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Nature and Spirit Beings
Their Influence on Our Visible World
GA 98

25 December 1907, Cologne

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4. «Die Geheimnisse» Ein Weihnachts- und Ostergedicht von Goethe

4. «Die Geheimnisse» Ein Weihnachts- und Ostergedicht von Goethe

[ 1 ] Wer diese Nacht im Kölner Dom war, konnte dort mit Lichtschrift die drei Buchstaben sehen: CMB. Sie bedeuten bekanntlich die Namen der sogenannten Heiligen Drei Könige, nach der Tradition der christlichen Kirche Caspar, Melchior, Balthasar genannt. Für Köln rufen diese Namen ja ganz besondere Erinnerungen wach. Es gibt eine alte Sage, daß die Gebeine dieser Heiligen Drei Könige, nachdem diese Bischöfe geworden und gestorben waren, einige Zeit darnach hierher gebracht worden seien, nach Köln. In Verbindung damit steht eine andere Sage, welche erzählt, daß ein dänischer König einmal hierher gekommen sei, nach Köln, und drei Kronen für die Heiligen Drei Könige mitgebracht habe. Als er wieder nach Hause kam, hatte er einen Traum. Es erschienen ihm im Traum die drei Könige und reichten ihm drei Becher: der erste Becher enthielt Gold, der zweite Becher Weihrauch und der dritte Becher Myrrhen. Als der dänische König erwachte, waren die drei Könige verschwunden, die Becher aber waren geblieben; sie standen vor ihm: die drei Gaben, die er zurückbehalten hatte aus seinem Traum.

[ 1 ] Wer diese Nacht im Kölner Dom war, konnte dort mit Lichtschrift die drei Buchstaben sehen: CMB. Sie bedeuten bekanntlich die Namen der sogenannten Heiligen Drei Könige, nach der Tradition der christlichen Kirche Caspar, Melchior, Balthasar genannt. Für Köln rufen diese Namen ja ganz besondere Erinnerungen wach. Es gibt eine alte Sage, daß die Gebeine dieser Heiligen Drei Könige, nachdem diese Bischöfe geworden und gestorben waren, einige Zeit darnach hierher gebracht worden seien, nach Köln. In Verbindung damit steht eine andere Sage, welche erzählt, daß ein dänischer König einmal hierher gekommen sei, nach Köln, und drei Kronen für die Heiligen Drei Könige mitgebracht habe. Als er wieder nach Hause kam, hatte er einen Traum. Es erschienen ihm im Traum die drei Könige und reichten ihm drei Becher: der erste Becher enthielt Gold, der zweite Becher Weihrauch und der dritte Becher Myrrhen. Als der dänische König erwachte, waren die drei Könige verschwunden, die Becher aber waren geblieben; sie standen vor ihm: die drei Gaben, die er zurückbehalten hatte aus seinem Traum.

[ 2 ] In dieser Sage liegt etwas außerordentlich 'Tiefes. Es wird uns angedeutet, daß der König sich im Traum erhob zu einem gewissen Einblick in die geistige Welt, wobei ihm kund wurde, was die symbolische Bedeutung sei dieser drei Könige, dieser drei Magier aus dem Morgenlande, die da opferten Gold, Weihrauch und Myrrhen bei der Geburt des Christus Jesus. Und von dieser Erkenntnis blieb ihm zurück ein bleibendes Gut: diejenigen drei menschlichen Tugenden, welche symbolisch angedeutet sind in dem Gold, dem Weihrauch und den Myrrhen: Selbsterkenntnis im Golde; Selbstfrömmigkeit, das heißt die Frömmigkeit des innersten Selbstes, auch Selbsthingabe zu nennen, in dem Weihrauch; und Selbstvervollkommnung und Selbstentwickelung, oder auch die Bewahrung des Ewigen im Selbst, in den Myrrhen.

[ 2 ] In dieser Sage liegt etwas außerordentlich 'Tiefes. Es wird uns angedeutet, daß der König sich im Traum erhob zu einem gewissen Einblick in die geistige Welt, wobei ihm kund wurde, was die symbolische Bedeutung sei dieser drei Könige, dieser drei Magier aus dem Morgenlande, die da opferten Gold, Weihrauch und Myrrhen bei der Geburt des Christus Jesus. Und von dieser Erkenntnis blieb ihm zurück ein bleibendes Gut: diejenigen drei menschlichen Tugenden, welche symbolisch angedeutet sind in dem Gold, dem Weihrauch und den Myrrhen: Selbsterkenntnis im Golde; Selbstfrömmigkeit, das heißt die Frömmigkeit des innersten Selbstes, auch Selbsthingabe zu nennen, in dem Weihrauch; und Selbstvervollkommnung und Selbstentwickelung, oder auch die Bewahrung des Ewigen im Selbst, in den Myrrhen.

[ 3 ] Wodurch ist dem Könige die Möglichkeit geworden, diese drei Tugenden als Gaben aus einer anderen Welt zu empfangen? Ihm ist diese Möglichkeit dadurch geworden, daß er versuchte, mit seiner ganzen Seele einzudringen in ein solch tiefes Symbolum, wie es beschlossen liegt in den drei Königen, die ihre Gaben dem Christus Jesus opferten.

[ 3 ] Wodurch ist dem Könige die Möglichkeit geworden, diese drei Tugenden als Gaben aus einer anderen Welt zu empfangen? Ihm ist diese Möglichkeit dadurch geworden, daß er versuchte, mit seiner ganzen Seele einzudringen in ein solch tiefes Symbolum, wie es beschlossen liegt in den drei Königen, die ihre Gaben dem Christus Jesus opferten.

[ 4 ] Viele, viele Züge in der Christus-Legende sind da, die uns tief hineinführen in die verschiedensten Bedeutungen dessen, was gemeint ist mit dem Christus-Prinzip und dem, was es wirken soll in der Welt. Zu diesen tiefsten Zügen der Christus-Legende gehört die Anbetung und Opferung der drei Magier, der drei Könige aus dem Morgenlande, und nicht ohne ein tieferes Verständnis dürfen wir herantreten an diese grundlegende Symbolik der christlichen Tradition. Später hat sich die Anschauung herausgebildet, daß der erste König der Repräsentant war der asiatischen Völkerschaften, der zweite der Könige der Repräsentant der europäischen Völker und der dritte der Könige der Repräsentant der afrikanischen Völkerschaften. Man sah immer mehr da, wo man das Christentum als die Religion irdischer Harmonie verstehen wollte, in den drei Königen und ihrer Huldigung ein Zusammenfließen der verschiedenen Strömungen und religiösen Richtungen in der Welt zu dem einen Prinzip, zu dem Christus-Prinzip.

[ 4 ] Viele, viele Züge in der Christus-Legende sind da, die uns tief hineinführen in die verschiedensten Bedeutungen dessen, was gemeint ist mit dem Christus-Prinzip und dem, was es wirken soll in der Welt. Zu diesen tiefsten Zügen der Christus-Legende gehört die Anbetung und Opferung der drei Magier, der drei Könige aus dem Morgenlande, und nicht ohne ein tieferes Verständnis dürfen wir herantreten an diese grundlegende Symbolik der christlichen Tradition. Später hat sich die Anschauung herausgebildet, daß der erste König der Repräsentant war der asiatischen Völkerschaften, der zweite der Könige der Repräsentant der europäischen Völker und der dritte der Könige der Repräsentant der afrikanischen Völkerschaften. Man sah immer mehr da, wo man das Christentum als die Religion irdischer Harmonie verstehen wollte, in den drei Königen und ihrer Huldigung ein Zusammenfließen der verschiedenen Strömungen und religiösen Richtungen in der Welt zu dem einen Prinzip, zu dem Christus-Prinzip.

[ 5 ] Diejenigen, die damals, als diese Legende eine solche Ausgestaltung bekam, eingedrungen waren in die Mysterienprinzipien des esoterischen Christentums, die sahen in dem Christus-Prinzip nicht bloß eine Kraft, die eingegriffen hatte in die Menschheitsentwickelung, sondern sie sahen in dem Wesen, das sich verkörperte in dem Jesus von Nazareth, eine kosmische, eine Weltenkraft, eine Kraft, die weit hinausging über das bloß in unserer Zeit herrschende Menschliche. Sie sahen in dem Christus-Prinzip eine Kraft, die allerdings für den Menschen ein in ferner Zukunftsentwickelung legendes Menschenideal darstellt, aber ein solches Ideal, dem sich der Mensch nur annähern kann, wenn er die ganze Welt immer mehr im Geiste begreift. Sie sahen im Menschen zunächst ein kleines Wesen, eine kleine Welt, einen Mikrokosmos, der ihnen ein Abbild war des Makrokosmos, der großen, umfassenden Welt, die alles enthält, was der Mensch zunächst mit den äußeren Sinnen wahrnehmen, mit Augen sehen, mit Ohren hören kann, die aber auch alles das enthält, was der Geist wahrnehmen konnte, was der niederste und was auch der hellsichtigste Geist wahrnehmen konnte. Denn so erschien die Welt dem esoterischen Christen in der ersten Zeit. Alles, was er sah an Vorgängen am Himmelsgewölbe, was er sah an Vorgängen auf unserer Erde, was er sah als Donner und Blitz, als Sturm und Regen und Sonnenschein, als den Gang der Gestirne, als den Aufgang und Untergang der Sonne, als den Aufgang und Untergang des Mondes, alles das war ihm Gebärde, war ihm etwas wie Mimik, war ihm äußerer Ausdruck innerer geistiger Vorgänge.

[ 5 ] Diejenigen, die damals, als diese Legende eine solche Ausgestaltung bekam, eingedrungen waren in die Mysterienprinzipien des esoterischen Christentums, die sahen in dem Christus-Prinzip nicht bloß eine Kraft, die eingegriffen hatte in die Menschheitsentwickelung, sondern sie sahen in dem Wesen, das sich verkörperte in dem Jesus von Nazareth, eine kosmische, eine Weltenkraft, eine Kraft, die weit hinausging über das bloß in unserer Zeit herrschende Menschliche. Sie sahen in dem Christus-Prinzip eine Kraft, die allerdings für den Menschen ein in ferner Zukunftsentwickelung legendes Menschenideal darstellt, aber ein solches Ideal, dem sich der Mensch nur annähern kann, wenn er die ganze Welt immer mehr im Geiste begreift. Sie sahen im Menschen zunächst ein kleines Wesen, eine kleine Welt, einen Mikrokosmos, der ihnen ein Abbild war des Makrokosmos, der großen, umfassenden Welt, die alles enthält, was der Mensch zunächst mit den äußeren Sinnen wahrnehmen, mit Augen sehen, mit Ohren hören kann, die aber auch alles das enthält, was der Geist wahrnehmen konnte, was der niederste und was auch der hellsichtigste Geist wahrnehmen konnte. Denn so erschien die Welt dem esoterischen Christen in der ersten Zeit. Alles, was er sah an Vorgängen am Himmelsgewölbe, was er sah an Vorgängen auf unserer Erde, was er sah als Donner und Blitz, als Sturm und Regen und Sonnenschein, als den Gang der Gestirne, als den Aufgang und Untergang der Sonne, als den Aufgang und Untergang des Mondes, alles das war ihm Gebärde, war ihm etwas wie Mimik, war ihm äußerer Ausdruck innerer geistiger Vorgänge.

[ 6 ] Der esoterische Christ sieht das Weltengebäude an, wie er einen menschlichen Körper ansieht. Wenn er den Menschenkörper ansieht, zerfällt ihm dieser in verschiedene Glieder: Kopf, Arme, Hände und so weiter. Wenn er den Menschenkörper ansieht, sieht er an ihm Handbewegungen, Bewegungen der Augen, Bewegungen der Gesichtsmuskeln, aber die Glieder und die Bewegungen der einzelnen Glieder sind ihm der Ausdruck der inneren geistigen und seelischen Erlebnisse. Und so, wie er in den Gliedern des Menschen und deren Bewegungen hineinschaute in das Ewige, Seelische desselben, so schaute der esoterische Christ in den Bewegungen der Gestirne, in dem Licht, das aus den Gestirnen den Menschen zuströmt, im Auf- und Untergang der Sonne und im Auf- und Untergang des Mondes, in all dem schaute er den äußeren Ausdruck göttlich-geistiger Wesenheiten, die den Raum durchfluten. Alle diese Naturereignisse waren ihm Taten der Götter, Gesten der Götter, Mimik der göttlich-geistigen Wesenheiten. Aber auch alles dasjenige, was im Menschengeschlecht geschieht, wenn die Menschen soziale Gemeinschaften gründen, wenn die Menschen sich sittlichen Geboten unterwerfen, ihr Handeln untereinander durch Gesetze regeln, wenn sie sich Werkzeuge schaffen aus den Kräften der Natur, zwar mit den Kräften der Natur, aber so, wie sie die Natur ihnen unmittelbar nicht in der Art gegeben hat, alles das, was der Mensch mehr oder weniger unbewußt tut, war für den esoterischen Christen äußerer Ausdruck inneren göttlich-geistigen Waltens.

[ 6 ] Der esoterische Christ sieht das Weltengebäude an, wie er einen menschlichen Körper ansieht. Wenn er den Menschenkörper ansieht, zerfällt ihm dieser in verschiedene Glieder: Kopf, Arme, Hände und so weiter. Wenn er den Menschenkörper ansieht, sieht er an ihm Handbewegungen, Bewegungen der Augen, Bewegungen der Gesichtsmuskeln, aber die Glieder und die Bewegungen der einzelnen Glieder sind ihm der Ausdruck der inneren geistigen und seelischen Erlebnisse. Und so, wie er in den Gliedern des Menschen und deren Bewegungen hineinschaute in das Ewige, Seelische desselben, so schaute der esoterische Christ in den Bewegungen der Gestirne, in dem Licht, das aus den Gestirnen den Menschen zuströmt, im Auf- und Untergang der Sonne und im Auf- und Untergang des Mondes, in all dem schaute er den äußeren Ausdruck göttlich-geistiger Wesenheiten, die den Raum durchfluten. Alle diese Naturereignisse waren ihm Taten der Götter, Gesten der Götter, Mimik der göttlich-geistigen Wesenheiten. Aber auch alles dasjenige, was im Menschengeschlecht geschieht, wenn die Menschen soziale Gemeinschaften gründen, wenn die Menschen sich sittlichen Geboten unterwerfen, ihr Handeln untereinander durch Gesetze regeln, wenn sie sich Werkzeuge schaffen aus den Kräften der Natur, zwar mit den Kräften der Natur, aber so, wie sie die Natur ihnen unmittelbar nicht in der Art gegeben hat, alles das, was der Mensch mehr oder weniger unbewußt tut, war für den esoterischen Christen äußerer Ausdruck inneren göttlich-geistigen Waltens.

[ 7 ] Aber nicht bei solchen allgemeinen Formen blieb der esoterische Christ stehen, sondern er wies hin auf ganz bestimmte einzelne Gesten, einzelne Teile der Weltenphysiognomie, der Weltenmimik, um in diesen einzelnen Teilen ganz bestimmte Ausdrücke für das Geistige zu sehen. Er wies hin auf die Sonne und sagte: Die Sonne ist nicht bloß ein äußerer, physischer Körper. Dieser äußere, physische Sonnenkörper ist der Körper einer seelisch-geistigen Wesenheit, die waltet über seelisch-geistige Wesenheiten, welche die Regierer, die Leiter aller Erdengeschicke sind; die da sind die Leiter aller äußeren, natürlichen Geschehnisse auf der Erde, aber auch die Leiter alles dessen, was geschieht im menschlichen, sozialen Leben, im gesetzlichen Verhalten aller Menschen untereinander. — Wenn er hinaufsah zur Sonne, der esoterische Christ, so verehrte er in der Sonne die äußere Offenbarung seines Christos. Zunächst war ihm der Christos die Seele der Sonne, und was der esoterische Christ sagte, war dieses: Vom Anfang an war die Sonne der Körper des Christos, aber die Menschen auf der Erde und die Erde selbst waren noch nicht reif, zu empfangen das geistige Licht, das Christus-Licht, das ausströmt von der Sonne. Daher mußten die Menschen vorbereitet werden auf das Christus-Licht.

