifen, wie tierische Gruppenseelen entstehen, müssen Sie sich klar darüber sein, was den Menschen zum physischen Wesen macht, wie es ist.

[ 7 ] On the astral plane we find the souls of animals, which are connected to each individual of their group by a thread. To understand how animal group souls arise, you must be clear about what makes humans physical beings, how they are.

[ 8 ] Als die Gotteskeime herunterkamen, fanden sie die Träger sehr verschieden. Manche besonders ausgebildet zum Kampf, andere ähnlich gestaltet, aber mehr ausgebildet zur Arbeit, zur Geduld und so weiter. So daß die verschiedenen Körper in der mannigfaltigsten Ausbildung, auch in der äußeren Gestalt, verschieden wurden. Was heute an niederen Tieren, wie Insekten und anderen, existiert, das ist schon bei einer früheren Erdenverkörperung abgezweigt worden und für sich entstanden.

[ 8 ] When the seeds of God came down, they found their carriers very different. Some were specially trained for combat, others were similarly designed but more trained for work, patience, and so on. Thus, the different bodies became diverse in their training, as well as in their outward appearance. What exists today in lower animals, such as insects and others, has already been branched off in an earlier incarnation on Earth and has developed on its own.

[ 9 ] Jetzt beschäftigen uns nur die Tiere von den Fischen aufwärts. Als das Heruntersteigen in den wartenden Leib geschah, der äußerlich, nicht innerlich, auf der Höhe ungefähr des Fischleibes stand, waren noch keine Säugetiere vorhanden. Der Mensch, der damals lebte, mußte sich halb schwimmend, halb schwebend fortbewegen und hatte dazu flossenartige Organe. Was an seinem Leib geschehen ist auf Erden, geschah durch die in ihm wohnende Menschenseele. Erst im Laufe langer Entwickelungen wurde dieser zu dem jetzigen gottähnlichen Leibe umgestaltet. Manches ist auf dem langen Wege stehengeblieben. Weil sich aber die Erde mittlerweile weiter verwandelte, wurde aus dem Stehenbleiben ein Abwärtsentwickeln der Leiber. Nehmen Sie als Beispiel zwei Geschwister: Eines wandelt sich um durch alle Lebensalter, das andere bleibt auf der Kindheitsstufe stehen. Mit sechzig Jahren schaut es aber dann nicht mehr so aus wie ein Kind. So sind die jetzigen Fische heruntergekommen und schauen anders aus als früher. Die Menschheit entwickelte sich weiter und gestaltete alles bis zum Säugetierleibe. Überall blieben wieder welche stehen, durch Dekadenz herabgekommene Menschen. Wenn Sie sich richtig hineinversetzen, werden Sie begreifen, daß alle Tiere auf der Jugendstufe gealtert sind, zu früh gealtert sind, feste Formen angenommen haben, die sie hätten überschreiten sollen: sie sind gleichsam in ihrer ganzen Entwickelung kristallisiert. Die Hinaufentwickelung brachte nun freilich den Menschen in bezug auf gewisse Eigenschaften in eine eigentümliche Lage. Er verlor die Sicherheit. Affen in Gefangenschaft werden bald von Tuberkulose und andern Krankheiten befallen. Tiere können die menschliche Lebensweise nicht vertragen. Sie haben auch in bezug auf Nahrung eine gewisse Sicherheit. Wenn eine Kuh über eine Wiese geht, weiß sie genau, welches Kraut ihr frommt. Der Mensch hat das nicht mehr. Er braucht die Unsicherheit, um zur freien Wahlbestimmung zu kommen. Die jetzige Unsicherheit ist notwendig zur Erreichung der Sicherheit auf einer höheren Stufe. Der Mensch paßt sich der höheren Stufe an. So ist das Unsicherwerden Garantie, daß der Mensch selbständig sein wird. Sicher geblieben ist, was nicht so weit gekommen ist, daß das Ich in der einzelnen Wesenheit arbeitet. Wir dürfen uns ebensowenig über die Tierweisheit wundern wie über die Weisheit unserer Hand. Der einzelne Biber ist bloß der Handlanger der Gruppenseele auf dem astralen Plan. Auf einer noch ganz andern Stufe als der Biber steht die Ameise, und uns viel ferner, weil sie sich schon auf dem viel früheren Planetendasein der Erde abgespalten hat. In ihrer einseitigen Richtung hat sie es noch weiter gebracht als der Mensch. Die Menschen denken, fühlen, wollen in fester Verbindung. Sehe ich etwas, was mir gefällt, so greife ich danach. Die Vorstellung bringt das Wollen hervor. Ohne dies Ineinandergreifen würde der Mensch sehr unsicher werden. Bei der spirituellen Schulung werden Wille, Vorstellung und Gefühl auseinandergerissen, müssen ganz getrennt werden. Für die allgemeine Menschheit wird das erst im Jupiterdasein der Erde erreicht werden. Aber bevor der Schüler dies erlebt, begegnet ihm der Hüter der Schwelle und gibt ihm Klarheit über sein ganzes bisheriges Leben.