[ 7 ] Aber nicht bei solchen allgemeinen Formen blieb der esoterische Christ stehen, sondern er wies hin auf ganz bestimmte einzelne Gesten, einzelne Teile der Weltenphysiognomie, der Weltenmimik, um in diesen einzelnen Teilen ganz bestimmte Ausdrücke für das Geistige zu sehen. Er wies hin auf die Sonne und sagte: Die Sonne ist nicht bloß ein äußerer, physischer Körper. Dieser äußere, physische Sonnenkörper ist der Körper einer seelisch-geistigen Wesenheit, die waltet über seelisch-geistige Wesenheiten, welche die Regierer, die Leiter aller Erdengeschicke sind; die da sind die Leiter aller äußeren, natürlichen Geschehnisse auf der Erde, aber auch die Leiter alles dessen, was geschieht im menschlichen, sozialen Leben, im gesetzlichen Verhalten aller Menschen untereinander. — Wenn er hinaufsah zur Sonne, der esoterische Christ, so verehrte er in der Sonne die äußere Offenbarung seines Christos. Zunächst war ihm der Christos die Seele der Sonne, und was der esoterische Christ sagte, war dieses: Vom Anfang an war die Sonne der Körper des Christos, aber die Menschen auf der Erde und die Erde selbst waren noch nicht reif, zu empfangen das geistige Licht, das Christus-Licht, das ausströmt von der Sonne. Daher mußten die Menschen vorbereitet werden auf das Christus-Licht.

[ 8 ] Und nun sah der esoterische Christ hinauf zum Monde, und er sah, wie der Mond zurückspiegelt das Licht der Sonne, aber schwächer als das Licht der Sonne selber ist, und da sagte er sich: Schaue ich mit meinen physischen Augen in die Sonne, so werde ich geblendet von ihrem strahlenden Licht; schaue ich in den Mond, dann werde ich nicht geblendet, er gibt mir das strahlende Sonnenlicht abgeschwächt zurück. - In diesem abgeschwächten Sonnenlicht, in diesem Mondenlicht, das auf die Erde niederstrahlt, sah der esoterische Christ den physiognomischen Ausdruck des alten JehovaPrinzips, den Ausdruck für die Religion des alten Gesetzes. Und er sagte: Bevor das Christus-Prinzip, die Sonne der Gerechtigkeit, auf der Erde erscheinen konnte, mußte das Jahve-Prinzip vorbereitend, abgeschwächt im Gesetz, dieses Licht der Gerechtigkeit auf die Erde herabsenden. |

[ 8 ] Und nun sah der esoterische Christ hinauf zum Monde, und er sah, wie der Mond zurückspiegelt das Licht der Sonne, aber schwächer als das Licht der Sonne selber ist, und da sagte er sich: Schaue ich mit meinen physischen Augen in die Sonne, so werde ich geblendet von ihrem strahlenden Licht; schaue ich in den Mond, dann werde ich nicht geblendet, er gibt mir das strahlende Sonnenlicht abgeschwächt zurück. - In diesem abgeschwächten Sonnenlicht, in diesem Mondenlicht, das auf die Erde niederstrahlt, sah der esoterische Christ den physiognomischen Ausdruck des alten JehovaPrinzips, den Ausdruck für die Religion des alten Gesetzes. Und er sagte: Bevor das Christus-Prinzip, die Sonne der Gerechtigkeit, auf der Erde erscheinen konnte, mußte das Jahve-Prinzip vorbereitend, abgeschwächt im Gesetz, dieses Licht der Gerechtigkeit auf die Erde herabsenden. |

[ 9 ] So war dasjenige, was im alten Jehova-Prinzipe, im alten Gesetze liegt — das geistige Licht des Mondes -, für den esoterischen Christen das zurückgeworfene Geisteslicht des höheren Christus-Prinzips. Und mit den Bekennern der ältesten Mysterien sah der esoterische Christ, auch noch bis tief in das Mittelalter hinein, in der Sonne den Ausdruck des die Erde regierenden geistigen Lichtes, des Christus-Lichtes, im Monde den Ausdruck des zurückgeworfenen Christus-Lichtes, das in seiner unmittelbaren Art die Menschen blenden würde. Und in der Erde selber sah der esoterische Christ mit den Bekennern der ältesten Mysterien dasjenige, was ihm zuzeiten verdeckte, verhüllte das blendende Sonnenlicht des Geistes. Er sah in der Erde ebenso den physischen Ausdruck eines Geistes, wie er in allen übrigen Körpern den Ausdruck für ein Geistiges erblickte. Er stellte sich vor, wenn die Sonne wahrnehmbar auf die Erde scheint, wenn sie vom Frühling an und durch den Sommer hindurch ihre Strahlen hinunterschickt und heraustreibt aus der Erde alles sprießende und sprossende Leben, wenn sie dann ihren Höhepunkt in den langen Sommertagen erreicht hat, dann stellte sich der esoterische Christ vor, daß die Sonne das äußere aufsprießende Leben, das physische Leben versorgt. In den Pflanzen, die aus dem Boden aufsprießen, in den Tieren, die hier ihre Fruchtbarkeit in diesen Zeiten entfalten konnten, sah der esoterische Christ dasselbe Prinzip auf äußere, physische Art, das er in den Wesen sah, für welche die Sonne der äußere Ausdruck ist. Dann aber, wenn die Tage kürzer werden, wenn es dem Herbste, dem Winter zugeht, da sagte der esoterische Christ: Es zieht die Sonne ihre physische Kraft immer mehr und mehr von der Erde zurück. In demselben Maße aber, wie die physische Kraft der Sonne von der Erde zurückgezogen wird, wächst die geistige Kraft, und sie fließt dann am stärksten der Erde zu, wenn jene Tage kommen, die die kürzesten sind, mit den langen Nächten, in den Zeiten, die nachher fixiert worden sind durch das Weihnachtsfest. - Nicht sehen kann der Mensch diese geistige Kraft der Sonne. Er würde sie sehen, sagte der esoterische Christ, wenn in ihm die innere Kraft geistigen Schauens vorhanden wäre. Und ein Bewußtsein hatte der esoterische Christ noch von dem, was als Grundüberzeugung und Grunderkenntnis bei den Mysterienschülern in den ältesten Zeiten bis hinauf in die neuere Zeit war.

[ 9 ] So war dasjenige, was im alten Jehova-Prinzipe, im alten Gesetze liegt — das geistige Licht des Mondes -, für den esoterischen Christen das zurückgeworfene Geisteslicht des höheren Christus-Prinzips. Und mit den Bekennern der ältesten Mysterien sah der esoterische Christ, auch noch bis tief in das Mittelalter hinein, in der Sonne den Ausdruck des die Erde regierenden geistigen Lichtes, des Christus-Lichtes, im Monde den Ausdruck des zurückgeworfenen Christus-Lichtes, das in seiner unmittelbaren Art die Menschen blenden würde. Und in der Erde selber sah der esoterische Christ mit den Bekennern der ältesten Mysterien dasjenige, was ihm zuzeiten verdeckte, verhüllte das blendende Sonnenlicht des Geistes. Er sah in der Erde ebenso den physischen Ausdruck eines Geistes, wie er in allen übrigen Körpern den Ausdruck für ein Geistiges erblickte. Er stellte sich vor, wenn die Sonne wahrnehmbar auf die Erde scheint, wenn sie vom Frühling an und durch den Sommer hindurch ihre Strahlen hinunterschickt und heraustreibt aus der Erde alles sprießende und sprossende Leben, wenn sie dann ihren Höhepunkt in den langen Sommertagen erreicht hat, dann stellte sich der esoterische Christ vor, daß die Sonne das äußere aufsprießende Leben, das physische Leben versorgt. In den Pflanzen, die aus dem Boden aufsprießen, in den Tieren, die hier ihre Fruchtbarkeit in diesen Zeiten entfalten konnten, sah der esoterische Christ dasselbe Prinzip auf äußere, physische Art, das er in den Wesen sah, für welche die Sonne der äußere Ausdruck ist. Dann aber, wenn die Tage kürzer werden, wenn es dem Herbste, dem Winter zugeht, da sagte der esoterische Christ: Es zieht die Sonne ihre physische Kraft immer mehr und mehr von der Erde zurück. In demselben Maße aber, wie die physische Kraft der Sonne von der Erde zurückgezogen wird, wächst die geistige Kraft, und sie fließt dann am stärksten der Erde zu, wenn jene Tage kommen, die die kürzesten sind, mit den langen Nächten, in den Zeiten, die nachher fixiert worden sind durch das Weihnachtsfest. - Nicht sehen kann der Mensch diese geistige Kraft der Sonne. Er würde sie sehen, sagte der esoterische Christ, wenn in ihm die innere Kraft geistigen Schauens vorhanden wäre. Und ein Bewußtsein hatte der esoterische Christ noch von dem, was als Grundüberzeugung und Grunderkenntnis bei den Mysterienschülern in den ältesten Zeiten bis hinauf in die neuere Zeit war.

[ 10 ] In jenen Nächten, die heute durch das Weihnachtsfest fixiert sind, wurden die Mysterienschüler vorbereitet zur Wahrnehmung innerer geistiger Schauung, so daß sie sehen konnten innerlich, geistig dasjenige, was sich seiner physischen Kraft nach in diesen Zeiten am meisten von der Erde zurückzieht. In der langen Weihnachtswinternacht war der Mysterienschüler so weit gebracht, daß ihm um Mitternacht die Schauung aufgehen konnte. Dann verhüllt die Erde nicht mehr die Sonne, die hinter der Erde stand. Sie wurde durchsichtig für ihn. Er sah durch die transparente Erde hindurch das geistige Licht der Sonne, das Christus-Licht. Festgehalten wurde diese Tatsache, die ein tiefes Erlebnis der Mysterienschüler wiedergibt, in dem Ausdruck: Die Sonne um Mitternacht sehen.

[ 10 ] In jenen Nächten, die heute durch das Weihnachtsfest fixiert sind, wurden die Mysterienschüler vorbereitet zur Wahrnehmung innerer geistiger Schauung, so daß sie sehen konnten innerlich, geistig dasjenige, was sich seiner physischen Kraft nach in diesen Zeiten am meisten von der Erde zurückzieht. In der langen Weihnachtswinternacht war der Mysterienschüler so weit gebracht, daß ihm um Mitternacht die Schauung aufgehen konnte. Dann verhüllt die Erde nicht mehr die Sonne, die hinter der Erde stand. Sie wurde durchsichtig für ihn. Er sah durch die transparente Erde hindurch das geistige Licht der Sonne, das Christus-Licht. Festgehalten wurde diese Tatsache, die ein tiefes Erlebnis der Mysterienschüler wiedergibt, in dem Ausdruck: Die Sonne um Mitternacht sehen.

[ 11 ] Es gibt Gegenden, in denen die Kirchen, die sonst den ganzen Tag offen sind, um die Mittagsstunde geschlossen werden. Dies ist eine Tatsache, welche das Christentum in Zusammenhang bringt mit den Traditionen uralter Religionsbekenntnisse. Innerhalb uralter religiöser Bekenntnisse sagten die Mysterienschüler aus ihrer Erfahrung heraus: Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht, wenn sie die stärkste physische Kraft entfaltet, dann schlafen die Götter, und den tiefsten Schlaf schlafen sie im Sommer, wenn die Sonne ihre stärkste physische Kraft entfaltet. Sie wachen aber am stärksten in der Weihnachtsnacht, wenn die äußere physische Kraft der Sonne am schwächsten ist.

[ 11 ] Es gibt Gegenden, in denen die Kirchen, die sonst den ganzen Tag offen sind, um die Mittagsstunde geschlossen werden. Dies ist eine Tatsache, welche das Christentum in Zusammenhang bringt mit den Traditionen uralter Religionsbekenntnisse. Innerhalb uralter religiöser Bekenntnisse sagten die Mysterienschüler aus ihrer Erfahrung heraus: Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht, wenn sie die stärkste physische Kraft entfaltet, dann schlafen die Götter, und den tiefsten Schlaf schlafen sie im Sommer, wenn die Sonne ihre stärkste physische Kraft entfaltet. Sie wachen aber am stärksten in der Weihnachtsnacht, wenn die äußere physische Kraft der Sonne am schwächsten ist.

[ 12 ] Wir sehen: Alle Wesen, die ihre äußere physische Kraft entfalten wollen, blicken zur Sonne auf, wenn die Sonne hinaufsteigt im Frühling; sie streben danach, die äußere physische Sonnenkraft zu empfangen. Dann aber, wenn am Sommermittag die physische Kraft der Sonne am stärksten von der Sonne nach der Erde fließt, dann ist ihre geistige Kraft am schwächsten. In der Wintermitternacht aber, wenn die Sonne die schwächste physische Kraft zur Erde hinabstrahlt, dann sieht der Mensch den Geist der Sonne durch die für ihn transparent gewordene Erde hindurch. Der esoterische Christ empfand, daß er durch die Vertiefung in die christliche Esoterik immer mehr und mehr sich annäherte jener Kraft des inneren Schauens, durch die er sein Empfinden und Denken, seine Willensimpulse ganz erfüllen konnte im Hineinblicken in diese geistige Sonne. Und dann wurde der Mysterienschüler gebracht zu einer Vision, die eine höchst reale Bedeutung hatte: Solange die Erde undurchsichtig ist, erscheinen die einzelnen Teile der Erde bewohnt von Menschen, welche einzelne Glaubensbekenntnisse entfalten; aber das einigende Band ist nicht da. Zerstreut sind die Menschenrassen wie die Klimate, zerstreut sind die Meinungen der Menschen auf der Erde, aber ein verbindendes Glied ist nicht da. In dem Maße aber, wie die Menschen beginnen, durch die innere Kraft des Schauens durch die Erde hindurch in die Sonne zu schauen, in dem Maße als ihnen der Stern durch die Erde hindurch erscheint, einigen sich die Bekenntnisse der Menschen zur großen, einheitlichen Menschenbruderschaft. Und diejenigen, welche die getrennten großen Menschenmassen geleitet haben in der Wahrheit der höheren Plane zur Einweihung in die höheren Welten, sie wurden vorgestellt als die Magier. Drei waren sie, dieweil an den verschiedensten Orten der Erde die verschiedensten Kräfte zum Ausdruck kommen. In verschiedener Weise mußte daher die Menschheit geleitet werden. Als einigende Kraft aber erscheint der Stern, der hinter der Erde aufgeht. Er leitet die zerstreuten Menschen zusammen, und da opfern sie der physischen Verkörperung des Sonnensterns, der da erschienen war als Stern des Friedens. So hat man kosmischmenschlich die Religion des Friedens, der Harmonie, des Weltenfriedens, der Menschenbruderschaft in Zusammenhang gebracht mit den alten Magiern, welche die besten Gaben, die sie für die Menschheit hatten, niederlegten an der Wiege des verkörperten Menschensohnes.

[ 12 ] Wir sehen: Alle Wesen, die ihre äußere physische Kraft entfalten wollen, blicken zur Sonne auf, wenn die Sonne hinaufsteigt im Frühling; sie streben danach, die äußere physische Sonnenkraft zu empfangen. Dann aber, wenn am Sommermittag die physische Kraft der Sonne am stärksten von der Sonne nach der Erde fließt, dann ist ihre geistige Kraft am schwächsten. In der Wintermitternacht aber, wenn die Sonne die schwächste physische Kraft zur Erde hinabstrahlt, dann sieht der Mensch den Geist der Sonne durch die für ihn transparent gewordene Erde hindurch. Der esoterische Christ empfand, daß er durch die Vertiefung in die christliche Esoterik immer mehr und mehr sich annäherte jener Kraft des inneren Schauens, durch die er sein Empfinden und Denken, seine Willensimpulse ganz erfüllen konnte im Hineinblicken in diese geistige Sonne. Und dann wurde der Mysterienschüler gebracht zu einer Vision, die eine höchst reale Bedeutung hatte: Solange die Erde undurchsichtig ist, erscheinen die einzelnen Teile der Erde bewohnt von Menschen, welche einzelne Glaubensbekenntnisse entfalten; aber das einigende Band ist nicht da. Zerstreut sind die Menschenrassen wie die Klimate, zerstreut sind die Meinungen der Menschen auf der Erde, aber ein verbindendes Glied ist nicht da. In dem Maße aber, wie die Menschen beginnen, durch die innere Kraft des Schauens durch die Erde hindurch in die Sonne zu schauen, in dem Maße als ihnen der Stern durch die Erde hindurch erscheint, einigen sich die Bekenntnisse der Menschen zur großen, einheitlichen Menschenbruderschaft. Und diejenigen, welche die getrennten großen Menschenmassen geleitet haben in der Wahrheit der höheren Plane zur Einweihung in die höheren Welten, sie wurden vorgestellt als die Magier. Drei waren sie, dieweil an den verschiedensten Orten der Erde die verschiedensten Kräfte zum Ausdruck kommen. In verschiedener Weise mußte daher die Menschheit geleitet werden. Als einigende Kraft aber erscheint der Stern, der hinter der Erde aufgeht. Er leitet die zerstreuten Menschen zusammen, und da opfern sie der physischen Verkörperung des Sonnensterns, der da erschienen war als Stern des Friedens. So hat man kosmischmenschlich die Religion des Friedens, der Harmonie, des Weltenfriedens, der Menschenbruderschaft in Zusammenhang gebracht mit den alten Magiern, welche die besten Gaben, die sie für die Menschheit hatten, niederlegten an der Wiege des verkörperten Menschensohnes.

[ 13 ] Die Sage hat das schön festgehalten, indem sie sagte: jener dänische König habe sich erhoben zu der Erkenntnis der Magier, der drei Könige, und da er sich erhoben hat, haben sie ihm ihre drei Gaben zurückgelassen: erstens die Gabe der Weisheit in der Selbsterkenntnis, zweitens die Gabe der hingebungsvollen Frömmigkeit in der Selbsthingabe, und drittens die Gabe des Sieges des Lebens über den Tod in der Kraft und Pflege des Ewigen in dem Selbst.

[ 13 ] Die Sage hat das schön festgehalten, indem sie sagte: jener dänische König habe sich erhoben zu der Erkenntnis der Magier, der drei Könige, und da er sich erhoben hat, haben sie ihm ihre drei Gaben zurückgelassen: erstens die Gabe der Weisheit in der Selbsterkenntnis, zweitens die Gabe der hingebungsvollen Frömmigkeit in der Selbsthingabe, und drittens die Gabe des Sieges des Lebens über den Tod in der Kraft und Pflege des Ewigen in dem Selbst.

[ 14 ] Alle diejenigen, die so das Christentum verstanden haben, haben in ihm gesehen die tiefe geisteswissenschaftliche Idee der Vereinheitlichung der Religionen. Denn sie waren der Anschauung, ja, sie waren der festen Überzeugung, daß derjenige, der so erfaßt das Christentum, hinwandeln kann zu dem höchsten Entwickelungsgrade der Menschheit.

[ 14 ] Alle diejenigen, die so das Christentum verstanden haben, haben in ihm gesehen die tiefe geisteswissenschaftliche Idee der Vereinheitlichung der Religionen. Denn sie waren der Anschauung, ja, sie waren der festen Überzeugung, daß derjenige, der so erfaßt das Christentum, hinwandeln kann zu dem höchsten Entwickelungsgrade der Menschheit.

[ 15 ] Einer der letzten Deutschen, die in dieser Weise esoterisch das Christentum erfaßt haben, ist Goethe, und Goethe hat uns diese Art des Christentums, diese Art des Religionsausgleichs, diese Art der Theosophie niedergelegt in dem tiefen Gedicht «Die Geheimnisse», das wohl Fragment geblieben ist, aber das uns in tief bedeutsamer Weise die innere Seelenentwickelung eines Menschen zeigt, der durchdrungen und überzeugt ist von den eben angedeuteten Gefühlen und Ideen.

[ 15 ] Einer der letzten Deutschen, die in dieser Weise esoterisch das Christentum erfaßt haben, ist Goethe, und Goethe hat uns diese Art des Christentums, diese Art des Religionsausgleichs, diese Art der Theosophie niedergelegt in dem tiefen Gedicht «Die Geheimnisse», das wohl Fragment geblieben ist, aber das uns in tief bedeutsamer Weise die innere Seelenentwickelung eines Menschen zeigt, der durchdrungen und überzeugt ist von den eben angedeuteten Gefühlen und Ideen.

[ 16 ] Wir hören zuerst, wie Goethe uns hinweisen will auf den Pilgerpfad eines solchen Menschen, und wie er uns andeutet, daß dieser Pilgerpfad auf manche Irrwege führen kann, daß es nicht leicht ist für den Menschen, ihn zu finden, und daß man Geduld und Hingabe haben muß, um das Ziel zu erreichen. Wenn der Mensch diese besitzt, dann wird er finden das Licht, das er sucht. Hören wir den Anfang des Gedichtes:

[ 16 ] Wir hören zuerst, wie Goethe uns hinweisen will auf den Pilgerpfad eines solchen Menschen, und wie er uns andeutet, daß dieser Pilgerpfad auf manche Irrwege führen kann, daß es nicht leicht ist für den Menschen, ihn zu finden, und daß man Geduld und Hingabe haben muß, um das Ziel zu erreichen. Wenn der Mensch diese besitzt, dann wird er finden das Licht, das er sucht. Hören wir den Anfang des Gedichtes:

Ein wunderbares Lied ist euch bereitet;
Vernehmt es gern, und jeden ruft herbei!
Durch Berg’ und Täler ist der Weg geleitet;
Hier ist der Blick beschränkt, dort wieder frei,
Und wenn der Pfad sacht in die Büsche gleitet,
So denket nicht, daß es ein Irrtum sei;
Wir wollen doch, wenn wir genug geklommen,
Zur rechten Zeit dem Ziele näher kommen.

Doch denke niemand, daß mit vielem Sinnen
Das ganze Lied er je enträtseln werde:
Gar viele müssen vieles hier gewinnen,
Gar manche Blüten trägt die Mutter Erde;
Der eine geht mit düsterm Blick von hinnen,
Der andre weilt mit fröhlicher Gebärde:
Ein jeder soll nach seiner Lust genießen,
Für manchen Wandrer soll die Quelle fließen.

Ein wunderbares Lied ist euch bereitet;
Vernehmt es gern, und jeden ruft herbei!
Durch Berg’ und Täler ist der Weg geleitet;
Hier ist der Blick beschränkt, dort wieder frei,
Und wenn der Pfad sacht in die Büsche gleitet,
So denket nicht, daß es ein Irrtum sei;
Wir wollen doch, wenn wir genug geklommen,
Zur rechten Zeit dem Ziele näher kommen.

Doch denke niemand, daß mit vielem Sinnen
Das ganze Lied er je enträtseln werde:
Gar viele müssen vieles hier gewinnen,
Gar manche Blüten trägt die Mutter Erde;
Der eine geht mit düsterm Blick von hinnen,
Der andre weilt mit fröhlicher Gebärde:
Ein jeder soll nach seiner Lust genießen,
Für manchen Wandrer soll die Quelle fließen.

[ 17 ] In diese Situation hinein werden wir versetzt. Ein Pilger wird uns gezeigt, der uns, wenn wir ihn fragen würden, dem Verstande nach nicht sagen könnte dasjenige, was wir eben als esoterische christliche Idee ausgeführt haben, ein Pilger aber, in dessen Herz und Seele diese Ideen leben, umgewandelt in Gefühle. Nicht leicht ist es, alles zu finden, was in dieses Gedicht, das «Die Geheimnisse» heißt, hineingeheimnißt ist. Goethe hat es klärlich angedeutet: ein Prozeß, der in demjenigen Menschen stattfindet, in dem sich die höchsten Ideen, Gedanken und Vorstellungen umwandeln in Gefühle und Empfindungen. Wodurch findet diese Umwandlung statt?

[ 17 ] In diese Situation hinein werden wir versetzt. Ein Pilger wird uns gezeigt, der uns, wenn wir ihn fragen würden, dem Verstande nach nicht sagen könnte dasjenige, was wir eben als esoterische christliche Idee ausgeführt haben, ein Pilger aber, in dessen Herz und Seele diese Ideen leben, umgewandelt in Gefühle. Nicht leicht ist es, alles zu finden, was in dieses Gedicht, das «Die Geheimnisse» heißt, hineingeheimnißt ist. Goethe hat es klärlich angedeutet: ein Prozeß, der in demjenigen Menschen stattfindet, in dem sich die höchsten Ideen, Gedanken und Vorstellungen umwandeln in Gefühle und Empfindungen. Wodurch findet diese Umwandlung statt?

[ 18 ] Wir leben durch viele Verkörperungen hindurch, von einer Inkarnation zur anderen Inkarnation. In einer jeden lernen wir mehr und gar mancherlei; eine jede gibt viele Gelegenheiten, neue Erfahrungen zu sammeln. Es ist nicht möglich, daß wir alles mit allen Einzelheiten von einer Inkarnation in die andere tragen. Wenn der Mensch wiedergeboren wird, braucht nicht alles aufzuleben, was er früher gelernt hat, in allen seinen Einzelheiten. Aber wenn der Mensch in einer Inkarnation viel gelernt hat, wenn er dann stirbt und wiedergeboren wird, brauchen zwar nicht alle seine Ideen wieder aufzuleben, aber er lebt mit den Früchten seines früheren Lebens wieder auf, mit den Früchten seines Lernens. Sein Empfinden, sein Fühlen entsprechen den Erkenntnissen seiner früheren Verkörperungen.

[ 18 ] Wir leben durch viele Verkörperungen hindurch, von einer Inkarnation zur anderen Inkarnation. In einer jeden lernen wir mehr und gar mancherlei; eine jede gibt viele Gelegenheiten, neue Erfahrungen zu sammeln. Es ist nicht möglich, daß wir alles mit allen Einzelheiten von einer Inkarnation in die andere tragen. Wenn der Mensch wiedergeboren wird, braucht nicht alles aufzuleben, was er früher gelernt hat, in allen seinen Einzelheiten. Aber wenn der Mensch in einer Inkarnation viel gelernt hat, wenn er dann stirbt und wiedergeboren wird, brauchen zwar nicht alle seine Ideen wieder aufzuleben, aber er lebt mit den Früchten seines früheren Lebens wieder auf, mit den Früchten seines Lernens. Sein Empfinden, sein Fühlen entsprechen den Erkenntnissen seiner früheren Verkörperungen.

[ 19 ] Wir haben hier in Goethes Gedicht ein Wundervolles ausgedrückt, indem uns ein Mensch entgegentritt, der in den einfachsten Worten — wie aus Kindermund, nicht in ausgesprochenen Verstandes- und Ideenformen — die höchste Weisheit kundtut als Frucht früherer Erkenntnisse. Er hat diese Erkenntnisse umgewandelt in Gefühl und Empfindung und ist dadurch berufen, andere zu leiten, die vielleicht mehr an Vorstellungen gelernt haben. Einen solchen Pilger mit reifer Seele, die viel umgewandelt hat in unmittelbares Gefühl und Empfindung, was sie in früheren Inkarnationen an Erkenntnissen gesammelt hat, einen solchen Pilger haben wir in dem Bruder Markus vor uns. Er wird als Angehöriger einer geheimen Bruderschaft mit einer wichtigen Mission zu einer anderen geheimen Bruderschaft geschickt.

[ 19 ] Wir haben hier in Goethes Gedicht ein Wundervolles ausgedrückt, indem uns ein Mensch entgegentritt, der in den einfachsten Worten — wie aus Kindermund, nicht in ausgesprochenen Verstandes- und Ideenformen — die höchste Weisheit kundtut als Frucht früherer Erkenntnisse. Er hat diese Erkenntnisse umgewandelt in Gefühl und Empfindung und ist dadurch berufen, andere zu leiten, die vielleicht mehr an Vorstellungen gelernt haben. Einen solchen Pilger mit reifer Seele, die viel umgewandelt hat in unmittelbares Gefühl und Empfindung, was sie in früheren Inkarnationen an Erkenntnissen gesammelt hat, einen solchen Pilger haben wir in dem Bruder Markus vor uns. Er wird als Angehöriger einer geheimen Bruderschaft mit einer wichtigen Mission zu einer anderen geheimen Bruderschaft geschickt.

[ 20 ] Er wandert durch mancherlei Gegenden, und da er müde ist, kommt er an einen Berg. Er wandert zuletzt den Pfad hinauf zum Gipfel. Ein jeder Zug in diesem Gedicht ist von tiefer Bedeutung. Als er den Berg erstiegen hat, sieht er in einem nahen Tale ein Kloster. Dieses Kloster ist die Wohnstätte einer anderen Bruderschaft, zu der er hingeschickt ist. Über dem Tor des Klosters sieht er etwas Besonderes. Er sieht da das Kreuz, aber in besonderer Art: das Kreuz von Rosen umwunden! Und er spricht da ein bedeutungsvolles Wort, das nur derjenige verstehen kann, der da weiß, wie oft und oft jenes Kennwort in den geheimen Bruderschaften gesprochen worden ist: «Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?» Und aus der Mitte des Kreuzes sieht er drei Strahlen wie von der Sonne ausgehen. Er braucht sich nicht in Begriffen die Bedeutung dieses tiefen Symbolums vor die Seele zu rufen. Es lebt in seiner Seele, seiner reifen Seele, Empfindung und Gefühl dafür. Seine reife Seele kennt alles, was darin liegt.

[ 20 ] Er wandert durch mancherlei Gegenden, und da er müde ist, kommt er an einen Berg. Er wandert zuletzt den Pfad hinauf zum Gipfel. Ein jeder Zug in diesem Gedicht ist von tiefer Bedeutung. Als er den Berg erstiegen hat, sieht er in einem nahen Tale ein Kloster. Dieses Kloster ist die Wohnstätte einer anderen Bruderschaft, zu der er hingeschickt ist. Über dem Tor des Klosters sieht er etwas Besonderes. Er sieht da das Kreuz, aber in besonderer Art: das Kreuz von Rosen umwunden! Und er spricht da ein bedeutungsvolles Wort, das nur derjenige verstehen kann, der da weiß, wie oft und oft jenes Kennwort in den geheimen Bruderschaften gesprochen worden ist: «Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?» Und aus der Mitte des Kreuzes sieht er drei Strahlen wie von der Sonne ausgehen. Er braucht sich nicht in Begriffen die Bedeutung dieses tiefen Symbolums vor die Seele zu rufen. Es lebt in seiner Seele, seiner reifen Seele, Empfindung und Gefühl dafür. Seine reife Seele kennt alles, was darin liegt.

[ 21 ] Was bedeutet das Kreuz? Er weiß, daß das Kreuz mancherlei ausdrückt; unter vielem anderem auch die dreifache niedere Natur des Menschen: den physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib. In ihm wird das Ich geboren. In dem Rosenkreuz haben wir den vierfachen Menschen: im Kreuz den physischen Menschen, den Äthermenschen und den astralischen Menschen, und in den Rosen das Ich. Warum Rosen für das Ich? Das esoterische Christentum fügte die Rosen dem Kreuze zu, weil es in dem Christus-Prinzip die Aufforderung erblickte, das Ich, soweit es geboren wird in den drei Leibern, zu erhöhen zu einem immer höheren und höheren Ich. In dem Christus-Prinzip sah es die Kraft, dieses Ich immer mehr und mehr hinaufzutragen.

[ 21 ] Was bedeutet das Kreuz? Er weiß, daß das Kreuz mancherlei ausdrückt; unter vielem anderem auch die dreifache niedere Natur des Menschen: den physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib. In ihm wird das Ich geboren. In dem Rosenkreuz haben wir den vierfachen Menschen: im Kreuz den physischen Menschen, den Äthermenschen und den astralischen Menschen, und in den Rosen das Ich. Warum Rosen für das Ich? Das esoterische Christentum fügte die Rosen dem Kreuze zu, weil es in dem Christus-Prinzip die Aufforderung erblickte, das Ich, soweit es geboren wird in den drei Leibern, zu erhöhen zu einem immer höheren und höheren Ich. In dem Christus-Prinzip sah es die Kraft, dieses Ich immer mehr und mehr hinaufzutragen.

[ 22 ] Das Kreuz ist das Zeichen des Todes in einem ganz besonderen Sinne. Auch das drückt Goethe an einer anderen Stelle schön aus, wenn er sagt:

[ 22 ] Das Kreuz ist das Zeichen des Todes in einem ganz besonderen Sinne. Auch das drückt Goethe an einer anderen Stelle schön aus, wenn er sagt:

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

[ 23 ] Stirb und werde, überwinde dasjenige, was dir zunächst gegeben ist in den niederen drei Leibern. Töte es ab, aber töte es nicht ab, um den Tod zu begehren, sondern läutere das, was in diesen drei Leibern ist, damit du in dem Ich erringst die Kraft, immer mehr Vervollkommnung aufzunehmen. Dadurch, daß du abtötest, was dir in den drei niederen Leibern gegeben ist, zieht ein in das Ich die Kraft der Vervollkommnung. In dem Ich soll der Christ in dem Christus-Prinzip die Kraft der Vervollkommnung bis zum Blut in sich aufnehmen. Bis in das Blut soll wirken diese Kraft.