[ 9 ] Now we are only concerned with animals from fish upwards. When the descent into the waiting body took place, which was externally, not internally, at about the level of the fish body, there were no mammals yet. The human beings who lived at that time had to move around half swimming, half floating, and had fin-like organs for this purpose. What happened to his body on earth was caused by the human soul dwelling within him. Only in the course of long developments was this transformed into the present godlike body. Many things have remained unchanged along the way. But because the earth continued to change in the meantime, this stagnation led to a downward development of the bodies. Take two siblings as an example: one changes through all stages of life, the other remains at the childhood stage. At the age of sixty, however, it no longer looks like a child. Thus, the present-day fish have degenerated and look different than they used to. Humanity continued to develop and shaped everything up to the mammalian body. Everywhere, some remained behind, people who had degenerated through decadence. If you really put yourself in their shoes, you will understand that all animals have aged at the juvenile stage, have aged too early, have taken on fixed forms that they should have outgrown: they have, as it were, crystallized in their entire development. The upward development now brought humans into a peculiar situation with regard to certain characteristics. They lost their security. Monkeys in captivity soon fall prey to tuberculosis and other diseases. Animals cannot tolerate the human way of life. They also have a certain security in terms of food. When a cow walks across a meadow, it knows exactly which grass is good for it. Humans no longer have that. They need uncertainty in order to arrive at free choice. The current uncertainty is necessary to achieve security on a higher level. Humans adapt to the higher level. Thus, becoming uncertain is a guarantee that humans will be independent. What has remained secure is what has not progressed to the point where the ego works in the individual entity. We should be no more surprised by animal wisdom than by the wisdom of our own hands. The individual beaver is merely the henchman of the group soul on the astral plane. On a completely different level from the beaver stands the ant, and much further away from us, because it already split off on the much earlier planetary existence of the Earth. In its one-sided direction, it has gone even further than man. Humans think, feel, and want in close connection. If I see something I like, I reach for it. Imagination gives rise to desire. Without this interconnection, humans would become very insecure. In spiritual training, will, imagination, and feeling are torn apart and must be completely separated. For humanity in general, this will only be achieved in the Jupiter existence of the Earth. But before the student experiences this, he encounters the Guardian of the Threshold, who gives him clarity about his entire life up to that point.

[ 10 ] Dieses Zerfallen der Seelentätigkeit in die Dreiheit haben gewisse Tiergruppenseelen verfrüht durchgemacht. Tatsächlich sind einzelne Teile im Gehirn des Geistesschülers wie die Ameisen im Haufen differenziert. Die Ameise hat sich das verfrüht vorweggenommen und bleibt nun wie ein Kind unreif klug. Die Bibergruppenseele wird nachholen müssen, was sie versäumt hat, die Ameisenseele hat sich dies ein für allemal verscherzt und geht ganz andere Wege. Die Tierseelen sind einseitig gewordene Menschenseelen. Oken sagt: Die Zunge ist ein Tintenfisch. — Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen. Das Wesen aber, bei dem sich die Eigenschaften der Zunge zu sehr vorgedrängt haben, blieb dabei stehen. Paracelsus sagte die tiefen Worte: Wenn wir die Natur überschauen, sehen wir lauter einzelne Buchstaben, und das Wort, das sie bilden, ist der Mensch. All die verschiedenen Eigenschaften, die Sie im Menschen beisammen finden, denken Sie sich auf verschiedene Leiber verteilt, die jeweils zu einer Gruppenseele gehören. Tiere sind in der einseitigen Ausbildung ihrer Eigenschaften stehengebliebene Menschen. Der Mensch wurde Erfinder durch Verlust der Sicherheit. Das erste Element, das er in seinen Dienst zu stellen lernte, war das Feuer. Damit erklomm er die erste Stufe der Kultur, die ihn zum produktiven Wesen machte. Er ist eine Enzyklopädie der verschiedenen Tierseelen.

[ 10 ] Certain animal group souls have prematurely undergone this disintegration of soul activity into the trinity. In fact, individual parts of the spiritual student's brain are differentiated like ants in a colony. The ant has prematurely anticipated this and now remains immaturely clever, like a child. The beaver group soul will have to make up for what it has missed, while the ant soul has forfeited this once and for all and is going down a completely different path. Animal souls are human souls that have become one-sided. Oken says: The tongue is a squid. — Of course, this is not to be taken literally. But the being in whom the characteristics of the tongue have become too prominent has remained stuck in that state. Paracelsus said these profound words: When we look at nature, we see nothing but individual letters, and the word they form is ‘human being’. All the different characteristics that you find together in humans, imagine them distributed among different bodies, each belonging to a group soul. Animals are humans who have remained stuck in the one-sided development of their characteristics. Humans became inventors through the loss of security. The first element they learned to use was fire. With it, they climbed the first step of culture, which made them productive beings. They are an encyclopedia of the various animal souls.