[ 23 ] Stirb und werde, überwinde dasjenige, was dir zunächst gegeben ist in den niederen drei Leibern. Töte es ab, aber töte es nicht ab, um den Tod zu begehren, sondern läutere das, was in diesen drei Leibern ist, damit du in dem Ich erringst die Kraft, immer mehr Vervollkommnung aufzunehmen. Dadurch, daß du abtötest, was dir in den drei niederen Leibern gegeben ist, zieht ein in das Ich die Kraft der Vervollkommnung. In dem Ich soll der Christ in dem Christus-Prinzip die Kraft der Vervollkommnung bis zum Blut in sich aufnehmen. Bis in das Blut soll wirken diese Kraft.

[ 24 ] Das Blut ist der Ausdruck für das Ich. In den roten Rosen sah der esoterische Christ dasjenige, was in dem vom Christus-Prinzip gereinigten und geläuterten Blut und damit geläuterten Ich, den Menschen hinaufleitet zu seiner höheren Wesenheit, dasjenige, was den Astralleib umwandelt in das Geistselbst, den Ätherleib in Lebensgeist, den physischen Leib in den Geistesmenschen. So tritt uns in dem mit dem dreifachen Strahl verbundenen Rosenkreuz das Christus-Prinzip in tiefer Symbolik entgegen. Der Pilger, Bruder Markus, der hier ankommt, weiß: Er ist an einem Orte, wo man den tiefsten Sinn des Christentums versteht.

[ 24 ] Das Blut ist der Ausdruck für das Ich. In den roten Rosen sah der esoterische Christ dasjenige, was in dem vom Christus-Prinzip gereinigten und geläuterten Blut und damit geläuterten Ich, den Menschen hinaufleitet zu seiner höheren Wesenheit, dasjenige, was den Astralleib umwandelt in das Geistselbst, den Ätherleib in Lebensgeist, den physischen Leib in den Geistesmenschen. So tritt uns in dem mit dem dreifachen Strahl verbundenen Rosenkreuz das Christus-Prinzip in tiefer Symbolik entgegen. Der Pilger, Bruder Markus, der hier ankommt, weiß: Er ist an einem Orte, wo man den tiefsten Sinn des Christentums versteht.

Ermüdet von des Tages langer Reise,
Die auf erhabnen Antrieb er getan,
An einem Stab nach frommer Wandrer Weise
Kam Bruder Markus, außer Steg und Bahn,
Verlangend nach geringem Trank und Speise,
In einem Tal am schönen Abend an,
Voll Hoffnung in den waldbewachsnen Gründen
Ein gastfrei Dach für diese Nacht zu finden.

Am steilen Berge, der nun vor ihm stehet,
Glaubt er die Spuren eines Wegs zu sehn,
Er folgt dem Pfade, der in Krümmen gehet,
Und muß sich steigend um die Felsen drehn;
Bald sieht er sich hoch über’s Tal erhöhet,
Die Sonne scheint ihm wieder freundlich schön,
Und bald sieht er mit innigem Vergnügen
Den Gipfel nah vor seinen Augen liegen.

Und nebenhin die Sonne, die im Neigen
Noch prachtvoll zwischen dunkeln Wolken thront;
Er sammelt Kraft, die Höhe zu ersteigen,
Dort hofft er seine Mühe bald belohnt.
Nun, spricht er zu sich selbst, nun muß sich zeigen,
Ob etwas Menschlichs in der Nähe wohnt!
Er steigt und horcht und ist wie neu geboren:
Ein Glockenklang erschallt in seinen Ohren.

Und wie er nun den Gipfel ganz erstiegen,
Sieht er ein nahes, sanft geschwungnes Tal.
Sein stilles Auge leuchtet von Vergnügen;
Denn vor dem Walde sieht er auf einmal
In grüner Au ein schön Gebäude liegen.
So eben trifft’s der letzte Sonnenstrahl:
Er eilt durch Wiesen, die der Tau befeuchtet,
Dem Kloster zu, das ihm entgegen leuchtet.

Schon sieht er dicht sich vor dem stillen Orte,
Der seinen Geist mit Ruh und Hoffnung füllt,
Und auf dem Bogen der geschlossnen Pforte
Erblickt er ein geheimnisvolles Bild.
Er steht und sinnt und lispelt leise Worte
Der Andacht, die in seinem Herzen quillt,
Er steht und sinnt: Was hat das zu bedeuten?
Die Sonne sinkt und es verklingt das Läuten.

Das Zeichen sieht er prächtig aufgerichtet,
Das aller Welt zu Trost und Hoffnung steht,
Zu dem viel tausend Geister sich verpflichtet,
Zu dem viel tausend Herzen warm gefleht,
Das die Gewalt des bittern Tods vernichtet,
Das in so mancher Siegesfahne weht:
Ein Labequell durchdringt die matten Glieder,
Er sieht das Kreuz, und schlägt die Augen nieder.

Er fühlet neu, was dort für Heil entsprungen,
Den Glauben fühlt er einer halben Welt;
Doch von ganz neuem Sinn wird er durchdrungen,
Wie sich das Bild ihm hier vor Augen stellt:
Es steht das Kreuz mit Rosen dicht umschlungen.
Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?
Es schwillt der Kranz, um recht von allen Seiten
Das schroffe Holz mit Weichheit zu begleiten.

Und leichte Silber-Himmelswolken schweben,
Mit Kreuz und Rosen sich empor zu schwingen.
Und aus der Mitte quillt ein heilig Leben
Dreifacher Strahlen, die aus einem Punkte dringen;
Von keinen Worten ist das Bild umgeben,
Die dem Geheimnis Sinn und Klarheit bringen.
Im Dämmerschein, der immer tiefer grauet,
Steht er und sinnt und fühlet sich erbauet.

Ermüdet von des Tages langer Reise,
Die auf erhabnen Antrieb er getan,
An einem Stab nach frommer Wandrer Weise
Kam Bruder Markus, außer Steg und Bahn,
Verlangend nach geringem Trank und Speise,
In einem Tal am schönen Abend an,
Voll Hoffnung in den waldbewachsnen Gründen
Ein gastfrei Dach für diese Nacht zu finden.

Am steilen Berge, der nun vor ihm stehet,
Glaubt er die Spuren eines Wegs zu sehn,
Er folgt dem Pfade, der in Krümmen gehet,
Und muß sich steigend um die Felsen drehn;
Bald sieht er sich hoch über’s Tal erhöhet,
Die Sonne scheint ihm wieder freundlich schön,
Und bald sieht er mit innigem Vergnügen
Den Gipfel nah vor seinen Augen liegen.

Und nebenhin die Sonne, die im Neigen
Noch prachtvoll zwischen dunkeln Wolken thront;
Er sammelt Kraft, die Höhe zu ersteigen,
Dort hofft er seine Mühe bald belohnt.
Nun, spricht er zu sich selbst, nun muß sich zeigen,
Ob etwas Menschlichs in der Nähe wohnt!
Er steigt und horcht und ist wie neu geboren:
Ein Glockenklang erschallt in seinen Ohren.

Und wie er nun den Gipfel ganz erstiegen,
Sieht er ein nahes, sanft geschwungnes Tal.
Sein stilles Auge leuchtet von Vergnügen;
Denn vor dem Walde sieht er auf einmal
In grüner Au ein schön Gebäude liegen.
So eben trifft’s der letzte Sonnenstrahl:
Er eilt durch Wiesen, die der Tau befeuchtet,
Dem Kloster zu, das ihm entgegen leuchtet.

Schon sieht er dicht sich vor dem stillen Orte,
Der seinen Geist mit Ruh und Hoffnung füllt,
Und auf dem Bogen der geschlossnen Pforte
Erblickt er ein geheimnisvolles Bild.
Er steht und sinnt und lispelt leise Worte
Der Andacht, die in seinem Herzen quillt,
Er steht und sinnt: Was hat das zu bedeuten?
Die Sonne sinkt und es verklingt das Läuten.

Das Zeichen sieht er prächtig aufgerichtet,
Das aller Welt zu Trost und Hoffnung steht,
Zu dem viel tausend Geister sich verpflichtet,
Zu dem viel tausend Herzen warm gefleht,
Das die Gewalt des bittern Tods vernichtet,
Das in so mancher Siegesfahne weht:
Ein Labequell durchdringt die matten Glieder,
Er sieht das Kreuz, und schlägt die Augen nieder.

Er fühlet neu, was dort für Heil entsprungen,
Den Glauben fühlt er einer halben Welt;
Doch von ganz neuem Sinn wird er durchdrungen,
Wie sich das Bild ihm hier vor Augen stellt:
Es steht das Kreuz mit Rosen dicht umschlungen.
Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?
Es schwillt der Kranz, um recht von allen Seiten
Das schroffe Holz mit Weichheit zu begleiten.

Und leichte Silber-Himmelswolken schweben,
Mit Kreuz und Rosen sich empor zu schwingen.
Und aus der Mitte quillt ein heilig Leben
Dreifacher Strahlen, die aus einem Punkte dringen;
Von keinen Worten ist das Bild umgeben,
Die dem Geheimnis Sinn und Klarheit bringen.
Im Dämmerschein, der immer tiefer grauet,
Steht er und sinnt und fühlet sich erbauet.

[ 25 ] Dasjenige, was als der Geist des tiefsten Christentums zu finden ist innerhalb dieses Gebäudes, drückt sich aus durch dieses von Rosen umwundene Kreuz, und da nun der Pilger eintritt, wird er wirklich empfangen von diesem Geist. Da er eintritt, wird er gewahr, daß in diesem Hause waltet nicht diese, nicht jene Religion der Welt, sondern daß in diesem Hause waltet die höhere Einheit der Religionen der Welt. Innerhalb dieses Hauses bekundet er einem alten Mitglied jener Bruderschaft, die hier ist, in wessen Auftrag und warum er da sei. Er wird empfangen, und er hört, daß in diesem Hause ganz zurückgezogen lebt eine Bruderschaft von zwölf Brüdern. Diese zwölf Brüder sind die Repräsentanten verschiedener Menschengruppen auf der Erde; jeder einzelne der Brüder ist der Repräsentant eines Religionsbekenntnisses. Nicht wird man finden, daß hier einer aufgenommen wird, wenn er noch jung an Jahren ist, wenn er noch unreif ist, sondern man wird aufgenommen, wenn man sich umgesehen hat in der Welt, wenn man sich durchgerungen hat durch der Welten Lust und der Welten Leid, wenn man gearbeitet und gewirkt hat in der Welt und sich emporgerungen hat zu einem freien Ausblick über sein eng begrenztes Gebiet. Dann erst wird man eingereiht und aufgenommen in den Kreis der Zwölf. Und diese Zwölf, von denen ein jeder darstellt, repräsentiert ein Religionsbekenntnis der Welt, sie leben hier in Frieden und Harmonie miteinander; denn sie werden geführt von einem Dreizehnten, der sie alle überragt in der Vollkommenheit des menschlichen Selbstes, der sie alle überragt an weitem Umblick über menschliche Verhältnisse.

[ 25 ] Dasjenige, was als der Geist des tiefsten Christentums zu finden ist innerhalb dieses Gebäudes, drückt sich aus durch dieses von Rosen umwundene Kreuz, und da nun der Pilger eintritt, wird er wirklich empfangen von diesem Geist. Da er eintritt, wird er gewahr, daß in diesem Hause waltet nicht diese, nicht jene Religion der Welt, sondern daß in diesem Hause waltet die höhere Einheit der Religionen der Welt. Innerhalb dieses Hauses bekundet er einem alten Mitglied jener Bruderschaft, die hier ist, in wessen Auftrag und warum er da sei. Er wird empfangen, und er hört, daß in diesem Hause ganz zurückgezogen lebt eine Bruderschaft von zwölf Brüdern. Diese zwölf Brüder sind die Repräsentanten verschiedener Menschengruppen auf der Erde; jeder einzelne der Brüder ist der Repräsentant eines Religionsbekenntnisses. Nicht wird man finden, daß hier einer aufgenommen wird, wenn er noch jung an Jahren ist, wenn er noch unreif ist, sondern man wird aufgenommen, wenn man sich umgesehen hat in der Welt, wenn man sich durchgerungen hat durch der Welten Lust und der Welten Leid, wenn man gearbeitet und gewirkt hat in der Welt und sich emporgerungen hat zu einem freien Ausblick über sein eng begrenztes Gebiet. Dann erst wird man eingereiht und aufgenommen in den Kreis der Zwölf. Und diese Zwölf, von denen ein jeder darstellt, repräsentiert ein Religionsbekenntnis der Welt, sie leben hier in Frieden und Harmonie miteinander; denn sie werden geführt von einem Dreizehnten, der sie alle überragt in der Vollkommenheit des menschlichen Selbstes, der sie alle überragt an weitem Umblick über menschliche Verhältnisse.

[ 26 ] Und wie wird von Goethe angedeutet, daß dieser Dreizehnte der Repräsentant wahrer Esoterik, der Träger des Bekenntnisses vom rosigen Kreuze ist? Es wird uns angedeutet von Goethe dadurch, daß gesagt wird: Er war unter uns. Jetzt sind wir in die größte Trauer versetzt, weil er uns verlassen will; er will scheiden von uns. Aber er findet es recht, jetzt von uns zu scheiden. Er will aufsteigen in höhere Regionen, wo er nicht mehr braucht in einem irdischen Leib sich zu offenbaren.

[ 26 ] Und wie wird von Goethe angedeutet, daß dieser Dreizehnte der Repräsentant wahrer Esoterik, der Träger des Bekenntnisses vom rosigen Kreuze ist? Es wird uns angedeutet von Goethe dadurch, daß gesagt wird: Er war unter uns. Jetzt sind wir in die größte Trauer versetzt, weil er uns verlassen will; er will scheiden von uns. Aber er findet es recht, jetzt von uns zu scheiden. Er will aufsteigen in höhere Regionen, wo er nicht mehr braucht in einem irdischen Leib sich zu offenbaren.

[ 27 ] Er darf hinaufsteigen. Denn er ist aufgestiegen zu einem Punkt, den Goethe so darlegt, daß er sagt: Es gibt für jedes Bekenntnis die Möglichkeit, sich der höchsten Einheit anzunähern. — Wenn jede der zwölf Religionen reif ist, die Harmonie zu begründen, dann kann der Dreizehnte, der vorher die Harmonie äußerlich hergestellt hat, entschweben. Und schön wird uns gesagt, wodurch man diese Vervollkommnung des Selbstes erringt. Es wird uns erst die Lebensgeschichte des Dreizehnten erzählt; aber der Bruder, der den Pilger Markus aufgenommen hat, weiß noch manches andere, was der große Führer der Zwölf nicht sagen konnte. Einige Züge von tief esoterischer Bedeutung werden nun von diesem Bruder dem Pilger Markus erzählt. Da wird erzählt: als der Dreizehnte geboren wurde, habe ein Stern sein Erdendasein verkündet. Eine unmittelbare Anknüpfung ist das an den Stern, der die Heiligen Drei Könige geführt hat und an dessen Bedeutung. Dieser Stern hat eine bleibende Bedeutung; er gibt den Weg an zur Selbsterkenntnis, Selbsthingabe und Selbstvervollkommnung. Es ist der Stern, der das Verständnis eröffnet für die Gaben, die der dänische König durch die im Traum ihm gewordene Erscheinung empfing, der Stern, der da erscheint bei der Geburt eines jeden, der reif ist, das Christus-Prinzip in sich aufzunehmen.