[ 11 ] Nun müssen Sie sich noch über einen Punkt klarwerden. Wenn Sie zu niederen Tieren gehen, werden Sie finden, daß diese nicht durch den Ton unmittelbar Leid und Freude ausdrücken können. Die Insekten geben zwar Geräusche von sich, das sind aber Körpergeräusche. Die okkulte Wissenschaft macht da ganz abgestufte Unterschiede zwischen den tönenden Tieren und den nichttönenden. Aber erst im Menschen wird der innerliche Ton zum Wort, zur Sprache. Auch die höchststehenden Tiere haben nur einseitig ausgebildete Laute. In späterer Zeit werden die tierischen Gruppenseelen, nicht die einzelnen Tiere, Menschen werden, aber in einer ganz andern Konstitution als die heutigen Menschen.

[ 11 ] Now you must clarify one more point. If you go to lower animals, you will find that they cannot directly express suffering and joy through sound. Insects do make noises, but these are bodily noises. Occult science makes very subtle distinctions between animals that make sounds and those that do not. But it is only in humans that the inner sound becomes a word, a language. Even the highest animals have only one-sided sounds. In later times, the animal group souls, not the individual animals, will become human beings, but in a completely different constitution than today's humans.

[ 12 ] Noch vor der Geisteswissenschaft fühlte dies Goethe und sprach es in seiner Metamorphose der Tiere wunderbar aus: sie seien wie ein auseinandergelegter Mensch. Die ganze Tierheit schaue aus der menschlichen Gestalt heraus. So sagt der Mensch, indem er auf alle tierischen Wesenheiten hinblickt: All dies in eins zusammengefaßt, bist du.

[ 12 ] Even before spiritual science, Goethe sensed this and expressed it wonderfully in his Metamorphosis of Animals: they are like a human being laid out. The whole animal nature looks out from the human form. Thus, when looking at all animal beings, the human being says: All this combined into one, you are.

Fragenbeantwortung

Questions and Answers

Werden weitere Abspaltungen in der Menschheitsentwickelung kommen?

Will there be further divisions in human development?

[ 13 ] Ja, und zwar ist es das, was in der Theosophie das Durchgehen durch die Krisis genannt wird. Wir stehen jetzt in der fünften Epoche. Die sechste Epoche wird ein ganz anderes Geschlecht sehen, edel und schön im Gegensatz zu der abgespaltenen Dekadenz, die aus einem Geschlecht abscheulich häßlicher, tierischer, sinnlicher, lasterhafter Menschen bestehen wird, viel mehr Abscheu erregender, als in der jetzigen Menschheit möglich ist, weil diese sich wieder hinunterentwickeln. Und wie die Teilung geschehen wird, das haben Sie ganz deutlich in der Apokalypse, im sogenannten «Jüngsten Gericht». Wer ganz selbstlos ist, der kann schon jetzt reif werden zum sechsten Zeitraum. Er mag zwar immer noch wieder verkörpert werden, aber dann nur, um den andern zu helfen. Manche werden vielleicht finden, daß das Gericht hart klingt, aber sie haben ja die Wahl. Verstehen Sie mich recht, nicht zur Wiederverkörperung, sondern ich meine zum sechsten Zeitraum.

[ 13 ] Yes, and this is what is called in theosophy the passing through the crisis. We are now in the fifth epoch. The sixth epoch will see a completely different race, noble and beautiful in contrast to the split-off decadence, which will consist of a race of abominably ugly, animalistic, sensual, vicious people, much more repulsive than is possible in the present humanity, because they are developing downwards again. And how the division will take place is clearly described in the Apocalypse, in the so-called “Last Judgment.” Those who are completely selfless can already become ready for the sixth period. They may still be reincarnated, but only to help others. Some may find the judgment harsh, but they have a choice. Understand me correctly, not for reincarnation, but I mean for the sixth period.

Warum werden alte Leute geistig schwach, wenn sich doch die Seele nicht verändern kann?

Why do old people become mentally weak if the soul cannot change?

[ 14 ] Die Seele verändert sich auch nicht. Sie steigt nie von ihrer einmal errungenen Stufe herunter, aber ihr Instrument ist schwach geworden. Es geht ihr so wie einem großen Klavierspieler, der auf einem schlechten Instrument nicht mehr so spielen kann wie früher.

[ 14 ] The soul does not change either. It never descends from the level it has once attained, but its instrument has become weak. It is like a great pianist who can no longer play as well as before on a poor instrument.

[ 15 ] Sie werden sagen, die Seele kennt aber ihre Stufe selbst nicht mehr. Ja, die Seele sieht sich ja selbst nicht, solange sie im physischen Leibe ist. Da befindet sich überhaupt nur der Reflex der Seele, das Spiegelbild. Nun wird der Spiegel trübe oder zerbrochen, da kann er nicht mehr spiegeln. Erst der Geistesschüler nimmt seine Seele wirklich wahr.

[ 15 ] You will say that the soul no longer knows its own level. Yes, the soul does not see itself as long as it is in the physical body. There is only the reflection of the soul, the mirror image. Now the mirror becomes cloudy or broken, so it can no longer reflect. Only the spiritual student truly perceives his soul.