[ 27 ] Er darf hinaufsteigen. Denn er ist aufgestiegen zu einem Punkt, den Goethe so darlegt, daß er sagt: Es gibt für jedes Bekenntnis die Möglichkeit, sich der höchsten Einheit anzunähern. — Wenn jede der zwölf Religionen reif ist, die Harmonie zu begründen, dann kann der Dreizehnte, der vorher die Harmonie äußerlich hergestellt hat, entschweben. Und schön wird uns gesagt, wodurch man diese Vervollkommnung des Selbstes erringt. Es wird uns erst die Lebensgeschichte des Dreizehnten erzählt; aber der Bruder, der den Pilger Markus aufgenommen hat, weiß noch manches andere, was der große Führer der Zwölf nicht sagen konnte. Einige Züge von tief esoterischer Bedeutung werden nun von diesem Bruder dem Pilger Markus erzählt. Da wird erzählt: als der Dreizehnte geboren wurde, habe ein Stern sein Erdendasein verkündet. Eine unmittelbare Anknüpfung ist das an den Stern, der die Heiligen Drei Könige geführt hat und an dessen Bedeutung. Dieser Stern hat eine bleibende Bedeutung; er gibt den Weg an zur Selbsterkenntnis, Selbsthingabe und Selbstvervollkommnung. Es ist der Stern, der das Verständnis eröffnet für die Gaben, die der dänische König durch die im Traum ihm gewordene Erscheinung empfing, der Stern, der da erscheint bei der Geburt eines jeden, der reif ist, das Christus-Prinzip in sich aufzunehmen.

[ 28 ] Und anderes zeigte sich noch. Es zeigte sich, daß er sich bis zu jener Höhe der religiösen Harmonie entwickelt hatte, die den Frieden und die Harmonie der Seele bringt. Tief bedeutsam symbolisiert ist das darin, daß, als der Dreizehnte erscheint in der Welt, ein Geier herabstürzt; aber anstatt verheerend zu wirken, verbreitet er Frieden um sich unter den Tauben. Noch anderes wird uns gesagt. Als die kleine Schwester in der Wiege liegt, windet sich eine Otter um sie. Der Dreizehnte, noch ein Kind, tötet die Otter. Wunderbar angedeutet ist darin, wie eine reife Seele - denn nur eine reife Seele kann nach vielen Inkarnationen so etwas erreichen — schon in früher Jugend die Otter tötet, das heißt, die niedere astralische Wesenheit überwindet. Die Otter ist das Symbol für die niedere astrale Wesenheit. Die Schwester ist der eigene Ätherleib, um den sich der Astralleib windet. Der Schwester tötet er die Otter.

[ 28 ] Und anderes zeigte sich noch. Es zeigte sich, daß er sich bis zu jener Höhe der religiösen Harmonie entwickelt hatte, die den Frieden und die Harmonie der Seele bringt. Tief bedeutsam symbolisiert ist das darin, daß, als der Dreizehnte erscheint in der Welt, ein Geier herabstürzt; aber anstatt verheerend zu wirken, verbreitet er Frieden um sich unter den Tauben. Noch anderes wird uns gesagt. Als die kleine Schwester in der Wiege liegt, windet sich eine Otter um sie. Der Dreizehnte, noch ein Kind, tötet die Otter. Wunderbar angedeutet ist darin, wie eine reife Seele - denn nur eine reife Seele kann nach vielen Inkarnationen so etwas erreichen — schon in früher Jugend die Otter tötet, das heißt, die niedere astralische Wesenheit überwindet. Die Otter ist das Symbol für die niedere astrale Wesenheit. Die Schwester ist der eigene Ätherleib, um den sich der Astralleib windet. Der Schwester tötet er die Otter.

[ 29 ] Dann wird uns erzählt, wie er sich gehorsam in das fügte, was zunächst das Elternhaus von ihm verlangt. Dem rauhen Vater gehorchte er. Die Seele wandelt um ihre Erkenntnisse, Ideen und Gedanken. Dann entwickeln sich in der Seele Heilkräfte, wodurch heilend in der Welt gewirkt werden kann. Wunderkräfte entwikkeln sich; sie finden ihren Ausdruck darin, daß er mit seinem Schwert einen Quell aus dem Felsen hervorlockt. Absichtlich findet man hier gezeigt, wie seine Seele den Spuren der Schrift folgt.

[ 29 ] Dann wird uns erzählt, wie er sich gehorsam in das fügte, was zunächst das Elternhaus von ihm verlangt. Dem rauhen Vater gehorchte er. Die Seele wandelt um ihre Erkenntnisse, Ideen und Gedanken. Dann entwickeln sich in der Seele Heilkräfte, wodurch heilend in der Welt gewirkt werden kann. Wunderkräfte entwikkeln sich; sie finden ihren Ausdruck darin, daß er mit seinem Schwert einen Quell aus dem Felsen hervorlockt. Absichtlich findet man hier gezeigt, wie seine Seele den Spuren der Schrift folgt.

[ 30 ] So reift allmählich heran der Obere, der Repräsentant der Menschheit, der Auserlesene, welcher hier in der Gemeinschaft der Zwölf - des großen geheimen Ordens, der unter dem Rosenkreuzer-Symbol für die Menschheit die Mission übernommen hat, die in der Welt ausgebreiteten Bekenntnisse zu harmonisieren — als der Dreizehnte wirkt. So werden wir zuerst in tiefsinniger Weise bekannt gemacht mit der Seelenverfassung dessen, der bisher geleitet hat die Bruderschaft unserer Zwölf.

[ 30 ] So reift allmählich heran der Obere, der Repräsentant der Menschheit, der Auserlesene, welcher hier in der Gemeinschaft der Zwölf - des großen geheimen Ordens, der unter dem Rosenkreuzer-Symbol für die Menschheit die Mission übernommen hat, die in der Welt ausgebreiteten Bekenntnisse zu harmonisieren — als der Dreizehnte wirkt. So werden wir zuerst in tiefsinniger Weise bekannt gemacht mit der Seelenverfassung dessen, der bisher geleitet hat die Bruderschaft unserer Zwölf.

Er klopft zuletzt, als schon die hohen Sterne
Ihr helles Auge zu ihm nieder wenden.
Das Tor geht auf und man empfängt ihn gerne
Mit offnen Armen, mit bereiten Händen.
Er sagt, woher er sei, von welcher Ferne
Ihn die Befehle höh’rer Wesen senden.
Man horcht und staunt. Wie man den Unbekannten
Als Gast geehrt, ehrt man nun den Gesandten.

Ein jeder drängt sich zu, um auch zu hören.
Und ist bewegt von heimlicher Gewalt,
Kein Odem wagt den seltnen Gast zu stören,
Da jedes Wort im Herzen widerhallt.
Was er erzählet, wirkt wie tiefe Lehren
Der Weisheit, die von Kinderlippen schallt:
An Offenheit, an Unschuld der Gebärde
Scheint er ein Mensch von einer andern Erde.

Willkommen, ruft zuletzt ein Greis, willkommen,
Wenn deine Sendung Trost und Hoffnung trägt!
Du siehst uns an; wir alle stehn beklommen,
Obgleich dein Anblick unsre Seele regt:
Das schönste Glück, ach! wird uns weggenommen,
Von Sorgen sind wir und von Furcht bewegt.
Zur wicht’gen Stunde nehmen unsere Mauern
Dich Fremden auf, um auch mit uns zu trauern:

Denn, ach, der Mann, der alle hier verbündert,
Den wir als Vater, Freund und Führer kennen,
Der Licht und Mut dem Leben angezündet,
In wenig Zeit wird er sich von uns trennen,
Er hat es erst vor kurzem selbst verkündet;
Doch will er weder Art noch Stunde nennen:
Und so ist uns sein ganz gewisses Scheiden
Geheimnisvoll und voller bittren Leiden.

Du sichest alle hier mit grauen Haaren,
Wie die Natur uns selbst zur Ruhe wies:
Wir nahmen keinen auf, den, jung an Jahren,
Sein Herz zu früh der Welt entsagen hieß.
Nachdem wir Lebens Lust und Last erfahren,
Der Wind nicht mehr in unsre Segel blies,
War uns erlaubt, mit Ehren hier zu landen,
Getrost, daß wir den sichern Hafen fanden.

Dem edlen Manne, der uns hergeleitet,
Wohnt Friede Gottes in der Brust;
Ich hab’ ihn auf des Lebens Pfad begleitet,
Und bin mir alter Zeiten wohl bewußt;
Die Stunden, da er einsam sich bereitet,
Verkünden uns den nahenden Verlust.
Was ist der Mensch, warum kann er sein Leben
Umsonst, und nicht für einen Bessern geben?

Dies wäre nun mein einziges Verlangen:
Warum muß ich des Wunsches mich entschlagen?
Wie viele sind schon vor mir hingegangen!
Nur ihn muß ich am bittersten beklagen.
Wie hätt’ er sonst so freundlich dich empfangen!
Allein er hat das Haus uns übertragen;
Zwar keinen noch zum Folger sich ernennet,
Doch lebt er schon im Geist von uns getrennet.

Und kommt nur täglich eine kleine Stunde,
Erzählet, und ist mehr als sonst gerührt:
Wir hören dann aus seinem eigenen Munde,
Wie wunderbar die Vorsicht ihn geführt;
Wir merken auf, damit die sichre Kunde
Im kleinsten auch die Nachwelt nicht verliert;
Auch sorgen wir, daß einer fleißig schreibe,
Und sein Gedächtnis rein und wahrhaft bleibe.

Zwar vieles wollt’ ich lieber selbst erzählen,
Als ich jetzt nur zu hören stille bin:
Der kleinste Umstand sollte mir nicht fehlen,
Noch hab ich alles lebhaft in dem Sinn;
Ich höre zu und kann es kaum verhehlen,
Daß ich nicht stets damit zufrieden bin:
Sprech ich einmal von allen diesen Dingen,
Sie sollen prächtiger aus meinem Munde klingen.

Als dritter Mann erzählt’ ich mehr und freier,
Wie ihn ein Geist der Mutter früh verhieß,
Und wie ein Stern bei seiner Taufe Feier
Sich glänzender am Abendhimmel wies,
Und wie mit weiten Fittichen ein Geier
Im Hofe sich bei Tauben niederließ;
Nicht grimmigstoßend und wie sonst zu schaden,
Er schien sie sanft zur Einigkeit zu laden.

Dann hat er uns bescheidentlich verschwiegen,
Wie er als Kind die Otter überwand,
Die er um seiner Schwester Arm sich schmiegen,
m die Entschlafne fest gewunden fand.
Die Amme floh und ließ den Säugling liegen;
Er drosselte den Wurm mit sichrer Hand:
Die Mutter kam und sah mit Freudebeben
Des Sohnes Taten und der Tochter Leben.

Und so verschwieg er auch, daß eine Quelle
Vor seinem Schwert aus trocknem Felsen sprang,
Stark wie ein Bach, sich mit bewegter Welle
Den Berg hinab bis in die Tiefe schlang:
Noch quillt sie fort so rasch, so silberhelle,
Als sie zuerst sich ihm entgegen drang,
Und die Gefährten, die das Wunder schauten,
Den heißen Durst zu stillen kaum getrauten.

Wenn einen Menschen die Natur erhoben,
Ist es kein Wunder, wenn ihm viel gelingt;
Man muß in ihm die Macht des Schöpfers loben,
Der schwachen Ton zu solcher Ehre bringt:
Doch wenn ein Mann von allen Lebensproben
Die sauerste besteht, sich selbst bezwingt;
Dann kann man ihn mit Freuden andern zeigen
Und sagen: Das ist er, das ist sein eigen!

Denn alle Kraft dringt vorwärts in die Weite,
Zu leben und zu wirken hier und dort;
Dagegen engt und hemmt von jeder Seite
Der Strom der Welt und reißt uns mit sich fort:
In diesem innern Sturm und äußern Streite
Vernimmt der Geist ein schwer verstanden Wort:
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.

Er klopft zuletzt, als schon die hohen Sterne
Ihr helles Auge zu ihm nieder wenden.
Das Tor geht auf und man empfängt ihn gerne
Mit offnen Armen, mit bereiten Händen.
Er sagt, woher er sei, von welcher Ferne
Ihn die Befehle höh’rer Wesen senden.
Man horcht und staunt. Wie man den Unbekannten
Als Gast geehrt, ehrt man nun den Gesandten.

Ein jeder drängt sich zu, um auch zu hören.
Und ist bewegt von heimlicher Gewalt,
Kein Odem wagt den seltnen Gast zu stören,
Da jedes Wort im Herzen widerhallt.
Was er erzählet, wirkt wie tiefe Lehren
Der Weisheit, die von Kinderlippen schallt:
An Offenheit, an Unschuld der Gebärde
Scheint er ein Mensch von einer andern Erde.

Willkommen, ruft zuletzt ein Greis, willkommen,
Wenn deine Sendung Trost und Hoffnung trägt!
Du siehst uns an; wir alle stehn beklommen,
Obgleich dein Anblick unsre Seele regt:
Das schönste Glück, ach! wird uns weggenommen,
Von Sorgen sind wir und von Furcht bewegt.
Zur wicht’gen Stunde nehmen unsere Mauern
Dich Fremden auf, um auch mit uns zu trauern:

Denn, ach, der Mann, der alle hier verbündert,
Den wir als Vater, Freund und Führer kennen,
Der Licht und Mut dem Leben angezündet,
In wenig Zeit wird er sich von uns trennen,
Er hat es erst vor kurzem selbst verkündet;
Doch will er weder Art noch Stunde nennen:
Und so ist uns sein ganz gewisses Scheiden
Geheimnisvoll und voller bittren Leiden.

Du sichest alle hier mit grauen Haaren,
Wie die Natur uns selbst zur Ruhe wies:
Wir nahmen keinen auf, den, jung an Jahren,
Sein Herz zu früh der Welt entsagen hieß.
Nachdem wir Lebens Lust und Last erfahren,
Der Wind nicht mehr in unsre Segel blies,
War uns erlaubt, mit Ehren hier zu landen,
Getrost, daß wir den sichern Hafen fanden.

Dem edlen Manne, der uns hergeleitet,
Wohnt Friede Gottes in der Brust;
Ich hab’ ihn auf des Lebens Pfad begleitet,
Und bin mir alter Zeiten wohl bewußt;
Die Stunden, da er einsam sich bereitet,
Verkünden uns den nahenden Verlust.
Was ist der Mensch, warum kann er sein Leben
Umsonst, und nicht für einen Bessern geben?

Dies wäre nun mein einziges Verlangen:
Warum muß ich des Wunsches mich entschlagen?
Wie viele sind schon vor mir hingegangen!
Nur ihn muß ich am bittersten beklagen.
Wie hätt’ er sonst so freundlich dich empfangen!
Allein er hat das Haus uns übertragen;
Zwar keinen noch zum Folger sich ernennet,
Doch lebt er schon im Geist von uns getrennet.

Und kommt nur täglich eine kleine Stunde,
Erzählet, und ist mehr als sonst gerührt:
Wir hören dann aus seinem eigenen Munde,
Wie wunderbar die Vorsicht ihn geführt;
Wir merken auf, damit die sichre Kunde
Im kleinsten auch die Nachwelt nicht verliert;
Auch sorgen wir, daß einer fleißig schreibe,
Und sein Gedächtnis rein und wahrhaft bleibe.

Zwar vieles wollt’ ich lieber selbst erzählen,
Als ich jetzt nur zu hören stille bin:
Der kleinste Umstand sollte mir nicht fehlen,
Noch hab ich alles lebhaft in dem Sinn;
Ich höre zu und kann es kaum verhehlen,
Daß ich nicht stets damit zufrieden bin:
Sprech ich einmal von allen diesen Dingen,
Sie sollen prächtiger aus meinem Munde klingen.

Als dritter Mann erzählt’ ich mehr und freier,
Wie ihn ein Geist der Mutter früh verhieß,
Und wie ein Stern bei seiner Taufe Feier
Sich glänzender am Abendhimmel wies,
Und wie mit weiten Fittichen ein Geier
Im Hofe sich bei Tauben niederließ;
Nicht grimmigstoßend und wie sonst zu schaden,
Er schien sie sanft zur Einigkeit zu laden.

Dann hat er uns bescheidentlich verschwiegen,
Wie er als Kind die Otter überwand,
Die er um seiner Schwester Arm sich schmiegen,
m die Entschlafne fest gewunden fand.
Die Amme floh und ließ den Säugling liegen;
Er drosselte den Wurm mit sichrer Hand:
Die Mutter kam und sah mit Freudebeben
Des Sohnes Taten und der Tochter Leben.

Und so verschwieg er auch, daß eine Quelle
Vor seinem Schwert aus trocknem Felsen sprang,
Stark wie ein Bach, sich mit bewegter Welle
Den Berg hinab bis in die Tiefe schlang:
Noch quillt sie fort so rasch, so silberhelle,
Als sie zuerst sich ihm entgegen drang,
Und die Gefährten, die das Wunder schauten,
Den heißen Durst zu stillen kaum getrauten.

Wenn einen Menschen die Natur erhoben,
Ist es kein Wunder, wenn ihm viel gelingt;
Man muß in ihm die Macht des Schöpfers loben,
Der schwachen Ton zu solcher Ehre bringt:
Doch wenn ein Mann von allen Lebensproben
Die sauerste besteht, sich selbst bezwingt;
Dann kann man ihn mit Freuden andern zeigen
Und sagen: Das ist er, das ist sein eigen!

Denn alle Kraft dringt vorwärts in die Weite,
Zu leben und zu wirken hier und dort;
Dagegen engt und hemmt von jeder Seite
Der Strom der Welt und reißt uns mit sich fort:
In diesem innern Sturm und äußern Streite
Vernimmt der Geist ein schwer verstanden Wort:
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.

[ 31 ] So ist dieser Mensch, der sich, das heißt dasjenige Ich, das dem Menschen zunächst zugeteilt ist, überwunden hatte, zum Oberen geworden der eben charakterisierten auserlesenen Bruderschaft. Und so leitet er die Zwölf. Er hat sie geleitet bis zu dem Punkte, wo sie jetzt so reif sind, daß er sie verlassen darf.

[ 31 ] So ist dieser Mensch, der sich, das heißt dasjenige Ich, das dem Menschen zunächst zugeteilt ist, überwunden hatte, zum Oberen geworden der eben charakterisierten auserlesenen Bruderschaft. Und so leitet er die Zwölf. Er hat sie geleitet bis zu dem Punkte, wo sie jetzt so reif sind, daß er sie verlassen darf.

[ 32 ] Unser Bruder Markus wird dann weiter hineingeleitet in die Räume, wo die Zwölf wirken. Wie wirkten sie? Es ist dieses Wirken von einer besonderen Art, und wir werden aufmerksam gemacht, daß dieses Wirken ein Wirken in der geistigen Welt ist. Der Mensch, dessen Augen bloß nach dem physischen Plan hinschauen, dessen Sinne bloß das Physische sehen und dasjenige, was vom Menschen in der physischen Welt geschieht, kann sich nicht leicht denken, daß es noch eine andere Arbeit gibt, die unter Umständen viel wesentlicher und wichtiger ist als dasjenige, was äußerlich auf dem physischen Plan gearbeitet wird. Die Arbeit von den höheren Planen aus ist viel wichtiger für die Menschheit. Allerdings muß die Bedingung erfüllt werden, daß, wer auf den höheren Planen arbeiten will, zuerst absolviert haben muß die Arbeit auf dem physischen Plan. Diese Zwölf, sie hatten es. Deshalb bedeutet ihr Zusammenwirken etwas Hohes für den Menschheitsdienst.

[ 32 ] Unser Bruder Markus wird dann weiter hineingeleitet in die Räume, wo die Zwölf wirken. Wie wirkten sie? Es ist dieses Wirken von einer besonderen Art, und wir werden aufmerksam gemacht, daß dieses Wirken ein Wirken in der geistigen Welt ist. Der Mensch, dessen Augen bloß nach dem physischen Plan hinschauen, dessen Sinne bloß das Physische sehen und dasjenige, was vom Menschen in der physischen Welt geschieht, kann sich nicht leicht denken, daß es noch eine andere Arbeit gibt, die unter Umständen viel wesentlicher und wichtiger ist als dasjenige, was äußerlich auf dem physischen Plan gearbeitet wird. Die Arbeit von den höheren Planen aus ist viel wichtiger für die Menschheit. Allerdings muß die Bedingung erfüllt werden, daß, wer auf den höheren Planen arbeiten will, zuerst absolviert haben muß die Arbeit auf dem physischen Plan. Diese Zwölf, sie hatten es. Deshalb bedeutet ihr Zusammenwirken etwas Hohes für den Menschheitsdienst.

[ 33 ] Unser Bruder Markus wird hineingeführt in den Raum, wo die Zwölf zu ihren gemeinsamen Versammlungen zusammen waren, und da tritt ihm entgegen in einer tiefen Symbolik die Art ihres Zusammenwirkens. Was jeder der Brüder beizutragen hat aus seiner besonderen Eigenart heraus in diesem Zusammenwirken, das drückt sich aus in einem besonderen Symbolum über dem Sitze eines jeden der Zwölf. Da sieht man mancherlei Symbole, die in sinniger Art in der verschiedensten Weise ausdrücken, was ein jeder beizutragen hat zur gemeinsamen Arbeit, die in spirituellem Wirken besteht, so daß diese Ströme hier zusammenfließen zu einem Strom spirituellen Lebens, der die Welt durchflutet, und der durchkraftet die übrige Menschheit. Es gibt solche Brüderschaften, solche Zentren, von denen hinausgehen solche Ströme und hineinwirken in die übrige Menschheit.

[ 33 ] Unser Bruder Markus wird hineingeführt in den Raum, wo die Zwölf zu ihren gemeinsamen Versammlungen zusammen waren, und da tritt ihm entgegen in einer tiefen Symbolik die Art ihres Zusammenwirkens. Was jeder der Brüder beizutragen hat aus seiner besonderen Eigenart heraus in diesem Zusammenwirken, das drückt sich aus in einem besonderen Symbolum über dem Sitze eines jeden der Zwölf. Da sieht man mancherlei Symbole, die in sinniger Art in der verschiedensten Weise ausdrücken, was ein jeder beizutragen hat zur gemeinsamen Arbeit, die in spirituellem Wirken besteht, so daß diese Ströme hier zusammenfließen zu einem Strom spirituellen Lebens, der die Welt durchflutet, und der durchkraftet die übrige Menschheit. Es gibt solche Brüderschaften, solche Zentren, von denen hinausgehen solche Ströme und hineinwirken in die übrige Menschheit.

[ 34 ] Über dem Sitze des Dreizehnten sieht Bruder Markus von neuem das Zeichen: das Kreuz mit Rosen umwunden, dieses Zeichen, das zu gleicher Zeit ein Symbol ist für die viergliedrige Menschennatur und das in den roten Rosen das Symbolum ist für das geläuterte Bluts- oder Ich-Prinzip, das Prinzip für den höheren Menschen. Und dann sehen wir, wie dasjenige, was durch dieses Zeichen überwunden werden soll, als ein besonderes Symbol angebracht ist links und rechts vom Sitze dieses Dreizehnten. Rechts sieht er den feuerfarbenen Drachen: der stellt dar des Menschen astralische Wesenheit.

[ 34 ] Über dem Sitze des Dreizehnten sieht Bruder Markus von neuem das Zeichen: das Kreuz mit Rosen umwunden, dieses Zeichen, das zu gleicher Zeit ein Symbol ist für die viergliedrige Menschennatur und das in den roten Rosen das Symbolum ist für das geläuterte Bluts- oder Ich-Prinzip, das Prinzip für den höheren Menschen. Und dann sehen wir, wie dasjenige, was durch dieses Zeichen überwunden werden soll, als ein besonderes Symbol angebracht ist links und rechts vom Sitze dieses Dreizehnten. Rechts sieht er den feuerfarbenen Drachen: der stellt dar des Menschen astralische Wesenheit.

[ 35 ] Man wußte sehr wohl in der christlichen Esoterik, daß des Menschen Seele hingegeben sein kann an die drei niederen Leiber. Ist sie ihnen hingegeben, dann waltet in ihr das niedere Leben der dreifachen Leiblichkeit; das drückt sich aus in der astralischen Wahrnehmung durch den Drachen. Das ist kein bloßes Symbolum, sondern ein sehr reales Zeichen. Im Drachen drückt sich aus, was zunächst überwunden werden muß. In den Leidenschaften, in diesen Kräften des astralischen Feuers, die dem physischen Menschen angehören, in diesem Drachen sah jene christliche Esoterik, aus deren Geist heraus dieses Gedicht geschrieben worden ist und die innerhalb Europas sich ausgebreitet hat, dasjenige, was die Menschheit aus der heißen Zone empfangen hatte, aus dem Süden. Aus dem Süden stammt derjenige Teil des Menschen, den die Menschheit sich mitgebracht hat als die heiße Leidenschaft, die mehr nach der unteren Sinnlichkeit gerichtet ist. Als ersten Impuls, diese zu bekämpfen und zu überwinden, ahnte man das, was herabfloß in den Einflüssen des kühleren Nordens. Der Einfluß des kälteren Nordens, das Hinabsteigen des Ich in die dreifache Leiblichkeit, wird nach einem alten Symbolum, das aus dem Sternbild des Bären genommen ist, ausgedrückt durch das Hineinstrecken der Hand in eines Bären Rachen. Überwunden wird die niedere Menschennatur, dasjenige, was im feurigen Drachen sich ausdrückt. Und was sich so erhalten hat im höher gearteten Tierwesen, wurde dargestellt im Bären; und das Ich, das sich über die Drachennatur hinaus entwikkelt hat, wurde mit einer tiefen Bezüglichkeit durch das Hineinstrecken der Menschenhand in des Bären Rachen dargestellt. Zu beiden Seiten des Rosenkreuzes erscheint dasjenige, was vom Rosenkreuz überwunden werden muß, und das Rosenkreuz ist es, was den Menschen auffordert, sich höher und höher hinauf zu läutern.

[ 35 ] Man wußte sehr wohl in der christlichen Esoterik, daß des Menschen Seele hingegeben sein kann an die drei niederen Leiber. Ist sie ihnen hingegeben, dann waltet in ihr das niedere Leben der dreifachen Leiblichkeit; das drückt sich aus in der astralischen Wahrnehmung durch den Drachen. Das ist kein bloßes Symbolum, sondern ein sehr reales Zeichen. Im Drachen drückt sich aus, was zunächst überwunden werden muß. In den Leidenschaften, in diesen Kräften des astralischen Feuers, die dem physischen Menschen angehören, in diesem Drachen sah jene christliche Esoterik, aus deren Geist heraus dieses Gedicht geschrieben worden ist und die innerhalb Europas sich ausgebreitet hat, dasjenige, was die Menschheit aus der heißen Zone empfangen hatte, aus dem Süden. Aus dem Süden stammt derjenige Teil des Menschen, den die Menschheit sich mitgebracht hat als die heiße Leidenschaft, die mehr nach der unteren Sinnlichkeit gerichtet ist. Als ersten Impuls, diese zu bekämpfen und zu überwinden, ahnte man das, was herabfloß in den Einflüssen des kühleren Nordens. Der Einfluß des kälteren Nordens, das Hinabsteigen des Ich in die dreifache Leiblichkeit, wird nach einem alten Symbolum, das aus dem Sternbild des Bären genommen ist, ausgedrückt durch das Hineinstrecken der Hand in eines Bären Rachen. Überwunden wird die niedere Menschennatur, dasjenige, was im feurigen Drachen sich ausdrückt. Und was sich so erhalten hat im höher gearteten Tierwesen, wurde dargestellt im Bären; und das Ich, das sich über die Drachennatur hinaus entwikkelt hat, wurde mit einer tiefen Bezüglichkeit durch das Hineinstrecken der Menschenhand in des Bären Rachen dargestellt. Zu beiden Seiten des Rosenkreuzes erscheint dasjenige, was vom Rosenkreuz überwunden werden muß, und das Rosenkreuz ist es, was den Menschen auffordert, sich höher und höher hinauf zu läutern.

[ 36 ] So stellt tatsächlich das Gedicht das Prinzip des esoterischen Christentums uns in tiefster Weise dar und bringt uns vor allen Dingen das zur Anschauung, was uns bei einem solchen Fest wie dieses, das wir heute begehen, ganz besonders vor die Seele treten soll.

[ 36 ] So stellt tatsächlich das Gedicht das Prinzip des esoterischen Christentums uns in tiefster Weise dar und bringt uns vor allen Dingen das zur Anschauung, was uns bei einem solchen Fest wie dieses, das wir heute begehen, ganz besonders vor die Seele treten soll.

[ 37 ] Von dem ältesten der hier weilenden zur Bruderschaft gehörenden Brüder wird dem Pilger Markus ausdrücklich bedeutet, daß das, was sie hier zusammen tun, im Geiste geschieht, daß das spirituelles Leben ist. Diese Arbeit für die Menschheit auf dem spirituellen Plan bedeutet etwas Besonderes. Die Brüder haben erfahren des Lebens Lust und Leid. Sie haben Kämpfe draußen durchgemacht, sie haben Arbeit verrichtet draußen in der Welt. Nun sind sie hier, aber es wird auch hier fort und fort gearbeitet an der Fortentwickelung der Menschheit. Es wird dem Pilger Markus bedeutet: Du hast jetzt so viel gesehen, wie dem Schüler gezeigt werden kann, dem das erste Tor geöffnet wird. Man zeigte dir in bedeutsamen Symbolen, wie des Menschen Aufstieg sein soll. Aber das zweite Tor umschließt höhere Geheimnisse: wie an der Menschheit gearbeitet wird von höheren Welten aus. Und diese höheren Geheimnisse kannst du erst nach längerer Vorbereitung erfahren; erst dann kannst du durch das andere Tor eintreten.

[ 37 ] Von dem ältesten der hier weilenden zur Bruderschaft gehörenden Brüder wird dem Pilger Markus ausdrücklich bedeutet, daß das, was sie hier zusammen tun, im Geiste geschieht, daß das spirituelles Leben ist. Diese Arbeit für die Menschheit auf dem spirituellen Plan bedeutet etwas Besonderes. Die Brüder haben erfahren des Lebens Lust und Leid. Sie haben Kämpfe draußen durchgemacht, sie haben Arbeit verrichtet draußen in der Welt. Nun sind sie hier, aber es wird auch hier fort und fort gearbeitet an der Fortentwickelung der Menschheit. Es wird dem Pilger Markus bedeutet: Du hast jetzt so viel gesehen, wie dem Schüler gezeigt werden kann, dem das erste Tor geöffnet wird. Man zeigte dir in bedeutsamen Symbolen, wie des Menschen Aufstieg sein soll. Aber das zweite Tor umschließt höhere Geheimnisse: wie an der Menschheit gearbeitet wird von höheren Welten aus. Und diese höheren Geheimnisse kannst du erst nach längerer Vorbereitung erfahren; erst dann kannst du durch das andere Tor eintreten.

[ 38 ] Tiefe Geheimnisse kommen in diesem Gedichte zum Ausdruck.

[ 38 ] Tiefe Geheimnisse kommen in diesem Gedichte zum Ausdruck.

Wie frühe war es, daß sein Herz ihn lehrte,
Was ich bei ihm kaum Tugend nennen darf;
Daß er des Vaters strenges Wort verehrte,
Und willig war, wenn jener rauh und scharf
Der Jugend freie Zeit mit Dienst beschwerte,
Dem sich der Sohn mit Freuden unterwarf,
Wie, elternlos und irrend, wohl ein Knabe
Aus Not es tut um eine kleine Gabe.

Die Streiter mußt’ er in das Feld begleiten,
Zuerst zu Fuß bei Sturm und Sonnenschein,
Die Pferde warten, und den Tisch bereiten,
Und jedem alten Krieger dienstbar sein.
Gern und geschwind lief er zu allen Zeiten
Bei Tag und Nacht als Bote durch den Hain;
Und so gewohnt für andre nur zu leben,
Schien Mühe nur ihm Fröhlichkeit zu geben.

Wie er im Streit mit kühnem muntern Wesen
Die Pfeile las, die er am Boden fand,
Eilt’ er hernach die Kräuter selbst zu lesen,
Mit denen er Verwundete verband:
Was er berührte, mußte gleich genesen,
Es freute sich der Kranke seiner Hand:
Wer wollt’ ihn nicht mit Fröhlichkeit betrachten!
Und nur der Vater schien nicht sein zu achten.

Leicht, wie ein segelnd Schiff, das keine Schwere
Der Ladung fühlt und eilt von Port zu Port,
Trug er die Last der elterlichen Lehre;
Gehorsam war ihr erst- und letztes Wort;
Und wie den Knaben Lust, den Jüngling Ehre,
So zog ihn nur der fremde Wille fort.
Der Vater sann umsonst auf neue Proben,
Und wenn er fordern wollte, mußt’ er loben.

Zuletzt gab sich auch dieser überwunden,
Bekannte tätig seines Sohnes Wert;
Die Rauhigkeit des Alten war verschwunden,
Er schenkt’ auf einmal ihm ein köstlich Pferd;
Der Jüngling ward vom kleinen Dienst entbunden,
Er führte statt des kurzen Dolchs ein Schwert:
Und so trat er geprüft in einen Orden,
Zu dem er durch Geburt berechtigt worden.

So könnt’ ich dir noch tagelang berichten,
Was jeden Hörer in Erstaunen setzt;
Sein Leben wird den köstlichsten Geschichten
Gewiß dereinst von Enkeln gleichgesetzt;
Was dem Gemüt in Fabeln und Gedichten
Unglaublich scheint und es doch hoch ergötzt,
Vernimmt es hier und mag sich gern bequemen,
Zwiefach erfreut für wahr es anzunehmen.

Und fragst du mich, wie der Erwählte heiße,
Den sich das Aug’ der Vorsicht ausersah?
Den ich zwar oft, doch nie genugsam preise,
An dem so viel Unglaubliches geschah?
Humanus heißt der Heilige, der Weise,
Der beste Mann, den ich mit Augen sah:
Und sein Geschlecht, wie es die Fürsten nennen,
Sollst du zugleich mit seinen Ahnen kennen.

Der Alte sprach’s und hätte mehr gesprochen,
Denn er war ganz der Wunderdinge voll,
Und wir ergötzen uns noch manche Wochen
An allem, was er uns erzählen soll;
Doch eben ward sein Reden unterbrochen,
Als gegen seinen Gast das Herz am stärksten quoll.
Die andern Brüder gingen bald und kamen,
Bis sie das Wort ihm von dem Munde nahmen.

Und da nun Markus nach genoßnem Mahle
Dem Herrn und seinen Wirten sich geneigt,
Erbat er sich noch eine reine Schale
Voll Wasser, und auch die ward ihm gereicht.
Dann führten sie ihn zu dem großen Saale,
Worin sich ihm ein seltner Anblick zeigt.
Was er dort sah, soll nicht verborgen bleiben,
Ich will es euch gewissenhaft beschreiben.

Kein Schmuck war hier, die Augen zu verblenden,
Ein kühnes Kreuzgewölbe stieg empor,
Und dreizehn Stühle sah er an den Wänden
Umher geordnet, wie im frommen Chor,
Gar zierlich ausgeschnitzt von klugen Händen;
Es stand ein kleiner Pult an jedem vor.
Man fühlte hier der Andacht sich ergeben
Und Lebensruh und ein gesellig Leben.

Zu Häupten sah er dreizehn Schilde hangen,
Denn jedem Stuhl war eines zugezählt.
Sie schienen hier nicht ahnenstolz zu prangen,
Ein jedes schien bedeutend und gewählt,
Und Bruder Markus brannte vor Verlangen
Zu wissen, was so manches Bild verhehlt;
Im mittelsten erblickt er jenes Zeichen
Zum zweitenmal, ein Kreuz mit Rosenzweigen.

Die Seele kann sich hier gar vieles bilden,
Ein Gegenstand zieht von dem andern fort;
Und Helme hängen über manchen Schilden,
Auch Schwert und Lanze sieht man hier und dort,
Die Waffen, wie man sie von Schlachtgefilden
Auflesen kann, verzieren diesen Ort:
Hier Fahnen und Gewehre fremder Lande,
Und, seh’ ich recht, auch Ketten dort und Bande!

Ein jeder sinkt vor seinem Stuhle nieder,
Schlägt auf die Brust in still Gebet gekehrt;
Von ihren Lippen tönen kurze Lieder,
In denen sich andächt’ge Freude nährt;
Dann segnen sich die treu verbundnen Brüder
Zum kurzen Schlaf, den Phantasie nicht stört:
Nur Markus bleibt, indem die andern gehen,
Mit einigen im Saale schauend stehen.

So müd’ er ist, wünscht er noch fort zu wachen,
Denn kräftig reizt ihn manch und manches Bild:
Hier sieht er einen feuerfarbnen Drachen,
Der seinen Durst in wilden Flammen stillt;
Hier einen Arm in eines Bären Rachen,
Von dem das Blut in heißen Strömen quillt;
Die beiden Schilder hingen, gleicher Weite,
Beim Rosenkreuz zur recht’ und linken Seite.

Wohin er auch die Blicke kehrt und wendet,
Je mehr erstaunt er über Kunst und Pracht,
Mit Vorsatz scheint der Reichtum hier verschwendet,
Es scheint, als habe sich nur alles selbst gemacht.
Soll er sich wundern, daß das Werk vollendet?
Soll er sich wundern, daß es so erdacht?
Ihn dünkt, als fang er erst, mit himmlischem Entzücken,
Zu leben an in diesen Augenblicken.

Du kommst hierher auf wunderbaren Pfaden,
Spricht ihn der Alte wieder freundlich an;
Laß diese Bilder dich zu bleiben laden,
Bis du erfährst, was mancher Held getan;
Was hier verborgen, ist nicht zu erraten,
Man zeige denn es dir vertraulich an;
Du ahnest wohl, wie manches hier gelitten,
Gelebt, verloren ward, und was erstritten.

Doch glaube nicht, daß nur von alten Zeiten
Der Greis erzählt, hier geht noch manches vor;
Das, was du siehst, will mehr und mehr bedeuten;
Ein Teppich deckt es bald und bald ein Flor.
Beliebt es dir, so magst du dich bereiten:
Du kamst, o Freund, nur erst durch’s erste Tor;
Im Vorhof bist du freundlich aufgenommen,
Und scheinst mir wert ins Innerste zu kommen.

Wie frühe war es, daß sein Herz ihn lehrte,
Was ich bei ihm kaum Tugend nennen darf;
Daß er des Vaters strenges Wort verehrte,
Und willig war, wenn jener rauh und scharf
Der Jugend freie Zeit mit Dienst beschwerte,
Dem sich der Sohn mit Freuden unterwarf,
Wie, elternlos und irrend, wohl ein Knabe
Aus Not es tut um eine kleine Gabe.

Die Streiter mußt’ er in das Feld begleiten,
Zuerst zu Fuß bei Sturm und Sonnenschein,
Die Pferde warten, und den Tisch bereiten,
Und jedem alten Krieger dienstbar sein.
Gern und geschwind lief er zu allen Zeiten
Bei Tag und Nacht als Bote durch den Hain;
Und so gewohnt für andre nur zu leben,
Schien Mühe nur ihm Fröhlichkeit zu geben.

Wie er im Streit mit kühnem muntern Wesen
Die Pfeile las, die er am Boden fand,
Eilt’ er hernach die Kräuter selbst zu lesen,
Mit denen er Verwundete verband:
Was er berührte, mußte gleich genesen,
Es freute sich der Kranke seiner Hand:
Wer wollt’ ihn nicht mit Fröhlichkeit betrachten!
Und nur der Vater schien nicht sein zu achten.

Leicht, wie ein segelnd Schiff, das keine Schwere
Der Ladung fühlt und eilt von Port zu Port,
Trug er die Last der elterlichen Lehre;
Gehorsam war ihr erst- und letztes Wort;
Und wie den Knaben Lust, den Jüngling Ehre,
So zog ihn nur der fremde Wille fort.
Der Vater sann umsonst auf neue Proben,
Und wenn er fordern wollte, mußt’ er loben.

Zuletzt gab sich auch dieser überwunden,
Bekannte tätig seines Sohnes Wert;
Die Rauhigkeit des Alten war verschwunden,
Er schenkt’ auf einmal ihm ein köstlich Pferd;
Der Jüngling ward vom kleinen Dienst entbunden,
Er führte statt des kurzen Dolchs ein Schwert:
Und so trat er geprüft in einen Orden,
Zu dem er durch Geburt berechtigt worden.

So könnt’ ich dir noch tagelang berichten,
Was jeden Hörer in Erstaunen setzt;
Sein Leben wird den köstlichsten Geschichten
Gewiß dereinst von Enkeln gleichgesetzt;
Was dem Gemüt in Fabeln und Gedichten
Unglaublich scheint und es doch hoch ergötzt,
Vernimmt es hier und mag sich gern bequemen,
Zwiefach erfreut für wahr es anzunehmen.

Und fragst du mich, wie der Erwählte heiße,
Den sich das Aug’ der Vorsicht ausersah?
Den ich zwar oft, doch nie genugsam preise,
An dem so viel Unglaubliches geschah?
Humanus heißt der Heilige, der Weise,
Der beste Mann, den ich mit Augen sah:
Und sein Geschlecht, wie es die Fürsten nennen,
Sollst du zugleich mit seinen Ahnen kennen.

Der Alte sprach’s und hätte mehr gesprochen,
Denn er war ganz der Wunderdinge voll,
Und wir ergötzen uns noch manche Wochen
An allem, was er uns erzählen soll;
Doch eben ward sein Reden unterbrochen,
Als gegen seinen Gast das Herz am stärksten quoll.
Die andern Brüder gingen bald und kamen,
Bis sie das Wort ihm von dem Munde nahmen.

Und da nun Markus nach genoßnem Mahle
Dem Herrn und seinen Wirten sich geneigt,
Erbat er sich noch eine reine Schale
Voll Wasser, und auch die ward ihm gereicht.
Dann führten sie ihn zu dem großen Saale,
Worin sich ihm ein seltner Anblick zeigt.
Was er dort sah, soll nicht verborgen bleiben,
Ich will es euch gewissenhaft beschreiben.

Kein Schmuck war hier, die Augen zu verblenden,
Ein kühnes Kreuzgewölbe stieg empor,
Und dreizehn Stühle sah er an den Wänden
Umher geordnet, wie im frommen Chor,
Gar zierlich ausgeschnitzt von klugen Händen;
Es stand ein kleiner Pult an jedem vor.
Man fühlte hier der Andacht sich ergeben
Und Lebensruh und ein gesellig Leben.

Zu Häupten sah er dreizehn Schilde hangen,
Denn jedem Stuhl war eines zugezählt.
Sie schienen hier nicht ahnenstolz zu prangen,
Ein jedes schien bedeutend und gewählt,
Und Bruder Markus brannte vor Verlangen
Zu wissen, was so manches Bild verhehlt;
Im mittelsten erblickt er jenes Zeichen
Zum zweitenmal, ein Kreuz mit Rosenzweigen.

Die Seele kann sich hier gar vieles bilden,
Ein Gegenstand zieht von dem andern fort;
Und Helme hängen über manchen Schilden,
Auch Schwert und Lanze sieht man hier und dort,
Die Waffen, wie man sie von Schlachtgefilden
Auflesen kann, verzieren diesen Ort:
Hier Fahnen und Gewehre fremder Lande,
Und, seh’ ich recht, auch Ketten dort und Bande!

Ein jeder sinkt vor seinem Stuhle nieder,
Schlägt auf die Brust in still Gebet gekehrt;
Von ihren Lippen tönen kurze Lieder,
In denen sich andächt’ge Freude nährt;
Dann segnen sich die treu verbundnen Brüder
Zum kurzen Schlaf, den Phantasie nicht stört:
Nur Markus bleibt, indem die andern gehen,
Mit einigen im Saale schauend stehen.

So müd’ er ist, wünscht er noch fort zu wachen,
Denn kräftig reizt ihn manch und manches Bild:
Hier sieht er einen feuerfarbnen Drachen,
Der seinen Durst in wilden Flammen stillt;
Hier einen Arm in eines Bären Rachen,
Von dem das Blut in heißen Strömen quillt;
Die beiden Schilder hingen, gleicher Weite,
Beim Rosenkreuz zur recht’ und linken Seite.

Wohin er auch die Blicke kehrt und wendet,
Je mehr erstaunt er über Kunst und Pracht,
Mit Vorsatz scheint der Reichtum hier verschwendet,
Es scheint, als habe sich nur alles selbst gemacht.
Soll er sich wundern, daß das Werk vollendet?
Soll er sich wundern, daß es so erdacht?
Ihn dünkt, als fang er erst, mit himmlischem Entzücken,
Zu leben an in diesen Augenblicken.

Du kommst hierher auf wunderbaren Pfaden,
Spricht ihn der Alte wieder freundlich an;
Laß diese Bilder dich zu bleiben laden,
Bis du erfährst, was mancher Held getan;
Was hier verborgen, ist nicht zu erraten,
Man zeige denn es dir vertraulich an;
Du ahnest wohl, wie manches hier gelitten,
Gelebt, verloren ward, und was erstritten.

Doch glaube nicht, daß nur von alten Zeiten
Der Greis erzählt, hier geht noch manches vor;
Das, was du siehst, will mehr und mehr bedeuten;
Ein Teppich deckt es bald und bald ein Flor.
Beliebt es dir, so magst du dich bereiten:
Du kamst, o Freund, nur erst durch’s erste Tor;
Im Vorhof bist du freundlich aufgenommen,
Und scheinst mir wert ins Innerste zu kommen.

[ 39 ] Nach kurzer Ruhe lernt unser Bruder Markus zunächst wenigstens etwas ahnen von dem Innern. Er hat in bedeutsamen Symbolen den Aufstieg des menschlichen Selbst auf seine Seele wirken lassen, und als er nach kurzer Ruhe durch ein Zeichen geweckt wird, kommt er an ein Tor, das er aber verriegelt findet. Und er hört einen merkwürdigen Dreiklang: drei Schläge und wie durchflutet das Ganze von einem Flötenspiel. Er kann nicht hineinschauen, nicht sehen, was im Raume dort geschieht.

[ 39 ] Nach kurzer Ruhe lernt unser Bruder Markus zunächst wenigstens etwas ahnen von dem Innern. Er hat in bedeutsamen Symbolen den Aufstieg des menschlichen Selbst auf seine Seele wirken lassen, und als er nach kurzer Ruhe durch ein Zeichen geweckt wird, kommt er an ein Tor, das er aber verriegelt findet. Und er hört einen merkwürdigen Dreiklang: drei Schläge und wie durchflutet das Ganze von einem Flötenspiel. Er kann nicht hineinschauen, nicht sehen, was im Raume dort geschieht.

[ 40 ] Es braucht uns nichts mehr gesagt zu werden als diese paar Worte, um in tiefsinniger Art hinzudeuten auf das, was den Menschen erwartet, wenn er sich den geistigen Welten nähert, wenn er so weit geläutert und vervollkommnet ist durch die Arbeit an seinem Selbst, daß er hindurchgegangen ist durch die astralische Welt und sich dann den höheren Welten nähert - jenen Welten, in denen die geistigen Urbilder der Dinge hier auf Erden zu finden sind -, wenn er sich dem nähert, was im esoterischen Christentum die Himmelswelt genannt wird. Dann nähert er sich ihm zunächst durch eine Welt von flutenden Farben, und er tritt dann ein in eine Welt der Töne, in die Weltenharmonie, den Sphärenklang. Die geistige Welt ist eine Welt der Töne. Es muß sich einleben in diese geistige Welt derjenige, der sein höheres Ich hinaufentwickelt hat zu höheren Welten. Gerade Goethe ist es, der das höhere Erleben einer Welt geistigen Tönens deutlich zum Ausdruck gebracht hat in seinem «Faust», als er ihn zum Himmel entrückt sein läßt, und die Himmelswelt sich ihm durch Tönen offenbart.

[ 40 ] Es braucht uns nichts mehr gesagt zu werden als diese paar Worte, um in tiefsinniger Art hinzudeuten auf das, was den Menschen erwartet, wenn er sich den geistigen Welten nähert, wenn er so weit geläutert und vervollkommnet ist durch die Arbeit an seinem Selbst, daß er hindurchgegangen ist durch die astralische Welt und sich dann den höheren Welten nähert - jenen Welten, in denen die geistigen Urbilder der Dinge hier auf Erden zu finden sind -, wenn er sich dem nähert, was im esoterischen Christentum die Himmelswelt genannt wird. Dann nähert er sich ihm zunächst durch eine Welt von flutenden Farben, und er tritt dann ein in eine Welt der Töne, in die Weltenharmonie, den Sphärenklang. Die geistige Welt ist eine Welt der Töne. Es muß sich einleben in diese geistige Welt derjenige, der sein höheres Ich hinaufentwickelt hat zu höheren Welten. Gerade Goethe ist es, der das höhere Erleben einer Welt geistigen Tönens deutlich zum Ausdruck gebracht hat in seinem «Faust», als er ihn zum Himmel entrückt sein läßt, und die Himmelswelt sich ihm durch Tönen offenbart.

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang ...

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang ...

[ 41 ] Die physische Sonne tönt nicht, aber die geistige Sonne tönt. Goethe hält das Bild fest, als Faust nach langen Irrfahrten hinaufversetzt wird in die geistigen Welten:

[ 41 ] Die physische Sonne tönt nicht, aber die geistige Sonne tönt. Goethe hält das Bild fest, als Faust nach langen Irrfahrten hinaufversetzt wird in die geistigen Welten:

Tönend wird für Geistes-Ohren
Schon der neue Tag geboren ...
Es drommetet, es posaunet; ...
Unerhörtes hört sich nicht.

Tönend wird für Geistes-Ohren
Schon der neue Tag geboren ...
Es drommetet, es posaunet; ...
Unerhörtes hört sich nicht.

[ 42 ] Durch die symbolische Farbenwelt des Astralen hindurch nähert sich der Mensch, wenn er sich weiter hinaufentwickelt, der Welt der Sphärenharmonie, dem devachanischen Gebiet, dem, was geistige Musik ist. Nur leise, leise nach außen gehend, ertönt unserem Bruder Markus, als er das erste Tor, das Tor des Astralen, durchschritten hat, der Klang der innern Welt, die hinter unserer äußeren Welt ist, jener Welt, die umwandelt die niedere Welt des Astralischen in diejenige höhere Welt, die von dem Dreiklang durchflossen ist. Und indem wir zur höheren Welt hinaufkommen, wandelt sich des Menschen niedere Natur um in die höhere Dreiheit: es wandelt sich unser Astralleib in das Geistselbst, der Ätherleib in den Lebensgeist, der physische Leib in den Geistesmenschen.

[ 42 ] Durch die symbolische Farbenwelt des Astralen hindurch nähert sich der Mensch, wenn er sich weiter hinaufentwickelt, der Welt der Sphärenharmonie, dem devachanischen Gebiet, dem, was geistige Musik ist. Nur leise, leise nach außen gehend, ertönt unserem Bruder Markus, als er das erste Tor, das Tor des Astralen, durchschritten hat, der Klang der innern Welt, die hinter unserer äußeren Welt ist, jener Welt, die umwandelt die niedere Welt des Astralischen in diejenige höhere Welt, die von dem Dreiklang durchflossen ist. Und indem wir zur höheren Welt hinaufkommen, wandelt sich des Menschen niedere Natur um in die höhere Dreiheit: es wandelt sich unser Astralleib in das Geistselbst, der Ätherleib in den Lebensgeist, der physische Leib in den Geistesmenschen.

[ 43 ] Bruder Markus ahnt zunächst in der Sphärenmusik den Dreiklang der höheren Natur, und indem er eins wird mit dieser Sphärenmusik, geht ihm die erste Ahnung auf von der Verjüngung des Menschen, der mit den geistigen Welten in Verbindung tritt. Er sieht wie im Traum durch den Garten schweben die verjüngte Menschheit in der Form der drei Jünglinge, die drei Fackeln tragen. Das ist der Moment, wo die Seele des Markus am Morgen aufgewacht ist aus der Finsternis, und wo die Finsternis noch etwas da ist; das Licht hat sie noch nicht durchdrungen. Aber gerade in dieser Zeit kann die Seele hineinschauen in die geistige Welt. Sie kann hineinschauen in die geistigen Welten, wie sie hineinschauen kann, wenn der SommerMittag vergangen ist, wenn die Sonne immer schwächer wird und der Winter eingetreten ist, und dann in der Mitternacht durch die Erde hindurchscheint das Christus-Prinzip in der Weihenacht.

[ 43 ] Bruder Markus ahnt zunächst in der Sphärenmusik den Dreiklang der höheren Natur, und indem er eins wird mit dieser Sphärenmusik, geht ihm die erste Ahnung auf von der Verjüngung des Menschen, der mit den geistigen Welten in Verbindung tritt. Er sieht wie im Traum durch den Garten schweben die verjüngte Menschheit in der Form der drei Jünglinge, die drei Fackeln tragen. Das ist der Moment, wo die Seele des Markus am Morgen aufgewacht ist aus der Finsternis, und wo die Finsternis noch etwas da ist; das Licht hat sie noch nicht durchdrungen. Aber gerade in dieser Zeit kann die Seele hineinschauen in die geistige Welt. Sie kann hineinschauen in die geistigen Welten, wie sie hineinschauen kann, wenn der SommerMittag vergangen ist, wenn die Sonne immer schwächer wird und der Winter eingetreten ist, und dann in der Mitternacht durch die Erde hindurchscheint das Christus-Prinzip in der Weihenacht.

[ 44 ] Durch das Christus-Prinzip wird der Mensch hinaufgebracht zu der höheren Dreiheit, die dem Bruder Markus in den drei Jünglingen sich darstellt, welche die verjüngte Menschheit darstellen. Das ist das, was Goethe ausgedrückt hat in dem Spruch:

[ 44 ] Durch das Christus-Prinzip wird der Mensch hinaufgebracht zu der höheren Dreiheit, die dem Bruder Markus in den drei Jünglingen sich darstellt, welche die verjüngte Menschheit darstellen. Das ist das, was Goethe ausgedrückt hat in dem Spruch:

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

[ 45 ] Jedes Jahr aufs neue soll dem, der das esoterische Christentum versteht, die Weihenacht hindeuten darauf, daß das, was in der äußeren Welt geschieht, Mimik, Gebärde ist für inneres, geistiges Geschehen. Die äußere Kraft der Sonne lebt sich aus in der Frühlings- und Sommer-Sonne. In der Heiligen Schrift ist diese äußere Sonnenkraft, die nur Verkündigung ist der inneren, geistigen Kraft der Sonne, ausgedrückt im Johannes, dagegen die innere, geistige Kraft in dem Christus. Und indem die physische Kraft der Sonne immer mehr herabsinkt, steigt die geistige Kraft und wird immer stärker und stärker, bis sie um Weihnachten am stärksten ist. Dies liegt den Worten im Johannes-Evangelium zugrunde: Ich muß sinken, Er aber muß steigen. - Und Er steigt und steigt und erscheint da, wo die Sonnenkraft wiederum die äußere physische Kraft erlangt hart.

[ 45 ] Jedes Jahr aufs neue soll dem, der das esoterische Christentum versteht, die Weihenacht hindeuten darauf, daß das, was in der äußeren Welt geschieht, Mimik, Gebärde ist für inneres, geistiges Geschehen. Die äußere Kraft der Sonne lebt sich aus in der Frühlings- und Sommer-Sonne. In der Heiligen Schrift ist diese äußere Sonnenkraft, die nur Verkündigung ist der inneren, geistigen Kraft der Sonne, ausgedrückt im Johannes, dagegen die innere, geistige Kraft in dem Christus. Und indem die physische Kraft der Sonne immer mehr herabsinkt, steigt die geistige Kraft und wird immer stärker und stärker, bis sie um Weihnachten am stärksten ist. Dies liegt den Worten im Johannes-Evangelium zugrunde: Ich muß sinken, Er aber muß steigen. - Und Er steigt und steigt und erscheint da, wo die Sonnenkraft wiederum die äußere physische Kraft erlangt hart.

[ 46 ] Damit der Mensch in dieser äußeren, physischen Kraft nunmehr verehren, anbeten kann diese geistige Sonnenkraft, muß er erkennen lernen die Bedeutung des Weihnachtsfestes. Für den Menschen, der diese Bedeutung nicht erkennt, ist die neue Kraft der Sonne nichts anderes als wiederum die alte physische Kraft. Der aber, der sich mit den Impulsen bekannt gemacht hat, die das esoterische Christentum und gerade das Weihnachtsfest ihm geben soll, der wird in der wachsenden Kraft des Sonnenkörpers den äußeren Leib des inneren Christus sehen, der durch die Erde hindurchstrahlt, der sie belebt und befruchtet, so daß die Erde selbst der Träger der Christus-Kraft, des Erdgeistes wird. So wird uns dasjenige, was uns in jeder Weihnachtsnacht geboren wird, jedesmal aufs neue geboren. Der Christus wird uns im Innern den Mikrokosmos im Makrokosmos wahrnehmen lassen, und diese Wahrnehmung wird uns höher und höher hinaufleiten.

[ 46 ] Damit der Mensch in dieser äußeren, physischen Kraft nunmehr verehren, anbeten kann diese geistige Sonnenkraft, muß er erkennen lernen die Bedeutung des Weihnachtsfestes. Für den Menschen, der diese Bedeutung nicht erkennt, ist die neue Kraft der Sonne nichts anderes als wiederum die alte physische Kraft. Der aber, der sich mit den Impulsen bekannt gemacht hat, die das esoterische Christentum und gerade das Weihnachtsfest ihm geben soll, der wird in der wachsenden Kraft des Sonnenkörpers den äußeren Leib des inneren Christus sehen, der durch die Erde hindurchstrahlt, der sie belebt und befruchtet, so daß die Erde selbst der Träger der Christus-Kraft, des Erdgeistes wird. So wird uns dasjenige, was uns in jeder Weihnachtsnacht geboren wird, jedesmal aufs neue geboren. Der Christus wird uns im Innern den Mikrokosmos im Makrokosmos wahrnehmen lassen, und diese Wahrnehmung wird uns höher und höher hinaufleiten.

[ 47 ] Was lange schon den Menschen etwas Äußerliches geworden ist, die Feste, sie werden in ihrer tiefen Bedeutung wiederum erscheinen für den Menschen, wenn er durch diese tiefe Esoterik hingeführt wird zu dem Wissen, daß das, was außen in der Natur geschicht als Donner und Blitz, Sonnenaufgang und -untergang, Mondaufgang und -untergang, Geste und Physiognomie ist für geistiges Dasein. Und an den wichtigen Punkten, die in unseren Festen abgesteckt sind, soll der Mensch erkennen, daß dann auch in der geistigen Welt sich Bedeutsames abspielt. Dann wird er dadurch hingeleitet werden zu der verjüngenden geistigen Kraft, die uns in den drei Jünglingen angedeutet wird, die das Ich nur gewinnen kann in der Hingabe an die Außenwelt, nicht, indem es sich egoistisch vor ihr abschließt. Es gibt aber keine Hingabe an die Außenwelt, wenn die Außenwelt nicht vom Geist durchdrungen ist. Daß dieser Geist erscheinen soll jedes Jahr aufs neue, für alle Menschen, selbst für die Schwächsten, als Licht in der Finsternis, das soll jedes Jahr aufs neue den Menschen in Herz und Seele geschrieben werden.

[ 47 ] Was lange schon den Menschen etwas Äußerliches geworden ist, die Feste, sie werden in ihrer tiefen Bedeutung wiederum erscheinen für den Menschen, wenn er durch diese tiefe Esoterik hingeführt wird zu dem Wissen, daß das, was außen in der Natur geschicht als Donner und Blitz, Sonnenaufgang und -untergang, Mondaufgang und -untergang, Geste und Physiognomie ist für geistiges Dasein. Und an den wichtigen Punkten, die in unseren Festen abgesteckt sind, soll der Mensch erkennen, daß dann auch in der geistigen Welt sich Bedeutsames abspielt. Dann wird er dadurch hingeleitet werden zu der verjüngenden geistigen Kraft, die uns in den drei Jünglingen angedeutet wird, die das Ich nur gewinnen kann in der Hingabe an die Außenwelt, nicht, indem es sich egoistisch vor ihr abschließt. Es gibt aber keine Hingabe an die Außenwelt, wenn die Außenwelt nicht vom Geist durchdrungen ist. Daß dieser Geist erscheinen soll jedes Jahr aufs neue, für alle Menschen, selbst für die Schwächsten, als Licht in der Finsternis, das soll jedes Jahr aufs neue den Menschen in Herz und Seele geschrieben werden.

[ 48 ] Das wollte Goethe auch in diesem Gedicht «Die Geheimnisse» ausdrücken. Es ist ein Weihnachts- und zugleich ein ÖsterGedicht. Tiefe Geheimnisse des esoterischen Christentums will es andeuten. Wenn wir das, was Goethe hat andeuten wollen aus den tiefen Geheimnissen des rosenkreuzerischen Christentums, auf uns wirken lassen, wenn wir seine Kraft auch nur zum Teile in uns aufnehmen, dann werden wir wenigstens für einige in unserer Umgebung zu Missionaren werden; wir werden es erreichen, diese Feste wiederum zu etwas Geist- und Lebensvollem zu gestalten.

[ 48 ] Das wollte Goethe auch in diesem Gedicht «Die Geheimnisse» ausdrücken. Es ist ein Weihnachts- und zugleich ein ÖsterGedicht. Tiefe Geheimnisse des esoterischen Christentums will es andeuten. Wenn wir das, was Goethe hat andeuten wollen aus den tiefen Geheimnissen des rosenkreuzerischen Christentums, auf uns wirken lassen, wenn wir seine Kraft auch nur zum Teile in uns aufnehmen, dann werden wir wenigstens für einige in unserer Umgebung zu Missionaren werden; wir werden es erreichen, diese Feste wiederum zu etwas Geist- und Lebensvollem zu gestalten.

Nach kurzem Schlaf in einer stillen Zelle
Weckt unsern Freund ein dumpfer Glockenton.
Er rafft sich auf mit unverdroß’ner Schnelle,
Dem Ruf der Andacht folgt der Himmelssohn.
Geschwind bekleidet, eilt er nach der Schwelle,
Es eilt sein Herz voraus zur Kirche schon,
Gehorsam, ruhig, durch Gebet beflügelt;
Er klinkt am Schloß, und findet es verriegelt.

Und wie er horcht, so wird in gleichen Zeiten
Dreimal ein Schlag auf hohles Erz erneut,
Nicht Schlag der Uhr und auch nicht Glockenläuten,
Ein Flötenton mischt sich von Zeit zu Zeit;
Der Schall, der seltsam ist und schwer zu deuten,
Bewegt sich so, daß er das Herz erfreut,
Einladend ernst, als wenn sich mit Gesängen
Zufriedne Paare durcheinander schlängen.

Er eilt ans Fenster, dort vielleicht zu schauen,
Was ihn verwirrt und wunderbar ergreift;
Er sieht den Tag im fernen Osten grauen,
Den Horizont mit leichtem Duft gestreift.
Und - soll er wirklich seinen Augen trauen?
Ein seltsam Licht, das durch den Garten schweift:
Drei Jünglinge mit Fackeln in den Händen
Sieht er sich eilend durch die Gänge wenden.

Er sieht genau die weißen Kleider glänzen,
Die ihnen knapp und wohl am Leibe stehn,
Ihr lockig Haupt kann er mit Blumenkränzen,
Mit Rosen ihren Gurt umwunden sehn;
Es scheint, als kämen sie von nächt’gen Tänzen,
Von froher Mühe recht erquickt und schön.
Sie eilen nun und löschen, wie die Sterne,
Die Fackeln aus, und schwinden in die Ferne.

Nach kurzem Schlaf in einer stillen Zelle
Weckt unsern Freund ein dumpfer Glockenton.
Er rafft sich auf mit unverdroß’ner Schnelle,
Dem Ruf der Andacht folgt der Himmelssohn.
Geschwind bekleidet, eilt er nach der Schwelle,
Es eilt sein Herz voraus zur Kirche schon,
Gehorsam, ruhig, durch Gebet beflügelt;
Er klinkt am Schloß, und findet es verriegelt.

Und wie er horcht, so wird in gleichen Zeiten
Dreimal ein Schlag auf hohles Erz erneut,
Nicht Schlag der Uhr und auch nicht Glockenläuten,
Ein Flötenton mischt sich von Zeit zu Zeit;
Der Schall, der seltsam ist und schwer zu deuten,
Bewegt sich so, daß er das Herz erfreut,
Einladend ernst, als wenn sich mit Gesängen
Zufriedne Paare durcheinander schlängen.

Er eilt ans Fenster, dort vielleicht zu schauen,
Was ihn verwirrt und wunderbar ergreift;
Er sieht den Tag im fernen Osten grauen,
Den Horizont mit leichtem Duft gestreift.
Und - soll er wirklich seinen Augen trauen?
Ein seltsam Licht, das durch den Garten schweift:
Drei Jünglinge mit Fackeln in den Händen
Sieht er sich eilend durch die Gänge wenden.

Er sieht genau die weißen Kleider glänzen,
Die ihnen knapp und wohl am Leibe stehn,
Ihr lockig Haupt kann er mit Blumenkränzen,
Mit Rosen ihren Gurt umwunden sehn;
Es scheint, als kämen sie von nächt’gen Tänzen,
Von froher Mühe recht erquickt und schön.
Sie eilen nun und löschen, wie die Sterne,
Die Fackeln aus, und schwinden in die Ferne.